Ekzem: Risiken und Nutzen für Patienten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Ekzem ist eine entzündliche Hauterkrankung, die sich durch gerötete, juckende und trockene Haut äußert. Die häufigste Form ist das atopische Ekzem (auch Neurodermitis genannt). Die Haut reagiert empfindlich auf Reize und verliert zu viel Feuchtigkeit. Das führt zu Juckreiz und Hautentzündungen.
Wichtige Fakten
- Ekzeme sind nicht ansteckend.
- Sie verlaufen oft schubweise: Auf Phasen starker Entzündung folgen ruhigere Zeiten.
- Eine regelmäßige Hautpflege kann Entzündungen lindern und Schübe reduzieren.
- Die Behandlung kombiniert Hautpflege, entzündungshemmende Cremes und das Meiden von Auslösern.
Ja. Ekzeme, insbesondere das atopische Ekzem, gehören zu den häufigsten Hauterkrankungen in Deutschland. Schätzungsweise sind etwa 10–20 % der Kinder und 2–5 % der Erwachsenen betroffen.
Ekzeme können in jedem Alter auftreten. Am häufigsten beginnen sie im Säuglings- oder Kindesalter. Erwachsene können ebenfalls betroffen sein, oft mit trockenerer Haut und anderen betroffenen Körperstellen. Auch Menschen mit Allergien, Asthma oder familiärer Vorbelastung haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Bei einem dieser Warnzeichen sofort den Rettungsdienst unter 112 rufen:
- Plötzliche Ausbreitung großflächiger Blasen oder Hautablösung
- Atemnot oder Schwellung von Lippen, Zunge oder Gesicht in Verbindung mit einem Ekzemschub
- Hohes Fieber zusammen mit schweren Hautveränderungen
- ⚠Nässende, schmerzhafte Hautstellen mit Anzeichen einer bakteriellen Infektion (z. B. Wärme, Eiter, rote Streifen)
- ⚠Schwere Schübe, die trotz Hautpflege und ärztlicher Behandlung weiter zunehmen
- ⚠Starker Juckreiz, der Schlaf und Alltag erheblich stört
Häufige Symptome
- Starker Juckreiz
- Rötliche, trockene Hautstellen
- Feine Schuppung oder kleine Bläschen
- Durch Kratzen kann die Haut nässen und Krusten bilden
- Verdickte und vergröberte Haut an häufig betroffenen Stellen
Symptome bei Kindern
- Bei Säuglingen: Hautausschlag an den Wangen, am Kopf und an den Beugefalten.
- Bei älteren Kindern: Knötchen und Flecken an Ellenbogen, Kniekehlen und Handgelenken.
- Unruhe und Weinen wegen starkem Juckreiz.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Eher trockene Haut und schmerzhafte Risse (sogenannte Rhagaden) an Händen und Füßen.
- Betroffen sind oft Gesicht, Hals sowie die Streckseiten der Arme.
- Die Haut ist dünner und anfälliger für Infektionen.
Ursachen
Hauptursachen
- Gestörte Hautbarriere: Die oberste Hautschicht kann zu wenig Feuchtigkeit speichern und schützt schlechter vor Reizstoffen.
- Überreaktion des Immunsystems: Das Immunsystem reagiert auf harmlose Reize mit Entzündungen.
- Auslöser: Reizstoffe, Stress, trockene Luft, Schwitzen, bestimmte Textilien oder bei manchen Menschen auch Allergene.
Risikofaktoren
- Genetische Vorbelastung (z. B. Eltern oder Geschwister mit Neurodermitis, Asthma oder Heuschnupfen)
- Trockene oder empfindliche Haut
- Klimatisierte oder stark beheizte Räume
- Häufiger Kontakt mit parfumhaltigen oder stark waschaktiven Produkten
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn plötzlich großflächige Hautablösung, Blasen oder Fieber auftreten.
- Wenn sich Anzeichen einer Hautinfektion zeigen, wie Eiter, starke Rötung oder Wärme.
- Wenn der Juckreiz unerträglich wird und die Haut durch Kratzen stark geschädigt ist.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn ein Ekzem zum ersten Mal auftritt oder immer wiederkehrt.
- Wenn einfache Hautpflege mit Feuchtigkeitscremes über 2–3 Wochen keine Besserung bringt.
- Wenn Schübe Schlaf, Alltag oder die Psyche erheblich beeinträchtigen.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch eine körperliche Untersuchung gestellt. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Symptomen, Ihrer Krankengeschichte und eventuellen Allergien.
Mögliche Untersuchungen
- Allergietest (Pricktest) zur Abklärung von Inhalationsallergien
- Epikutantest (Patch-Test) zur Unterscheidung von Kontaktallergien
- Hautabstrich bei Verdacht auf eine Infektion
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert meist nur wenige Minuten. Die Ärztin oder der Arzt wird die Haut ansehen, gezielt nachfragen und bei Bedarf eine Spezialistin oder einen Spezialisten aus der Hautarztpraxis einschalten.
Behandlung
Die Behandlung eines Ekzems richtet sich nach Schweregrad und Verlauf. Grundlage ist eine konsequente Hautpflege, die die Hautbarriere stärkt und Trockenheit verhindert.
Selbsthilfe zu Hause
- Tägliches Eincremen mit einer reichhaltigen, parfumfreien Feuchtigkeitspflege – am besten direkt nach dem Waschen.
- Kurze, lauwarme Duschen mit milden, duftstofffreien Waschlotionen.
- Kratzen vermeiden – etwa mit kühlenden Umschlägen oder durch das Abdecken der betroffenen Haut.
- Lose, luftige Kleidung aus Baumwolle statt Wolle oder synthetischen Fasern.
- Stress reduzieren, zum Beispiel durch Entspannungsübungen oder ausreichend Ruhepausen.
Medizinische Behandlungen
Die ärztliche Behandlung umfasst entzündungshemmende Cremes oder Salben für die betroffenen Hautstellen und bei Bedarf allergiehemmende Medikamente zum Einnehmen. Bei schweren oder dauerhaften Ekzemen können Lichttherapie oder spezielle entzündungshemmende Arzneimittel eingesetzt werden. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird die passende Behandlung auswählen und eng begleiten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Ekzemen in der Regel nicht erforderlich. Nur wenn sich unter einer infizierten Hautstelle ein Abszess bildet, kann ein kleiner Eingriff notwendig sein, um den Eiter zu entlasten.
Leben mit der Erkrankung
Ein Ekzem braucht eine feste Routine aus Hautpflege, Beobachtung der Haut und Anpassung an die Umgebung. Nach einiger Zeit spüren viele Menschen genau, welche Pflege guttut und welche Reize sie meiden. Diese Erfahrung gibt Sicherheit und Selbstvertrauen im Alltag.
Tipps für den Alltag
- Feuchtigkeitspflege auch in schubfreien Zeiten regelmäßig anwenden.
- Heißes und langes Duschen vermeiden, die Haut nur trocken tupfen.
- Parfumfreie oder für empfindliche Haut geeignete Pflege- und Waschprodukte wählen.
- Trockene Heizungsluft im Winter ausgleichen, zum Beispiel mit einem Luftbefeuchter.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine allgemeingültige Diät, die Ekzeme heilt. Manche Menschen bemerken, dass bestimmte Lebensmittel ihre Hautreaktionen beeinflussen – das ist individuell. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie dauerhaft Nahrungsmittel weglassen. Sport und Bewegung sind möglich und sinnvoll. Vermeiden Sie Überhitzung, duschen Sie nach dem Training lauwarm und cremen Sie die Haut anschließend ein.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Sichtbare Hautveränderungen und starker Juckreiz können schambesetzt sein und psychisch belasten. Es ist völlig normal, sich deshalb gestresst oder unsicher zu fühlen. Eine gute Behandlung der Haut bessert aber meist auch das seelische Wohlbefinden. Wenn die Belastung groß wird, kann psychologische Beratung oder eine Selbsthilfegruppe helfen.
Vorbeugung
Ein Ekzem lässt sich nicht grundsätzlich verhindern, weil die Anlage oft erblich ist. Aber eine konsequente Hautpflege, das Meiden persönlicher Auslöser und eine frühzeitige Behandlung können Schübe deutlich mildern und die Haut länger ruhig halten.
Impfungen
Impfen ist auch bei Ekzem wichtig und in der Regel sicher. Sprechen Sie vor der Impfung kurz mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, falls die Haut gerade sehr akut entzündet ist oder besondere Umstände vorliegen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine allgemeine Früherkennungsuntersuchung für Ekzeme. Eine hautfachärztliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn Hautbeschwerden wiederkehren oder nicht abheilen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bakterielle oder virale Hautinfektionen durch offene Hautstellen und Kratzen.
- Schlafstörungen und damit verbundene Tagesmüdigkeit und Konzentrationsprobleme.
- Verdickte, lederartige Haut an chronisch befallenen Stellen (sogenannte Lichenifikation).
- Psychische Belastungen wie Schamgefühle, sozialer Rückzug oder Angst vor dem nächsten Schub.
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung führen die meisten Menschen mit Ekzemen ein aktives und erfülltes Leben. Gerade bei Kindern bessert sich die Haut mit der Zeit oft deutlich. Auch wenn das Ekzem nicht immer vollständig verschwindet: Längere beschwerdefreie Phasen sind gut erreichbar, und eine gute Pflege macht einen großen Unterschied.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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