Fruchtbarkeit erhalten – trotz Krankheit und Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Fruchtbarkeit bedeutet, ein Kind bekommen zu können. Manche Krankheiten oder Behandlungen können diese Fähigkeit beeinträchtigen. Gleichzeitig gibt es heute gute Möglichkeiten, die Fruchtbarkeit zu schützen oder zu erhalten.
Wichtige Fakten
- Nicht jede Behandlung schadet der Fruchtbarkeit – das hängt von Art, Dauer und Stärke ab.
- Werden Fruchtbarkeitsrisiken früh besprochen, bleiben mehr Optionen.
- Es gibt Methoden wie das Einfrieren von Eizellen oder Embryonen, diese sollten vor manchen Behandlungen erwogen werden.
Das Thema betrifft viele Menschen: Etwa jede sechste Frau oder Person mit Gebärmutter beschäftigt sich im Leben mit Fruchtbarkeitsfragen – vor allem vor größeren Behandlungen wie einer Krebstherapie.
Es betrifft vor allem Menschen in der geschlechtsreifen Lebensphase, also etwa zwischen dem jungen Erwachsenenalter und Ende 40. Aber auch jüngere Jugendliche und ältere Erwachsene können betroffen sein, etwa wenn eine Krankheit die Fruchtbarkeit einschränkt.
Symptome
- Plötzlich auftretende, sehr starke Schmerzen im Unterbauch oder Becken
- Sehr starke Blutungen, die in kurzer Zeit mehrere Binden/ Tampons durchtränken
- Unerträgliche Schmerzen in Verbindung mit Fieber oder Schüttelfrost
- ⚠Neu aufgetretene, ungeklärte, starke Regelblutung
- ⚠Anhaltende Übelkeit, Erbrechen oder Ohnmacht mit Unterleibsschmerzen
- ⚠Schmerzen oder Blutungen nach einem ärztlichen Fruchtbarkeitseingriff
Häufige Symptome
- Unregelmäßiger Menstruationszyklus
- Ausbleiben der Monatsblutung über mehrere Monate
- Starke oder sehr schmerzhafte Regelblutung
- Schwierigkeiten, schwanger zu werden – obwohl sich das Paar seit über einem Jahr keine Verhütung nutzt
Symptome bei Kindern
- Bei Mädchen können unregelmäßige oder ausbleibende Perioden vorkommen, etwa nach einer Krebserkrankung.
- Manchmal gibt es keine Anzeichen – erst beim Versuch, schwanger zu werden, zeigt sich ein Problem.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit zunehmendem Alter lässt die Fruchtbarkeit langsamer nach – besonders nach etwa 35 Jahren.
- Unregelmäßiger Zyklus in den Wechseljahren ist normal, nicht unbedingt ein Fruchtbarkeitsproblem.
Ursachen
Hauptursachen
- Behandlungen wie Chemotherapie, Strahlentherapie oder Operationen an den Geschlechtsorganen
- Erkrankungen wie Endometriose, Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) oder Schilddrüsenprobleme
- Zunehmendes Alter – die natürliche Fruchtbarkeit nimmt mit den Jahren ab
- Genetische Besonderheiten oder Autoimmunerkrankungen
- Lebensstilfaktoren wie Rauchen, starker Alkoholkonsum oder extremes Unter- oder Übergewicht
Risikofaktoren
- Eine Krebserkrankung im fortpflanzungsfähigen Alter
- Operationen an Eierstöcken, Gebärmutter oder Eileitern
- Frühe Wechseljahre in der Familie
- Rauchen – verringert die Chance auf eine Schwangerschaft
- Übermäßiger Sport oder Essstörungen, die den Zyklus stören
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie bereits in Fruchtbarkeitsbehandlung sind und plötzliche starke Schmerzen oder Fieber bekommen.
- Wenn nach einer Behandlung ungewöhnliche Blutungen auftreten.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie ein Jahr lang (oder ab 35 Jahren sechs Monate lang) ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten, ohne schwanger zu werden.
- Wenn Ihr Zyklus sehr unregelmäßig ist oder Ihre Periode über Monate ausbleibt.
- Vor einer geplanten Therapie, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen könnte – sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Behandlungsteam.
Diagnose
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt spricht zuerst ausführlich mit Ihnen über Ihre Krankengeschichte und Ihre Wünsche. Danach können verschiedene Untersuchungen Aufschluss über Ihre Fruchtbarkeit geben.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchungen zur Bestimmung bestimmter Hormonwerte
- Ultraschall der Eierstöcke und Gebärmutter
- Test, der die Eierstockreserve misst – also wie viele Eizellen voraussichtlich noch vorhanden sind
- Bei Frauen durchgeführte Untersuchung der Eileiter und Gebärmutterhöhle
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzarm und ambulant möglich. Sie erhalten danach eine verständliche Erklärung der Ergebnisse und können in Ruhe besprechen, was das für Sie bedeutet – auch im Hinblick auf einen möglichen Kinderwunsch.
Behandlung
Eine „Behandlung“ bei Fruchtbarkeitsrisiken bedeutet vor allem: Die Fruchtbarkeit so gut wie möglich schützen oder erhalten. Dafür gibt es verschiedene Strategien, die genau zu Ihrer Situation passen sollten.
Selbsthilfe zu Hause
- Informieren Sie sich frühzeitig über Ihre Fruchtbarkeitsoptionen – am besten geschieht das vor einer Krebstherapie oder Operation.
- Sprechen Sie offen mit Ihrem Partner, Ihrer Familie und Ihrem Medizinteam über Ihre Wünsche.
- Nehmen Sie sich Zeit für Entscheidungen – eine Beratung kann helfen, ohne Druck.
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkohol, wenn Sie eine Schwangerschaft planen.
Medizinische Behandlungen
Es gibt etablierte Verfahren, um Fruchtbarkeit zu erhalten. Dazu gehören das Einfrieren von Eizellen oder befruchteten Eizellen (Embryonen) und gegebenenfalls das Einfrieren von entnommenem Eierstockgewebe. Auch eine Hormontherapie kann im Einzelfall helfen. Welche Methode infrage kommt, hängt von Ihrer Erkrankung, Ihrem Alter und Ihrer persönlichen Situation ab. Ihr medizinisches Team wird Ihnen die Möglichkeiten verständlich erklären und Sie unterstützen. Kein Verfahren ist ohne Risiko – die Beratung ist daher entscheidend.
Wann kommt eine Operation infrage?
Manchmal kann eine Operation dazu beitragen, die Fruchtbarkeit zu erhalten – etwa wenn eine Zyste oder eine gutartige Wucherung rechtzeitig entfernt wird. In manchen Fällen ist es aber auch nötig, Organe wie Eierstöcke oder Gebärmutter teilweise zu entfernen, um eine lebensbedrohliche Krankheit zu behandeln. Die Entscheidung über eine Operation wird immer mit Ihnen gemeinsam getroffen – nach ausführlicher Beratung über mögliche Folgen für die Fruchtbarkeit.
Leben mit der Erkrankung
Für Menschen mit eingeschränkter Fruchtbarkeit bedeutet das oft: ein ständiger Begleiter. Es ist wichtig, dass Sie sich nicht allein fühlen. Planen Sie den Alltag mit Pausen und Raum für Gefühle. Es darf auch Tage geben, an denen Sie nicht an das Thema denken möchten.
Tipps für den Alltag
- Bewegung tut gut, aber übertreiben Sie es nicht – vor allem bei Zyklusstörungen.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Entspannung.
- Finden Sie ein Gleichgewicht zwischen Arbeit, Terminen und Aktivitäten, die Freude machen.
- Tauschen Sie sich mit Menschen aus, die Ähnliches erlebt haben – das entlastet.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und vollwertigen Kohlenhydraten unterstützt Ihren Körper. Regelmäßige, moderate Bewegung – wie zügiges Gehen oder Schwimmen – kann das Wohlbefinden fördern. Extreme Diäten oder exzessiver Sport sind nicht hilfreich, wenn Sie sich eine Schwangerschaft wünschen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Das Thema Fruchtbarkeit belastet häufig emotional. Traurigkeit, Angst oder Unsicherheit sind normal. Sprechen Sie darüber – mit Ihrem Umfeld oder professionell. In vielen Städten gibt es psychologische Beratungsangebote für Menschen mit Fruchtbarkeitsproblemen. Sie müssen mit diesen Gefühlen nicht allein bleiben.
Vorbeugung
Nicht jede Fruchtbarkeitsstörung ist vorbeugend möglich. Aber Sie können einiges tun: Vermeiden Sie Rauchen, halten Sie ein gesundes Körpergewicht, reduzieren Sie Stress und lassen Sie Ihren Zyklus bei Auffälligkeiten frühzeitig abklären. Vor allem: Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, bevor eine Therapie startet – der richtige Zeitpunkt für den Fruchtbarkeitserhalt ist meistens vor der Behandlung.
Impfungen
Manche Infektionen können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. So schützt die HPV-Impfung vor bestimmten Krebserkrankungen im Genitalbereich. Auch andere Impfungen – etwa gegen Röteln – können dazu beitragen, Fruchtbarkeitsprobleme und Komplikationen in der Schwangerschaft zu vermeiden. Lassen Sie sich hierzu von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine generelle Fruchtbarkeits-Screening-Untersuchung. Aber Frauen mit Risikofaktoren, wie einer Krebserkrankung in der Vergangenheit, können frühzeitig ihre „Eierstockreserve“ bestimmen lassen. Frauen ab Ende 20 oder Anfang 30, die sich den Kinderwunsch offen halten möchten, können eine Fruchtbarkeitsberatung in Anspruch nehmen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne rechtzeitige Beratung kann eine medizinische Behandlung die Fruchtbarkeit stark verringern – ohne dass eine Möglichkeit zum Erhalt genutzt wurde.
- Unbehandelte Grunderkrankungen wie Endometriose oder Hormonstörungen können die Fruchtbarkeit im Laufe der Zeit weiter einschränken.
- Das Risiko von Folgeerkrankungen (zum Beispiel Osteoporose bei frühen Wechseljahren) kann steigen.
Langzeitprognose
Auch wenn die Prognose stark von der Grunderkrankung abhängt: Es gibt viele erfolgreiche Wege zur eigenen oder abstammenden Familie. Und die medizinische Forschung hilft immer besser, Fruchtbarkeit zu erhalten. Sie werden nicht allein gelassen – es gibt gute Spezialistinnen und Spezialisten, die Sie auf diesem Weg begleiten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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