Wachstumshormon-Test beim Kind: So gelingt der Tag des Tests
Übersicht
Der Wachstumshormon-Test (Fachleute nennen ihn Wachstumshormon-Stimulationstest) ist eine Untersuchung in der Klinik. Er zeigt, ob die Hirnanhangdrüse Ihres Kindes genug Wachstumshormon produziert. Wachstumshormon ist wie ein Bote, der dem Körper sagt: 'Bitte mach weiter mit dem Wachsen.' Der Test dauert nur wenige Stunden und Ihr Kind geht danach wieder nach Hause.
Wichtige Fakten
- Der Test wird meist morgens gemacht, damit die Werte vergleichbar sind.
- Ihr Kind darf vorher mindestens 8 Stunden nichts essen, aber klares Wasser ist erlaubt.
- Es werden mehrere Blutproben aus einem Venenzugang entnommen.
- Nach dem Test kann Ihr Kind sofort normal essen und spielen.
Der Test gehört nicht zur normalen Vorsorge. Er wird nur veranlasst, wenn der Kinderarzt oder die Ärztin einen konkreten Verdacht auf eine Wachstumsstörung hat.
Meistens sind Kinder und Jugendliche betroffen, die sehr klein sind (unterhalb der 3. Perzentile) oder deren Wachstum deutlich langsamer geworden ist.
Symptome
- Plötzliche Atemnot, pfeifende oder geräuschvolle Atmung
- Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Hals
- Bewusstlosigkeit oder ungewöhnliche Verwirrtheit
- Krampfanfall
- ⚠Fieber über 38 °C in den ersten 12 Stunden nach dem Test
- ⚠Zunehmende Rötung, Schmerzen oder Schwellung an der Einstichstelle
- ⚠Wiederholtes Erbrechen
- ⚠Das Kind ist auffallend teilnahmslos oder weinerlich ohne erkennbaren Grund
Häufige Symptome
- Kleinwuchs: Die Körpergröße liegt unterhalb der 3. Perzentile.
- Das Knochenalter ist deutlich niedriger als das tatsächliche Alter.
- Die Wachstumsgeschwindigkeit ist über zwei Jahre rückläufig.
- Das Gesicht wirkt häufig jünger, als das Kind tatsächlich ist.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern zeigen sich die gleichen Zeichen wie in der Liste oben. Zusätzlich können manche Kinder einen niedrigen Blutzucker haben, der sich durch Müdigkeit, Schwitzen oder Zittrigkeit äußert.
- Oft fällt der Kleinwuchs erst im Vergleich zu Klassenkameraden auf.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei Erwachsenen wird ein Wachstumshormonmangel seltener getestet. Wenn doch, dann häufig, wenn die Knochendichte abnimmt oder die Muskeln schwächer werden. Die für Kinder typischen Wachstumszeichen fallen natürlich weg.
Ursachen
Hauptursachen
- Verdacht auf Wachstumshormonmangel durch eine Unterfunktion der Hirnanhangdrüse
- Schädigung der Hirnanhangdrüse durch Operation, Strahlentherapie oder Unfall im Kopfbereich
- Angeborene anatomische Besonderheiten im Gehirn
- Chronische Erkrankungen wie Nierenprobleme oder Magen-Darm-Erkrankungen, die das Wachstum hemmen
Risikofaktoren
- Frühgeburt oder niedriges Geburtsgewicht
- Mangelernährung in den ersten Lebensjahren
- Bestrahlung des Kopfes (zum Beispiel bei einem früheren Tumorleiden)
- Eltern oder Geschwister sind ebenfalls kleinwüchsig – das kann erblich sein
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Ihr Kind über Monate hinweg nicht mehr wächst und Sie beim Messen feststellen, dass es keine neue Größe erreicht.
- Bei plötzlich auftretendem Kleinwuchs mit Kopfschmerzen, Erbrechen oder Sehproblemen – das kann auf eine erhöhte Drucklage im Gehirn hinweisen. Dann sollten Sie noch am selben Tag eine Ärztin oder ein Arzt aufsuchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Ihr Kind bei einer U-Untersuchung vom Perzentilenkanal abweicht, besprechen Sie es bei der nächsten Vorsorge. Das ist kein Notfall, aber Sie sollten es nicht verschieben.
Diagnose
Zuerst wird die Körpergröße regelmäßig gemessen und auf einer Wachstumskurve eingetragen. Zusätzlich wird eventuell ein Röntgenbild der Hand angefertigt, um das Knochenalter zu bestimmen. Erst wenn alle Hinweise zusammenpassen, wird der Wachstumshormon-Test in der Klinik durchgeführt.
Mögliche Untersuchungen
- Wachstumskurve: wiederholte Messungen von Größe und Gewicht
- Handröntgen: bestimmt das Knochenalter
- Blutentnahme: Messung von IGF-1 und IGFBP-3 als Basiswerte
- Wachstumshormon-Stimulationstest: mehrere Blutproben nach einem Stimulationsreiz
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Kind liegt auf einer Liege oder sitzt bequem. Eine vertraute Person darf dabei sein. Nach einer Blutentnahme wird über den Venenzugang ein Medikament gegeben. Danach folgen mehrere Blutentnahmen in festen Abständen. Manchmal gibt es eine kurze Übelkeit oder ein Wärmegefühl – das ist normal und klingt schnell wieder ab.
Behandlung
Der Wachstumshormon-Test selbst ist keine Behandlung, sondern eine Diagnostik. Wenn das Ergebnis auffällig ist, besprechen die Spezialistinnen und Spezialisten die nächsten Schritte. Eine Hormontherapie ist dann eine Option unter mehreren – sie wird nicht jeden Tag, sondern meist abends verabreicht.
Selbsthilfe zu Hause
- Geben Sie Ihrem Kind zwei ruhige Tage vor dem Test, damit es gut ausgeschlafen ist.
- Bringen Sie ein Lieblingsbuch, Kopfhörer oder eine Decke mit, um Wartezeiten angenehmer zu machen.
- Am Vorabend auf schwere, fettige Speisen verzichten, damit der Magen nicht belastet ist.
- Nach dem Test: Erst einige Minuten ausruhen, dann etwas Leichtes essen und trinken.
Medizinische Behandlungen
Fällt der Test auffällig aus, wird individuell entschieden, welche Therapie sinnvoll ist. Eine Möglichkeit ist die Gabe von Wachstumshormon per Injektionsstift. Die Dosis wird vom Körpergewicht berechnet und an die Laborwerte angepasst. Es gibt auch Zusatztherapien bei Begleiterkrankungen. Alle Entscheidungen treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur nötig, wenn eine strukturelle Ursache im Gehirn vorliegt, zum Beispiel ein Tumor. Das wird vorher sehr genau mit bildgebenden Verfahren abgeklärt.
Leben mit der Erkrankung
Wenn Ihr Kind ein Wachstumshormon-Defizit hat, ist der Alltag trotzdem normal. Die Injektion wird meist abends verabreicht und dauert nur eine Minute. Erklären Sie Ihrem Kind in einfachen Worten, warum es wichtig ist, und loben Sie es nach jeder Spritze.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßiger Schlaf hat einen positiven Effekt auf das Wachstumshormon.
- Tägliche Bewegung, am besten im Freien, fördert das Wohlbefinden.
- Stress vermeiden: Ein entspanntes Familienklima hilft bei jedem Therapieplan.
- Alle 3 bis 6 Monate die Größe messen und in die Wachstumskurve eintragen.
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkorn und Milchprodukten. Eiweiß ist besonders wichtig, etwa aus Hülsenfrüchten, Fleisch oder Ei. Bewegung wie Radfahren, Schwimmen oder Klettern stärkt Knochen und Muskeln – genau das braucht Ihr Kind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Wachstumsstörung kann belasten – gerade weil Kinder auf Größe reduziert werden. Suchen Sie sich Verbündete, zum Beispiel im Freundeskreis oder in einer Selbsthilfegruppe. Ihr Kind braucht Zuwendung und Bestätigung, nicht nur Therapie. Bei anhaltender Angst hilft eine Kinderpsychologin oder ein Kinderpsychologe.
Vorbeugung
Eine angeborene Wachstumshormonstörung lässt sich nicht verhindern. Wichtig ist, frühzeitig zu erkennen, wenn das Wachstum nachlässt. Nur so kann rechtzeitig gegengesteuert werden. Dazu helfen die regelmäßigen U-Untersuchungen.
Impfungen
Der reguläre Impfkalender in Deutschland schützt Ihr Kind vor schweren Infektionskrankheiten, die den Körper stark belasten können. So kann auch das Wachstum ungestört verlaufen.
Früherkennungsprogramme
Das Screening auf Wachstumsauffälligkeiten sind die U-Untersuchungen und die Schuleingangsuntersuchung. Zusätzlich misst der Kinderarzt bei jedem Termin Größe und Gewicht.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Endgröße bleibt unterhalb der normalen Spannbreite (Kleinwuchs).
- Die Knochendichte kann abnehmen, dadurch steigt das Bruchrisiko.
- Die Pubertät tritt verzögert ein.
- Menschen mit unbehandeltem Wachstumshormonmangel fühlen sich oft antriebslos und haben ein höheres Herz-Kreislauf-Risiko.
Langzeitprognose
Bleiben Sie zuversichtlich. Mit moderner Diagnostik und Behandlung erreichen die meisten Kinder eine Endgröße im unteren Normalbereich oder etwas darüber. Wichtig ist, dass die Therapie früh beginnt und regelmäßig überprüft wird. Die Beziehung zu Ihrem Kind und seine Lebensfreude sind mindestens genauso wichtig wie die Zentimeter.
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Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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