Brust mit Fieber: Was kann das sein?
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Brust mit Fieber bedeutet, dass die Brust schmerzt, gerötet, geschwollen oder warm ist und gleichzeitig eine erhöhte Körpertemperatur (Fieber) besteht. Das ist häufig ein Zeichen einer Entzündung, meist einer Brustentzündung (auch Mastitis genannt). Diese tritt besonders häufig bei stillenden Frauen auf, kann aber auch ohne Stillen vorkommen.
Wichtige Fakten
- Eine Brustentzündung ist meist harmlos und gut behandelbar.
- Sie entsteht oft durch einen verstopften Milchgang oder eine Infektion.
- Weiterstillen oder Abpumpen ist bei einer entzündeten Brust in der Regel erlaubt und sogar wichtig.
- Bei Fieber und Brustbeschwerden ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
- Mit der richtigen Behandlung klingen die Beschwerden meist innerhalb weniger Tage ab.
Ja, in Deutschland ist die Brustentzündung relativ häufig. Betroffen sind vor allem stillende Frauen – etwa jede zehnte Frau hat im ersten Jahr nach der Geburt eine Mastitis. Aber auch nicht-stillende Frauen können eine Brustentzündung bekommen, dann jedoch seltener.
In erster Linie betrifft die Erkrankung Frauen während der Stillzeit, besonders in den ersten Wochen nach der Geburt. Aber auch Frauen, die nicht stillen, Männer und sogar Kinder können eine Brustentzündung bekommen – zum Beispiel durch eine Infektion oder eine Verletzung. Bei nicht-stillenden Frauen sollte eine Brustentzündung immer ärztlich abgeklärt werden.
Symptome
- Hohes Fieber über 39 Grad Celsius, das rasch ansteigt
- Schüttelfrost, Verwirrtheit oder Ohnmacht
- Schnelle Ausbreitung der Rötung auf einen großen Teil der Brust oder die Brustwand
- Starke Schmerzen oder eine sehr geschwollene, glänzende Brust
- Atemnot oder das Gefühl schwer krank zu sein
- Knoten mit Fieber, der nicht weicht und mit Eiterung einhergeht
- ⚠Fieber mit schmerzhafter, geröteter Brust – auch ohne Stillen
- ⚠Verschlechterung der Symptome nach 24 Stunden Hausbehandlung
- ⚠Rötung, die sich ausbreitet
- ⚠Grippeähnliche Symptome mit Brustschmerzen
- ⚠Brustentzündung bei einem nicht-stillenden oder älteren Menschen
Häufige Symptome
- Rötung und Wärmegefühl in einem Bereich der Brust
- Schwellung oder Verhärtung in der Brust
- Schmerzen oder Brennen in der Brust
- Fieber, manchmal mit Schüttelfrost
- Allgemeines Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit
- Müdigkeit oder grippeähnliche Symptome
Symptome bei Kindern
- Bei einem Kind mit Brustschwellung und Fieber ist es wichtig, sofort eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt zu kontaktieren.
- Mögliche Anzeichen sind eine gerötete, geschwollene oder druckempfindliche Brust sowie Fieber.
- Seltener, aber möglich: Eine Infektion der Brustdrüse bei Neugeborenen (sogenannte Säuglingsmastitis), die behandelt werden muss.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Auch bei älteren Frauen kann eine Brustentzündung auftreten, zum Beispiel im Rahmen einer Entzündung der Brustdrüsen (Mastitis), allerdings seltener.
- Die Beschwerden ähneln denen bei jüngeren Frauen: Rötung, Schwellung, Schmerz und Fieber.
- Bei älteren Menschen sollte eine Brustentzündung immer rasch medizinisch abgeklärt werden, da andere Ursachen wie eine entzündliche Brustkrebsform möglich sind.
- Eine verzögerte Behandlung kann zu Abszessen oder einer allgemeinen Infektion (Sepsis) führen.
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien, die durch kleine Risse oder Verletzungen der Brustwarze in die Brust gelangen
- Milchstau: Wenn die Milch nicht abfließt, staut sie sich und verursacht eine Entzündungsreaktion.
- Verstopfter Milchgang, zum Beispiel durch falsche Anlegetechnik beim Stillen
- Seltener: Verletzungen, Operationen oder Fremdkörper im Bereich der Brust
Risikofaktoren
- Stillen – insbesondere in den ersten Wochen nach der Geburt
- Schmerzhafte oder rissige Brustwarzen
- Unregelmäßiges Stillen oder zu langes Stillintervall
- Enge oder drückende Kleidung oder ein schlecht sitzender BH
- Geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel bei Diabetes oder chronischen Erkrankungen
- Rauchen, da dies die Durchblutung und Heilung beeinträchtigen kann
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Fieber über 38,5 Grad Celsius oder wenn Sie sich sehr krank fühlen
- Wenn die Brust stark schmerzt, stark rot und geschwollen ist
- Wenn die Rötung sich ausbreitet oder Fieber nach Einnahme von schmerzlindernden Mitteln (wie Paracetamol oder Ibuprofen) nicht sinkt – bitte nur in Absprache mit medizinischem Fachpersonal anwenden
- Wenn Sie nicht stillen und trotzdem eine gerötete, schmerzende Brust mit Fieber haben
- Wenn ein Knoten oder ein Abszess in der Brust tastbar ist
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie stillen und leichte Beschwerden bestehen, die nach 24 Stunden nicht besser werden
- Bei anhaltenden Schmerzen oder einem Spannungsgefühl in der Brust über mehrere Tage
- Wenn Sie unsicher sind, ob es sich um eine Brustentzündung handelt
- Zur Kontrolle, wenn die Entzündung öfter auftritt (wiederkehrende Mastitis)
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose meistens durch ein Gespräch und die körperliche Untersuchung der Brust. Dabei werden Rötung, Schwellung, Schmerzhaftigkeit und Temperatur beurteilt. Oft reicht das aus, um eine Mastitis zu erkennen. Gelegentlich wird zusätzlich der Muttermilch-Abstrich oder eine Ultraschalluntersuchung veranlasst.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung und Abtasten der Brust
- Ultraschall der Brust (Mammasonografie) zum Ausschluss eines Abszesses
- Milch- oder Sekret-Probe zur Untersuchung auf Bakterien, falls die Entzündung schwer verläuft oder häufig wiederkehrt
- Bluttest bei schweren Verläufen oder hohem Fieber
- Bildgebung (z. B. Mammographie) nur bei unklaren Befunden oder nach den Wechseljahren, um andere Ursachen auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Sie müssen vorher nichts Besonderes beachten. Die Ärztin oder der Arzt wird Ihnen erklären, wie die Entzündung behandelt wird und ob Sie weiter stillen können. Bei einer bakteriellen Entzündung kann Ihnen ein Antibiotikum verschrieben werden – das ist dann gut verträglich und auch beim Stillen erlaubt. Wichtig ist, das Medikament genau nach Anweisung einzunehmen.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, die Entzündung zu lindern, den Milchfluss zu fördern und eine Infektion zu beseitigen. Bei einer einfachen Mastitis reichen oft schon häufiges Anlegen oder Abpumpen sowie körperliche Maßnahmen aus. Ärztlich verordnete Antibiotika können notwendig sein, wenn Bakterien die Ursache sind. Schmerzmittel können Beschwerden lindern, sollten aber immer in Absprache mit einem Arzt oder einer Hebamme eingenommen werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Legen Sie Ihr Baby häufiger an, oder pumpen Sie die Brust regelmäßig ab, damit die Milch abfließt.
- Wärme vor dem Stillen oder Abpumpen (z. B. ein warmes Tuch) kann den Milchfluss fördern.
- Kühlen Sie die Brust nach dem Stillen mit einem Kühlpack, um Schmerzen und Schwellung zu reduzieren.
- Trinken Sie ausreichend Wasser und gönnen Sie sich Ruhe.
- Tragen Sie einen gut sitzenden, nicht einengenden BH oder einen weichen Still-BH.
- Massieren Sie die verhärtete Stelle sanft in Richtung Brustwarze, um den Stau zu lösen – am besten während des Stillens.
Medizinische Behandlungen
Wenn eine bakterielle Entzündung vorliegt, verschreibt die Ärztin oder der Arzt ein Antibiotikum, das auch während der Stillzeit sicher ist. Es ist wichtig, das Antibiotikum bis zum Ende einzunehmen, auch wenn die Symptome früher verschwinden. Schmerzlindernde Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können in Absprache mit dem Arzt oder der Hebamme eingenommen werden. Bei starken Schmerzen oder einer regelmäßigen Entzündung kann auch eine physiotherapeutische Begleitung sinnvoll sein. Wenden Sie sich immer an medizinisches Fachpersonal, um das passende Mittel zu finden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn sich ein Abszess gebildet hat – das ist eine mit Eiter gefüllte Höhle –, kann ein kleiner Eingriff nötig sein. Dabei wird der Abszess mit einer Nadel entleert oder in einem kurzen chirurgischen Eingriff eröffnet. Das geschieht in der Regel örtlich betäubt oder im Rahmen eines kleinen Eingriffs in der Klinik. Kommen Sie bei Verdacht auf einen Abszess umgehend in ärztliche Behandlung, da dieser nicht von selbst abheilt.
Leben mit der Erkrankung
In den ersten Tagen mit einer Brustentzündung sollten Sie sich körperlich schonen. Sie können und sollen Ihr Kind weiter stillen oder die Milch abpumpen – das hilft gerade dabei, den Stau zu lösen. Achten Sie auf eine gute Hygiene, waschen Sie Ihre Hände regelmäßig und reinigen Sie die Brustwarzen sanft. Nach einigen Tagen der Behandlung klingen die Beschwerden meistens ab.
Tipps für den Alltag
- Viel Flüssigkeit trinken (Wasser, ungesüßte Tees, Saftschorlen)
- Ausreichend Schlaf und Ruhe, wenn möglich mit Unterstützung im Haushalt
- Auf Rauchen und Alkohol verzichten, um die Heilung zu unterstützen
- Lockere, bequeme Kleidung und ein passender Still-BH
- Bei Schmerzen im Alltag die betroffene Seite entlasten und nicht schwer heben
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt das Immunsystem. Körperliche Anstrengung ist in der akuten Phase nicht empfehlenswert – gönnen Sie sich Pausen. Spaziergänge an der frischen Luft sind in Ordnung, wenn Sie sich wohlfühlen. Wichtig ist, dass Sie auf Ihren Körper hören und sich nicht überanstrengen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Brustentzündung kann sehr unangenehm sein und zusätzlich zu den körperlichen Symptomen auch emotional belasten, vor allem wenn das Stillen schmerzt oder Sorgen um das Baby entstehen. Es ist völlig normal, sich erschöpft oder ängstlich zu fühlen. Sprechen Sie offen mit Ihrer Hebamme, Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über Ihre Gefühle und suchen Sie sich Unterstützung, zum Beispiel vom Partner oder der Familie.
Vorbeugung
Mit einigen Maßnahmen lässt sich das Risiko einer Brustentzündung deutlich senken. Wichtig sind eine gute Stilltechnik, häufiges und regelmäßiges Anlegen, das Vermeiden von langen Stillpausen und das sofortige Behandeln von wunden oder rissigen Brustwarzen. Achten Sie außerdem auf eine hygienische Umgebung und trockene Kleidung im Brustbereich.
Impfungen
Es gibt keinen speziellen Impfstoff gegen eine Brustentzündung. Allerdings schützt die allgemeine Grundimmunisierung (Tetanus, Diphtherie, etc.) vor bestimmten Folgeinfektionen. Stellen Sie sicher, dass Ihr Impfschutz aktuell ist – am besten vor einer Schwangerschaft oder im Rahmen der Vorsorge, sprechen Sie dazu mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine spezielle Früherkennungsuntersuchung für eine Brustentzündung. Die regelmäßige Brustselbstuntersuchung hilft, Veränderungen früh zu bemerken. Frauen ab 30 Jahren haben in Deutschland Anspruch auf die jährliche Tastuntersuchung beim Frauenarzt, ab 50 zusätzlich auf das Mammografie-Screening. Nehmen Sie diese Untersuchungen wahr, um Veränderungen früh abzuklären.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bildung eines Abszesses (Eiteransammlung), der punktiert oder chirurgisch geöffnet werden muss
- Ausbreitung der Infektion und schwerer allgemeiner Krankheitsverlauf (Sepsis)
- Chronische Entzündung oder wiederkehrende Mastitis
- Stillprobleme, die zu vorzeitigem Abstillen führen können
- In seltenen Fällen Narbenbildung im Brustgewebe
Langzeitprognose
Die Prognose ist sehr gut. Die meisten Brustentzündungen heilen innerhalb von wenigen Tagen aus, wenn die Behandlung frühzeitig beginnt. Auch ein Abszess lässt sich gut behandeln, und die Brust erholt sich meist vollständig. Sie können in den meisten Fällen weiterhin stillen – das ist nicht nur erlaubt, sondern sogar förderlich für die Heilung. Mit ärztlicher Unterstützung und den richtigen Tipps aus der Stillberatung überstehen Sie diese Zeit gut.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.