Nervenschäden durch Chemotherapie: Wenn nur eine Seite betroffen ist
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer Chemotherapie können manchmal die Nerven geschädigt werden. Das nennt man auch „Polyneuropathie“. Meist sind beide Hände oder beide Füße gleichzeitig betroffen. Es kann aber auch sein, dass nur eine Seite – zum Beispiel nur die linke Hand – Beschwerden macht. Das sind dann zum Beispiel Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Schmerzen. Diese Nebenwirkung kann nach der Chemotherapie bleiben oder erst später auftreten. Wichtig ist: Sie müssen nicht allein damit klarkommen, und es gibt viele Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern.
Wichtige Fakten
- Nervenveränderungen durch Chemotherapie sind eine bekannte Nebenwirkung, die aber unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann.
- Betroffen sind meist Hände und Füße, oft beidseitig, aber auch einseitige Beschwerden sind möglich.
- Die Beschwerden bessern sich oft mit der Zeit, manchmal bleiben aber leichte Einschränkungen bestehen.
Ja, Nervenschädigungen gehören zu den häufigeren Nebenwirkungen bestimmter Chemotherapien. Die genaue Häufigkeit hängt von der Art der Chemotherapie und der Dosis ab. Nicht jeder bekommt diese Nebenwirkung, und viele Menschen haben nur leichte Beschwerden.
Menschen, die eine Chemotherapie erhalten, können betroffen sein. Manche Chemotherapie-Medikamente schädigen die Nerven eher als andere. Ein höheres Alter, bereits bestehende Nervenerkrankungen oder Diabetes können das Risiko erhöhen.
Symptome
- Plötzlich auftretende Schwäche oder Taubheit auf einer Körperseite, die mit der Chemotherapie nichts zu tun hat
- Plötzliche Sprach- oder Sehstörungen
- Schwerer Schwindel oder plötzlicher Bewusstseinsverlust
- Atemnot oder Brustschmerz
- ⚠Neue oder sich rasch verschlechternde Nervenschmerzen, die Sie kaum aushalten
- ⚠Starke Muskelschwäche, sodass Sie nicht mehr sicher aufstehen oder gehen können
- ⚠Zunehmende Gefühllosigkeit in Händen oder Füßen, die den Alltag stark beeinträchtigt
Häufige Symptome
- Kribbeln oder Ameisenlaufen in Fingern oder Zehen
- Taubheitsgefühl oder das Gefühl, als trüge man dicke Handschuhe
- Stechende, brennende oder elektrisierende Schmerzen
- Schwäche oder Unsicherheit in der Hand oder im Fuß
- Probleme beim Greifen kleiner Gegenstände oder beim Zuknöpfen
- Gangunsicherheit oder Stolpern, besonders bei einseitiger Fußbeteiligung
Ursachen
Hauptursachen
- Bestimmte Chemotherapie-Wirkstoffe können die Nervenzellen direkt oder indirekt schädigen.
- Die Nerven, die zu Händen und Füßen führen, sind besonders empfindlich, weil sie anfällig für solche Schäden sind.
- Wenn nur eine Seite betroffen ist, können auch örtliche Faktoren wie ein eingeengter Nerv oder eine Vorschädigung eine Rolle spielen.
- Es kann auch eine andere Ursache hinter den einseitigen Beschwerden stecken, zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall oder eine Durchblutungsstörung.
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Bestehende Nervenerkrankungen oder Alkoholabhängigkeit
- Bestimmte Chemotherapie-Medikamente und hohe kumulative Dosen
- Operationen oder Druckstellen in der Nähe von Nervenbahnen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlich auftretenden einseitigen Beschwerden, die wie ein Schlaganfall wirken könnten
- Bei rascher Verschlechterung oder wenn Sie nicht mehr sicher aufstehen können
- Bei unerträglichen Schmerzen oder neu auftretender Lähmung
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bereits bei ersten Anzeichen von Kribbeln, Taubheit oder Schmerz in den Händen oder Füßen – egal auf welcher Seite.
- Sprechen Sie auch dann mit Ihrem Behandlungsteam, wenn die Beschwerden nur schwach sind, damit diese sie im Blick behalten können.
Diagnose
Ihr Arzt wird zunächst mit Ihnen über Ihre Beschwerden sprechen und Sie gründlich untersuchen. Er wird auch fragen, welche Chemotherapie Sie erhalten haben. Bei Verdacht auf Nervenschäden können weitere Untersuchungen Klarheit bringen.
Mögliche Untersuchungen
- Neurologische Untersuchung: Reflexe, Kraft, Gefühl und Gleichgewicht werden getestet.
- Eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit zeigt, wie gut die Nerven Signale weiterleiten.
- Bluttests können andere Ursachen wie Vitaminmangel oder Schilddrüsenprobleme ausschließen.
- Manchmal wird auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) der Wirbelsäule gemacht, um eine Einklemmung von Nerven zu erkennen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern meist nicht lange und sind nicht schmerzhaft, manchmal etwas unangenehm. Sie können beruhigend sein, weil sie klären, was genau los ist und welche Behandlung sinnvoll ist. Ihr Arzt wird Ihnen alles in Ruhe erklären.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, was die Beschwerden verursacht und wie stark sie sind. Im Vordergrund stehen Linderung, Übungen zur Stabilität und die Vorbeugung von Stürzen. Auch die Chemotherapie selbst kann vom Arzt angepasst werden, wenn die Nebenwirkungen zu stark werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf genügend Bewegung – das regt die Durchblutung an und hält die Muskeln fit.
- Wärme kann bei Kribbeln und tauben Stellen wohltuend sein, aber testen Sie die Temperatur gut, um Verbrennungen zu vermeiden.
- Tragen Sie bequeme Schuhe und prüfen Sie Ihre Füße regelmäßig auf kleine Verletzungen, da Sie Druckstellen sonst vielleicht nicht spüren.
- Halten Sie Ihre Hände geschmeidig mit Handübungen, die Ihr Therapeut Ihnen zeigt.
- Vermeiden Sie Verletzungen: Achten Sie zum Beispiel beim Kochen darauf, dass Sie sich nicht an heißen Töpfen verbrennen.
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene ärztliche Behandlungen, die bei Nervenschmerzen helfen. Dazu gehören bestimmte Medikamente, die speziell gegen Nervenschmerzen eingesetzt werden, sowie physiotherapeutische Maßnahmen. Manchmal helfen auch TENS-Geräte oder bestimmte Entspannungsverfahren. Ihr Behandlungsteam wird die passende Option für Sie empfehlen.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag sollten Sie unnötige Verletzungen vermeiden, zum Beispiel durch feste Schuhe, eine rutschfeste Unterlage in der Dusche und Handschuhe bei der Hausarbeit. Wenn Sie unsicher gehen, kann ein Gehstock oder die Unterstützung einer Physiotherapie sehr helfen. Planen Sie Pausen ein und hören Sie auf Ihren Körper.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige, moderate Bewegung wie Spazierengehen oder Schwimmen hält Nerven und Muskeln aktiv.
- Genügend Schlaf und Stressabbau tun gut und können Schmerzen lindern.
- Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob bestimmte Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung für Sie geeignet sind.
- Alkohol und Rauchen können Nervenschäden verstärken – versuchen Sie, diese zu meiden.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit genügend Vitaminen und Mineralstoffen unterstützt die Nerven. Bewegung ist wichtig, aber übertreiben Sie es nicht. Gute Übungen sind Gleichgewichtstraining, sanftes Krafttraining oder Yoga. Tipps dafür bekommen Sie bei Ihrer Physiotherapie oder Krebsberatung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Schön, dass Sie sich auch um Ihr seelisches Wohlbefinden kümmern. Wenn Beschwerden wie Taubheit oder Schmerzen den Alltag erschweren, kann das sehr belasten. Es ist normal, dass Sie sich manchmal ängstlich oder traurig fühlen. Sie müssen diese Sorgen nicht wegstecken – sprechen Sie darüber, auch mit Ihrem Behandlungsteam.
Vorbeugung
Nervenschäden durch Chemotherapie lassen sich nicht immer verhindern, weil sie von der Wirkung der Medikamente abhängen. Aber durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Behandlungsteam können Nebenwirkungen oft früh erkannt und gelindert werden. Ihr Arzt kann die Dosis anpassen oder eine Therapiepause machen, wenn die Beschwerden zu stark werden.
Impfungen
Lassen Sie sich bezüglich Impfungen von Ihrem Arzt beraten. Nach oder während einer Chemotherapie ist der Impfschutz wichtig, aber nicht jede Impfung ist unter Chemotherapie erlaubt. Ihr Arzt wird Sie dazu persönlich beraten.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine spezielle Früherkennungsuntersuchung für Nervenschäden durch Chemotherapie. Wichtig ist, dass Sie Ihre Beschwerden beim ersten Auftreten ärztlich abklären lassen. Regelmäßige Kontrolltermine bei Ihrem Onkologen sind Teil der Nachsorge.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung können sich die Beschwerden verstärken und zu Gefühlsverlust führen.
- Es besteht ein höheres Risiko für Stürze und damit für Brüche.
- Im Alltag können Alltagshandlungen wie Schreiben, Tastendrücken oder Laufen schwerer fallen.
- Unbemerkte Verletzungen an Händen oder Füßen können sich entzünden.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht ist: Viele Menschen erholen sich nach Beendigung der Chemotherapie gut. Ein Teil der Beschwerden kann bleiben, aber es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, damit umzugehen und die Lebensqualität zu erhalten. Ihr Behandlungsteam begleitet Sie dabei Schritt für Schritt – es gibt Grund zur Hoffnung.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.