Fieber bei Chemotherapie: Warnsignal und richtiges Handeln
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Fieber bei einer Chemotherapie bezeichnet eine erhöhte Körpertemperatur während oder kurz nach einer Krebsbehandlung mit Zytostatika. Diese Medikamente schwächen das Immunsystem, sodass Infektionen schneller entstehen können. Fieber ist daher ein ernstes Warnzeichen, das sofort ärztlich abgeklärt werden muss.
Wichtige Fakten
- Fieber ist bei Krebspatienten unter Chemotherapie ein mögliches Zeichen für eine Infektion.
- Die Chemotherapie senkt vorübergehend die Zahl der weißen Blutkörperchen, die für die Abwehr wichtig sind.
- Bei Fieber sollten Sie unverzüglich Ihre Arztpraxis, Klinik oder den Notdienst kontaktieren – auch nachts.
Fieber kommt bei 10 bis 30 Prozent der Menschen unter Chemotherapie vor – je nach Art der Behandlung und Blutwerten. Es ist also keine Seltenheit, aber immer ernst zu nehmen.
Betroffen sind vor allem Menschen, deren Blutwerte (insbesondere die Neutrophilen) während der Chemotherapie stark abfallen. Das kann bei jeder Krebsart und jedem Alter passieren. Ältere Menschen und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Fieber ab 38,0 °C während der Chemotherapie – rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn Sie zusätzlich starke Atemnot, Verwirrtheit oder Kreislaufprobleme bemerken.
- Schüttelfrost mit starkem Krankheitsgefühl und schnellem Puls
- Blasse oder bläuliche Haut, kalter Schweiß
- ⚠Fieber ab 38,0 °C oder nach den Vorgaben Ihres Behandlungsteams – noch am gleichen Tag ärztliche Hilfe
- ⚠Fieber mit Husten, Durchfall oder Schmerzen beim Wasserlassen
- ⚠Erneutes Fieber nach einer fieberfreien Phase
Häufige Symptome
- Erhöhte Temperatur, zum Beispiel ab 38,0 °C oder gemäß den Vorgaben Ihres Behandlungsteams
- Schüttelfrost
- Unwohlsein, Schwäche oder Muskelschmerzen
- Beschwerden wie Husten, Halsschmerzen, Durchfall oder Brennen beim Wasserlassen
Symptome bei Kindern
- Fieber ist oft das erste und deutlichste Zeichen.
- Das Kind ist ungewöhnlich schlapp oder weinerlich.
- Es trinkt weniger und hat möglicherweise eine trockene Windel.
- Manche Kinder wirken teilnahmslos oder unruhig.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Fieber kann schwächer ausfallen oder ganz fehlen.
- Stattdessen zeigen sich Verwirrtheit, Desorientierung oder Stürze.
- Die Betroffenen essen und trinken weniger als sonst.
- Allgemeine Schwäche oder Kreislaufprobleme können im Vordergrund stehen.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Chemotherapie greift nicht nur Krebszellen an, sondern auch die blutbildenden Zellen im Knochenmark – die Abwehrzellen (Leukozyten) werden weniger.
- Dadurch können Bakterien, Viren oder Pilze leichter in den Körper eindringen und Infektionen auslösen.
- Der Körper reagiert mit Fieber, um die Erreger zu bekämpfen – die Temperaturerhöhung ist also eine Abwehrreaktion.
- Auch manche Medikamente oder Bluttransfusionen können vorübergehend Fieber verursachen.
Risikofaktoren
- Niedriger Neutrophilenwert (Neutropenie) nach der letzten Chemotherapie-Gabe
- Der Zeitpunkt 7 bis 14 Tage nach der Behandlung
- Hohes Alter oder geschwächtes Immunsystem durch die Krebserkrankung
- Vorhandener Venenkatheter (Port) oder Blasenkatheter
- Zusätzliche Erkrankungen wie Diabetes oder Lungenerkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei jedem Fieber ab 38,0 °C während oder bis zu zwei Wochen nach einer Chemotherapie
- Bei Fieber mit Schüttelfrost oder starkem Krankheitsgefühl
- Bei Fieber mit Husten, Atemnot, Durchfall oder brennenden Schmerzen beim Wasserlassen
- Bei Fieber, nachdem das Behandlungsteam eine Neutropenie festgestellt hat
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Zur Kontrolle der Blutwerte nach einer überstandenen Fieberepisode
- Wenn Sie unsicher sind, welche Temperatur für Sie gefährlich sein könnte
- Zur Besprechung von vorbeugenden Maßnahmen oder Impfungen
Diagnose
Ihr Behandlungsteam wird Sie gründlich untersuchen und nach Ihren Symptomen fragen. Da die Abwehrwerte entscheidend sind, wird meist direkt eine Blutprobe entnommen. Zusätzlich können Urin, Stuhl oder Abstriche untersucht werden, um den Auslöser zu finden.
Mögliche Untersuchungen
- Blutbild mit Differenzialblutbild (zur Bestimmung der Anzahl und Art der weißen Blutkörperchen)
- Blutkulturen (Blut wird in speziellen Flaschen bebrütet, um Bakterien nachzuweisen)
- Urintest und Urinkultur
- Abstriche von Rachen, Wunden oder Katheteraustrittstelle
- Bildgebung wie Röntgen oder Computertomographie des Brustkorbs, falls eine Lungenentzündung möglich ist
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
In der Regel bleiben Sie für ein bis zwei Tage zur Beobachtung oder länger in der Klinik, bis Ihre Blutwerte stabil sind. Sie erhalten Medikamente über eine Infusion und werden engmaschig kontrolliert. Das Team erklärt Ihnen jeden Schritt.
Behandlung
Fieber unter Chemotherapie wird immer als potenzielle Infektion behandelt, auch bevor der Erreger bekannt ist. Im Mittelpunkt steht eine schnelle medikamentöse Therapie. Zusätzlich wird auf ausreichend Flüssigkeit geachtet. Die Behandlung erfolgt meist im Krankenhaus, damit bei Verschlechterung sofort geholfen werden kann.
Selbsthilfe zu Hause
- Rufen Sie immer zuerst Ihr Behandlungsteam an, bevor Sie selbst Maßnahmen ergreifen.
- Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee, sofern Ihr Arzt oder Ihre Ärztin nichts anderes rät.
- Messen Sie Ihre Temperatur mit dem gleichen Thermometer und notieren Sie Zeit und Wert.
- Tragen Sie leichte Kleidung und vermeiden Sie zusätzliches Einpacken.
- Wadenwickel oder andere kühlende Maßnahmen nur nach Rücksprache mit dem medizinischen Personal.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung besteht meist aus Medikamenten, die gegen Bakterien wirken (Antibiotika), und wird über die Vene verabreicht. Falls die Abwehrzellen stark vermindert sind, können Substanzen gegeben werden, die das Knochenmark anregen, mehr weiße Blutkörperchen zu bilden. Fiebersenkende Mittel werden eingesetzt, wenn sie medizinisch sinnvoll sind – welche Mittel und in welcher Dosierung, entscheidet das Behandlungsteam individuell.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist in dieser Situation in der Regel nicht erforderlich. Nur wenn sich zum Beispiel ein Abszess in einer Operationswunde bildet, kann ein chirurgischer Eingriff nötig werden – das kommt aber selten vor.
Leben mit der Erkrankung
Solange Sie keine Fiebersymptome haben, können Sie sich – angepasst an Ihr Befinden – bewegen und Ihren Alltag gestalten. Wichtig ist, aufmerksam zu bleiben und die vom Behandlungsteam genannten Warnzeichen zu kennen. Tragen Sie Ihre Notfallnummer gut sichtbar bei sich, zum Beispiel im Handy oder auf einer Karte.
Tipps für den Alltag
- Hände regelmäßig und gründlich mit Seife waschen
- Große Menschenansammlungen und kranke Personen meiden
- Lebensmittel gut durchgaren und rohe Produkte wie Sprossen oder rohes Fleisch vermeiden
- Auf Rauchen verzichten und Alkohol nur nach Rücksprache
- Für ausreichend Schlaf und Zeiten der Erholung sorgen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene, kräftige Ernährung unterstützt den Körper bei der Erholung. Wenn der Appetit fehlt, helfen mehrere kleine Mahlzeiten. Bewegung in moderater Form – etwa Spazierengehen – ist meist erlaubt und tut gut. Hören Sie auf Ihren Körper und besprechen Sie Ihre Pläne mit Ihrem Behandlungsteam.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Angst vor Fieber oder einer Infektion kann sehr belastend sein. Es ist verständlich, sich unsicher zu fühlen. Psychoonkologische Beratung kann helfen, mit diesen Ängsten umzugehen. Auch das Gespräch mit Angehörigen oder anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann entlasten.
Vorbeugung
Eine Fieberepisode lässt sich nicht immer verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken. Dazu gehören eine gute Hygiene, das Vermeiden von Infektionsquellen und die regelmäßige Kontrolle der Blutwerte. In bestimmten Situationen kann Ihr Arzt vorbeugende Medikamente verordnen – das ist eine individuelle Entscheidung.
Impfungen
Lassen Sie sich vor oder während der Chemotherapie – je nach Behandlungsphase – zu empfohlenen Impfungen beraten. Lebendimpfstoffe sind während einer starken Immunschwäche meist nicht erlaubt. Ihr Behandlungsteam weiß, welche Impfungen für Sie geeignet sind und wann der beste Zeitpunkt ist.
Früherkennungsprogramme
Zu den Vorsorgemaßnahmen gehören regelmäßige Blutbildkontrollen während der Chemotherapie. So wird frühzeitig erkannt, wenn die Abwehrzellen stark abfallen. Zudem sollten Sie bei Kathetern oder anderen Zugängen regelmäßig auf Rötungen oder Schmerzen achten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne schnelle Behandlung kann sich eine Infektion über den ganzen Körper ausbreiten (Sepsis).
- Eine Sepsis kann zu Organversagen und Kreislaufschock führen.
- Die Chemotherapie muss möglicherweise unterbrochen oder verschoben werden.
- Im schlimmsten Fall kann eine unbehandelte Infektion lebensbedrohlich sein.
Langzeitprognose
Wenn Fieber früh behandelt wird, erholen sich die meisten Menschen vollständig. Ihr Behandlungsteam ist auf Notfälle wie diesen spezialisiert. Nach der Akutbehandlung können Sie Ihre Krebstherapie meist wie geplant fortsetzen. Die Prognose ist heute dank wirksamer Behandlungen deutlich besser als früher.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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