Übelkeit bei Chemotherapie: Ursachen, Hilfe und Selbstfürsorge
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Übelkeit ist eine häufige Nebenwirkung einer Chemotherapie. Das bedeutet, dass Ihnen während oder nach der Behandlung übel wird – oft, ohne dass Sie sich übergeben müssen. Es gibt viele wirksame Möglichkeiten, diese Beschwerden zu lindern. Die Behandlung richtet sich nach aktuellen medizinischen Leitlinien, zum Beispiel der AWMF.
Wichtige Fakten
- Übelkeit nach Chemotherapie ist sehr häufig, aber in den meisten Fällen gut behandelbar.
- Es gibt Medikamente, die Übelkeit vorbeugend verhindern können.
- Nicht jeder Mensch hat Übelkeit – das hängt von der Behandlung und der persönlichen Empfindlichkeit ab.
Ja. Übelkeit gehört zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Schätzungsweise sind mehr als die Hälfte aller Menschen, die eine Chemotherapie erhalten, davon betroffen – besonders in den ersten Stunden bis Tagen nach der Behandlung. Es gibt jedoch gute Behandlungsmöglichkeiten, die den Alltag erleichtern.
Übelkeit kann alle Menschen treffen, die eine Chemotherapie erhalten. Manche haben stärker damit zu kämpfen als andere. Das hängt unter anderem von der Art der Chemotherapie, der Dosierung und Ihrer persönlichen Empfindlichkeit ab. Auch Ängste vor der Behandlung können eine Rolle spielen.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112, wenn Sie starke Brustschmerzen oder Atemnot haben.
- Rufen Sie sofort die 112, wenn Ihr Erbrochenes wie Kaffeesatz aussieht (mögliches Zeichen für Blutungen).
- Rufen Sie sofort die 112, wenn Sie plötzlich verwirrt sind oder Lähmungserscheinungen auftreten.
- Rufen Sie sofort die 112, wenn Sie heftige, anhaltende Bauchschmerzen haben.
- Rufen Sie sofort die 112, wenn Sie Fieber über 38,5 °C zusammen mit Übelkeit und Erbrechen haben – das kann auf eine Infektion hindeuten.
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe auf, wenn Sie über 24 Stunden keine Flüssigkeit bei sich behalten können.
- ⚠Wenn Sie sich an einem Tag mehr als fünfmal erbrechen müssen.
- ⚠Wenn Sie Zeichen von Flüssigkeitsmangel bemerken: sehr dunkler Urin, Schwindel, trockener Mund.
- ⚠Wenn Ihre gegen Übelkeit wirkenden Medikamente nicht helfen und Sie sich schlapp und benommen fühlen.
Häufige Symptome
- Ein flaues Gefühl im Magen und allgemeines Unwohlsein
- Drang, sich übergeben zu müssen
- Würgen oder Erbrechen von Mageninhalt
- Appetitlosigkeit
- Bauchbeschwerden oder Magenkrämpfe
- Müdigkeit und Schwäche durch die Beschwerden
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern kann Übelkeit während der Chemotherapie ähnlich wie bei Erwachsenen auftreten.
- Manche Kinder haben bereits vor der Behandlung Übelkeit, weil sie sich vor der nächsten Sitzung fürchten.
- Da Kinder Beschwerden oft schwerer beschreiben können, achten Sie auf vermehrten Speichelfluss, blasses Aussehen oder Rückzug.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann Übelkeit schneller zu Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung) führen.
- Starke Übelkeit kann auch ohne Erbrechen zu Verwirrtheit und Schwäche führen.
- Die Beschwerden können länger andauern und brauchen eine besonders aufmerksame Begleitung.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Chemotherapie reizt die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts und das Brechzentrum im Gehirn.
- Bestimmte Chemotherapie-Medikamente lösen häufiger Übelkeit aus als andere.
- Schon die Gedanken an die Behandlung können im Vorfeld Übelkeit verursachen (antizipatorische Übelkeit).
- Veränderungen des Geschmacksempfindens und eine verlangsamte Magenentleerung begünstigen Übelkeit.
Risikofaktoren
- Jüngeres Alter (unter 50 Jahren)
- Weibliches Geschlecht
- Bekannte Neigung zu Reisekrankheit oder Übelkeit in der Schwangerschaft
- Eine frühere Chemotherapie mit starker Übelkeit
- Allgemeine Ängstlichkeit oder Depression
- Bestimmte Chemotherapie-Wirkstoffe – Ihr Behandlungsteam kann einschätzen, ob Ihr Medikament ein höheres Risiko hat.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie starke Beschwerden haben und keine Flüssigkeit zu sich nehmen können.
- Wenn das Erbrechen nicht aufhört oder Blut im Erbrochenen sichtbar ist.
- Wenn Sie Anzeichen einer Dehydrierung bemerken, zum Beispiel dunklen Urin, Schwindel oder eingeriebene Augen.
- Wenn Sie die verordneten Medikamente gegen Übelkeit wegen Erbrechens nicht einnehmen oder nicht behalten können.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sprechen Sie bei der nächsten Gelegenheit mit Ihrem Behandlungsteam, wenn Übelkeit Ihren Alltag beeinträchtigt.
- Wenn Sie merken, dass Sie deutlich weniger essen oder trinken als üblich.
- Wenn sich die Übelkeit trotz Medikamenten nicht bessert – der Behandlungsplan kann angepasst werden.
Diagnose
Die Diagnose wird anhand Ihrer Beschwerden und des zeitlichen Zusammenhangs mit der Chemotherapie gestellt. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin fragt Sie ausführlich zu Art, Häufigkeit und Auslösern der Übelkeit. Es gibt keinen speziellen Test, der Übelkeit nachweisen kann.
Mögliche Untersuchungen
- Ein körperliche Untersuchung
- Ein ausführliches Gespräch über Ihre Symptome und deren Verlauf
- Blutuntersuchung auf Elektrolyte und Nierenwerte, wenn ein Flüssigkeitsverlust befürchtet wird
- Ein Symptom-Tagebuch, in dem Sie Schweregrad und Zeitpunkt der Übelkeit notieren
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn Sie Ihrem Behandlungsteam von Ihrer Übelkeit berichten, wird es gemeinsam mit Ihnen einen Plan erstellen. Dieser umfasst oft eine Anpassung der vorbeugenden Medikamente, Ernährungsempfehlungen und bei Bedarf eine Überweisung an psychosoziale Unterstützung oder Ernährungsberatung.
Behandlung
Ziel ist es, Übelkeit so weit wie möglich zu verhindern. Dafür gibt es wirksame Medikamente gegen Übelkeit (Antiemetika), die vor oder während der Chemotherapie verabreicht werden. Zusätzlich spielen einfache Verhaltensweisen im Alltag eine große Rolle. Ihr Behandlungsteam richtet sich dabei nach aktuellen medizinischen Leitlinien, etwa der AWMF.
Selbsthilfe zu Hause
- Essen Sie über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten statt weniger großer.
- Wählen Sie fettarme, milde Speisen wie Zwieback, Kartoffeln, Reis oder Haferflocken.
- Trinken Sie ausreichend in kleinen Schlucken: Wasser, Kräutertee oder klare Brühe.
- Vermeiden Sie starke Gerüche wie Kaffee, frittierte Speisen oder Parfüm.
- Kauen Sie nach dem Aufstehen einen Knäckebrot oder ein Stück Ingwer.
- Gehen Sie nach dem Essen nicht sofort in die Liegeposition, sondern machen Sie einen kurzen Spaziergang.
- Nutzen Sie Ablenkung durch Musik, Hörbücher oder Gespräche, um die Gedanken an das Unwohlsein zu durchbrechen.
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Gruppen von Medikamenten gegen Übelkeit, die entweder vorbeugend oder bei akuten Beschwerden eingesetzt werden. Sie können als Tabletten, Zäpfchen, Saft oder über eine Infusion verabreicht werden. Manche Kombinationen sind besonders wirksam. Ihr Behandlungsteam wählt die passenden Medikamente auf Grundlage der Chemotherapie und Ihres persönlichen Risikos aus. Wichtig ist, die Medikamente regelmäßig nach Anweisung einzunehmen – denn Vorbeugen wirkt oft am besten.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie Ruhephasen rund um die Chemotherapie ein. Organisieren Sie Unterstützung für Haushalt und Einkäufe, damit Sie sich schonen können. Teilen Sie sich die Betreuung von Kindern oder Angehörigen mit anderen. Kleine Ablenkungen wie ein Spaziergang oder ein gutes Gespräch helfen oft, das Unwohlsein zu lindern.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Erholung.
- Bewegen Sie sich leicht, zum Beispiel mit einem kurzen Spaziergang an frischer Luft.
- Üben Sie tiefe Bauchatmung oder sanfte Entspannungsverfahren.
- Lassen Sie heiße Speisen und Getränke erst abkühlen, da sie weniger stark riechen.
- Verzichten Sie auf Alkohol und Nikotin, da beides Magen und Nerven reizen kann.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung gibt Ihnen Kraft, auch wenn Sie wenig Appetit haben. Nehmen Sie eiweißreiche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Milchprodukte oder Eier zu sich. Kalte Speisen wie Joghurt, Pudding oder kalte Suppen werden oft besser vertragen. Bei körperlicher Aktivität gilt: Hören Sie auf Ihren Körper. Leichte Bewegung unterstützt die Verdauung und kann Übelkeit verringern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anhaltende Übelkeit kann sehr belastend sein und die Lebensfreude vermindern. Viele Menschen haben Angst vor der nächsten Chemotherapie. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen und anzusprechen. Professionelle Unterstützung, zum Beispiel durch Psychoonkologen oder psychosoziale Beratung, kann helfen, den Umgang mit der Situation zu erleichtern.
Vorbeugung
Nicht jede Übelkeit ist von vornherein verhinderbar, aber in den meisten Fällen lässt sie sich sehr gut in den Griff bekommen. Medikamente am Anfang der Chemotherapie sind besonders wirksam, wenn sie regelmäßig eingenommen werden. Sagen Sie Ihrem Behandlungsteam früh, wenn Sie Übelkeit spüren – dann kann die nächste Behandlung besser geplant werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung) mit Kreislaufschwäche und Schwindel
- Mangelernährung und ungewollter Gewichtsverlust
- Elektrolytstörungen, die zu Schwächegefühl oder Herzrhythmusproblemen führen können
- Reizungen von Speiseröhre oder Magenschleimhaut durch häufiges Erbrechen
- Starke Beeinträchtigung der Lebensqualität und mögliche Unterbrechung der Chemotherapie
Langzeitprognose
Die Übelkeit nach einer Chemotherapie klingt in der Regel nach dem Ende der Behandlung deutlich ab oder verschwindet ganz. Mit modernen Medikamenten und einfachen Selbsthilfestrategien können die meisten Menschen die Zeit gut bewältigen. Es gibt viele Wege, Ihnen das Leben während der Behandlung angenehmer zu machen – Sie müssen nicht schweigen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Krebsgesellschaft ↗ · Deutschland
- Krebsinformationsdienst ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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