Dreimonatskoliken – wenn Ihr Baby abends und nachts schreit
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Dreimonatskoliken sind Phasen, in denen ein ansonsten gesundes Baby in den ersten Lebensmonaten immer wieder über längere Zeit untröstlich schreit – oft am späten Nachmittag oder in der Nacht. Das Baby ist dann unruhig, zieht die Beinchen an und hat manchmal einen geblähten Bauch. Es ist keine Krankheit, sondern eine vorübergehende Entwicklungsphase, die sich von selbst wieder beruhigt.
Wichtige Fakten
- Betrifft etwa jedes fünfte Baby.
- Tritt meist zwischen der zweiten und zwölften Lebenswoche auf.
- Klingt in der Regel bis zum vierten Lebensmonat von selbst wieder ab.
Ja, es ist eine der häufigsten Sorgen bei jungen Eltern. Etwa 15 bis 20 von 100 Babys haben solche Schreiphasen.
Säuglinge in den ersten drei bis vier Lebensmonaten. Mädchen und Jungen sind etwa gleich häufig betroffen.
Symptome
- Das Baby wirkt teilnahmslos, schläft dauerhaft schwer aufweckbar oder ist kaum ansprechbar.
- Das Baby erbricht wiederholt grünliche oder blutige Flüssigkeit.
- Es hat Krampfanfälle oder zeigt schlaffe Bewegungen.
- Das Baby hat hohes Fieber (über 38,5 °C), das mit zusätzlichen Symptomen auftritt.
- ⚠Der Bauch wirkt sehr hart und gebläht, und das Baby schreit schrill und hochnotig.
- ⚠Blut im Stuhl oder dunkel gefärbter, kaffeesatzartiger Stuhl.
- ⚠Das Baby verweigert über mehrere Mahlzeiten die Nahrung.
- ⚠Es gibt weniger nasse Windeln als sonst – möglicherweise ein Zeichen für Austrocknung.
Häufige Symptome
- Anhaltendes Schreien über mehr als drei Stunden am Tag, oft über mehrere Tage.
- Besonders viel Schreien am späten Nachmittag, am Abend oder in der Nacht.
- Das Baby zieht die Beine an, der Bauch fühlt sich gebläht und manchmal hart an.
- Das Baby ist zwischen den Phasen fit, trinkt und gedeiht normal.
Symptome bei Kindern
- Die oben genannten Symptome treten typischerweise bei Säuglingen in den ersten Lebensmonaten auf.
- Ältere Kinder können auch unter Bauchschmerzen in der Nacht leiden, meist sind dann aber andere Ursachen wie Verstopfung oder Blasenentzündung möglich.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nächtliche Bauchschmerzen bei älteren Menschen haben in der Regel andere Ursachen, zum Beispiel Gallenkoliken, Nierensteine oder Magen-Darm-Infekte.
- Dieser Text konzentriert sich auf das Säuglingsalter. Wenn Erwachsene unter nächtlichen Koliken leiden, sollten sie das mit ihrem Hausarzt oder ihrer Hausärztin abklären lassen.
Ursachen
Hauptursachen
- Unreife des Nervensystems und der Darmbewegungen – vieles ist in den ersten Lebensmonaten noch nicht ausgereift.
- Verschluckte Luft beim Trinken, die den Darm aufbläht.
- Reizüberflutung durch Lärm, Licht oder Hektik in der Umgebung.
- Manchmal eine besondere Empfindlichkeit gegen bestimmte Bestandteile der Nahrung – etwa bei Babys mit Flaschennahrung oder über die Muttermilch.
Risikofaktoren
- Gehäuft bei Babys, die Flaschennahrung bekommen.
- Eltern rauchen oder eine rauchige Umgebung.
- Viele Reize und wenig Ruhe im Familienalltag.
- Höheres Risiko, wenn es in der Familie schon Koliken gab (nicht eindeutig bestätigt).
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sofort ärztliche Hilfe, wenn Notfallzeichen auftreten (siehe oben).
- Wenn das Baby jünger als drei Monate ist und zusätzlich Fieber über 38 °C hat.
- Wenn Sie beobachten, dass das Baby gar nicht zunimmt oder auffällig schlecht trinkt.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn das Schreien Sie stark verunsichert oder der Alltag kaum noch möglich ist.
- Wenn Sie unsicher sind, ob es sich wirklich nur um Koliken handelt.
- Wenn das Baby trotz aller Beruhigungsversuche sehr unruhig bleibt.
Diagnose
Der Kinderarzt oder die Kinderärztin wird Sie zuerst ausführlich befragen: Seit wann das Schreien auftritt, wann es passiert, ob das Baby gut trinkt und zunimmt, und wie es insgesamt wirkt. Danach wird Ihr Baby körperlich untersucht. Bei einer typischen Dreimonatskolik braucht es keine speziellen Apparate. Die Fachleute orientieren sich dabei auch an den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Mögliche Untersuchungen
- Meist sind keine besonderen Tests nötig.
- Wenn der Arzt Auffälligkeiten findet, kann er zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung des Bauches machen.
- In bestimmten Fällen wird auch eine Stuhlprobe untersucht, um andere Ursachen auszuschließen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arztbesuch dient vor allem dazu, gefährliche Ursachen auszuschließen und Ihnen Sicherheit zu geben. Sie bekommen konkrete Beruhigungstipps und können offen Fragen stellen. Wenn alle Werte unauffällig sind, dürfen Sie sich entspannen: Ihr Baby hat dann einfach eine normale, wenn auch anstrengende Entwicklungsphase.
Behandlung
Eine Wunderheilung gibt es nicht. Die Behandlung besteht darin, das Baby zu beruhigen, die Beschwerden zu lindern und Eltern Sicherheit zu geben. Wichtig: Alle Maßnahmen sollten sanft und ohne Zwang erfolgen. Jedes Baby ist anders – finden Sie heraus, was Ihrem Kind gut tut.
Selbsthilfe zu Hause
- Tragen, wiegen und in eine ruhige Haltung bringen – sogenannte Tragehilfen oder das aufrechte Halten am Körper helfen oft.
- Sanfte Bauchmassage im Uhrzeigersinn mit warmen Händen.
- Ein warmes Körnerkissen oder eine Wärmflasche auf dem Bauch – aber nur mit einem Tuch dazwischen und nicht zu heiß.
- Beim Trinken Pausen einlegen und das Baby in aufrechter Haltung trinken lassen, damit es weniger Luft schluckt.
- Für eine ruhige Umgebung sorgen: gedämpftes Licht, leise Stimmen, weniger Besuch.
- Ein Schnuller oder das Fahren mit dem Kinderwagen kann manche Babys beruhigen.
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Präparate, die von Ärztinnen und Ärzten bei Koliken eingesetzt werden – zum Beispiel Mittel gegen Blähungen oder beruhigende Kügelchen. Solche Mittel wirken aber nicht bei jedem Baby und sollten nie ohne ärztlichen Rat verwendet werden. Nur in besonderen Fällen kann der Arzt oder die Ärztin eine spezielle hypoallergene Nahrung oder eine Ernährungsberatung für die Mutter empfehlen. Wichtig: Geben Sie niemals einfach Medikamente oder Tropfen auf eigene Faust.
Leben mit der Erkrankung
Akzeptieren Sie, dass diese Zeit vorübergeht. Teilen Sie sich die Betreuung des Babys mit Ihrem Partner oder einer Vertrauensperson. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich abzuwechseln oder um Hilfe zu bitten.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie sich bewusst Auszeiten, auch wenn es nur kurze Spaziergänge sind.
- Schlafen Sie, wenn Ihr Baby schläft – auch wenn das schwierig ist.
- Nehmen Sie Unterstützung von Familie, Freunden oder einer Tagesmutter an.
- Vermeiden Sie übermäßigen Besuch und halten Sie den Alltag für das Baby ruhig.
Ernährung und Bewegung
Wenn Sie stillen, kann es helfen, auf blähende Lebensmittel wie Kohl, Zwiebeln oder sehr scharfe Speisen zu verzichten. Manche Mütter bemerken eine Besserung, wenn sie vorübergehend auf Kuhmilch verzichten. Besprechen Sie das mit Ihrer Hebamme. Leichte Bewegung an der frischen Luft tut Mutter und Kind gut. Denken Sie auch an genug Flüssigkeit für sich selbst.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Das nächtliche Schreien kann Eltern sehr belasten – viele fühlen sich hilflos, gestresst oder erschöpft. Manchmal entstehen sogar Schuldgefühle oder Wut. Das sind ganz normale Reaktionen auf eine Extremsituation. Wichtig ist, dass Sie sich nicht allein damit fühlen und sich frühzeitig Unterstützung holen, zum Beispiel bei der Hebamme oder im Gespräch mit dem Kinderarzt.
Vorbeugung
Man kann Dreimonatskoliken nicht immer verhindern, denn sie hängen vor allem mit der Entwicklung des Babys zusammen. Sie können aber versuchen, das Risiko zu senken: ruhige Rituale, eine gute Trinktechnik, weniger Reize und viel Nähe/Geborgenheit.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Dreimonatskoliken. Die regulären Impfungen im Säuglingsalter sollten aber wie vom Kinderarzt empfohlen erfolgen.
Früherkennungsprogramme
Für Dreimonatskoliken gibt es kein spezielles Screening. Die regulären Vorsorgeuntersuchungen (U1 bis U5) reichen aus, um die gesunde Entwicklung Ihres Babys zu überprüfen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei echten Dreimonatskoliken entstehen keine körperlichen Schäden – sie verschwinden von selbst.
- Die größte Gefahr ist die Erschöpfung der Eltern. Wenn Mütter und Väter zu lange allein klarkommen müssen, kann das zu Überforderung oder sogar zur Erschöpfungsdepression führen.
Langzeitprognose
Dreimonatskoliken klingen in der Regel bis zum vierten Monat von selbst ab. Ihr Baby entwickelt sich ganz normal – die Schreiphasen werden allmählich seltener und kürzer. Auch wenn diese Zeit viel Kraft kostet: Sie werden sie überstehen, und es wird besser. Sie und Ihr Baby sind auf einem guten Weg.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.