COPD auf einer Seite
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) ist eine dauerhafte Erkrankung der Lunge, bei der die Atemwege verengt sind und die Lunge nicht mehr richtig arbeiten kann. Normalerweise sind beide Lungenflügel betroffen. Manchmal können die Beschwerden auf einer Seite des Brustkorbs stärker sein, zum Beispiel bei einer zusätzlichen Infektion oder einem anderen Problem. Das bedeutet aber nicht, dass die COPD selbst nur auf einer Seite auftritt.
Wichtige Fakten
- COPD betrifft in der Regel beide Lungenflügel, nicht nur eine Seite.
- Die Krankheit ist nicht heilbar, aber mit Behandlung lässt sich der Verlauf verlangsamen.
- Rauchen ist der häufigste Grund für COPD. Auch Luftverschmutzung und seltene genetische Faktoren spielen eine Rolle.
Ja, COPD ist eine häufige Erkrankung. In Deutschland leiden etwa 10 bis 15 von 100 Erwachsenen über 40 Jahren daran. Viele wissen nicht, dass sie betroffen sind.
COPD tritt meist bei Menschen auf, die rauchen oder früher geraucht haben, besonders ab dem 40. Lebensjahr. Auch Menschen, die über Jahre hinweg Staub oder Chemikalien am Arbeitsplatz eingeatmet haben, sind gefährdet. Selten kann COPD auch jüngere Menschen betreffen, wenn eine erbliche Veranlagung vorliegt.
Symptome
- Plötzliche sehr starke Atemnot, die in Ruhe nicht nachlässt
- Blaue Lippen oder Fingernägel (Zeichen für Sauerstoffmangel)
- Verwirrtheit oder Benommenheit
- Schnelle, flache Atmung oder das Gefühl zu ersticken
- Brustschmerzen, die in den Arm oder Kiefer ausstrahlen
- ⚠Deutliche Verschlechterung der Atemnot innerhalb weniger Tage
- ⚠Fieber verbunden mit verstärktem Husten und Auswurf (Hinweise auf Lungenentzündung)
- ⚠Geschwollene Beine oder Knöchel (kann auf Herzprobleme hindeuten)
- ⚠Husten mit blutigem Auswurf
Häufige Symptome
- Husten, der lange anhält (oft morgens schlimmer)
- Auswurf (Schleim) beim Husten
- Kurzatmigkeit, besonders bei körperlicher Anstrengung
- Engegefühl in der Brust
- Pfeifende oder rasselnde Atemgeräusche
- Häufige Atemwegsinfekte (z. B. Erkältungen, Bronchitis)
Symptome bei Kindern
- COPD kommt bei Kindern sehr selten vor. Falls bei einem Kind ähnliche Symptome wie Husten, Kurzatmigkeit oder Atemgeräusche auftreten, steckt meist eine andere Erkrankung dahinter, zum Beispiel Asthma oder eine Lungenschädigung nach einer Frühgeburt. Wichtig: Kinderärztin oder Kinderarzt aufsuchen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können die gleichen Symptome auftreten wie bei Erwachsenen mittleren Alters. Allerdings wird die Kurzatmigkeit oft mit dem Alter verwechselt. Auch eine erhöhte Müdigkeit und eine verminderte Belastbarkeit sind häufige Zeichen. Da viele ältere Menschen schon länger rauchen oder geraucht haben, ist COPD in dieser Altersgruppe besonders verbreitet.
Ursachen
Hauptursachen
- Rauchen (aktiv oder Passivrauchen) ist die häufigste Ursache.
- Langfristige Einatmung von Schadstoffen wie Feinstaub, Chemikalien oder Staub (z. B. am Arbeitsplatz)
- Seltene erbliche Form: Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (ein Eiweiß fehlt, das die Lunge schützt).
Risikofaktoren
- Rauchen (auch E‑Zigaretten und Wasserpfeife)
- Langjährige Exposition gegenüber Luftverschmutzung, Holzrauch oder Staub
- Beruf in der Landwirtschaft, im Bergbau, in der Textil- oder Chemieindustrie
- Häufige Atemwegsinfektionen in der Kindheit
- Familienvorbelastung (seltene genetische Form)
- Alter über 40 Jahre
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich sehr kurzatmig sind und sich Ihr verschriebenes Notfallspray nicht ausreichend hilft
- Wenn Sie Fieber haben und Ihr Husten oder Auswurf sich deutlich verändert hat
- Wenn Ihre Beine oder Füße anschwellen (mögliches Zeichen für Herzschwäche)
- Wenn Sie verwirrt oder ungewöhnlich müde sind
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit Wochen oder Monaten husten, vor allem morgens
- Wenn Sie bei alltäglichen Tagen (z. B. Treppensteigen) schneller außer Atem kommen als früher
- Wenn Sie regelmäßig Auswurf haben
- Wenn Sie oft an Bronchitis oder Lungenentzündung erkranken
Diagnose
Die Diagnose wird vor allem durch eine Lungenfunktionsmessung (Spirometrie) gestellt. Dabei pusten Sie kräftig in ein Gerät, das misst, wie viel Luft Sie ausatmen können und wie schnell. Der Test ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten.
Mögliche Untersuchungen
- Lungenfunktionstest (Spirometrie) – die wichtigste Untersuchung
- Röntgen der Lunge oder Computertomografie (CT), um andere Erkrankungen auszuschließen
- Blutuntersuchung, manchmal auch auf Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
- Blutgasanalyse (Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt im Blut)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist einfach und ohne größere Belastung. Bei der Lungenfunktion müssen Sie mehrmals kräftig ausatmen, das kann anstrengend sein. Die Ärztin oder der Arzt erklärt jeden Schritt genau. Nach der Diagnose bekommen Sie einen persönlichen Behandlungsplan.
Behandlung
COPD ist nicht heilbar, aber mit einer guten Behandlung können Sie die Symptome lindern, die Lunge entlasten und einen stabilen Zustand erhalten. Die Behandlung wird auf Ihre persönliche Situation abgestimmt und umfasst Medikamente, Atemübungen, Bewegung, Rauchentwöhnung und regelmäßige Kontrollen.
Selbsthilfe zu Hause
- Mit dem Rauchen aufhören (der wichtigste Schritt – Ihr Hausarzt oder Ihre Krankenkasse bietet Hilfe an)
- Regelmäßige Bewegung, zum Beispiel Spaziergänge oder Atemgymnastik
- Lungenfreundliche Atemtechniken wie die Lippenbremse (langsam durch den Mund ausatmen mit leicht geschlossenen Lippen)
- Schadstoffe vermeiden (z. B. an stark befahrenen Straßen oder bei Rauchergruppen)
- Sich gegen Grippe und Lungenentzündung impfen lassen
- Gewicht normalisieren – Übergewicht belastet die Atmung
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung umfasst inhalierbare Medikamente (sogenannte Bronchodilatatoren), die die Atemwege erweitern und die Atmung erleichtern. Sie werden meist mit einem Dosieraerosol oder Pulverinhalator eingenommen. Bei fortgeschrittener COPD können auch entzündungshemmende Wirkstoffe zum Einsatz kommen. Bei Sauerstoffmangel in Ruhe oder bei Belastung wird eine Sauerstofftherapie verordnet. Bei regelmäßigen Schüben (Exazerbationen) kann eine stationäre Behandlung nötig sein. Alle Medikamente werden streng nach ärztlicher Anweisung dosiert.
Wann kommt eine Operation infrage?
In sehr schweren Fällen, wenn Medikamente und Therapie nicht mehr ausreichen, können operative Eingriffe infrage kommen. Dazu gehören die Lungenvolumenreduktion (Entfernung von überblähtem Lungengewebe) oder eine Lungentransplantation. Diese Entscheidung wird im Einzelfall gemeinsam mit einem spezialisierten Zentrum getroffen.
Leben mit der Erkrankung
Mit COPD können Sie trotz der Einschränkungen aktiv bleiben. Planen Sie Ihren Alltag mit ausreichend Pausen. Nutzen Sie Hilfsmittel wie einen Rollator, wenn Sie schneller außer Atem kommen. Achten Sie auf eine gute Raumluft und vermeiden Sie Erkältungen durch Hände waschen und Abstand zu kranken Menschen.
Tipps für den Alltag
- Aufhören zu rauchen und Raucherzonen meiden
- Sich regelmäßig bewegen, aber nicht überanstrengen
- Ausgewogen essen – eher mehrere kleine Mahlzeiten als große Portionen
- Genug trinken, um den Schleim flüssig zu halten
- Stress vermeiden und Entspannungstechniken ausprobieren
- Jährliche Grippeimpfung und einmalige Pneumokokken-Impfung (nach Rücksprache mit dem Arzt)
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt Ihr Immunsystem. Bei Übergewicht kann schon eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10 % die Atmung erleichtern. Bewegung ist wichtig – spezielle Lungensportgruppen oder Atemtherapie helfen, die Muskeln zu stärken und die Atmung zu verbessern. Fragen Sie Ihren Arzt nach einer Lungensport-Übungsgruppe in Ihrer Nähe.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
COPD kann Ängste auslösen, besonders bei Atemnot. Viele Betroffene fühlen sich auch traurig oder erschöpft. Das ist normal und kein Zeichen von Schwäche. Ein offenes Gespräch mit dem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle kann helfen. In schweren Fällen ist eine Psychotherapie sinnvoll. Bei akuten Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid wählen Sie bitte sofort die 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.
Vorbeugung
Zu einem großen Teil ja. Der wichtigste Schutz ist, nicht mit dem Rauchen anzufangen oder sofort damit aufzuhören. Auch das Vermeiden von Luftverschmutzung und Schadstoffen am Arbeitsplatz senkt das Risiko. Eine gesunde Lebensweise mit Bewegung und guter Ernährung stärkt die Lunge. Ist die Erkrankung einmal da, kann man das Fortschreiten durch Behandlung und Lebensstiländerung deutlich verlangsamen.
Impfungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Menschen mit COPD eine jährliche Grippeimpfung und eine Impfung gegen Pneumokokken (Erreger von Lungenentzündung). Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über weitere Impfungen, die für Sie sinnvoll sein könnten.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein flächendeckendes Screening auf COPD, aber Personen mit Risikofaktoren – vor allem Raucher ab 40 Jahren – können bei ihrem Hausarzt eine Lungenfunktionsmessung durchführen lassen. Auch wenn Sie noch keine Beschwerden haben, kann der Test zeigen, ob Ihre Lunge schon geschädigt ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Häufige und schwer verlaufende Atemwegsinfekte (Exazerbationen)
- Zunehmende Atemnot bis zur dauerhaften Sauerstoffabhängigkeit
- Herzschwäche (Cor pulmonale) durch Überlastung des rechten Herzens
- Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie)
- Lungenkrebs (erhöhtes Risiko durch Rauchen und COPD)
- Angststörungen und Depressionen
Langzeitprognose
COPD ist eine ernste Erkrankung, aber mit einer guten Behandlung und eigenem Engagement können viele Betroffene über viele Jahre ein aktives Leben führen. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Möglichkeiten, das Fortschreiten zu verlangsamen. Medikamente, Bewegung, Atemtraining und Rauchstopp können die Lebensqualität deutlich verbessern. Auch in fortgeschrittenen Stadien gibt es moderne Therapien und Palliativkonzepte, die die Beschwerden lindern. Bleiben Sie in engem Kontakt zu Ihrem Behandlungsteam – gemeinsam finden Sie den besten Weg.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD)
Lokale Organisationen
- Deutsche Atemwegsliga e. V. · Deutschland
- Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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