Ekzem, das im Liegen schlimmer wird – Ursachen und Linderung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Ekzem (auch Neurodermitis genannt) ist eine entzündliche Hauterkrankung. Die Haut ist trocken, gerötet und juckt stark. Viele Betroffene bemerken, dass der Juckreiz im Liegen schlimmer wird – vor allem nachts im Bett. Die Ursache dafür sind oft Wärme, Schweiß oder Kontakt mit Betttextilien – und die Tatsache, dass sich das Jucken in Ruhe stärker bemerkbar macht.
Wichtige Fakten
- Ekzeme gehören zu den häufigsten Hauterkrankungen – vor allem im Kindesalter.
- Bei vielen Menschen wird der Juckreiz im Liegen und in der Nacht deutlich stärker.
- Mit konsequenter Hautpflege und dem Vermeiden von Auslösern lassen sich Beschwerden meist gut lindern.
Ja. Ekzeme sind weit verbreitet. In Deutschland erkrankt etwa jedes sechste Kind im Laufe seiner Entwicklung mindestens einmal an einem Ekzem. Auch Erwachsene können betroffen sein oder bleiben.
Ein Ekzem kann in jedem Alter entstehen. Besonders häufig beginnt es im Säuglings- und Kleinkindalter. Bei vielen Menschen werden die Beschwerden bis zum Erwachsenenalter deutlich weniger, manche haben jedoch immer wieder Schübe im Erwachsenenleben.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112 an, wenn Sie oder Ihr Kind zusätzlich zum Ekzem Atemnot oder Anschwellen von Lippen, Zunge oder Hals bemerken.
- Rufen Sie den Notruf, wenn sich plötzlich großflächige, heiße und schmerzhafte Rötungen ausbreiten und hohes Fieber auftreten – das kann auf eine schwere Infektion hinweisen.
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe, wenn Hautstellen plötzlich stark nässen, eine gelbliche Kruste bilden oder ungewöhnlich schmerzen – das kann ein Zeichen für eine Hautinfektion sein.
- ⚠Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn der Juckreiz trotz einfacher Pflegemaßnahmen unerträglich bleibt und Sie dadurch völlig nicht mehr schlafen können.
Häufige Symptome
- Starker Juckreiz – vor allem beim Liegen, im Bett und in der Nacht
- Trockene, gerötete oder schuppige Hautstellen
- Nässende oder verkrustete Stellen, wenn die Haut stark entzündet ist
- Raue, empfindliche Haut, die sich leicht rötet
Symptome bei Kindern
- Bei Säuglingen und Kleinkindern zeigen sich Ekzeme oft im Gesicht, auf der Kopfhaut sowie an Arm- und Kniebeugen.
- Die Haut ist sehr trocken und kann schuppen oder leicht aufplatzen.
- Kinder kratzen sich häufig im Schlaf – das verstärkt den Juckreiz zusätzlich.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im Alter ist die Haut oft dünner und trockener, dadurch können Ekzeme an Händen, Unterarmen und Unterschenkeln auftreten.
- Der Juckreiz wird nachts häufig als besonders quälend empfunden.
- Schlafstörungen durch den nächtlichen Juckreiz kommen bei älteren Menschen häufig vor.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Hautbarriere ist gestört: Die Haut verliert zu viel Feuchtigkeit und wird trocken und empfindlich.
- Das Immunsystem reagiert überempfindlich auf bestimmte Reize und verursacht Entzündungen in der Haut.
- Wärme und Schweiß – etwa durch die Bettdecke – können den Juckreiz im Liegen verstärken.
- Kontakt mit Bettwäsche, Wolle oder Hausstaubmilben kann die Haut zusätzlich reizen.
Risikofaktoren
- Allergien, Asthma oder Ekzeme in der Familie
- Ohnehin trockene Haut
- Stress, Schlafmangel oder seelische Belastungen
- Kalte, trockene Heizungsluft im Winter oder starkes Schwitzen im Sommer
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlich großflächig ausbreitender, schmerzhafter Rötung der Haut
- Bei Fieber oder einem starken Krankheitsgefühl in Verbindung mit nässenden Hautstellen
- Bei starken Schmerzen an den betroffenen Hautstellen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn das Ekzem über mehrere Wochen besteht oder immer wiederkehrt
- Wenn der Juckreiz Ihre Nachtruhe regelmäßig stört
- Wenn Sie unsicher sind, welche Pflege für Ihre Haut richtig ist
Diagnose
Die Diagnose stellt in der Regel eine Hautärztin oder ein Hautarzt. Die Ärztin oder der Arzt schaut sich die Haut genau an und fragt nach Ihren Beschwerden, möglichen Allergien und den Umständen, unter denen das Ekzem auftritt. Meist lässt sich ein Ekzem so zuverlässig erkennen.
Mögliche Untersuchungen
- Allergietests können helfen, auslösende Stoffe zu erkennen (z. B. Hausstaubmilben, Pollen oder bestimmte Nahrungsmittel).
- In seltenen Fällen hilft eine Hautprobe (Biopsie) dabei, andere Hautkrankheiten auszuschließen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist einfach und schmerzfrei. Sie erhalten danach in der Regel eine ausführliche Beratung zur richtigen Hautpflege und zu Behandlungsmöglichkeiten. Bei unklaren oder hartnäckigen Fällen kann eine Überweisung an eine Spezialambulanz sinnvoll sein.
Behandlung
Die Behandlung besteht im Kern aus zwei Bausteinen: Erstens die Haut regelmäßig zu pflegen und den Juckreiz zu beruhigen. Zweitens die auslösenden oder verschlimmernden Faktoren zu meiden – besonders im Schlafbereich. Zusätzlich gibt es verschiedene ärztliche Behandlungen, die auf die Schwere des Ekzems abgestimmt werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Waschen Sie die Haut nur mit lauwarmem Wasser und einer milden, parfümfreien Reinigung – am besten nur kurz und nicht zu häufig.
- Cremen Sie sich direkt nach dem Waschen und abends vor dem Schlafengehen mit einer rückfettenden, duftstofffreien Lotion oder Salbe ein.
- Tragen Sie zum Schlafen weiche, lockere Kleidung aus Baumwolle – Wolle und kratzige Synthetikstoffe direkt auf der Haut vermeiden.
- Halten Sie Ihre Fingernägel kurz und feilen Sie raue Kanten, um Verletzungen durch Kratzen im Schlaf zu vermeiden.
- Sorgen Sie im Schlafzimmer für eine kühle, gut gelüftete Atmosphäre – Hitze und stickige Luft verstärken den Juckreiz.
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann je nach Schweregrad unterschiedliche Behandlungen empfehlen – zum Beispiel entzündungshemmende Cremes oder Salben, die auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden, oder eine Lichttherapie unter ärztlicher Aufsicht. In Deutschland folgt die Behandlung den aktuellen medizinischen Leitlinien der AWMF. Lassen Sie sich in der Sprechstunde genau erklären, welche Option für Sie in Frage kommt – niemals sollten Sie Medikamente auf eigene Faust anwenden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Für die Behandlung eines Ekzems ist keine Operation notwendig.
Leben mit der Erkrankung
Nehmen Sie Ihre Hautpflege als festen Bestandteil des Tages. Morgens und abends ein paar Minuten einplanen – das ist meistens der wichtigste Hebel. Beobachten Sie, unter welchen Bedingungen Ihr Ekzem stärker wird, und verändern Sie diese, wenn möglich. Das gilt insbesondere für Ihre Schlafumgebung.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie einen möglichst regelmäßigen Schlafrhythmus ein und machen Sie das Schlafzimmer zu einem kühlen, ruhigen Ort.
- Reduzieren Sie Stress, zum Beispiel durch Spaziergänge, bewusstes Atmen oder ruhige Musik – das wirkt sich nachweislich auch auf die Haut aus.
- Wählen Sie atmungsaktive Bettwäsche und waschen Sie diese regelmäßig ohne Weichspüler oder Duftstoffe.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine allgemeingültige Diät zur Behandlung von Ekzemen. Wenn Sie oder Ihr Kind nachweislich auf bestimmte Lebensmittel allergisch reagieren, kann eine gezielte Ernährungsanpassung helfen – immer in Absprache mit medizinischem Fachpersonal. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft ist ausdrücklich erlaubt und sinnvoll: Danach die Haut kurz mit klarem Wasser abspülen und eincremen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Ekzem kann sehr belastend sein – besonders, wenn es den Schlaf raubt und sich sichtbar auf der Haut auswirkt. Es ist völlig verständlich, dass das an den Kräften zehrt. Wenn Sie spüren, dass die seelische Belastung zu groß wird, nehmen Sie auch das ernst. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann Ihnen hier weiterhelfen – es ist ein Zeichen von Selbstfürsorge, sich Hilfe zu holen.
Vorbeugung
Ein Ekzem lässt sich nicht immer verhindern, weil die Neigung dazu vererbt werden kann. Aber Sie können viel tun, um Schübe zu vermeiden oder abzuschwächen: regelmäßiges Eincremen, möglichst wenig Hautreizstoffe und eine angenehme Schlafumgebung sind die wichtigsten Stellschrauben.
Impfungen
Einen Impfstoff gegen Ekzeme gibt es nicht. Es ist aber dennoch wichtig, die allgemein empfohlenen Impfungen wahrzunehmen – sprechen Sie bei Fragen dazu mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine speziellen Vorsorgeuntersuchungen für Ekzeme. Die beste Vorsorge ist, die Haut aufmerksam zu beobachten und bei anhaltenden Beschwerden frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronischer Schlafmangel durch quälenden Juckreiz – das kann die Stimmung und die Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigen.
- Bakterielle Hautinfektionen: Keime dringen in die wunden Kratzstellen ein und verursachen schmerzhafte Entzündungen, die behandelt werden müssen.
- Selten – aber möglich – ist eine gefährliche Virusinfektion der Haut (Ekzema herpeticum), die sofort ärztlich behandelt werden muss.
Langzeitprognose
Es gibt gute Nachrichten: Bei den meisten Menschen bessert sich ein Ekzem mit der richtigen Behandlung deutlich. Viele Kinder wachsen sogar mit zunehmendem Alter aus der Erkrankung heraus. Auch wenn die Haut zwischendurch empfindlich bleibt – Sie haben heute sehr gute Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern und ein aktives Leben zu führen. Eine gute Zusammenarbeit mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ist dabei der wichtigste Schritt.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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