Nesselsucht mit Übelkeit
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei Nesselsucht (Urtikaria) kommt es zu juckenden, roten Erhebungen auf der Haut, die wie Brennnesselausschlag aussehen. Wenn dazu Übelkeit auftritt, kann das ein Hinweis auf eine allergische Reaktion sein. Der Körper schüttet dann bestimmte Botenstoffe aus, die Blutgefäße erweitern und Flüssigkeit austreten lassen. Das verursacht Hautveränderungen und manchmal auch Magen-Darm-Beschwerden.
Wichtige Fakten
- Die Beschwerden können plötzlich kommen und meistens wieder von alleine verschwinden.
- Übelkeit und Nesselsucht können zusammen auftreten, wenn eine allergische Reaktion im Körper abläuft.
- Die Diagnose und Behandlung sind gut möglich. Sie sind nicht allein damit.
Ja, Nesselsucht ist sehr häufig. Schätzungsweise jeder fünfte Mensch ist mindestens einmal im Leben betroffen. Oft bleibt die Ursache unklar.
Nesselsucht kann in jedem Alter auftreten. Besonders häufig sind Erwachsene zwischen 30 und 50 Jahren betroffen, aber auch Kinder und ältere Menschen sind nicht selten.
Symptome
- Atemnot oder das Gefühl, keine Luft zu bekommen
- Schwellung von Zunge, Rachen oder Hals
- Schwindel, Ohnmacht oder starker Blutdruckabfall
- Starkes Erbrechen, das nicht aufhört
- Bei diesen Symptomen rufen Sie sofort die 112 an!
- ⚠Übelkeit, die länger als einen Tag anhält
- ⚠Die Quaddeln breiten sich rasch aus oder schwellen stark an
- ⚠Fieber oder Schüttelfrost
- ⚠Bei diesen Anzeichen sollten Sie noch am selben Tag einen Arzttermin vereinbaren.
Häufige Symptome
- Juckende, rote Quaddeln auf der Haut, die wie Wespenstiche aussehen und kommen und gehen
- Leichte Schwellungen an Lippen, Augenlidern oder Händen
- Übelkeit, die nach einigen Stunden wieder besser wird
- Allgemeines Unwohlsein, manchmal mit leichter Erschöpfung
Symptome bei Kindern
- Quaddeln erscheinen oft großflächiger und jucken stärker
- Übelkeit kann schnell zu Erbrechen führen
- Kinder sind häufig unruhig, weinen oder schreien
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Haut ist oft trockener, daher brennt und spannt der Ausschlag stärker
- Übelkeit kann mit Schwindel oder Blutdruckabfall einhergehen
- Die Quaddeln können länger bestehen bleiben als bei jüngeren Menschen
Ursachen
Hauptursachen
- Allergische Reaktionen auf Lebensmittel (häufig Nüsse, Ei, Milch, Fisch, Meeresfrüchte)
- Medikamente wie Antibiotika oder Schmerzmittel
- Infektionen mit Erkältungs- oder Magen-Darm-Viren
- Nicht allergische Auslöser wie Hitze, Kälte, Druck oder Stress
Risikofaktoren
- Frühere allergische Reaktionen oder Heuschnupfen
- Ein geschwächtes Immunsystem zum Beispiel nach einer Virusinfektion
- Chronische Erkrankungen wie Schilddrüsenprobleme oder eine Autoimmunerkrankung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zusätzlich starke Übelkeit oder Erbrechen haben
- Wenn sich der Ausschlag sehr schnell über den ganzen Körper ausbreitet
- Wenn Fieber dazukommt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Beschwerden länger als eine Woche anhalten
- Wenn Sie bereits mehrfach Nesselsucht hatten
- Wenn Sie einen Zusammenhang mit einem bestimmten Lebensmittel vermuten, aber nicht sicher sind
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt wird zunächst ein ausführliches Gespräch führen und die Haut begutachten. Wichtig sind Fragen, was Sie gegessen, eingenommen oder unternommen haben. Oft lässt sich die Ursache schon anhand dieser Informationen eingrenzen.
Mögliche Untersuchungen
- Pricktest auf der Haut: Dabei werden winzige Tropfen mit Allergenen auf den Unterarm getropft und die Haut leicht angeritzt.
- Bluttest: Er kann Antikörper gegen bestimmte Stoffe nachweisen.
- Tagebuch führen: Sie notieren, wann die Beschwerden auftreten und was Sie vorher gegessen haben.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert meist nicht lange. Sie müssen dafür keine besonderen Vorbereitungen treffen. Notieren Sie am besten vorher, wann die Beschwerden angefangen haben und was Sie dabei gemacht haben. Der Arzt kann dann gezielter nachfragen.
Behandlung
Die Behandlung orientiert sich an der medizinischen Leitlinie zur Urtikaria (AWMF). Zuerst versucht man, Auslöser zu meiden und die Haut zu beruhigen. Bei Bedarf werden Medikamente aus der Gruppe der Antihistaminika eingesetzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Kühlen Sie die juckenden Stellen mit einem feuchten, kalten Tuch – das lindert den Juckreiz.
- Nehmen Sie kühle Duschen oder Bäder, aber kein heißes Wasser.
- Tragen Sie lockere, weiche Kleidung aus Baumwolle.
- Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee, aber meiden Sie Alkohol und heiße Getränke.
- Vermeiden Sie starkes Kratzen, auch wenn es schwerfällt – es kann die Haut zusätzlich reizen.
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Medikamente, die die allergische Reaktion dämpfen und den Juckreiz nehmen. Dazu zählen Antihistaminika, die die Wirkung des Botenstoffs Histamin abschwächen. Sie gibt es als Tabletten, Saft oder Creme. In schwereren Fällen kann eine Kortison-Behandlung nötig sein. Welches Medikament für Sie geeignet ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Nesselsucht nicht erforderlich.
Leben mit der Erkrankung
Lernen Sie Ihre Auslöser kennen, indem Sie sich ein kleines Notizbuch machen. Schreiben Sie auf, wann der Ausschlag auftritt, was Sie gegessen haben und wie gestresst Sie waren. So erkennen Sie mit der Zeit, was Ihnen nicht guttut.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie Stress im Alltag niedrig, zum Beispiel mit Atemübungen oder einem Spaziergang in der Natur.
- Verzichten Sie auf aggressive Hautpflegeprodukte oder neue Kosmetika, bis die Haut wieder ruhig ist.
- Planen Sie bei Ausflügen eine kleine Alltagsapotheke mit, wenn Ihr Arzt Ihnen ein Notfallmedikament empfohlen hat.
Ernährung und Bewegung
Wenn Sie einen Zusammenhang zwischen Essen und Beschwerden bemerken, probieren Sie aus, das Lebensmittel wegzulassen (z. B. Nüsse oder Zitrusfrüchte). Bewegung an der frischen Luft ist gut, aber achten Sie darauf, dass Sie nicht überhitzen, denn starkes Schwitzen kann den Juckreiz verstärken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Nesselsucht mit Übelkeit ist unangenehm und kann beunruhigend wirken. Vor allem, wenn der Auslöser unklar bleibt, fühlen sich viele verunsichert. Das ist völlig normal. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Ängste. Wenn Sie sich über einen längeren Zeitraum belastet fühlen, kann eine psychologische Beratung hilfreich sein.
Vorbeugung
Wenn Sie den Auslöser kennen, können Sie ihn meiden und damit neuen Schüben vorbeugen. Bei unbekannten Auslösern hilft ein Allergie-Tagebuch. Manche Auslöser wie Infekte oder Stress lassen sich nicht immer vermeiden, aber Sie können Ihr Immunsystem unterstützen, indem Sie ausreichend schlafen und sich gesund ernähren.
Impfungen
In Deutschland gibt es keine Impfung gegen Nesselsucht. Wenn Sie gegen andere Krankheiten geimpft sind, hat das keinen Einfluss auf eine Nesselsucht-Episode.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine spezielle Vorsorgeuntersuchung für Nesselsucht. Bei wiederkehrenden Beschwerden kann ein Allergietest vom Arzt empfohlen werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwellungen im Rachenbereich (Angioödem), die die Atmung erschweren können
- Anhaltender starker Juckreiz, der Schlaf und Alltag belastet
- Kratzverletzungen, die sich infizieren können
Langzeitprognose
Die meisten akuten Schübe klingen innerhalb weniger Tage von selbst ab. Auch wenn die Beschwerden immer wieder auftreten, lassen sie sich mit der richtigen Behandlung meist gut unter Kontrolle halten. Die Aussichten auf ein normales Leben sind sehr gut.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB) ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.