PMS, das lange anhält: Ursachen, Symptome und Hilfe
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
PMS steht für prämenstruelles Syndrom. Dabei handelt es sich um Beschwerden, die in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus, also vor der Monatsblutung, auftreten. Wenn diese Beschwerden länger als die übliche Zeit andauern oder besonders stark ausgeprägt sind, sprechen Fachleute von einem länger andauernden PMS. Es kann den Alltag beeinträchtigen, ist aber gut behandelbar.
Wichtige Fakten
- PMS tritt nur bei Frauen mit einem natürlichen Menstruationszyklus auf.
- Die Symptome beginnen meist einige Tage vor der Periode und klingen nach deren Beginn ab.
- Ein länger anhaltendes PMS kann in eine ausgeprägtere Form übergehen, die als PMDD bezeichnet wird.
Ja, PMS ist weit verbreitet. Etwa drei von vier Frauen haben gelegentlich leichte Beschwerden. Länger anhaltende oder schwere Formen sind seltener und betreffen ungefähr 3 bis 8 von 100 Frauen.
Betroffen sind vor allem Frauen im gebärfähigen Alter, also zwischen der ersten Regelblutung und den Wechseljahren. Auch sehr junge Frauen und Frauen in den Jahren vor der letzten Periode können stärker betroffen sein.
Symptome
- Wenn Sie Gedanken haben, sich etwas anzutun oder sich das Leben zu nehmen, rufen Sie sofort den Notruf 112 an oder suchen Sie die nächste Notaufnahme auf.
- Wenn Sie unerwartet sehr starke Schmerzen im Bauch haben und nicht sicher sind, was los ist, verständigen Sie ebenfalls den Notruf.
- ⚠Wenn die Beschwerden so stark sind, dass Sie sich nicht mehr selbst versorgen können, suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe.
- ⚠Wenn Sie Fieber, ungewöhnlich starke oder lange Blutungen oder andere Symptome haben, die neu sind und nicht zu Ihrer normalen Regel passen, sprechen Sie noch am selben Tag mit einer medizinischen Fachperson.
Häufige Symptome
- Stimmungsschwankungen, Gereiztheit und innere Anspannung
- Körperliche Anspannung und Schweregefühl
- Brustspannen und Berührungsempfindlichkeit
- Bauchschmerzen, Krämpfe oder Druckgefühl
- Müdigkeit und Schlafstörungen
- Heißhunger auf Süßes oder Salziges
- Kopfschmerzen oder Migräne
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass die natürlichen Schwankungen der Hormone Östrogen und Progesteron in der zweiten Zyklushälfte eine wichtige Rolle spielen. Diese Hormone wirken im Gehirn und können die Stimmung und das körperliche Befinden beeinflussen.
- Auch der Botenstoff Serotonin, der für die Stimmung wichtig ist, kann durch die Hormonschwankungen verändert werden. Das kann zu den typischen Beschwerden führen.
Risikofaktoren
- Stress und seelische Belastung
- Eine unausgewogene Ernährung mit viel Salz, Zucker und Koffein
- Schlafmangel und unregelmäßiger Tagesablauf
- Frühere oder bestehende psychische Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen
- Ein allgemein empfindlicher Umgang des Körpers mit Hormonveränderungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie den Gedanken haben, sich selbst zu verletzen, wenden Sie sich sofort an ärztliche Hilfe oder den Notruf.
- Wenn Sie vor Schmerzen oder anderer körperlicher Beschwerden nicht mehr stehen oder sich nicht mehr konzentrieren können, suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Ihre Beschwerden regelmäßig jeden Zyklus auftreten und länger als ein paar Tage andauern, sollten Sie einen Termin bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt vereinbaren.
- Wenn die Stimmungsschwankungen Ihre Beziehung, Familie oder Arbeit belasten, ist das ein wichtiger Grund, ärztlichen Rat einzuholen.
Diagnose
Die Diagnose wird in einem ausführlichen Gespräch gestellt. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Ihnen Fragen zu Ihren Beschwerden, zu Ihrem Zyklus und zu Ihrem allgemeinen Wohlbefinden stellen. Um länger anhaltende Beschwerden besser beurteilen zu können, ist es hilfreich, ein Symptomtagebuch über mindestens zwei Monate zu führen. Aktuelle Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) empfehlen ein solches Vorgehen.
Mögliche Untersuchungen
- Es gibt keinen Bluttest, der PMS eindeutig nachweist.
- Die Ärztin oder der Arzt kann Blutuntersuchungen anordnen, um andere Ursachen wie Schilddrüsenprobleme oder eine Blutarmut auszuschließen.
- Auch eine Ultraschalluntersuchung kann dabei helfen, andere gynäkologische Erkrankungen auszuschließen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie werden beim ersten Termin viele Fragen beantworten müssen. Das dient dazu, ein möglichst genaues Bild Ihrer Situation zu bekommen. Ein anschließendes Beschwerdetagebuch über zwei bis drei Monate kann dann die Diagnose erleichtern. Nehmen Sie sich Zeit und notieren Sie im Vorfeld, was Sie belastet.
Behandlung
Die Behandlung orientiert sich daran, wie stark die Beschwerden sind und was Sie selbst erreichen möchten. Für viele Frauen ist eine Kombination aus Selbstfürsorge, gesundem Lebensstil und – falls nötig – ärztlichen Maßnahmen der beste Weg. Besprechen Sie alle Optionen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige körperliche Bewegung wie Spazierengehen, Joggen oder Schwimmen
- Entspannungsübungen wie Yoga, progressive Muskelentspannung oder Atemtechniken
- Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten
- Reduktion von Zucker, Salz, Koffein und Alkohol in den Tagen vor der Regel
- Gezielte Wärme, zum Beispiel mit einer Wärmflasche oder einem warmen Bad, gegen Bauchschmerzen
- Feste Schlafenszeiten und ausreichend Erholung
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Medikamente und nicht-medikamentöse Behandlungen, die bei einem länger anhaltenden PMS helfen können. Dazu gehören unter anderem pflanzliche Mittel, körperliche Therapien und psychotherapeutische Unterstützung. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann Ihnen je nach Situation eine geeignete Behandlung vorschlagen. Auch Hormonpräparate können in bestimmten Fällen zum Einsatz kommen – das wird immer individuell entschieden. Wichtig ist: Nehmen Sie keine Mittel auf eigene Faust ein, sondern holen Sie sich fachlichen Rat.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt nur in sehr schweren, seltenen Fällen in Betracht, wenn alle anderen Behandlungen nicht ausreichend helfen. Sie ist mit einer dauerhaften Veränderung des Hormonhaushalts verbunden und wird nur nach sorgfältiger Beratung und in der Regel erst nach Abschluss der Familienplanung erwogen.
Leben mit der Erkrankung
Lernen Sie, Ihren Zyklus zu beobachten. Viele Frauen merken, dass sie in bestimmten Phasen mehr Pausen brauchen. Planen Sie in dieser Zeit weniger Stress ein und gönnen Sie sich ausreichend Erholung. Sprechen Sie mit Menschen in Ihrem Umfeld offen darüber, was Sie brauchen – das entlastet.
Tipps für den Alltag
- Feste Zeiten für Aufstehen und Schlafengehen
- Wöchentliche Bewegung, zum Beispiel zweimal 30 Minuten
- Bildschirmpausen und bewusste Entspannung
- Ein Tagebuch für Ihre Symptome und Stimmung, um Muster zu erkennen
- Regelmäßige Gespräche mit einer Vertrauensperson
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde Ernährung kann die Beschwerden lindern. Achten Sie auf eine vollwertige Kost mit viel Vollkorn, Gemüse und Hülsenfrüchten. Magnesiumreiche Lebensmittel wie Nüsse, Haferflocken und grünes Blattgemüse können unterstützend wirken, ebenso regelmäßige Bewegung. Sport verbessert die Stimmung und baut Spannungen ab.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Länger anhaltende PMS-Beschwerden können die Stimmung erheblich beeinträchtigen. Es ist wichtig, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen und sich Unterstützung zu suchen. Wenn Sie sich anhaltend niedergeschlagen fühlen oder Gedanken an Selbstverletzung haben, holen Sie sich sofort Hilfe – zum Beispiel bei der Telefonseelsorge unter der kostenlosen Nummer 0800 111 0 111 oder bei einer psychiatrischen Notaufnahme.
Vorbeugung
Ein länger anhaltendes PMS lässt sich nicht immer verhindern, da es mit den natürlichen Hormonzyklen zusammenhängt. Sie können aber viel tun, um Beschwerden abzuschwächen: ein ausgeglichener Lebensstil mit gesunder Ernährung, Bewegung und Stressabbau ist die beste Grundlage. Auch das Führen eines Zyklustagebuchs hilft, frühe Anzeichen zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen PMS.
Früherkennungsprogramme
Ein spezielles Früherkennungsprogramm für PMS gibt es nicht. Regelmäßige Besuche bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt sind jedoch sinnvoll, um Beschwerden frühzeitig zu besprechen und andere Ursachen auszuschließen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Starke psychische Belastungen können zu anhaltender Niedergeschlagenheit oder Angst führen.
- Die Beschwerden können Beziehungen, Arbeit und soziale Kontakte beeinträchtigen.
- Wenn andere körperliche Ursachen nicht abgeklärt werden, bleiben diese unter Umständen unbehandelt.
Langzeitprognose
Mit einer individuell abgestimmten Behandlung und einem achtsamen Umgang mit sich selbst können die meisten Frauen die Beschwerden deutlich lindern. Auch wenn es etwas Geduld braucht: Es gibt viele Wege, das Wohlbefinden zu verbessern. Bleiben Sie zuversichtlich und suchen Sie sich Unterstützung, wenn Sie sie brauchen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.