Chronische Schuppenflechte: wenn die Haut längere Zeit entzündet bleibt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Psoriasis, im Alltag oft Schuppenflechte genannt, ist eine chronische Entzündung der Haut. Bei einer lang anhaltenden Form bleibt die Krankheit über Jahre bestehen und tritt in Schüben auf. Die Haut erneuert sich zu schnell. Dadurch bilden sich rote, erhabene Stellen mit silbrigen Schuppen. Psoriasis ist nicht ansteckend.
Wichtige Fakten
- Schuppenflechte ist nicht ansteckend. Sie können niemanden damit anstecken.
- Die Erkrankung verläuft oft in Schüben: Zeiten mit starken Beschwerden wechseln sich mit ruhigeren Phasen ab.
- Eine lang anhaltende Psoriasis ist gut behandelbar. Viele Betroffene erreichen eine deutlich beruhigte Haut.
- Bei manchen Menschen sind auch Gelenke betroffen. Das nennt man dann Psoriasis-Arthritis.
Psoriasis gehört zu den häufigen chronischen Hauterkrankungen. In Deutschland leben etwa 2 von 100 Menschen mit Schuppenflechte.
Psoriasis kann in jedem Alter beginnen. Am häufigsten tritt sie zum ersten Mal zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Sie kann aber auch schon bei Kindern beginnen oder erst im höheren Alter zum ersten Mal sichtbar werden.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn sich fast die gesamte Haut plötzlich rot verfärbt, Fieber, Schüttelfrost, Schwäche oder starke Schmerzen auftreten.
- Rufen Sie 112, wenn auf geröteter Haut viele kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen entstehen und Sie sich mit Fieber oder starkem Krankheitsgefühl ernsthaft schlecht fühlen.
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe, wenn sich ein Hautausschlag sehr schnell ausbreitet und Sie sich zunehmend schlechter fühlen.
- ⚠Lassen Sie eine geschwollene, heiße oder stark schmerzende Gelenkregion zeitnah abklären.
- ⚠Bei tiefen, nässenden Hautrissen, die möglicherweise infiziert sind, sollten Sie ebenfalls schnell einen Arzt sehen.
Häufige Symptome
- Rote, scharf abgegrenzte Flecken mit silbrig-weißen Schuppen, besonders an Ellenbogen, Knien, Kopfhaut oder unterem Rücken
- Juckreiz und Spannungsgefühl der Haut
- Trockene Haut, die leicht einreißen kann
- Veränderungen an Finger- und Zehennägeln, zum Beispiel Tüpfel, Verfärbungen oder verdickte Nägel
- Bei manchen Menschen geschwollene oder schmerzende Gelenke
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind häufig Kopfhaut, Gesicht, Ellbogen, Knie und der Bereich unter der Windel betroffen
- Die Flecken können kleiner, runder und weniger schuppig sein als bei Erwachsenen
- Juckreiz ist oft stark, manche Kinder kratzen sich besonders nachts
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im höheren Alter ist die Haut oft dünner und trockener, dadurch sind die Stellen empfindlicher
- Die Schuppenflechte zeigt sich dann häufiger in Hautfalten, zum Beispiel unter den Achseln oder in der Leiste
- Gelenkbeschwerden und Nagelveränderungen kommen im Alter häufiger vor
Ursachen
Hauptursachen
- Die Körperabwehr, also das Immunsystem, greift fälschlicherweise die eigenen Hautzellen an.
- Durch diese Entzündung reifen Hautzellen viel zu schnell heran und bilden die typischen Schuppen und Rötungen.
- Die Neigung zu Psoriasis ist angeboren. Vererbt wird die Bereitschaft, nicht die Erkrankung selbst.
- Bestimmte Auslöser können die erste Schuppenflechte oder einen neuen Schub hervorrufen.
Risikofaktoren
- Stress und seelische Belastung
- Infektionen, besonders Mandelentzündungen durch Bakterien
- Verletzungen der Haut wie Schnitte, Schürfwunden, Sonnenbrand oder Mückenstiche
- Kalte und trockene Luft, vor allem im Winter
- Rauchen
- Übermäßiger Alkoholkonsum
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlich stark ausgeweiteten Hautveränderungen mit Fieber oder starkem Krankheitsgefühl: sofort den Notruf 112 anrufen.
- Bei geschwollenen, schmerzhaften Gelenken oder morgendlicher, länger als 30 Minuten anhaltender Gelenksteifigkeit: zeitnah einen Termin beim Hausarzt oder Hautarzt vereinbaren.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie rote, juckende oder schuppende Hautstellen bemerken, die nicht von selbst abklingen.
- Wenn sich Finger- oder Fußnägel verändern oder sich von der Nagelplatte lösen.
- Wenn Ihre Haut trotz guter Hautpflege über mehrere Wochen auffällig bleibt.
Diagnose
Der Weg zur Diagnose beginnt meist beim Hautarzt. Er fragt zunächst nach Ihren Beschwerden, nach Hautveränderungen in der Familie und nach möglichen Auslösern. Danach betrachtet er die Haut, die Kopfhaut und die Nägel genau. Meist lässt sich eine Schuppenflechte schon allein am Aussehen erkennen.
Mögliche Untersuchungen
- Eine Hautprobe, auch Biopsie genannt, ist nur selten nötig – zum Beispiel dann, wenn die Diagnose unsicher ist.
- Bei Gelenkbeschwerden kann der Arzt zusätzlich Blutuntersuchungen oder eine Ultraschall- und Röntgenuntersuchung der betroffenen Gelenke veranlassen.
- Manchmal wird eine Zusammenarbeit mit einem Rheumatologen empfohlen, wenn eine Gelenkbeteiligung vermutet wird.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Nach der Untersuchung erklärt Ihnen der Arzt, welche Form der Schuppenflechte vorliegt, ob auch Gelenke betroffen sind und welche Behandlungsmöglichkeiten in Frage kommen. Sie dürfen Fragen stellen. Gemeinsam können Sie einen Behandlungsplan erstellen, der zu Ihrem Leben passt.
Behandlung
Eine lang anhaltende Schuppenflechte lässt sich meist gut behandeln, auch wenn es bisher keine Heilung gibt. Ziel ist es, die Entzündung zu drosseln, Schuppen zu entfernen, den Juckreiz zu lindern und die Haut möglichst lange ruhig zu halten. Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Hautveränderungen, nach Gelenkbeschwerden und nach Ihrer persönlichen Situation.
Selbsthilfe zu Hause
- Duschen oder baden Sie kurz mit lauwarmem Wasser und milden, parfümfreien Produkten.
- Trocknen Sie die Haut sanft ab – tupfen Sie sie ab, statt zu reiben.
- Pflegen Sie die Haut ein- bis zweimal täglich mit einer reichhaltigen, feuchtigkeitsspendenden Creme oder Lotion ohne Duftstoffe.
- Vermeiden Sie Kratzen, auch wenn es schwerfällt. Kürzere Fingernägel verringern Hautschäden.
- Wenden Sie die ärztlich empfohlenen Behandlungen regelmäßig an, auch wenn die Haut zwischendurch besser aussieht.
Medizinische Behandlungen
Bei leichter bis mittelstarker Psoriasis werden äußerliche Behandlungen eingesetzt, zum Beispiel Cremes, Salben, Gele oder Lotionen. Sie wirken direkt auf der Haut und bremsen Entzündung oder Schuppenbildung. Bei mittelschweren bis schweren Formen kommt eine Lichttherapie mit UV-Strahlung in Frage. Für hartnäckige oder sehr ausgedehnte Verläufe gibt es außerdem Medikamente als Tabletten oder Spritzen, die in das Immunsystem eingreifen. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, entscheidet der Hautarzt gemeinsam mit Ihnen. Eine gute ärztliche Begleitung ist wichtig, denn nicht jede Behandlung passt für jeden Menschen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei der Hauterkrankung selbst nicht nötig. Wenn sich durch eine Psoriasis-Arthritis Gelenke dauerhaft geschädigt haben, kann in seltenen Fällen ein orthopädischer Eingriff erwogen werden. Das ist immer die letzte Option nach Ausschöpfung aller anderen Behandlungsmöglichkeiten.
Leben mit der Erkrankung
Nehmen Sie die Hautpflege als feste Routine in den Alltag auf – zum Beispiel zehn Minuten abends zum Eincremen. Tragen Sie weiche, atmungsaktive Kleidung und schützen Sie Ihre Haut vor Verletzungen. Planen Sie auch Zeit für Erholung und Dinge ein, die Ihnen Freude machen. Die Schuppenflechte gehört zu Ihnen, aber sie muss nicht alles bestimmen.
Tipps für den Alltag
- Reduzieren Sie Stress, zum Beispiel durch Spaziergänge, Atemübungen, Musik oder Gespräche.
- Wenn Sie rauchen: Versuchen Sie, damit aufzuhören. Rauchen kann Schübe verschlimmern.
- Trinken Sie wenig Alkohol, denn Alkohol kann die Hautbeschwerden verstärken.
- Schützen Sie Ihre Haut vor Verletzungen – auch vor Sonnenbrand. Eine unversehrte Haut ist weniger anfällig für neue Herde.
- Setzen Sie sich nur so viel Sonnenlicht aus, dass die Haut sich bessert, aber niemals einen Sonnenbrand entsteht.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle „Psoriasis-Diät“ ist nicht belegt. Aber eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und gesunden Fetten sowie regelmäßige Bewegung können das Wohlbefinden stärken und die Entzündung im Körper günstig beeinflussen. Besonders gut geeignet sind gelenkschonende Bewegungen wie Schwimmen oder Radfahren, wenn auch Gelenke betroffen sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine sichtbare, lang anhaltende Hauterkrankung kann Scham, Frustration oder Traurigkeit auslösen. Das ist verständlich. Es ist wichtig, diese Gefühle auszusprechen – bei Menschen Ihres Vertrauens, beim Hautarzt oder bei einer psychologischen Beratungsstelle. Wenn Gedanken an Selbsttötung auftauchen, ist das ein Notfall: Verlassen Sie sich nicht auf sich allein. Rufen Sie sofort den Notruf 112 an oder gehen Sie in eine psychiatrische Notaufnahme.
Vorbeugung
Dass eine Psoriasis ausbricht, lässt sich nicht immer verhindern, weil die Veranlagung angeboren ist. Schübe lassen sich aber häufig abmildern oder hinauszögern, wenn Sie Ihre persönlichen Auslöser kennen und vermeiden – zum Beispiel Stress, Hautverletzungen, Rauchen und zu viel Alkohol. Eine gute Hautpflege und die regelmäßige ärztliche Behandlung sind ebenfalls wichtig.
Impfungen
Es gibt keinen Impfstoff gegen Psoriasis, weil die Erkrankung nicht ansteckend ist. Die allgemein empfohlenen Schutzimpfungen sind aber trotzdem wichtig, da Infekte manchmal einen Schub auslösen können. Lassen Sie sich ärztlich beraten, wenn Sie gerade eine starke Schuppenflechte haben oder eine Behandlung erhalten, die das Immunsystem verändert.
Früherkennungsprogramme
Eine spezielle Früherkennungsuntersuchung für Psoriasis gibt es nicht. Wenn Sie Hautveränderungen an sich bemerken, achten Sie auch auf Nagel- und Gelenksymptome und stellen Sie diese rechtzeitig ärztlich vor. So kann auch eine Gelenkbeteiligung früh erkannt und behandelt werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Hautstellen können ohne Behandlung dicker, größer und hartnäckiger werden.
- Ständiges Kratzen kann zu offenen Stellen, Blutungen und bakteriellen Hautinfektionen führen.
- Bei einem Teil der Betroffenen kann sich eine entzündliche Gelenkerkrankung entwickeln, die zu dauerhaften Gelenkschäden führen kann.
- Selten kann eine schwere, flächige oder pustulöse Psoriasis entstehen, die sofort ärztlich behandelt werden muss.
Langzeitprognose
Eine lang anhaltende Schuppenflechte ist heute sehr gut behandelbar. Viele Menschen erreichen über lange Zeit fast oder ganz glatte Haut. Manche brauchen Geduld und müssen verschiedene Behandlungen ausprobieren. Mit der passenden Behandlung, guter Hautpflege und Unterstützung können Sie trotz Psoriasis ein aktives und erfülltes Leben führen. Die Erkrankung bleibt vielleicht, aber sie muss nicht Ihr Leben bestimmen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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