Beckenschmerzen, die im Liegen stärker werden
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei Beckenschmerzen handelt es sich um ein Druck-, Krampf- oder Schweregefühl im unteren Bauchbereich. Manche Menschen bemerken, dass die Beschwerden gerade im Liegen schlimmer werden – das liegt oft daran, dass sich Druckverhältnisse und Lage der Organe ändern. Die Ursachen können vielfältig sein, von harmlosen Muskelverspannungen bis zu Erkrankungen der weiblichen Organe.
Wichtige Fakten
- Die Beschwerden haben meist eine behandelbare Ursache.
- Im Liegen kann sich der Schmerz durch veränderten Druck oder verrutschte Organe verstärken.
- Bei Warnzeichen wie Ohnmacht oder starken Blutungen sofort 112 wählen.
Ja. Unterleibsschmerzen gehören zu den häufigsten Gründen für einen Besuch in der frauenärztlichen Praxis.
Sie betreffen vor allem Frauen im gebärfähigen Alter, können aber auch in der Schwangerschaft oder nach den Wechseljahren auftreten. Auch Männer können Beckenschmerzen haben, das Thema wird hier aus Sicht der Frauengesundheit beschrieben.
Symptome
- Plötzlich einsetzende, sehr starke Schmerzen
- Ohnmacht oder Kreislaufzusammenbruch
- Starke vaginale Blutungen
- Fieber mit Schüttelfrost
- Schmerzen in der Schulter bei starken Unterleibsschmerzen (möglicher Hinweis auf Einblutung)
- ⚠Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen über Stunden
- ⚠Fieber ohne Notfallzeichen
- ⚠Starke Übelkeit und Erbrechen
- ⚠Schmerzen beim Wasserlassen mit Blut im Urin
- ⚠Ungewollter Gewichtsverlust
Häufige Symptome
- Schmerzen oder Druckgefühl im Unterbauch
- Schmerzen, die sich beim Liegen oder bei Druck auf den Bauch verstärken
- Ziehen in den Beinen oder im Rücken
- Begleitende Übelkeit, Blähungen oder Verstopfung
- Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Geschlechtsverkehr
Ursachen
Hauptursachen
- Endometriose – versprengtes Gebärmutterschleimhautgewebe im Bauchraum
- Gutartige Veränderungen wie Eierstockzysten oder Myome
- Entzündungen im Beckenbereich, z.B. der Eileiter
- Blasenentzündung oder Harnwegsinfekt
- Muskelverspannungen oder Probleme mit der Wirbelsäule
- Reizdarmsyndrom oder Verstopfung
- Bänderschwäche in der Schwangerschaft
Risikofaktoren
- Alter zwischen 20 und 45 Jahren
- Regelbeschwerden von Anfang an
- Frühere Beckenoperationen
- Wiederholte Harnwegsinfekte
- Rauchen kann Durchblutungsprobleme begünstigen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Schmerzen ganz plötzlich sehr stark auftreten
- Wenn bei den Schmerzen Fieber, Schwindel oder starke Blutungen auftreten – dann sofort den Notruf 112 wählen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederholt Schmerzen beim Liegen haben oder sich Ihr Alltag dadurch eingeschränkt fühlt
- Wenn die Beschwerden länger als eine Woche anhalten
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Beschwerden, Dauer und Begleitsymptomen. Es folgen eine körperliche Untersuchung und in den meisten Fällen ein Ultraschall. Dabei wird der Unterbauch von außen und bei Bedarf auch von innen mit einem dünnen Schallkopf untersucht.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch über den Zyklus und die Schmerzsituation
- Tastuntersuchung von Bauch und Scheide
- Ultraschall über die Bauchdecke oder die Scheide
- Urintest zum Ausschluss einer Blasenentzündung
- In besonderen Fällen Blutuntersuchung oder Kernspintomografie (MRT)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel nicht schlimm. Sie dürfen jederzeit das Gespräch suchen und Fragen stellen. Manche Frauen empfinden die innere Ultraschalluntersuchung als unangenehm – sie ist aber schnell vorbei.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Im Mittelpunkt stehen die Linderung der Schmerzen und die Verbesserung der Lebensqualität. Oft reichen nicht-medikamentöse Maßnahmen, in anderen Fällen ist eine gezielte Therapie nötig.
Selbsthilfe zu Hause
- Eine Wärmflasche oder ein warmes Bad kann die Muskulatur entspannen
- Weiche Kissen unter den Bauch oder zwischen die Knie legen
- Langsames Aufstehen aus dem Liegen
- Leichte Bewegung oder Spaziergänge
- Entspannungsübungen gegen Schmerzen
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte orientieren sich bei der Therapie an aktuellen Leitlinien (AWMF) zur Behandlung von Beckenschmerzen. Mögliche Behandlungen umfassen Schmerzmedikamente, hormonelle Therapien, Physiotherapie oder minimalinvasive Verfahren. Eine Operation kommt nur dann in Betracht, wenn eine klar behandelbare Ursache vorliegt, z.B. eine große Zyste oder eine Endometrioseherd.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei gutartigen Veränderungen wie Zysten oder Myomen wird nur operiert, wenn sie Beschwerden verursachen. In seltenen Fällen kann eine Entfernung der Gebärmutter empfohlen werden – das ist aber immer eine Einzelfallentscheidung.
Leben mit der Erkrankung
Finden Sie heraus, welche Positionen Ihnen guttun. Viele Frauen entlasten den Unterbauch, wenn sie auf der Seite liegen und die Beine anziehen. Auch ein Kissen unter dem Bauch kann helfen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige moderate Bewegung
- Stressabbau durch Yoga oder progressive Muskelentspannung
- Ausreichend trinken und Ballaststoffe essen
Ernährung und Bewegung
Eine vollwertige Ernährung mit Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchten hält den Darm in Schwung und beugt Verstopfung vor. Sport wie Schwimmen oder Radfahren trainiert den Beckenboden, ohne zu stoßen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Dauerhafte Schmerzen können belasten und Schlafprobleme verursachen. Es ist wichtig, sich nicht allein zu fühlen. Ein Gespräch mit Ihrer Ärztin tröstet und hilft, einen Fahrplan zu entwickeln. Auch psychologische Unterstützung kann sinnvoll sein. Wenn Sie das Gefühl haben, nicht mehr weiter zu wissen, wenden Sie sich an Ihre ärztliche Praxis oder eine psychosoziale Beratungsstelle.
Vorbeugung
Nicht alle Ursachen sind vermeidbar. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen erhöhen die Chance, Veränderungen früh zu erkennen.
Früherkennungsprogramme
Nehmen Sie die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen wahr. Ihre Frauenärztin kann mit Ihnen besprechen, welche Früherkennung in Ihrem Alter sinnvoll ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Aus chronischen Beckenschmerzen kann ein dauerhaftes Schmerzsyndrom werden
- Unbehandelte Entzündungen können zu Unfruchtbarkeit führen
- Endometriose kann sich ausbreiten und Organe verkleben
Langzeitprognose
Mit einer genauen Diagnose und einem individuellen Behandlungsplan können die meisten Frauen deutlich profitieren. Auch wenn nicht alles sofort verschwindet, gibt es heute viele Wege, Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zurückzugewinnen.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.