Unterleibsschmerzen mit Fieber – was kann das sein?
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer Beckenentzündung wandern Bakterien von der Scheide in die Gebärmutter, die Eileiter oder die Eierstöcke und verursachen dort eine Entzündung. Dabei können Unterleibsschmerzen und Fieber auftreten. Wichtig ist, dass eine mögliche Infektion schnell behandelt wird.
Wichtige Fakten
- Unterleibsschmerzen mit Fieber können Zeichen einer Infektion sein – lassen Sie das ärztlich abklären.
- Eine unbehandelte Beckenentzündung kann auf Dauer zu Verwachsungen oder Unfruchtbarkeit führen.
- Mit einer rechtzeitigen Behandlung sind die Aussichten sehr gut.
Beckenentzündungen gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten der Geschlechtsorgane. Schätzungen zufolge erkranken in Deutschland jedes Jahr viele tausend Frauen daran.
Sie tritt vor allem bei Frauen im gebärfähigen Alter auf. Ein erhöhtes Risiko besteht besonders bei jungen Frauen unter 25 Jahren.
Symptome
- Starke, anhaltende Unterleibsschmerzen, die sich zunehmend verschlimmern – wählen Sie den Notruf 112
- Sehr hohes Fieber (über 39,5 Grad) mit Schüttelfrost – wählen Sie den Notruf 112
- Ohnmacht, Bewusstseinstrübung oder Kreislaufprobleme – wählen Sie den Notruf 112
- Wenn Sie schwanger sind und Unterleibsschmerzen mit Fieber haben, begeben Sie sich sofort in die Notaufnahme oder rufen Sie den Notruf 112.
- ⚠Fieber über 38,5 Grad zusammen mit Unterleibsschmerzen – noch am selben Tag ärztliche Hilfe holen
- ⚠Zunehmende Schmerzen trotz Ruhen
- ⚠Ungewöhnlicher Ausfluss mit Fieber
- ⚠Schmerzen beim Wasserlassen oder Blasenprobleme
Häufige Symptome
- Ziehende oder krampfartige Schmerzen im Unterleib
- Fieber (oft ab 38,5 Grad, aber auch niedrigeres Fieber möglich)
- Ungewöhnlicher, übelriechender Ausfluss
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Zwischenblutungen oder ungewöhnliche Blutungen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind Beckenentzündungen sehr selten. Bauchschmerzen mit Fieber können bei Mädchen auf viele Ursachen hinweisen (zum Beispiel eine Blinddarmentzündung). Lassen Sie Ihr Kind deshalb immer ärztlich untersuchen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Frauen sind die Beschwerden oft weniger deutlich. Es können nur leichte Schmerzen, ein Druckgefühl oder unklares Unwohlsein auftreten – auch dann ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden – am häufigsten Chlamydien und Gonokokken
- Aufsteigende Bakterien aus der Scheide, zum Beispiel nach einer bakteriellen Vaginose
- Eingriffe an der Gebärmutter, etwa eine Ausschabung oder das Einsetzen einer Spirale
Risikofaktoren
- Alter unter 25 Jahren
- Mehrere wechselnde Sexualpartner
- Ungeschützter Geschlechtsverkehr
- Frühere oder aktuell bestehende Geschlechtskrankheit
- Spirale (Intrauterinpessar), besonders in den ersten Wochen nach dem Einsetzen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Fieber hatten und Unterleibsschmerzen haben, suchen Sie noch heute einen Arzt oder eine Ärztin auf.
- Wenn die Schmerzen stärker werden oder neue Beschwerden dazukommen, handeln Sie sofort.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Schmerzen nach einem Zyklus oder nach einigen Tagen nicht verschwinden, vereinbaren Sie zeitnah einen Termin.
- Wenn Sie Sorgen wegen möglicher Ansteckung haben, auch ohne starke Schmerzen.
Diagnose
Bei Verdacht auf eine Beckenentzündung wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt ein ausführliches Gespräch führen und eine gynäkologische Untersuchung durchführen. Dabei wird die Gebärmutter und die Umgebung abgetastet – ein leichter Druck kann kurz schmerzen, das ist normal.
Mögliche Untersuchungen
- Abstrich von Scheide und Muttermund zur Analyse auf Bakterien
- Blutuntersuchung, zum Beispiel auf Entzündungswerte
- Ultraschall über die Bauchdecke oder durch die Scheide
- Bei Unsicherheit eventuell eine Bauchspiegelung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert meist nur einige Minuten. Sie dürfen Fragen stellen und können bei Bedarf um eine Pause bitten. Die Diagnose erfolgt anhand Ihrer Beschwerden, der Untersuchung und der Laborwerte.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, wie stark die Entzündung ist. Häufig ist eine Antibiotika-Behandlung über mehrere Tage nötig. Dabei ist es wichtig, dass Sie sich körperlich schonen und die Medikamente genau nach Anweisung einnehmen.
Selbsthilfe zu Hause
- Ausreichend Ruhe gönnen und den Körper nicht überlasten
- Viel Flüssigkeit trinken – Wasser oder ungesüßter Tee
- Wärme auf dem Unterbauch können als angenehm empfunden werden
- Keine Tampons, keine Scheidenspülungen, kein Geschlechtsverkehr bis zur ärztlichen Freigabe
- Enge Kleidung vermeiden, damit die Region durchlüftet wird
Medizinische Behandlungen
Verordnet werden in der Regel Antibiotika, die je nach Schwere über 10 bis 14 Tage eingenommen werden. Die aktuelle AWMF-Leitlinie zur Beckenentzündung gibt den Behandelnden eine Richtschnur. Ist die Infektion schwerwiegend, kann eine Behandlung im Krankenhaus nötig sein, wo Antibiotika über die Vene gegeben werden. Der Partner oder die Partnerin sollte mitbehandelt werden, da sonst eine erneute Ansteckung droht.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn sich ein Eiterherd (Abszess) gebildet hat oder trotz Therapie keine Besserung eintritt, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Ihr Ärzteteam wird die Möglichkeiten im Einzelfall mit Ihnen besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Während der Therapie ist Schonung das Wichtigste. Ihr Körper braucht Zeit, die Infektion abzuwehren. Nehmen Sie Medikamente immer zu Ende und stellen Sie sich zur Kontrolle nach der Behandlung vor.
Tipps für den Alltag
- Auf ausreichend Schlaf und Stressabbau achten – das stärkt das Immunsystem
- Nach der Behandlung beim Frauengesundheitscheck zur Kontrolle erscheinen
- Safer Sex mit Barrieremethoden schützt vor neuen Infektionen
- Verzichten Sie auf Rauchen, da Rauchen die Abwehr schwächt
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkorn unterstützt Ihre Abwehrkräfte. Mit Sport warten Sie, bis Ihr Arzt Ihnen grünes Licht gibt – dann können Sie langsam wieder beginnen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Beckenentzündung kann verunsichern, Angst machen und auch Scham auslösen. Das ist verständlich. Sie haben ein Recht auf vertrauliche, respektvolle medizinische Hilfe. Scheuen Sie sich nicht, Ihre Gefühle anzusprechen.
Vorbeugung
Sie können das Risiko einer Beckenentzündung deutlich senken, indem Sie Kondome verwenden und sich regelmäßig auf sexuell übertragbare Infektionen testen lassen, besonders bei wechselnden Partnern.
Impfungen
Gegen HPV (humane Papillomviren) gibt es eine Schutzimpfung, die vor bestimmten Krebsvorstufen schützen kann. Eine Impfung gegen Chlamydien oder Gonokokken ist bisher nicht möglich. Sprechen Sie die passenden Maßnahmen mit Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Nehmen Sie die Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt wahr und sprechen Sie Beschwerden offen an – auch wenn sie Ihnen unangenehm sind. Bei sexuell übertragbaren Infektionen ist ein Test oft unkompliziert.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Schmerzen im Unterleib, die den Alltag belasten
- Verklebungen oder Narben an den Eileitern – die Folge kann Unfruchtbarkeit sein
- Erhöhtes Risiko für eine Eileiterschwangerschaft
- Eiteransammlung im Becken, die operativ behandelt werden muss
Langzeitprognose
Wird eine Beckenentzündung frühzeitig erkannt und behandelt, ist die Prognose meist sehr gut. Viele Frauen verspüren nach der Therapie keine Einschränkungen. Im Falle von Spätfolgen kann reproduktionsmedizinische Hilfe unterstützen – sprechen Sie offen mit Ihrem Behandlungsteam.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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