Lungenentzündung, die kommt und geht
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Wenn eine Lungenentzündung (Pneumonie) immer wieder auftritt oder nach einer Besserung zurückkommt, spricht man von einer wiederkehrenden Lungenentzündung. Eine Lungenentzündung ist eine Infektion der Lungenbläschen, die oft durch Bakterien oder Viren ausgelöst wird. Normalerweise heilt sie mit Behandlung vollständig aus. Wenn sie aber immer wiederkommt, kann das auf ein zugrundeliegendes Problem hinweisen, das die Lunge anfälliger macht.
Wichtige Fakten
- Eine wiederkehrende Lungenentzündung ist seltener als eine einmalige, aber sie kann auf eine Grunderkrankung hindeuten.
- Zu den häufigsten Ursachen gehören ein geschwächtes Immunsystem, chronische Lungenerkrankungen oder Schluckstörungen.
- Mit der richtigen Behandlung und Vorbeugung lässt sich das Risiko für erneute Infektionen oft deutlich senken.
Wiederkehrende Lungenentzündungen sind nicht sehr häufig. Sie betreffen etwa 2–5 von 100 Menschen, die eine Lungenentzündung hatten. Bei Kindern und älteren Menschen kommt sie etwas öfter vor.
Sie kann Menschen jeden Alters betreffen, tritt aber häufiger bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z. B. nach einer Chemotherapie), bei chronischen Lungenerkrankungen (wie COPD oder Asthma), bei älteren Menschen oder bei Kindern mit angeborenen Lungenfehlbildungen auf. Auch Menschen, die Schluckprobleme haben, sind gefährdet.
Symptome
- Starke Atemnot, die es unmöglich macht, Sätze zu sprechen
- Blaue Lippen oder bläuliche Verfärbung der Finger
- Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle
- Plötzliche sehr hohe Atemfrequenz (mehr als 30 Atemzüge pro Minute)
- ⚠Fieber über 39 °C, das mit fiebersenkenden Mitteln nicht sinkt
- ⚠Blutiger Auswurf
- ⚠Starke Brustschmerzen
- ⚠Verschlechterung der Atmung innerhalb weniger Stunden
- ⚠Schwere Erschöpfung, die nicht nachlässt
Häufige Symptome
- Husten mit oder ohne Auswurf
- Fieber und Schüttelfrost
- Kurzatmigkeit oder schnelles Atmen
- Brustschmerzen beim Atmen oder Husten
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Verwirrtheit oder Benommenheit (besonders bei älteren Menschen)
Symptome bei Kindern
- Schnelle oder angestrengte Atmung
- Einziehen der Haut zwischen den Rippen beim Atmen
- Fieber, das nicht auf die üblichen Hausmittel anspricht
- Trinkunlust oder verweigerte Nahrungsaufnahme
- Ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Reizbarkeit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder plötzliche Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit
- Schwäche oder unsicherer Gang
- Abfall der Körpertemperatur (Untertemperatur) anstelle von Fieber
- Verschlechterung einer bestehenden Lungenkrankheit (z. B. COPD)
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien (z. B. Streptococcus pneumoniae, das häufigste Bakterium bei Lungenentzündungen)
- Viren (wie Grippe- oder RS-Viren)
- Pilze (selten, meist nur bei stark geschwächtem Immunsystem)
- Aspiration (Einatmen von Speichel, Nahrung oder Mageninhalt) – häufig bei Schluckstörungen
Risikofaktoren
- Geschwächtes Immunsystem (durch Erkrankungen wie HIV, Krebsbehandlungen oder Medikamente gegen Abstoßungsreaktionen)
- Chronische Lungenerkrankungen (COPD, Bronchiektasen, Mukoviszidose)
- Schluckstörungen (z. B. nach Schlaganfall, bei Demenz oder neurologischen Erkrankungen)
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
- Kürzliche Operationen oder langer Krankenhausaufenthalt
- Schlechte Mundpflege, die das Risiko für Infektionen erhöht
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Anzeichen einer schweren Lungenentzündung wie starker Atemnot, Verwirrtheit oder bläulichen Lippen – sofort den Notruf 112 wählen.
- Wenn Sie nach einer Lungenentzündung innerhalb weniger Wochen erneut Fieber, Husten oder Atemprobleme bekommen – noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederholt an Lungenentzündungen leiden, auch wenn die Symptome mild sind – vereinbaren Sie einen Termin mit Ihrem Hausarzt oder Lungenfacharzt.
- Wenn Sie grundsätzlich Fragen zur Vorbeugung oder Behandlung haben, besprechen Sie diese in einer nicht akuten Sprechstunde.
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose durch eine Kombination aus Befragung, Abhören der Lunge und weiteren Untersuchungen. Bei wiederkehrender Lungenentzündung wird gezielt nach einer zugrundeliegenden Ursache gesucht.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgenaufnahme der Lunge oder eine Computertomographie (CT) – um zu sehen, ob die Lungenentzündung abheilt oder ob andere Auffälligkeiten vorliegen.
- Blutuntersuchungen – um Entzündungszeichen zu messen und mögliche Erreger nachzuweisen.
- Sputumprobe (Auswurf) – um den genauen Erreger zu bestimmen.
- Bronchoskopie (Spiegelung der Atemwege) – bei wiederholten Lungenentzündungen, um die Atemwege von innen zu untersuchen.
- Lungenfunktionstest – um die Leistungsfähigkeit der Lunge zu prüfen.
- Schluckuntersuchung – wenn der Verdacht auf Aspiration besteht.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei. Für die Bronchoskopie erhalten Sie ein Beruhigungsmittel, sodass Sie nichts spüren. Die Ergebnisse helfen Ihrem Arzt, einen auf Sie zugeschnittenen Behandlungsplan zu erstellen. Oft sind mehrere Arztbesuche nötig, bis die Ursache gefunden ist.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und der Schwere der Lungenentzündung. Ziel ist es, die Infektion zu beseitigen, die Symptome zu lindern und ein Wiederauftreten zu verhindern. Bei wiederkehrender Lungenentzündung steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel Ruhe und Schlaf, um dem Körper die Erholung zu ermöglichen.
- Ausreichend Flüssigkeit trinken (Wasser, Kräutertee), um den Schleim zu lösen.
- Auf Rauchen und Alkohol verzichten, da sie die Lunge reizen.
- Fiebersenkende Maßnahmen wie kühle Wadenwickel nach ärztlicher Rücksprache.
- Atemübungen oder Atemtherapie, um die Lungenfunktion zu verbessern.
Medizinische Behandlungen
Je nach Erreger kommen Antibiotika gegen Bakterien oder antivirale Mittel gegen Viren zum Einsatz. Diese werden nur auf ärztliche Verordnung eingenommen. Bei schwerer Lungenentzündung ist eine Behandlung im Krankenhaus nötig, oft mit Sauerstoffgabe oder Beatmungsunterstützung. Bei wiederkehrender Lungenentzündung kann eine Impfung (z. B. gegen Grippe oder Pneumokokken) empfohlen werden. Ihr Arzt entscheidet gemeinsam mit Ihnen über die passende Therapie.
Wann kommt eine Operation infrage?
In seltenen Fällen, wenn eine Fehlbildung der Lunge oder ein Tumor die Ursache für die wiederkehrende Lungenentzündung ist, kann eine Operation notwendig sein. Dies wird immer individuell mit dem Facharzt besprochen.
Leben mit der Erkrankung
Achten Sie auf Ihre Gesundheit und vermeiden Sie Dinge, die Ihre Lunge reizen. Gehen Sie bei den ersten Anzeichen einer Erkältung mit zu Ihrem Arzt, um eine erneute Lungenentzündung frühzeitig zu erkennen. Halten Sie sich an den von Ihrem Arzt erstellten Behandlungsplan – auch wenn Sie sich besser fühlen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft (z. B. Spaziergänge) – aber nicht bei akuter Infektion.
- Tiefes Durchatmen und Atemübungen, um die Lungen zu kräftigen.
- Vorsicht vor großen Menschenmengen in der Erkältungszeit – tragen Sie bei Bedarf eine Maske.
- Gute Mundhygiene (Zähneputzen, Zahnseide) verringert das Risiko, dass Keime in die Lunge gelangen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten stärkt das Immunsystem. Vermeiden Sie stark zuckerhaltige Lebensmittel. Leichte Bewegung wie Yoga oder Nordic Walking kann die Lungenfunktion verbessern. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Übungen für Sie geeignet sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederkehrende Lungenentzündungen können belastend sein. Angst vor der nächsten Infektion oder Frustration sind normal. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt oder einer Vertrauensperson darüber. Wenn die Stimmung anhaltend gedrückt ist, suchen Sie psychologische Unterstützung – Ihr Hausarzt kann Ihnen eine Adresse nennen.
Vorbeugung
Ja, viele Fälle wiederkehrender Lungenentzündung lassen sich verhindern. Wichtig sind eine gute Grundversorgung der Lunge und die Behandlung von Risikofaktoren. Dazu gehören: Impfungen, Rauchverzicht, gute Mundhygiene und bei Schluckstörungen spezielle Übungen.
Impfungen
Es gibt Impfungen, die vor einigen Auslösern einer Lungenentzündung schützen: die Grippeimpfung (jährlich), die Impfung gegen Pneumokokken und die COVID-19-Impfung. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Impfungen für Sie empfohlen werden.
Früherkennungsprogramme
Wenn bei Ihnen wiederholt Lungenentzündungen auftreten, kann Ihr Arzt eine Bronchoskopie oder einen Lungenfunktionstest durchführen, um frühzeitig Probleme zu erkennen. Regelmäßige Kontrollen beim Lungenfacharzt sind sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Lungenabszess – eine abgekapselte Eiteransammlung in der Lunge.
- Pleuraerguss – Ansammlung von Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustfell.
- Sepsis – eine gefährliche Ausbreitung der Infektion im gesamten Körper.
- Lungenversagen – die Lunge kann nicht mehr genug Sauerstoff ins Blut bringen.
- Narbenbildung in der Lunge (Lungenfibrose), die die Lunge dauerhaft schädigt.
Langzeitprognose
Mit rechtzeitiger Behandlung ist die Prognose meist gut. Die meisten Menschen erholen sich vollständig, auch wenn die Lungenentzündung wiedergekommen ist. Entscheidend ist, die zugrundeliegende Ursache zu finden und zu behandeln. Die Medizin hat heute viele Möglichkeiten, wiederkehrende Lungenentzündungen zu kontrollieren – bleiben Sie zuversichtlich und arbeiten Sie eng mit Ihrem Arzt zusammen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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