Schuppenflechte (Psoriasis) in der Nacht: besser schlafen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronische Hauterkrankung, bei der sich Hautzellen zu schnell erneuern. Dadurch entstehen gerötete, schuppige Hautstellen, die jucken können. Nachts nehmen viele Menschen den Juckreiz besonders stark wahr, weil die Wärme der Bettdecke und die ruhige Umgebung das Jucken verstärken. Auch Schwitzen in der Nacht kann die Haut zusätzlich reizen.
Wichtige Fakten
- Schuppenflechte ist nicht ansteckend – niemand kann sich bei Ihnen anstecken.
- Die Erkrankung verläuft in Schüben: Es gibt gute und schlechte Phasen.
- Mit geeigneter Pflege und Behandlung können auch die Nächte deutlich ruhiger werden.
Ja. In Deutschland sind etwa zwei von 100 Menschen von Schuppenflechte betroffen. Sie gehört zu den häufigsten chronischen Hauterkrankungen.
Schuppenflechte kann in jedem Alter beginnen, am häufigsten tritt sie erstmals zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr oder zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf. Männer und Frauen sind ungefähr gleich oft betroffen.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn Sie sich plötzlich sehr krank fühlen und gleichzeitig eine großflächige Rötung, Fieber oder Schüttelfrost auftreten – das kann ein Zeichen für eine schwere Infektion sein.
- Wenn sich auf der Haut plötzlich eitrige, schmerzhafte Bläschen bilden und Sie Schwäche oder Verwirrtheit verspüren, verständigen Sie den Notruf.
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe, wenn eine Hautstelle stark schmerzt, anschwillt oder nässend wird.
- ⚠Vereinbaren Sie einen zeitnahen Termin, wenn Gelenke plötzlich schmerzen oder anschwellen – das könnte ein Hinweis auf eine begleitende Gelenkentzündung sein.
Häufige Symptome
- Gerötete Hautstellen mit silbrig-weißlichen Schuppen, häufig an Ellenbogen, Knien, Kopfhaut und am unteren Rücken.
- Juckreiz, der abends und nachts meist stärker wird.
- Trockene, raue Haut, die spannt oder bei Bewegung einreißt.
- Schuppen auf Kopfhaut, Kleidung oder im Bett.
- Veränderungen an Fingernägeln oder Zehennägeln (Dellen, Rillen oder verdickte Nägel).
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern zeigt sich Schuppenflechte oft als feine Schuppung im Windelbereich, auf der Kopfhaut oder in Hautfalten.
- Der Juckreiz kann den Schlaf stören; Kinder wachen dann nachts häufiger auf.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im Alter ist die Haut oft dünner und trockener, dadurch können Rötungen blasser wirken, während Juckreiz und Hautspannung zunehmen.
- Ältere Menschen haben häufiger zusätzliche Hautprobleme wie sehr trockene Haut oder Pilzinfektionen, die die Beschwerden beeinflussen.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht bekannt.
- Bei Schuppenflechte reagiert das Immunsystem überaktiv: Es greift gesunde Hautzellen an und regt sie an, sich viel zu schnell zu vermehren.
- Eine erbliche Veranlagung spielt eine wichtige Rolle.
- Auslöser wie Stress, Infektionen, Hautverletzungen oder manche Medikamente können einen Schub starten.
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung (Schuppenflechte bei Eltern oder Geschwistern)
- Psychischer oder körperlicher Stress
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
- Übergewicht
- Trockene, kalte Luft, besonders in der Heizperiode
- Hautreizungen durch Reibung oder Kratzen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher, großflächiger Verschlechterung der Haut.
- Bei Fieber, Schüttelfrost oder anderen Anzeichen einer Infektion.
- Bei starken Gelenkschmerzen, die länger als ein paar Tage anhalten.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn neue oder veränderte Hautstellen auftreten.
- Wenn der Juckreiz das Schlafen oder den Alltag stark beeinträchtigt.
- Wenn die Haut trotz sorgfältiger Pflege nicht besser wird.
Diagnose
Die Diagnose stellt eine Hautärztin oder ein Hautarzt meistens schon anhand des typischen Aussehens der Haut. Die Ärztin oder der Arzt fragt außerdem nach Ihren Beschwerden, möglichen Auslösern und ob in Ihrer Familie Schuppenflechte vorkommt.
Mögliche Untersuchungen
- Gründliche Untersuchung der Haut, Kopfhaut und Nägel
- Ausführliches Gespräch über Krankengeschichte und Alltag
- Nur in unklaren Fällen: Entnahme einer kleinen Hautprobe (Biopsie) zur feingeweblichen Untersuchung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzttermin dauert in der Regel 15 bis 30 Minuten. Sie erhalten danach eine Einschätzung und Empfehlungen zur Behandlung. In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte dabei an der Leitlinie der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.). Zögern Sie nicht, während des Termins alle Fragen zu stellen.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, Entzündungen zu reduzieren, Schuppen zu lösen, den Juckreiz zu lindern und die Haut zu beruhigen. Welche Behandlung infrage kommt, hängt von der Ausdehnung der Hautveränderungen, der betroffenen Körperregion, Ihrem Lebensstil und Ihren Wünschen ab. Die Behandlung kann äußerlich (zum Beispiel mit Cremes oder Salben), mit Lichttherapie oder innerlich (systemisch) mit Tabletten oder Spritzen erfolgen.
Selbsthilfe zu Hause
- Waschlotionen und Cremes ohne Duftstoffe verwenden – fragen Sie in Ihrer Apotheke nach geeigneten Produkten.
- Lauwarm duschen (maximal 5 bis 10 Minuten) und die Haut danach vorsichtig abtupfen, nicht rubbeln.
- Direkt nach dem Duschen oder Baden eine rückfettende Creme auf die noch leicht feuchte Haut auftragen.
- Im Schlafzimmer eine kühle, gut gelüftete Umgebung schaffen (etwa 16 bis 18 Grad Celsius).
- Baumwollbettwäsche und Baumwollnachthemden verwenden; Wolle und synthetische Stoffe können kratzen.
- Fingernägel kurz schneiden, um nächtliche Kratzverletzungen zu vermeiden – dünne Baumwollhandschuhe können zusätzlich helfen.
Medizinische Behandlungen
Die medizinischen Behandlungen werden individuell von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin verordnet. Dazu gehören Cremes und Salben mit entzündungshemmenden Wirkstoffen (z. B. Kortikosteroide oder Vitamin-D-Derivate), Teerpräparate, eine Lichttherapie mit UV-Licht sowie systemische Therapien, die das Immunsystem beeinflussen. Jede Behandlung hat Vor- und Nachteile, die Sie vorab besprechen sollten. Nehmen Sie niemals verschreibungspflichtige Medikamente ohne ärztliche Anweisung ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Schuppenflechte in der Regel nicht erforderlich. In sehr seltenen Fällen können begleitende Probleme wie Nagelveränderungen oder Gelenkschäden ein chirurgisches Vorgehen nötig machen – das entscheidet aber der behandelnde Orthopäde oder die Hautärztin.
Leben mit der Erkrankung
Schuppenflechte ist eine langwierige Erkrankung, die mit Phasen starker Beschwerden und ruhigeren Phasen verläuft. Eine feste Hautpflegeroutine ist daher das A und O. Legen Sie zum Beispiel jeden Abend eine ruhige Viertelstunde fest, in der Sie Ihre Haut eincremen und sich von Pflegeprodukten verwöhnen lassen. Auch wenn die Haut sichtbar betroffen ist: Sie sind mehr als Ihre Haut.
Tipps für den Alltag
- Planen Sie regelmäßige Entspannungszeiten ein, zum Beispiel autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder einen abendlichen Spaziergang.
- Halten Sie feste Schlafenszeiten ein, um Ihrem Rhythmus Stabilität zu geben.
- Vermeiden Sie nächtliches Kratzen durch Handschuhe oder lockere Baumwollkleidung.
- Reduzieren Sie Stress am Arbeitsplatz und in der Familie aktiv, zum Beispiel durch Kommunikation oder das Erlernen von Entspannungsmethoden.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und gesunden Fetten (etwa aus Leinöl, Walnüssen oder fettem Fisch) unterstützt das Immunsystem. Achten Sie auf ein gesundes Gewicht – schon ein leichter Gewichtsverlust kann Entzündungen im Körper verringern. Bewegung wie Schwimmen, Radfahren oder Yoga ist empfehlenswert. Duschen Sie nach körperlicher Aktivität zügig und cremen Sie Ihre Haut ein, um Schweißreizungen zu vermeiden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die sichtbaren Hautveränderungen können das Selbstbewusstsein belasten. Schlafmangel durch nächtlichen Juckreiz verstärkt Müdigkeit und innere Anspannung. Es ist völlig verständlich, wenn Sie sich manchmal unsicher oder traurig fühlen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt über Ihre psychische Belastung zu sprechen. Er kann Sie an psychologische Beratung vermitteln. In akuten seelischen Notfällen – etwa wenn Sie Gedanken an Selbstverletzung haben – rufen Sie sofort den Notruf 112 an.
Vorbeugung
Da die Veranlagung zur Schuppenflechte angeboren ist, können Sie die Erkrankung nicht verhindern. Sie können jedoch Schübe hinauszögern und in ihrer Stärke beeinflussen, indem Sie Auslöser wie starken Stress, Hautverletzungen und Rauchen vermeiden.
Impfungen
Gegen grippale Infekte und andere Erkrankungen, die einen Schub auslösen können, sind Impfungen grundsätzlich sinnvoll. Besprechen Sie Impfungen vorab mit Ihrem Arzt – besonders dann, wenn Ihre Schuppenflechte gerade behandelt wird.
Früherkennungsprogramme
Ein spezielles Früherkennungsprogramm für Schuppenflechte gibt es nicht. Es lohnt sich aber, die Haut regelmäßig selbst anzuschauen und bei Veränderungen den Hautarzt aufzusuchen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung können Schübe länger andauern und die Haut stärker schädigen.
- Dauerhafter Juckreiz und Schlafmangel können zu Erschöpfung und gedrückter Stimmung führen.
- Bei etwa jedem fünften bis dritten Betroffenen entwickelt sich eine Gelenkentzündung (Psoriasis-Arthritis), die unbehandelt zu dauerhaften Gelenkschäden führen kann.
Langzeitprognose
Schuppenflechte ist nicht heilbar, aber in den meisten Fällen sehr gut behandelbar. Die modernen Therapien wirken oft schnell und können die Haut weitgehend beruhigen. Viele Menschen mit Schuppenflechte führen ein aktives, erfülltes Leben – mit guter Behandlung und zuverlässiger Hautpflege können auch die Nächte wieder ruhiger werden.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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