Schuppenflechte an einer Körperseite
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronische Hauterkrankung, bei der die Haut an manchen Stellen zu schnell erneuert wird. Dadurch entstehen rote, schuppige Flecken. Wenn sie nur an einer Seite des Körpers auftreten, nennt man das einseitige Psoriasis. Die Krankheit ist nicht ansteckend.
Wichtige Fakten
- Psoriasis ist nicht ansteckend, man kann sie sich also nicht einfangen.
- Die Hauterneuerung läuft bei Schuppenflechte viel schneller ab – die Zellen stauen sich als Schuppen an.
- Es gibt gute Behandlungen, die Schübe lindern und die Haut beruhigen.
- Die Krankheit verläuft in Wellen – mal sind die Beschwerden größer, mal kleiner.
Ja. In Deutschland sind etwa zwei von hundert Menschen betroffen. Damit ist die Schuppenflechte eine der häufigsten Hautkrankheiten.
Psoriasis kann in jedem Alter auftreten, häufig beginnt sie bei jungen Erwachsenen oder – später – bei Menschen über 50. Männer und Frauen sind ungefähr gleich oft betroffen.
Symptome
- Wenn sich innerhalb kurzer Zeit große Teile der Haut röten, schuppen und stark schmerzen – zum Beispiel bei einer Erythrodermie. Rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Wenn Fieber, Schüttelfrost oder Atemnot dazukommen. Rufen Sie den Notruf 112.
- ⚠Wenn sich Hautstellen stark entzünden, nässen oder Eiter zeigen – das könnte eine Infektion sein.
- ⚠Wenn Gelenke plötzlich schmerzen, schwellen und sich steif anfühlen – vereinbaren Sie noch am selben Tag einen Termin.
- ⚠Wenn Sie starke Schmerzen auf der Haut haben oder sich sehr unwohl fühlen.
Häufige Symptome
- Rote, gut abgegrenzte Hautstellen mit silbrigen Schuppen
- Die Flecken jucken, spannen oder brennen manchmal
- Typische Stellen sind Ellenbogen, Knie, Kopfhaut, Kreuzbein und Bauchnabel
- Bei einseitiger Psoriasis findet sich die Hautveränderung nur auf einer Körperseite, zum Beispiel nur am linken Ellbogen oder nur am rechten Bein
- Fingernägel können brüchig werden oder kleine Dellen aufweisen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind die Flecken oft kleiner und zahlreicher
- Nach einer Halsentzündung können plötzlich viele kleine, tropfenförmige Flecken auftreten
- Der Juckreiz ist bei Kindern häufig besonders stark
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Haut ist dünner, die Flecken sind weniger stark gerötet
- Oft sitzen die Veränderungen an den Unterschenkeln oder in Hautfalten
- Manchmal fehlen die typischen Schuppen, deshalb wird die Diagnose verzögert
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Bekannt ist, dass das Immunsystem eine zentrale Rolle spielt: Es setzt Botenstoffe frei, die die Hautzellen dazu bringen, sich zu schnell zu vermehren.
- Auch Vererbung ist wichtig: Psoriasis kommt in manchen Familien gehäuft vor, das Risiko zu erkranken ist höher, wenn ein Elternteil betroffen ist.
- Von außen kommen Auslöser dazu: Stress, Hautverletzungen, starke Sonnenbrände, Infekte wie Mandelentzündung, aber auch kaltes und trockenes Klima.
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung: Geschwister oder Eltern mit Psoriasis
- Stress und seelische Belastungen
- Rauchen – es verstärkt oft die Symptome
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Übergewicht – Menschen mit starkem Übergewicht haben häufiger eine schwerere Verlaufsform
- Manche Medikamente können einen Schub auslösen – das kann Ihr Arzt oder Ihre Ärztin mit Ihnen besprechen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zu den Hautveränderungen Gelenkschwellungen oder Morgensteifigkeit bemerken, sollten Sie innerhalb weniger Tage ärztliche Hilfe suchen, nicht erst abwarten.
- Wenn sich die Hautentzündung plötzlich ausbreitet und Sie Fieber haben.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn rote, schuppige Flecken länger als ein paar Wochen bestehen, sich verändern oder wiederkommen.
- Wenn Sie Veränderungen an den Fingernägeln sehen.
- Wenn eine einseitige Hautstelle Sie verunsichert.
Diagnose
Die Diagnose stellt meist eine Hautärztin oder ein Hautarzt. Sie schauen sich die Haut an und fragen nach Ihren Beschwerden, nach Krankheiten in Ihrer Familie und nach möglichen Auslösern. In vielen Fällen ist die Diagnose schon durch das charakteristische Aussehen möglich.
Mögliche Untersuchungen
- In unklaren Fällen wird eine Hautprobe (Biopsie) entnommen: Dabei wird unter örtlicher Betäubung ein winziges Stück Haut entfernt und im Labor untersucht.
- Bluttests dienen meist dazu, andere Haut- oder Autoimmunerkrankungen auszuschließen.
- Wenn Gelenke betroffen sind, können zusätzlich Röntgen oder Ultraschall veranlasst werden.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird Sie auch nach Lebensgewohnheiten, Stress und Medikamenten fragen. Notieren Sie vor dem Termin, was Sie beobachtet haben – das hilft, nichts zu vergessen. Sie können auch Fragen stellen, z. B. welche Behandlungen zu Ihrem Alltag passen.
Behandlung
Eine Heilung gibt es bislang nicht. Aber es gibt viele Wege, die Haut zu beruhigen und die Beschwerden unter Kontrolle zu bringen. Welche Therapie für Sie infrage kommt, hängt von der Schwere, der Ausdehnung und der betroffenen Körperregion ab. Manche Behandlungen wirken nur auf die Haut (lokal), andere auf den ganzen Körper (systemisch).
Selbsthilfe zu Hause
- Täglich eincremen – am besten mit einer rückfettenden Lotion ohne Duftstoffe
- Milde Seife oder Duschöl verwenden, nicht zu heiß duschen
- Nach dem Waschen die Haut nicht rubbeln, sondern abtupfen
- Kratzen möglichst vermeiden – kühlen hilft gegen Juckreiz (zum Beispiel mit einem feuchten, kühlen Tuch)
- Stress abbauen, etwa durch Yoga, Autogenes Training oder einen Spaziergang
- Sonnenschutz beachten: Moderate UV-Strahlung kann helfen, Sonnenbrand aber unbedingt vermeiden
Medizinische Behandlungen
Medikamente werden als Salben, Cremes, Lotionen oder Shampoos auf die Haut aufgetragen. Daneben gibt es Lichttherapien mit UV-Licht, die gezielt die Entzündung hemmen. Bei mittelschweren bis schweren Formen kommen auch Arzneimittel zum Einsatz, die als Tabletten, Spritzen oder Infusionen gegeben werden – dazu gehören auch Biologika, die sehr gezielt in die Entzündungsreaktion eingreifen. Keines dieser Mittel ist für alle gleich gut geeignet. Was in Ihrem Fall sinnvoll ist, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Lassen Sie sich Zeit und fragen Sie nach, wenn etwas unklar ist.
Leben mit der Erkrankung
Psoriasis kommt in Schüben: Phasen mit kaum sichtbaren Flecken wechseln sich mit aktiven Phasen ab. Viele Menschen entwickeln eine feste Hautpflege-Routine und lernen, ihre persönlichen Auslöser zu meiden. Auch wenn die Schuppenflechte nicht einfach verschwindet – sie lässt sich in den meisten Fällen gut begleiten. Kleidung aus weichen, atmenden Stoffen und ein offener Umgang im Freundes- und Familienkreis können den Alltag erleichtern.
Tipps für den Alltag
- Auf Nikotin verzichten – Rauchen verschlechtert nachweislich den Verlauf.
- Alkohol nur in Maßen genießen.
- Für stabilen Schlaf und Entspannung sorgen.
- Haut täglich mit Feuchtigkeitspflege versorgen.
- Bei kaltem Wetter warme Kleidung tragen, aber nichts zu Enges.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine gesicherte Anti-Psoriasis-Diät. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Omega-3-Fettsäuren (etwa aus Fisch oder Leinöl) kann jedoch helfen, Entzündungen im Körper zu reduzieren. Bewegung wie Schwimmen, Radfahren oder Spazierengehen tut Körper und Seele gut. Wenn Sie übergewichtig sind, kann bereits eine moderate Gewichtsabnahme den Verlauf günstig beeinflussen. Sprechen Sie darüber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Sichtbare Hautveränderungen können nerven – viele Betroffene fühlen sich beobachtet oder schämen sich. Das ist verständlich, aber Sie müssen damit nicht allein bleiben. Auch das Gefühl, keinen Einfluss auf die Krankheit zu haben, kann belasten. Psychologische Beratung, Selbsthilfegruppen oder das Gespräch mit vertrauten Menschen helfen. Und: Psoriasis ist keine Frage der Hygiene oder Charakterstärke.
Vorbeugung
Die Veranlagung zur Psoriasis ist angeboren und lässt sich nicht verhindern. Sie können aber viel dafür tun, Schübe seltener zu machen und abzumildern: Pflegen Sie Ihre Haut regelmäßig, erkennen Sie Ihre Auslöser und behandeln Sie Infekte früh. Auch Stressabbau und ein gesunder Lebensstil unterstützen die Haut.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei starken Hautfalten entstehen schmerzhafte Risse (Fissuren), die schlecht heilen und sich infizieren können
- Bakterien können in die geschädigte Haut eindringen und eine Entzündung auslösen, die behandelt werden muss
- Unbehandelt kann sich eine Form der Gelenkentzündung entwickeln (Psoriasis-Arthritis), die dauerhafte Gelenkschäden verursachen kann
- In seltenen Fällen kann sich eine schwere Ganzkörperentzündung der Haut (Erythrodermie) entwickeln, die ein Notfall ist
Langzeitprognose
Mit einer guten Therapie, sauberer Hautpflege und psychologischer Unterstützung lässt sich die Psoriasis heute meist gut in den Alltag integrieren. Die Erkrankung ist nicht ausheilbar, aber sie ist behandelbar. Viele Menschen haben lange beschwerdefreie Phasen. Auch wenn es Rückschläge gibt – Sie haben mehr Möglichkeiten, als Sie vielleicht denken.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.