Morbus Perthes (Hüftkopfnekrose bei Kindern)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Morbus Perthes ist eine Erkrankung des Hüftgelenks bei Kindern. Dabei bekommt der Kopf des Oberschenkelknochens – das ist das runde Gelenkende, das in der Hüftpfanne sitzt – zeitweise zu wenig Blut. Dadurch stirbt Knochengewebe ab. Der Körper baut diesen Knochen danach wieder auf. In dieser Zeit kann der Knochen weich werden und sich verformen. Meist ist nur eine Hüftseite betroffen.
Wichtige Fakten
- Tritt häufig zwischen dem 4. und 10. Lebensjahr auf.
- Jungen sind etwa viermal häufiger betroffen als Mädchen.
- Meist ist nur eine Hüfte betroffen.
- Das erste Anzeichen ist oft ein Hinken.
- Mit früher Behandlung ist die Prognose meist gut.
Morbus Perthes ist selten. Etwa ein bis zwei Kinder von 10.000 erkranken daran.
Am häufigsten sind Kinder im Schulalter zwischen 4 und 10 Jahren. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Kinder, die für ihr Alter klein und zierlich sind, scheinen etwas öfter zu erkranken.
Symptome
- Wenn Ihr Kind plötzlich kein Gewicht auf das Bein setzen kann.
- Wenn Ihr Kind hohes Fieber hat und das Hüftgelenk heiß, rot oder stark geschwollen ist.
- Wenn das Bein verdreht oder verkürzt erscheint oder das Kind vor Schmerzen schreit.
- In diesen Fällen rufen Sie bitte sofort den Notruf 112.
- ⚠Wenn das Hinken länger als ein bis zwei Tage anhält.
- ⚠Wenn Ihr Kind über Schmerzen in Hüfte, Leiste oder Knie klagt.
- ⚠Wenn die Bewegung in der Hüfte eingeschränkt ist.
- ⚠Eine frühe Diagnostik ist wichtig, um Folgeschäden zu vermeiden.
Häufige Symptome
- Hinken, das oft erst beim Spielen oder am Ende des Tages auffällt
- Leichte Schmerzen in Hüfte, Leiste, Oberschenkel oder Knie – manchmal nur im Knie
- Das Bein lässt sich schwerer abspreizen oder nach innen drehen
- Die Muskulatur am Oberschenkel kann schmaler werden
- Manche Kinder haben keine Schmerzen, sondern nur ein Hinken
Symptome bei Kindern
- Hinken ohne klare Ursache
- Schonhaltung und Unsicherheit beim Laufen
- Schmerzen beim Aufwärmen oder nach körperlicher Aktivität
- Eingeschränkte Beweglichkeit in der Hüfte
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht bekannt.
- Eine vorübergehende Unterbrechung der Blutzufuhr zum Hüftkopf wird als Auslöser vermutet.
- Der Körper leitet einen Umbau des betroffenen Knochens ein, dabei wird das Hüftgelenk vorübergehend geschwächt.
Risikofaktoren
- Jungen sind häufiger betroffen.
- Alter zwischen 4 und 10 Jahren.
- Kinder, die für ihr Alter klein und schlank sind.
- In seltenen Fällen ist eine familiäre Häufung möglich.
- Manche Studien weisen auf ein niedriges Geburtsgewicht hin.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei einem Hinken, das nach einem Tag nicht weggeht.
- Wenn Ihr Kind beim Gehen Schmerzen hat und diese sich nicht erklären lassen.
- Wenn das Hüftgelenk bei Bewegung wehtut oder steif ist.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei einer regulären U-Untersuchung, wenn Sie einen leichten Schonhinken bemerken.
- Bei unklarer Beinlängenveränderung oder wiederkehrenden Knieschmerzen.
Diagnose
Der Kinderarzt fragt nach der Krankengeschichte, beobachtet den Gang des Kindes und bewegt die Hüfte in alle Richtungen. Entscheidend ist eine Röntgenaufnahme beider Hüftgelenke. Sie kann frühzeitig Veränderungen am Hüftkopf zeigen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Gehtest
- Röntgen beider Hüften
- Ultraschall der Hüfte (Sonografie) zum Ausschluss eines Gelenkergusses
- Magnetresonanztomografie (MRT) in besonderen Fällen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen tun nicht weh. Meist muss das Kind nur eine Weile stillliegen oder stehen. Falls sich der Verdacht bestätigt, überweist der Kinderarzt an eine orthopädische Spezialpraxis oder ein Krankenhaus mit Kinderorthopädie. Dort arbeitet ein Team aus Ärztinnen und Ärzten, Physiotherapeutinnen und Ergotherapeuten.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, den Hüftkopf während der Heilung in einer runden und möglichst idealen Position zu halten. Je nach Alter, Schweregrad und Stadium der Erkrankung gibt es unterschiedliche Behandlungsansätze.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht längere Zeit hüpft, springt oder rennt.
- Erlauben Sie Übungen ohne Belastung, zum Beispiel Schwimmen oder Radfahren.
- Besprechen Sie mit dem Kind, dass Schmerzen ein Zeichen für Pause sind.
- Sorgen Sie für ausreichend Erholungsphasen beim Spielen.
Medizinische Behandlungen
In frühen Stadien kann eine Entlastung des Hüftgelenks durch einen Gips oder eine spezielle Schiene nötig sein, manchmal nur vorübergehend. Physiotherapie hilft, die Beweglichkeit zu erhalten und Muskeln zu stärken. Schmerzmittel können im akuten Schub für kurze Zeit nach ärztlicher Anweisung eingesetzt werden. Bei älteren Kindern oder schwereren Verläufen wird manchmal ein operativer Eingriff empfohlen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird vor allem dann erwogen, wenn das Risiko für Fehlformen hoch ist, zum Beispiel bei Kindern über 6 Jahren oder wenn eine konservative Behandlung nicht ausreicht. Übliche Eingriffe sind Umstellungsosteotomien, bei denen der Knochen so gedreht wird, dass der Hüftkopf besser in der Pfanne liegt.
Leben mit der Erkrankung
Kinder mit Morbus Perthes können den Alltag meist ganz normal erleben, solange sie starke Sprung- und Laufbelastungen meiden. Kindergarten und Schule sollten über die Einschränkungen informiert werden, besonders für den Sportunterricht.
Tipps für den Alltag
- Tägliche sanfte Bewegung in Absprache mit dem Arzt.
- Regelmäßige Physiotherapie besuchen.
- Auf überwiegend schmerzfreie Aktivitäten achten.
- Geduld: Der Heilungsprozess dauert meist ein bis zwei Jahre.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Kost mit Milchprodukten, grünem Gemüse und ausreichend Vitamin D unterstützt die Knochengesundheit. Bewegung im Wasser ist besonders gut, weil das Gelenk dabei entlastet wird. Harte Sportarten wie Fußball oder Basketball sollten erst nach Rücksprache mit dem behandelnden Orthpäden wieder erlaubt werden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Längere Bewegungseinschränkungen können für Kinder frustrierend sein und zu Rückzug oder Stimmungsschwankungen führen. Eltern können helfen, indem sie alternative Bewegungsmöglichkeiten anbieten und das Kind emotional unterstützen. Wenn Ihr Kind sehr belastet wirkt, sprechen Sie mit dem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle.
Vorbeugung
Morbus Perthes lässt sich nicht grundsätzlich verhindern, weil die Ursache unbekannt ist. Eine gesunde Lebensweise und eine gute Knochengesundheit können das Risiko für Folgeschäden verringern.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Hüftkopf kann sich bleibend verformen.
- Das Hüftgelenk kann steif werden.
- Es kann ein Beinlängenunterschied entstehen.
- Eine Hüftgelenksabnutzung (Arthrose) kann bereits im jungen Erwachsenenalter auftreten.
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen Diagnose und einer an den Schweregrad angepassten Behandlung erholen sich die meisten Kinder gut. In günstigen Fällen bleibt die Hüftkopfform rund und bereitet im Erwachsenenalter kaum Beschwerden. Bei manchen Kindern bleibt eine leichte Formveränderung, die aber nicht zwangsläufig zu starken Schmerzen führen muss. Die Erkrankung tritt nicht erneut auf.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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