Plötzlicher Asthmaanfall
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein plötzlicher Asthmaanfall (akute Asthma-Exazerbation) bedeutet, dass sich die Atemwege schnell verengen. Die Muskeln um die Bronchien verkrampfen, die Schleimhaut schwillt an und es wird vermehrt Schleim produziert. Das macht das Atmen schwer und kann beängstigend sein.
Wichtige Fakten
- Ein plötzlicher Asthmaanfall kann bei Menschen mit bekanntem Asthma auftreten, aber auch das erste Anzeichen einer Asthma-Erkrankung sein.
- Auslöser können Allergene (wie Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare), Infekte, körperliche Anstrengung, kalte Luft oder starker Stress sein.
- Bei einem schweren Anfall ist schnelle Hilfe wichtig – rufen Sie sofort 112.
Asthma ist eine häufige Erkrankung. In Deutschland leidet etwa jeder zehnte Mensch an Asthma. Ein plötzlicher Anfall kann bei jeder Person mit Asthma einmal oder wiederholt auftreten.
Asthma kann in jedem Alter beginnen, oft schon im Kindesalter. Besonders betroffen sind Menschen mit Allergien, Raucher (aktiv und passiv), Übergewichtige sowie Personen, bei denen Asthma in der Familie vorkommt.
Symptome
- Extreme Atemnot oder Erstickungsgefühl
- Kann nicht mehr sprechen oder nur noch in einzelnen Worten
- Keine Besserung nach Anwendung des Notfallsprays
- Blaue Lippen oder Gesicht (Zyahnose)
- Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit
- Kind ist teilnahmslos oder will nicht mehr sitzen
- ⚠Anhaltende Symptome trotz Inhalation
- ⚠Häufigere Anfälle als gewohnt
- ⚠Notwendigkeit, das Notfallspray immer öfter zu verwenden
- ⚠Fieber mit Husten und Atemnot
Häufige Symptome
- Pfeifendes Atemgeräusch (Giemen) beim Ausatmen
- Engegefühl in der Brust
- Husten, oft nachts oder frühmorgens
- Kurzatmigkeit und schnelle, flache Atmung
- Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen
Symptome bei Kindern
- Husten, der sich nachts oder beim Spielen verstärkt
- Atemgeräusche, die wie ein Pfeifen klingen
- Schnelle, angestrengte Atmung
- Unruhe und Angst
- Blasse oder bläuliche Haut (besonders um den Mund herum)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Atemnot, die sich langsam oder plötzlich verschlechtert
- Weniger deutliches Giemen – stattdessen eher Schwäche und Verwirrtheit
- Müdigkeit und eingeschränkte Belastbarkeit
- Husten, aber nicht immer mit Auswurf
- Blaue Lippen oder Nagelbetten (ein Notfallzeichen)
Ursachen
Hauptursachen
- Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Tierhaare
- Virusinfekte der Atemwege (z. B. Erkältung, Grippe)
- Körperliche Anstrengung (belastungsinduziertes Asthma)
- Kalte, trockene Luft oder plötzliche Temperaturwechsel
- Reizstoffe wie Rauch, Abgase, Parfüm oder Reinigungsmittel
- Starke Emotionen oder Stress
- Manche Medikamente (z. B. bestimmte Schmerzmittel) – sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie unsicher sind
Risikofaktoren
- Asthma oder Allergien in der Familie
- Eigenes allergisches Schnupfen oder Ekzem
- Rauchen, auch Passivrauchen
- Übergewicht (Adipositas)
- Berufliche Exposition gegenüber Reizstoffen (z. B. Bäcker, Maler, Tierpfleger)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei den oben genannten Notfallzeichen sofort 112 oder in die Notaufnahme.
- Wenn Sie trotz Inhalation keine Besserung spüren oder das Spray alle 4 Stunden oder öfter brauchen.
- Wenn Sie Fieber mit starkem Husten und Atemnot haben.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Lassen Sie regelmäßige Kontrolltermine beim Lungenfacharzt (Pneumologen) wahrnehmen.
- Vereinbaren Sie einen Termin, wenn sich Ihre Symptome verschlechtern oder Sie häufiger Ihr Notfallspray verwenden.
- Besprechen Sie alle zwei Jahre oder bei Bedarf Ihren Asthma-Aktionsplan.
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose durch ein ausführliches Gespräch und eine Lungenfunktionsmessung (Spirometrie). Dabei wird geprüft, wie gut Ihre Lunge arbeitet und ob eine Atemwegsverengung vorliegt, die sich nach der Gabe eines atemwegserweiternden Medikaments bessert.
Mögliche Untersuchungen
- Lungenfunktionstest (Spirometrie) – Sie atmen kräftig in ein Gerät.
- Peak-Flow-Messung – ein kleiner Handtest zeigt, wie schnell Sie ausatmen können.
- Allergietest (Pricktest oder Blutuntersuchung) – um Auslöser zu finden.
- Gegebenenfalls ein Belastungstest oder eine Messung des Stickstoffmonoxids in der Ausatemluft (FeNO).
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Sie atmen mehrmals tief ein und aus. Der Arzt wird Ihnen genau erklären, was Sie tun sollen. Nach dem Test besprechen Sie gemeinsam die Ergebnisse und die weitere Behandlung.
Behandlung
Die Behandlung von plötzlichem Asthma besteht aus zwei Teilen: der Akutbehandlung bei einem Anfall und der langfristigen Kontrolltherapie, um Anfällen vorzubeugen. Ihr Arzt erstellt mit Ihnen einen persönlichen Behandlungsplan.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei einem Anfall: Ruhe bewahren, aufrecht hinsetzen, nach vorne lehnen.
- Langsam und ruhig ausatmen – nicht hektisch atmen.
- Notfallmedikament (vom Arzt verordnet) sofort anwenden – meist ein Spray.
- Nach einem leichten Anfall den Auslöser meiden (z. B. aus kalter Luft gehen).
- Führen Sie ein Asthma-Tagebuch, um Auslöser zu erkennen.
Medizinische Behandlungen
Im akuten Anfall kommen schnell wirkende atemwegserweiternde Sprays oder Inhalationen zum Einsatz (keine Markennennung). Bei schweren Anfällen kann eine Sauerstoffgabe oder die Gabe von Kortison-Tabletten oder -Infusionen nötig sein – dies geschieht im Krankenhaus. Zur Vorbeugung werden entzündungshemmende Inhalativa langfristig regelmäßig angewendet. Die genaue Auswahl trifft Ihr Arzt basierend auf Ihren Befunden.
Leben mit der Erkrankung
Mit einem guten Asthma-Management können Sie fast alles tun, was Ihnen Freude macht. Führen Sie einen Asthma-Aktionsplan, den Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt erstellt haben. Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig, auch wenn Sie beschwerdefrei sind.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie bekannte Auslöser (Allergene, Rauch, extreme Temperaturen).
- Bewegen Sie sich regelmäßig an der frischen Luft – mit ärztlichem OK.
- Reduzieren Sie Stress durch Achtsamkeit, leichte Bewegung oder Entspannungstechniken.
- Rauchen Sie nicht und meiden Sie Passivrauchen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung hilft, Übergewicht zu vermeiden – das entlastet die Lunge. Sport ist möglich und sogar empfehlenswert. Wichtig ist, sich vor dem Training gut aufzuwärmen und bei Bedarf vorher ein Medikament zu inhalieren (nach Absprache mit dem Arzt). Geeignet sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Angst vor einem plötzlichen Anfall kann belastend sein. Manche Menschen ziehen sich zurück oder fühlen sich unsicher. Suchen Sie sich Unterstützung – ein Gespräch mit Ihrem Arzt oder mit einer Selbsthilfegruppe kann helfen. Atemübungen und Entspannungsverfahren wirken oft beruhigend.
Vorbeugung
Ein plötzlicher Asthmaanfall lässt sich nicht immer verhindern, aber das Risiko kann deutlich gesenkt werden. Die wichtigste Maßnahme ist die regelmäßige Anwendung der vorbeugenden Medikamente (Kontrolltherapie). Auch das Meiden von Auslösern und ein gesunder Lebensstil tragen zur Vorbeugung bei.
Impfungen
Eine Grippe-Impfung (Influenza) und eine Impfung gegen Pneumokokken werden für Menschen mit Asthma empfohlen, da Infekte oft einen Anfall auslösen. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Häufigere und schwerere Anfälle
- Dauerhafte Schädigung der Lungenfunktion (Lungenüberblähung)
- Chronischer Sauerstoffmangel, der Herz und Gehirn belastet
- Im Extremfall: lebensbedrohliche Atemnot (Status asthmaticus)
Langzeitprognose
Mit der heutigen Behandlung haben die meisten Menschen mit Asthma eine normale Lebenserwartung und können aktiv am Leben teilnehmen. Regelmäßige ärztliche Betreuung und das Einhalten des Behandlungsplans sind der Schlüssel. Auch wenn Asthma nicht heilbar ist, ist es meist gut kontrollierbar. Bleiben Sie zuversichtlich – viele Betroffene führen ein erfülltes Leben.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- European Federation of Allergy and Airways Diseases Patients Associations (EFA)
Lokale Organisationen
- Deutsche Patientenliga Atemwegserkrankungen (DPLA) · Deutschland
- Asthma- und Allergie-Bundesverband (DAAB) · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.