Erbrechen bei Kindern
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Erbrechen bei Kindern ist das heftige Ausstoßen von Mageninhalt durch den Mund. Es ist meist ein Zeichen dafür, dass der Körper etwas loswerden will, zum Beispiel einen Virus oder verdorbene Nahrung.
Wichtige Fakten
- Erbrechen ist bei Kindern sehr häufig und meist harmlos.
- Die größte Gefahr ist der Flüssigkeitsverlust (Austrocknung).
- In den meisten Fällen hört das Erbrechen von selbst innerhalb von 24 Stunden auf.
Ja, Erbrechen gehört zu den häufigsten Beschwerden im Kindesalter. Fast jedes Kind erbricht mindestens einmal im Jahr.
Es betrifft Säuglinge, Kleinkinder und Schulkinder. Besonders häufig tritt es bei Kindern unter 5 Jahren auf.
Symptome
- Das Kind ist teilnahmslos, schwer erweckbar oder bewusstlos.
- Das Kind hat Krampfanfälle.
- Das Erbrochene enthält Blut (hellrot oder wie Kaffeesatz) oder ist grün-gelb (Galle).
- Das Kind hat starke Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit.
- Das Kind hat eine Verletzung am Kopf gehabt (Sturz) und erbricht danach.
- ⚠Das Kind kann über mehrere Stunden nichts bei sich behalten (auch keine Flüssigkeit).
- ⚠Das Kind zeigt Anzeichen von Austrocknung: wenig Urin, trockene Windel, eingerissene Mundwinkel.
- ⚠Das Kind hat hohes Fieber (über 39 °C).
- ⚠Das Erbrechen dauert länger als 24 Stunden an.
- ⚠Das Kind hat starke Bauchschmerzen, besonders wenn diese anhalten.
- ⚠Das Kind ist jünger als 6 Monate und erbricht.
Häufige Symptome
- Übelkeit und Würgereiz
- Mehrmaliges Erbrechen innerhalb weniger Stunden
- Blässe und Schwitzen
- Leichtes Fieber (unter 38,5 °C)
Symptome bei Kindern
- Unruhe oder Weinen
- Vermehrter Speichelfluss
- Ablehnen von Trinken und Essen
- Eingefallene Augen oder Fontanelle (bei Säuglingen)
- Trockene Lippen und Mundschleimhaut
Ursachen
Hauptursachen
- Magendarminfektionen (Viren wie Norovirus, Rotavirus oder Bakterien)
- Lebensmittelvergiftung
- Infektionen außerhalb des Magendarmtrakts (z. B. Mittelohrentzündung, Harnwegsinfekt)
- Reisekrankheit (Übelkeit bei Autofahrten oder Schiffsfahrten)
- Starker Husten oder Keuchhusten (Erbrechen durch Hustenreiz)
- Seltener: Blinddarmentzündung, Hirnhautentzündung, Stoffwechselstörungen
Risikofaktoren
- Alter unter 2 Jahren (höheres Risiko für Austrocknung)
- Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen wie Kita oder Schule (erhöhte Ansteckungsgefahr)
- Geschwisterkinder mit Magendarminfektion
- Reisen in Länder mit anderen Hygienestandards
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Anzeichen von Austrocknung (siehe Notfall-Symptome)
- Wenn das Erbrechen mit starken Bauchschmerzen verbunden ist
- Wenn das Kind jünger als 6 Monate ist und mehrmals erbricht
- Wenn das Erbrechen nach einer Kopfverletzung auftritt
- Wenn das Kind Blut erbricht oder das Erbrochene grünlich ist
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn das Erbrechen länger als 24 Stunden anhält, aber das Kind noch trinken kann
- Wenn das Kind wiederholt erbricht, aber keine anderen Warnzeichen zeigt
- Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Kind genug Flüssigkeit bekommt
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose meist durch eine ausführliche Befragung der Eltern und eine körperliche Untersuchung des Kindes. Er fragt nach Dauer, Häufigkeit, Aussehen des Erbrochenen sowie nach weiteren Symptomen wie Fieber oder Durchfall.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Abhören des Bauches
- Beurteilung des Flüssigkeitszustands (Hautfalte, Schleimhäute, Urinmenge)
- Bei Verdacht auf bestimmte Ursachen: Blutuntersuchung, Stuhlprobe oder Ultraschall des Bauches
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist für das Kind in der Regel nicht schmerzhaft. Der Arzt wird den Bauch vorsichtig abtasten und vielleicht einen Ultraschall durchführen. Bei Verdacht auf eine ernste Erkrankung können weitere Tests nötig sein.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. Im Vordergrund steht immer der Ausgleich von Flüssigkeitsverlusten. Bei viralen Infekten hilft oft schon Geduld und viel Trinken.
Selbsthilfe zu Hause
- Bieten Sie Ihrem Kind immer wieder kleine Schlucke Flüssigkeit an – am besten abgekochtes Wasser oder ungesüßten Kräutertee.
- Bei Säuglingen: häufiger anlegen oder Fläschchen geben, aber in kleineren Portionen.
- Vermeiden Sie süße Säfte, Cola oder Milch – sie können das Erbrechen verschlimmern.
- Nach dem Erbrechen: 10–15 Minuten warten, dann erneut anbieten (Löffelweise).
- Sorgen Sie für Ruhe und Schlaf – der Körper braucht Erholung.
- Beugen Sie einer Austrocknung vor: Bei anhaltendem Erbrechen kann eine Elektrolytlösung aus der Apotheke helfen – fragen Sie Ihren Apotheker.
Medizinische Behandlungen
Bei Anzeichen von Austrocknung oder bei schwerem Erbrechen kann der Arzt Medikamente verschreiben, die die Übelkeit lindern und das Erbrechen stoppen. Diese werden meist als Zäpfchen oder Saft gegeben. Bei Flüssigkeitsmangel kann auch eine Behandlung mit Infusionen im Krankenhaus nötig sein. Spezifische Medikamente gegen Viren (Virustatika) sind nur in seltenen Fällen erforderlich. Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika verordnet werden – allerdings nur, wenn der Arzt eine solche Infektion festgestellt hat.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in sehr seltenen Fällen nötig, zum Beispiel bei einem Darmverschluss (Invagination) oder einer Blinddarmentzündung. Diese Diagnosen erfordern eine sofortige ärztliche Abklärung im Krankenhaus.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Erkrankung mit Erbrechen brauchen Kinder oft ein bis zwei Tage, um sich vollständig zu erholen. Bieten Sie leichte Kost an, wenn das Kind wieder Appetit hat – zum Beispiel Zwieback, Banane oder gekochte Kartoffeln. Vermeiden Sie fettige oder stark gewürzte Speisen.
Tipps für den Alltag
- Häufiges Händewaschen mit Seife nach dem Toilettengang und vor dem Essen.
- Bei Reisekrankheit: vor der Fahrt leichte Mahlzeiten essen, frische Luft und Blick in die Ferne.
- Ein ruhiges, liebevolles Umfeld hilft dem Kind, sich zu erholen.
Ernährung und Bewegung
Leichte Kost wie oben beschrieben. Keine anstrengenden körperlichen Aktivitäten, bis es dem Kind wieder gut geht. Bewegung an der frischen Luft ist nach vollständiger Genesung förderlich.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederholtes Erbrechen kann bei Kindern Angst vor dem nächsten Brechreiz auslösen. Nehmen Sie die Ängste ernst, trösten Sie Ihr Kind und erklären Sie ihm sanft, dass der Körper sich wehrt, aber bald wieder gesund wird. Bei anhaltender Übelkeit oder Essensverweigerung nach der Erkrankung kann eine psychologische Unterstützung sinnvoll sein – besprechen Sie das mit Ihrem Kinderarzt.
Vorbeugung
Nicht immer, aber das Risiko von Infektionen lässt sich durch gute Hygiene verringern. Waschen Sie regelmäßig Ihre Hände und die Ihres Kindes. Vermeiden Sie engen Kontakt zu erkrankten Personen. Lebensmittel sollten gut durcherhitzt sein. Achten Sie auf sauberes Trinkwasser, besonders auf Reisen.
Impfungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Schluckimpfung gegen Rotaviren für alle Säuglinge ab einem Alter von 6 Wochen. Diese Impfung schützt zuverlässig vor schweren Durchfällen und Erbrechen durch Rotaviren. Fragen Sie Ihren Kinderarzt nach der Impfung.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine routinemäßigen Früherkennungsuntersuchungen speziell für Erbrechen. Die Vorsorge-Untersuchungen beim Kinderarzt (U1 bis U9) beinhalten aber eine allgemeine Gesundheitskontrolle.
Komplikationen
Unbehandelt
- Austrocknung (Dehydratation) – das ist die häufigste Komplikation. Sie kann zu Kreislaufproblemen und Nierenversagen führen.
- Elektrolytstörungen – ein Ungleichgewicht von Mineralien im Blut, das gefährlich sein kann.
- Aspiration – Einatmen von Erbrochenem in die Lunge, was zu einer Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) führen kann.
- Mangelernährung bei längerem Krankheitsverlauf.
Langzeitprognose
Die allermeisten Kinder erholen sich vollständig von einer Episode mit Erbrechen, besonders wenn die Ursache eine typische Magendarminfektion ist. Bei rechtzeitiger Flüssigkeitszufuhr und ärztlicher Unterstützung bei Bedarf sind schwere Folgen sehr selten. Bei wiederholtem oder chronischem Erbrechen sollte nach der Ursache gesucht werden – die Behandlung ist dann meist erfolgreich.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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