Amylase- und Lipase-Tests
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Amylase- und Lipase-Test ist ein Bluttest, der die Konzentration von zwei Enzymen (Eiweißstoffe, die chemische Reaktionen im Körper steuern) misst. Diese Enzyme werden hauptsächlich in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert und helfen bei der Verdauung. Erhöhte Werte können auf eine Entzündung oder Schädigung der Bauchspeicheldrüse hinweisen.
Wichtige Fakten
- Der Test wird häufig bei Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) durchgeführt.
- Lipase gilt als genauerer Marker für Pankreatitis als Amylase.
- Erhöhte Werte können auch durch andere Erkrankungen wie Nierenprobleme oder Gallensteine verursacht werden.
- Die Blutabnahme ist einfach und die Ergebnisse liegen meist innerhalb von 24 Stunden vor.
Ja, dieser Bluttest wird sehr häufig in der Notaufnahme und bei Patienten mit Oberbauchschmerzen durchgeführt.
Der Test wird bei Menschen mit Symptomen wie starken Oberbauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen angeordnet. Er betrifft alle Altersgruppen, ist aber besonders bei Erwachsenen mit Risikofaktoren wie Gallensteinen oder Alkoholkonsum üblich.
Symptome
- Plötzliche, unerträgliche Oberbauchschmerzen
- Fieber über 39 °C mit Schüttelfrost
- Blutiges Erbrechen oder Teerstuhl (schwarzer Stuhl)
- Schockzustand (kalte Haut, schneller Puls, Verwirrtheit)
- ⚠Mäßige bis starke Bauchschmerzen, die länger als 6 Stunden anhalten
- ⚠Wiederholtes Erbrechen mit Austrocknungsgefahr
- ⚠Gelbfärbung der Haut oder Augen (Gelbsucht)
Häufige Symptome
- Starke Schmerzen im Oberbauch, die oft in den Rücken ausstrahlen
- Übelkeit und Erbrechen
- Fieber und Schüttelfrost
- Geschwollener Bauch (Blähungen)
Symptome bei Kindern
- Bauchschmerzen, die schwer zu lokalisieren sind
- Erbrechen und Durchfall
- Reizbarkeit oder Appetitlosigkeit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Oft weniger starke Schmerzen, dafür allgemeine Schwäche und Verwirrtheit
- Übelkeit oder Erbrechen ohne klare Ursache
- Schneller Gewichtsverlust
Ursachen
Hauptursachen
- Erhöhte Amylase- und Lipasewerte entstehen meist durch eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis).
- Mögliche Auslöser sind Gallensteine, die den Abfluss aus der Bauchspeicheldrüse blockieren.
- Auch übermäßiger Alkoholkonsum kann eine Pankreatitis verursachen.
- Seltenere Ursachen sind hohe Blutfettwerte (Triglyzeride), bestimmte Medikamente oder Verletzungen.
Risikofaktoren
- Gallensteine (häufigste Ursache)
- Starker Alkoholkonsum
- Hohe Blutfettwerte (Hypertriglyzeridämie)
- Übergewicht und Rauchen
- Bestimmte Medikamente (z. B. manche Antibiotika oder entwässernde Mittel)
- Erbliche Veranlagung oder Autoimmunerkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, starken Oberbauchschmerzen
- Bei Fieber und Schüttelfrost
- Bei anhaltendem Erbrechen
- Bei Gelbsucht (gelbe Haut oder Augen)
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie immer wieder leichte Bauchschmerzen oder Übelkeit haben
- Wenn Sie nach fettigem Essen Beschwerden bemerken
- Wenn Sie zu den Risikogruppen gehören (z. B. Gallensteine bekannt)
Diagnose
Der Amylase- und Lipase-Test wird durch eine einfache Blutabnahme durchgeführt. Er misst die Konzentration dieser Enzyme im Blut. Erhöhte Werte deuten auf eine Schädigung der Bauchspeicheldrüse hin. Um die Ursache zu finden, sind oft weitere Untersuchungen nötig.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf Amylase und Lipase
- Ultraschall des Bauches, um Gallensteine oder andere Auffälligkeiten zu sehen
- Computertomographie (CT) für detailliertere Bilder der Bauchspeicheldrüse
- MRCP (eine spezielle MRT-Untersuchung) zur Darstellung der Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bei der Blutabnahme wird Ihnen Blut aus einer Armvene entnommen – das dauert nur wenige Minuten. Sie müssen in der Regel nicht nüchtern sein, manchmal wird aber vor dem Test eine Fastenzeit empfohlen. Die Ergebnisse kommen meist am gleichen oder nächsten Tag. Bei Auffälligkeiten kann eine Überweisung zum Facharzt (Gastroenterologen) erfolgen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der erhöhten Werte. Bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung steht die Schmerzlinderung und die Entlastung der Bauchspeicheldrüse im Vordergrund. In leichten Fällen reichen Ruhe und Flüssigkeitszufuhr aus.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei leichten Beschwerden: Schonkost, viel trinken (klare Flüssigkeiten), vorübergehend auf feste Nahrung verzichten.
- Kein Alkohol für mehrere Tage oder Wochen, um die Bauchspeicheldrüse zu schonen.
- Ausreichend Ruhe und Schlaf.
- Bei Schmerzen Wärmeanwendungen auf den Bauch (nur nach Rücksprache mit dem Arzt).
Medizinische Behandlungen
In ärztlicher Behandlung werden bei einer Pankreatitis oft Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente und intravenöse Flüssigkeit verabreicht. Bei Gallensteinen als Ursache kann eine Gallenblasenentfernung oder eine endoskopische Entfernung des Steins nötig sein. Auch die Behandlung von Grunderkrankungen wie hohen Blutfettwerten gehört zur Therapie.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird meist nur bei Komplikationen durchgeführt, z. B. wenn Gallensteine den Gallengang blockieren oder sich eine Zyste oder ein Abszess in der Bauchspeicheldrüse bildet. In schweren Fällen kann auch eine Entfernung von abgestorbenem Gewebe (Nekrosektomie) erforderlich sein.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer akuten Pankreatitis ist es wichtig, die auslösenden Faktoren zu vermeiden. Viele Menschen können nach der Genesung ein normales Leben führen, müssen aber auf ihre Ernährung und ihren Lebensstil achten.
Tipps für den Alltag
- Kein Alkohol trinken, insbesondere bei alkoholbedingter Pankreatitis.
- Auf eine ausgewogene, fettarme Ernährung achten.
- Regelmäßige Bewegung, um Übergewicht zu vermeiden.
- Rauchen aufgeben – Rauchen erhöht das Risiko für weitere Entzündungen.
Ernährung und Bewegung
Empfohlen wird eine leichte, fettarme Kost mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Eiweiß (z. B. Geflügel, Fisch). Große, fettige Mahlzeiten sollten vermieden werden. Stattdessen mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt essen. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Yoga kann helfen, die Verdauung zu fördern und Stress abzubauen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Bauchspeicheldrüsenentzündung oder erhöhte Laborwerte können Angst und Verunsicherung auslösen. Viele Betroffene machen sich Sorgen um die Zukunft oder um erneute Schübe. Es ist wichtig, diese Gefühle mit dem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle zu besprechen.
Vorbeugung
Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder erhöhte Enzymwerte lassen sich nicht immer verhindern. Sie können aber Ihr Risiko senken, indem Sie auf einen gesunden Lebensstil achten: kein übermäßiger Alkoholkonsum, nicht rauchen, gesundes Körpergewicht halten und fettreiche Mahlzeiten meiden.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine allgemeine Früherkennung für Pankreatitis. Bei Risikopatienten (z. B. wiederkehrende Gallensteine, starke familiäre Belastung) kann der Arzt gelegentlich Blutkontrollen durchführen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung mit dauerhaften Schäden und Verdauungsproblemen
- Bildung von Zysten oder Abszessen in der Bauchspeicheldrüse
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) durch Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen
- Organversagen (Nieren, Lunge) bei schwerer akuter Pankreatitis
Langzeitprognose
Die meisten Menschen mit einer akuten Pankreatitis erholen sich vollständig, wenn sie frühzeitig behandelt werden. Bei chronischen Verläufen ist eine langfristige Anpassung des Lebensstils nötig, aber viele Betroffene führen ein weitgehend normales Leben. Die Prognose ist umso besser, je schneller die Ursache erkannt und behandelt wird.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Pankreas Hilfe e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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