Hirnstammaudiometrie (ABR)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die auditorische Hirnstammantwort (ABR), oft auch BERA genannt, ist ein schmerzfreier Hörtest. Dabei werden mit kleinen Elektroden an Kopf und Ohren die elektrischen Reaktionen des Hörnervs und des Hirnstamms auf Klickgeräusche gemessen. Der Test wird vor allem bei Neugeborenen und Säuglingen eingesetzt, um frühzeitig eine Hörstörung zu entdecken. Die Person muss nur still liegen oder schlafen – aktive Mitarbeit ist nicht nötig.
Wichtige Fakten
- Der Test gehört zum Neugeborenen-Hörscreening in Deutschland.
- Er misst, wie der Hörnerv Schallsignale an das Gehirn weiterleitet.
- Der Test ist schmerzfrei und dauert etwa 30 bis 60 Minuten.
Ja, der ABR-Test wird routinemäßig bei fast allen Neugeborenen in den ersten Lebenstagen durchgeführt. Auch bei Kindern und Erwachsenen mit unklarem Hörverlust kommt er zum Einsatz.
Der Test wird hauptsächlich bei Neugeborenen und Säuglingen durchgeführt, aber auch bei älteren Kindern und Erwachsenen, wenn eine genauere Untersuchung des Hörvermögens nötig ist.
Symptome
- Plötzlicher kompletter Hörverlust auf einem Ohr
- Ohrenschmerzen mit hohem Fieber und eitrigem Ausfluss
- ⚠Plötzliche Hörminderung ohne erkennbare Ursache
- ⚠Kind reagiert plötzlich gar nicht mehr auf Geräusche nach einem Sturz oder Unfall
Häufige Symptome
- Verdacht auf Hörverlust (z.B. wenn ein Baby nicht auf Geräusche reagiert)
- Verzögerte Sprachentwicklung bei Kindern
- Unklare Hörminderung bei Erwachsenen
Symptome bei Kindern
- Keine Reaktion auf laute Geräusche
- Sprachentwicklung hinkt hinterher
- Wiederkehrende Ohrinfektionen mit Hörminderung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nachlassendes Hörvermögen, besonders in lauter Umgebung
- Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen
- Ohrgeräusche (Tinnitus)
Ursachen
Hauptursachen
- Verdacht auf angeborene Hörstörung
- Unklarer Hörverlust bei Kindern oder Erwachsenen
- Neurologische Erkrankungen, die den Hörnerv betreffen können (z.B. Hörsturz, Akustikusneurinom)
Risikofaktoren
- Frühgeburt oder niedriges Geburtsgewicht
- Sauerstoffmangel bei der Geburt
- Schwere Infektionen während der Schwangerschaft (z.B. Röteln, Zytomegalie)
- Familiäre Vorbelastung mit Hörverlust
- Bestimmte Medikamente, die das Ohr schädigen können (ototoxische Medikamente)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichem Hörverlust auf einem Ohr
- Wenn ein Kind nach einem Unfall nicht mehr hört
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie bei Ihrem Kind eine verzögerte Sprachentwicklung bemerken
- Bei anhaltenden Hörproblemen im Alltag
- Als Teil des Neugeborenen-Hörscreenings
Diagnose
Der ABR-Test wird von einem Hörakustiker oder HNO-Arzt durchgeführt. Dabei werden kleine Klebeelektroden auf der Kopfhaut und hinter den Ohren angebracht. Über Ohrhörer werden Klickgeräusche abgespielt. Ein Gerät zeichnet die elektrischen Antworten des Hörnervs auf. Die Untersuchung findet in einem ruhigen Raum statt, oft während das Kind schläft.
Mögliche Untersuchungen
- Auditorische Hirnstammantwort (ABR) – auch BERA genannt
- Tonaudiometrie (Hörtest mit verschiedenen Tönen, bei älteren Kindern und Erwachsenen)
- Otoakustische Emissionen (OAE) – ein weiterer Test für das Innenohr
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Test ist völlig schmerzfrei und dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Ihr Baby sollte vorher wach und möglichst müde sein, damit es während der Untersuchung gut schläft. Sie können während des Tests im Raum bleiben. Nach der Untersuchung gibt es keine Einschränkungen – Sie können direkt nach Hause gehen. Die Ergebnisse werden später mit Ihnen besprochen.
Behandlung
Der ABR-Test selbst ist ein diagnostisches Verfahren und keine Behandlung. Wenn eine Hörstörung festgestellt wird, leitet der Arzt die passende Behandlung ein. Diese kann je nach Ursache und Schweregrad sehr unterschiedlich sein.
Selbsthilfe zu Hause
- Nach dem Test sind keine besonderen Maßnahmen nötig.
- Falls eine Hörstörung diagnostiziert wurde, befolgen Sie die Empfehlungen Ihres HNO-Arztes oder Hörgeräteakustikers.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung eines festgestellten Hörverlusts kann je nach Ursache Hörgeräte, Sprachtherapie, Medikamente (z.B. gegen Entzündungen) oder in seltenen Fällen einen operativen Eingriff umfassen. Bei angeborener Taubheit können Hörgeräte oder ein Cochlea-Implantat infrage kommen. Ihr Arzt wird mit Ihnen alle Optionen besprechen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt nur bei bestimmten Ursachen in Frage, zum Beispiel bei einem Tumor am Hörnerv oder wenn ein Cochlea-Implantat eingesetzt wird. Der ABR-Test allein führt nicht zu einer Operation.
Leben mit der Erkrankung
Der ABR-Test hat keine Auswirkungen auf den Alltag. Nach dem Test können Sie Ihren normalen Aktivitäten nachgehen. Falls eine Hörstörung festgestellt wird, sind regelmäßige Kontrollen beim HNO-Arzt und gegebenenfalls die Anpassung von Hörhilfen wichtig.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie laute Geräusche, um das Gehör zu schützen.
- Verwenden Sie bei Lärm am Arbeitsplatz oder in der Freizeit Gehörschutz.
- Führen Sie Hörtests regelmäßig durch, besonders bei Risikofaktoren.
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung unterstützen die allgemeine Gesundheit, haben aber keinen direkten Einfluss auf das Hörvermögen. Ausreichend Durchblutung kann dem Innenohr zugutekommen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Hörverlust kann belastend sein und zu Unsicherheit oder sozialem Rückzug führen. Bei Kindern kann eine verzögerte Sprachentwicklung die Kommunikation erschweren. Es ist wichtig, frühzeitig Unterstützung zu suchen, z.B. durch Hörtrainings oder Selbsthilfegruppen.
Vorbeugung
Der ABR-Test selbst kann Hörverlust nicht verhindern, aber er kann ihn frühzeitig erkennen. Eine rechtzeitige Diagnose verbessert die Chancen auf eine gute Sprachentwicklung und Teilhabe. Manche Ursachen für Hörverlust (z.B. Lärm) lassen sich durch Vorsorge vermeiden.
Impfungen
Impfungen gegen Röteln und Mumps können angeborene Hörschäden verhindern. Lassen Sie Ihren Impfschutz und den Ihrer Kinder regelmäßig überprüfen.
Früherkennungsprogramme
Ja, das Neugeborenen-Hörscreening mit dem ABR-Test wird in Deutschland allen Neugeborenen empfohlen. Auch bei Risikokindern sollten weitere Kontrollen erfolgen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei unbehandeltem Hörverlust im Kindesalter können Sprachentwicklung und schulische Leistungen beeinträchtigt werden.
- Bei Erwachsenen kann unbehandelter Hörverlust zu sozialem Rückzug und erhöhtem Sturzrisiko führen.
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen Diagnose und passender Behandlung ist die Prognose meist gut. Viele Kinder mit Hörstörungen können sich dank Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten sprachlich gut entwickeln. Auch Erwachsene profitieren von einer rechtzeitigen Versorgung. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die für Sie besten Möglichkeiten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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