Sehtest
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Sehtest (auch Visusbestimmung genannt) misst, wie scharf Sie in die Ferne sehen können. Dabei wird die Sehkraft mit einer genormten Tafel mit Buchstaben, Zahlen oder Symbolen (z. B. dem Landoltring) in verschiedenen Größen geprüft. Das Ergebnis zeigt an, ob Sie für Ihre Entfernung scharf oder unscharf sehen.
Wichtige Fakten
- Der Test wird meist mit einem Augentafel (Snellen-Tafel) durchgeführt, die aus verschiedenen Zeilen mit immer kleiner werdenden Zeichen besteht.
- Jedes Auge wird einzeln und dann beide zusammen geprüft.
- Die Sehschärfe wird als Bruch angegeben – z. B. 1,0 (entspricht 20/20) ist normal. Ein Wert unter 1,0 bedeutet, dass Sie kleinere Buchstaben nicht so gut erkennen wie ein durchschnittlich sehender Mensch.
Sehtests gehören zu den häufigsten Untersuchungen in der Augenheilkunde. Sie werden bei Vorsorgeuntersuchungen, Führerscheinprüfungen und bei Beschwerden wie verschwommenem Sehen oder Kopfschmerzen durchgeführt.
Jeder kann einen Sehtest benötigen – von Kindern (z. B. in der Schule) bis zu älteren Menschen. Besonders wichtig ist der Test bei Menschen mit Sehproblemen, Augenkrankheiten oder Risikofaktoren wie Diabetes.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen
- Plötzliche Doppelbilder oder Sehstörungen, die länger als einige Minuten anhalten
- Sehstörungen zusammen mit starken Kopfschmerzen, Gesichtsfeldausfall oder Lähmungserscheinungen (Schlaganfall-Verdacht)
- ⚠Innerhalb weniger Tage stark nachlassende Sehkraft ohne erkennbare Ursache
- ⚠Augenschmerzen oder Rötung mit Sehverschlechterung
- ⚠Lichtblitze oder plötzlich auftretende „fliegende Mücken“ vor den Augen (Glaskörperblutungen oder Netzhautablösung möglich)
Häufige Symptome
- Verschwommenes Sehen in der Ferne (Kurzsichtigkeit) oder in der Nähe (Weitsichtigkeit)
- Häufiges Blinzeln oder Zusammenkneifen der Augen, um scharf zu sehen
- Doppelbilder oder Schatten
- Anstrengung der Augen, die zu Kopfschmerzen oder Migräne führt
Symptome bei Kindern
- Kind liest ungern oder hält Bücher sehr nah vor die Augen
- Kind neigt den Kopf beim Fernsehen oder in der Schule
- Kind reibt oft die Augen oder klagt über Kopfschmerzen nach dem Lesen
- Im Kindergarten oder in der Schule fällt dem Kind das Erkennen von Tafelschrift schwer
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nachlassen der Sehkraft im Alltag, z. B. beim Lesen von Zeitungen oder Straßenschildern
- Schwierigkeiten beim Sehen in der Dämmerung oder bei Nacht
- Veränderung der Farbwahrnehmung (Farben wirken blasser)
- Häufigeres Stolpern oder Unfälle aufgrund von Sehfehlern
Ursachen
Hauptursachen
- Fehlsichtigkeiten (Refraktionsfehler): Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) und Altersweitsichtigkeit (Presbyopie)
- Altersbedingte Veränderungen der Augenlinse (Katarakt/Grauer Star) oder der Netzhaut (Makuladegeneration)
- Erkrankungen wie Diabetes (diabetische Retinopathie) oder grüner Star (Glaukom)
- Verletzungen oder Vernarbungen der Hornhaut
Risikofaktoren
- Alter – besonders ab 40 oder 60 Jahren nimmt die Sehkraft oft ab
- Familiäre Belastung (z. B. Kurzsichtigkeit bei Eltern)
- Starke Kurzsichtigkeit (über –6 Dioptrien)
- Diabetes, Bluthochdruck oder andere Systemerkrankungen
- Langes Arbeiten am Bildschirm oder ständiges Lesen ohne Pausen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Verschlechterung der Sehkraft innerhalb von Stunden oder Tagen
- Schmerzen im Auge mit Sehverlust
- Sehstörungen nach einem Schlag auf das Auge oder Kopfverletzung
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Einmal jährlich für Menschen über 40 oder bei bekannten Augenerkrankungen
- Alle 2–3 Jahre für gesunde Erwachsene ohne Beschwerden
- Bei Kindern: erste Sehtestuntersuchung ab dem 3. Lebensjahr, dann regelmäßig in der Schule
- Vor dem Führerscheinerwerb oder bei beruflichen Anforderungen (z. B. Lkw-Fahrer)
Diagnose
Der Sehtest wird meist in der Praxis eines Augenarztes oder Optikers durchgeführt. Dabei werden Sie gebeten, aus einer bestimmten Entfernung (oft 5 Meter) Buchstaben oder Symbole auf einer Tafel zu erkennen – erst mit einem Auge, dann mit dem anderen. Anschließend wird das Ergebnis mit einem normalen Wert (1,0) verglichen.
Mögliche Untersuchungen
- Snellen-Sehtafel: Die klassische Tafel mit Buchstaben in verschiedenen Größen
- Landoltring-Test: Kreise mit Lücken, die in verschiedene Richtungen zeigen – vor allem für Kinder oder Analphabeten geeignet
- Pinhole-Test: Sie schauen durch ein kleines Loch, um zu prüfen, ob der Sehfehler durch eine Brille korrigierbar ist
- Autorefraktometer: Ein Gerät, das die Fehlsichtigkeit automatisch misst (dient als Voruntersuchung)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Test dauert nur etwa 5–10 Minuten. Sie sitzen bequem, decken abwechselnd ein Auge ab und lesen die Buchstaben vor, die Sie erkennen können. Der Arzt oder Optiker notiert den Wert, bei dem Sie noch die kleinste lesbare Zeile erkannt haben. Bei Bedarf folgt eine weitere Messung mit verschiedenen Linsen, um die optimale Brillenstärke zu bestimmen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Seheinschränkung. In den meisten Fällen können Fehlsichtigkeiten mit Brille oder Kontaktlinsen ausgeglichen werden. Bei manchen Augenerkrankungen wie Grauem Star oder Grüner Star sind medikamentöse oder operative Behandlungen möglich. Ihr Arzt wird gemeinsam mit Ihnen die beste Option besprechen.
Selbsthilfe zu Hause
- Sorgen Sie für ausreichend Licht beim Lesen oder Arbeiten, um die Augen zu entlasten
- Machen Sie regelmäßig Pausen bei Bildschirmarbeit – die 20-20-20-Regel hilft: Alle 20 Minuten für 20 Sekunden in die Ferne schauen
- Vermeiden Sie übermäßiges Reiben der Augen, um Infektionen und Verletzungen vorzubeugen
- Tragen Sie eine Sonnenbrille mit UV-Schutz, um die Augen vor schädlicher Strahlung zu schützen
Medizinische Behandlungen
Bei einer nachgewiesenen Fehlsichtigkeit werden Korrekturlinsen (Brille oder Kontaktlinsen) verordnet. Bei Volkskrankheiten wie der Altersweitsichtigkeit gibt es Lesebrillen oder Gleitsichtlinsen. Für manche Erkrankungen wie das Glaukom (Grüner Star) stehen Augentropfen zur Verfügung, die den Augeninnendruck senken. Der Arzt legt die Therapie individuell fest.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt infrage, wenn die Sehkraft durch eine Trübung der Linse (Grauer Star) beeinträchtigt wird – dann wird die Linse durch eine Kunstlinse ersetzt. Auch eine Laserbehandlung (z. B. bei Kurzsichtigkeit) kann in Frage kommen, wenn die Fehlsichtigkeit stabil ist und keine anderen Augenerkrankungen vorliegen.
Leben mit der Erkrankung
Mit der richtigen Korrektur (Brille oder Kontaktlinsen) können Sie im Alltag ganz normal sehen. Achten Sie darauf, Ihre Sehhilfe regelmäßig reinigen und anpassen zu lassen. Führen Sie Ihre Augenuntersuchungen wie empfohlen durch, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Tipps für den Alltag
- Treiben Sie regelmäßig Sport – Bewegung fördert die Durchblutung der Augen
- Schützen Sie Ihre Augen vor UV-Strahlung durch eine gute Sonnenbrille
- Vermeiden Sie Rauchen, da es das Risiko für Augenkrankheiten wie Makuladegeneration erhöht
- Schlafen Sie ausreichend – müde Augen können schneller brennen oder tränen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse (insbesondere grünem Blattgemüse wie Spinat oder Grünkohl) versorgt die Augen mit wichtigen Nährstoffen wie Vitamin A, Lutein und Zeaxanthin. Auch Omega-3-Fettsäuren aus Fisch wirken sich positiv auf die Augengesundheit aus. Ausdauersport und moderates Krafttraining halten die Blutgefäße gesund, was auch den Augen zugute kommt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine plötzliche oder fortschreitende Sehminderung kann belastend sein und zu Frustration, Ängsten oder sogar Depressionen führen. Es ist wichtig, dies ernst zu nehmen und mit Ihrem Arzt darüber zu sprechen. Viele Augenarztpraxen bieten psychologische Unterstützung an oder können Kontakte zu Selbsthilfegruppen vermitteln.
Vorbeugung
Nicht alle Sehprobleme lassen sich verhindern, aber regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können viele Erkrankungen frühzeitig erkennen. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, Nichtrauchen und ausreichend Bewegung senkt das Risiko für Augenerkrankungen.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Sehtests sind die beste Vorsorge. Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen in bestimmten Altersstufen (z. B. bei Kindern und ab 50 Jahren) Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt. Auch der Besuch beim Optiker kann Auffälligkeiten zeigen und zur Abklärung beim Arzt führen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbemerkte Fehlsichtigkeiten können zu Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und vermehrten Unfällen (z. B. Stürzen) führen
- Bei Kindern kann eine unbehandelte Fehlsichtigkeit zu einer dauerhaften Sehschwäche (Schwachsichtigkeit, Amblyopie) führen, die später kaum noch korrigierbar ist
- Fortschreitende Netzhaut- oder Glaukomerkrankungen können unbehandelt zur Erblindung führen
Langzeitprognose
Die meisten Sehprobleme lassen sich heute gut behandeln – mit Brille, Kontaktlinsen oder schonenden Eingriffen. Frühes Erkennen verbessert die Prognose deutlich. Bei regelmäßiger Vorsorge und konsequenter Behandlung können die allermeisten Menschen ein Leben lang gut sehen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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