Panikattacke
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Bei schweren, sich verschlechternden oder lebensbedrohlichen Symptomen sofort ärztliche Hilfe suchen.
Übersicht
Eine Panikattacke ist ein plötzlicher, starker Anfall von Angst oder intensivem Unbehagen, der ohne erkennbare Gefahr auftritt. Der Körper reagiert mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schwitzen oder Atemnot. Diese Symptome können sehr beängstigend sein, sind aber in der Regel harmlos und klingen nach einigen Minuten wieder ab.
Wichtige Fakten
- Panikattacken sind keine gefährlichen Erkrankungen, sondern eine Überreaktion des Körpers auf wahrgenommene Bedrohung.
- Sie können in bestimmten Situationen auftreten oder auch völlig unerwartet kommen.
- Es gibt wirksame Behandlungen wie Psychotherapie, die helfen können, die Attacken zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern.
Ja, Panikattacken sind sehr häufig. Etwa 2–3 % der Erwachsenen in Deutschland erleben mindestens einmal im Leben eine Panikattacke. Nach den AWMF-Leitlinien zählen Panikstörungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen.
Panikattacken können Menschen jeden Alters betreffen, am häufigsten treten sie jedoch zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.
Symptome
- Starke Brustschmerzen, die in den Arm oder Kiefer ausstrahlen, verbunden mit Atemnot und Angst
- Plötzliche Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- Suizidgedanken oder konkrete Handlungsabsicht, sich etwas anzutun
- Das Gefühl zu ersticken, das nicht nachlässt
- ⚠Anhaltende Brustschmerzen, die länger als 20 Minuten dauern
- ⚠Panikattacken, die häufiger als einmal pro Woche auftreten
- ⚠Panikattacken, die länger als 30 Minuten andauern oder sich ständig wiederholen
- ⚠Starke Angst vor Herzinfarkt oder Tod, die nach der Attacke bestehen bleibt
Häufige Symptome
- Herzrasen oder Herzklopfen
- Schwitzen
- Zittern
- Atemnot oder Erstickungsgefühl
- Brustschmerzen oder -enge
- Übelkeit oder Magenbeschwerden
- Schwindel oder Benommenheit
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln
- Angst, zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren
- Hitzegefühl oder Kälteschauer
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern äußern sich Panikattacken oft durch Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder starke Vermeidungsreaktionen.
- Kinder können weinen, sich anklammern oder Wutanfälle bekommen.
- Es kann zu plötzlichen Schulangst oder Trennungsangst kommen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Erwachsenen können Panikattacken mit körperlichen Beschwerden wie Brustschmerzen oder Atemnot verwechselt werden.
- Häufig wird mehr Angst vor Stürzen oder schweren Erkrankungen empfunden.
- Die Symptome können von Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Problemen überlagert werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Man geht von einer Kombination aus genetischen, biologischen und psychosozialen Faktoren aus.
- Stress oder belastende Lebensereignisse, wie der Verlust einer nahestehenden Person oder Arbeitsplatzprobleme, können eine Panikattacke auslösen.
- Eine Überaktivität des sogenannten Angstnetzwerks im Gehirn spielt eine wichtige Rolle.
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung: Wenn Eltern oder Geschwister unter Panikattacken leiden, ist das Risiko erhöht.
- Traumatische Erlebnisse, wie Unfälle oder Missbrauch
- Chronischer Stress, z.B. durch Überforderung im Beruf oder in der Familie
- Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, z.B. hohe Ängstlichkeit oder Perfektionismus
- Missbrauch von Alkohol, Nikotin oder Drogen
- Körperliche Erkrankungen, wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder Herzerkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, starken Brustschmerzen oder Atemnot – sofort ärztliche Hilfe suchen oder 112 wählen.
- Bei Suizidgedanken oder dem Gefühl, die Kontrolle völlig zu verlieren, sofort die Telefonseelsorge (0800 111 0 111) oder den Notdienst kontaktieren.
- Wenn die Panikattacke von Bewusstseinsverlust begleitet wird.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Panikattacken regelmäßig (mehrmals im Monat) auftreten und den Alltag beeinträchtigen.
- Wenn Sie große Angst vor der nächsten Attacke haben und bestimmte Situationen vermeiden.
- Wenn Sie sich durch die Attacken stark belastet fühlen und Hilfe suchen möchten.
Diagnose
Die Diagnose wird von einem Arzt oder Psychotherapeuten gestellt. Zuerst erfolgt ein ausführliches Gespräch über Symptome, Vorgeschichte und mögliche Auslöser. Anschließend werden körperliche Untersuchungen durchgeführt, um andere Erkrankungen wie Herzprobleme oder Schilddrüsenerkrankungen auszuschließen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung (Schilddrüsenwerte, Blutzucker, Hormone)
- Ruhe-Elektrokardiogramm (EKG) zur Überprüfung der Herzfunktion
- Langzeit-EKG (über 24 Stunden)
- Belastungs-EKG (auf einem Fahrradergometer)
- Gegebenenfalls eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird Ihnen detaillierte Fragen zu Ihren Symptomen stellen: Wann treten die Attacken auf, wie lange dauern sie, gibt es bestimmte Auslöser? Manchmal werden auch Fragebögen eingesetzt. Die körperlichen Untersuchungen sind in der Regel nicht schmerzhaft, aber können als unangenehm empfunden werden. Eine offene Kommunikation über Ihre Ängste ist wichtig.
Behandlung
Die Behandlung einer Panikattacke richtet sich nach der zugrunde liegenden Störung. Sehr wirksam ist eine Psychotherapie, speziell die kognitive Verhaltenstherapie. Sie lernen, Ihre Gedanken und Verhaltensweisen zu verändern, die die Panik auslösen oder verstärken. In manchen Fällen können auch Medikamente helfen, die ein Arzt verordnet. Die Behandlung erfolgt immer individuell und abgestimmt auf Ihre Bedürfnisse.
Selbsthilfe zu Hause
- Atemtechniken, z.B. die 4-7-8-Methode: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden anhalten, 8 Sekunden ausatmen
- Progressive Muskelentspannung nach Jacobson
- Achtsamkeitsübungen oder Meditation
- Regelmäßige Bewegung wie Spaziergänge, Yoga oder Schwimmen
- Ausreichend Schlaf und eine gleichmäßige Tagesstruktur
- Vermeidung von Koffein, Alkohol und Nikotin während akuter Phasen
- Ein Panik-Tagebuch führen, um Auslöser zu erkennen
Medizinische Behandlungen
Medikamente können eingesetzt werden, wenn die Panikattacken sehr schwer sind oder auf Psychotherapie allein nicht ansprechen. Dazu gehören bestimmte Antidepressiva, die die Stimmung stabilisieren, oder angstlösende Medikamente, die nur kurzfristig eingenommen werden sollten. Die Wahl des Medikaments und die Dosierung werden von einem Arzt individuell festgelegt. Es werden keine spezifischen Medikamente oder Dosierungen genannt, da diese nur nach ärztlicher Verordnung verwendet werden dürfen.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag hilft es, die eigenen Auslöser zu erkennen und Bewältigungsstrategien einzuüben. Viele Menschen führen ein Panik-Tagebuch. Wichtig ist, sich nicht schonen, sondern sich in kleinen Schritten den angstauslösenden Situationen zu stellen – dies stärkt das Selbstvertrauen. Planen Sie regelmäßige Pausen und Entspannungszeiten ein.
Tipps für den Alltag
- Einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus einhalten
- Stressmanagement durch Techniken wie Autogenes Training oder Yoga
- Alkohol- und Koffeinkonsum reduzieren, da diese Stoffe die Angst verstärken können
- Soziale Kontakte pflegen, sich nicht zurückziehen
- Tägliche Bewegung einbauen, z.B. 30 Minuten zügiges Gehen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann die Grundstimmung positiv beeinflussen. Vermeiden Sie starke Blutzuckerschwankungen durch regelmäßige Mahlzeiten. Regelmäßige moderate Bewegung, wie Schwimmen, Radfahren oder Tanzen, baut Stress ab und verbessert das allgemeine Wohlbefinden. Auch Krafttraining und Dehnübungen sind hilfreich.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Panikattacken können das Selbstvertrauen stark beeinträchtigen und zu Vermeidungsverhalten führen, z.B. dass man bestimmte Orte oder Situationen meidet. Mit einer frühzeitigen und geeigneten Behandlung ist die Prognose jedoch gut. Die meisten Menschen lernen, mit den Attacken umzugehen, und können ein erfülltes Leben führen. Es ist wichtig, sich nicht zu schämen und Hilfe zu suchen.
Vorbeugung
Panikattacken lassen sich nicht immer verhindern, aber durch frühzeitige Behandlung der zugrunde liegenden Angststörung und das Erlernen von Entspannungstechniken kann die Häufigkeit und Intensität deutlich reduziert werden. Stressmanagement und ein gesunder Lebensstil wirken vorbeugend.
Komplikationen
Unbehandelt
- Entwicklung einer Panikstörung (wiederkehrende Panikattacken mit anhaltender Angst vor der nächsten Attacke)
- Agoraphobie (Angst vor öffentlichen Plätzen, Menschenmengen oder dem Verlassen des Hauses)
- Depression, die sich aus der anhaltenden Belastung entwickeln kann
- Soziale Isolation, da Betroffene immer mehr Situationen meiden
- Erhöhtes Risiko für Substanzmissbrauch (Alkohol, Beruhigungsmittel), um die Angst zu betäuben
Langzeitprognose
Mit einer geeigneten Behandlung – in der Regel Psychotherapie, ergänzt durch Medikamente – können die meisten Menschen ihre Panikattacken deutlich reduzieren oder sogar vollständig überwinden. Die Prognose ist gut, wenn man sich frühzeitig Hilfe sucht. Viele Betroffene lernen, die Attacken als vorübergehende, ungefährliche Ereignisse zu betrachten und nehmen ihnen dadurch den Schrecken. Es besteht immer Hoffnung auf Besserung und ein erfülltes Leben.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- International Association for Suicide Prevention (IASP) ↗
- Anxiety and Depression Association of America (ADAA) ↗
Lokale Organisationen
- Stiftung Deutsche Depressionshilfe ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
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