Hypothermia first aid
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Hypothermie (Unterkühlung) ist ein Zustand, bei dem der Körper mehr Wärme verliert, als er produzieren kann. Die Körpertemperatur sinkt dann gefährlich tief – unter 35 Grad Celsius. Das kann lebensbedrohlich sein.
Wichtige Fakten
- Hypothermie kann auch bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt auftreten, wenn jemand nass ist oder starker Wind weht.
- Ältere Menschen und kleine Kinder sind besonders gefährdet.
- Erste Hilfe zielt darauf ab, den Körper sanft zu wärmen und weiteren Wärmeverlust zu verhindern.
Hypothermie tritt besonders bei kaltem Wetter auf, vor allem bei Menschen, die viel draußen arbeiten oder Sport treiben, bei Obdachlosen und bei älteren Menschen. In Deutschland ist sie in strengen Wintern keine Seltenheit.
Jeder kann eine Unterkühlung erleiden, aber besonders betroffen sind ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Menschen mit bestimmten Erkrankungen (z.B. Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes) und Personen, die sich längere Zeit in der Kälte aufhalten.
Symptome
- Körpertemperatur unter 35°C (z.B. mit einem speziellen Thermometer gemessen)
- Bewusstlosigkeit oder starke Benommenheit
- Fehlendes Zittern trotz Kälte (ein Alarmzeichen)
- Sehr schwacher oder unregelmäßiger Puls
- Starre Muskeln oder steife Körperhaltung
- ⚠Anhaltendes Zittern, das nicht aufhört
- ⚠Verwirrtheit oder ungewöhnliches Verhalten
- ⚠Undeutliche Sprache
- ⚠Unsicherer Gang oder Stolpern
Häufige Symptome
- Zittern (Schüttelfrost)
- Verwirrtheit oder Desorientierung
- Schläfrigkeit oder Teilnahmslosigkeit
- Verlangsamte, undeutliche Sprache
- Langsame, flache Atmung
- Schwacher, unregelmäßiger Puls
Symptome bei Kindern
- Rote, kalte Haut
- Wenig Energie oder Antriebslosigkeit
- Zittern (kann bei starker Unterkühlung aufhören)
- Ungewöhnliche Ruhe oder Weinerlichkeit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder Gedächtnisprobleme
- Kalte Haut, obwohl sie sich warm anfühlt
- Zittern ist manchmal kaum oder nicht vorhanden
- Verlangsamte Bewegungen oder Reaktionen
Ursachen
Hauptursachen
- Längere Zeit in kalter Umgebung (draußen, in kaltem Wasser) ohne ausreichenden Schutz
- Nasse Kleidung bei kaltem Wind
- Erschöpfung und Flüssigkeitsmangel bei Kälte
- Unzureichende Kleidung für die Wetterbedingungen
Risikofaktoren
- Hohes Alter (über 65 Jahre)
- Sehr junges Alter (Säuglinge, Kleinkinder)
- Obdachlosigkeit oder schlecht beheizte Wohnung
- Alkohol- oder Drogenkonsum (führt zu Wärmeverlust)
- Bestimmte Erkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion oder Diabetes
- Einnahme von Medikamenten, die die Wärmeregulation beeinträchtigen (z.B. bestimmte Blutdrucksenker)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei jedem Verdacht auf Unterkühlung (z.B. wenn jemand nach Kälteeinwirkung verwirrt oder schwer ansprechbar ist)
- Wenn die Körpertemperatur unter 35°C liegt
- Wenn die Person bewusstlos ist oder nicht reagiert
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie nach Kälteeinwirkung anhaltend frösteln oder sich unwohl fühlen
- Wenn Sie zu den Risikogruppen gehören und nach Kälte Symptome wie Verwirrtheit bemerken
Diagnose
Ein Arzt oder Rettungsdienstpersonal misst die Körpertemperatur mit einem speziellen Thermometer, das auch niedrige Werte genau anzeigt (meist rektal). Außerdem werden die Symptome und die Vorgeschichte der Kälteeinwirkung erfragt.
Mögliche Untersuchungen
- Messung der Körperkerntemperatur (rektal oder über die Speiseröhre)
- Blutuntersuchungen (z.B. auf Elektrolyte, Blutzucker, Schilddrüsenwerte)
- Elektrokardiogramm (EKG) zur Überprüfung der Herzfunktion
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird Sie nach der Kälteeinwirkung und Ihren Symptomen fragen. Ihre Vitalwerte (Puls, Atmung, Blutdruck) werden überwacht. Bei leichter Unterkühlung können Sie nach dem Aufwärmen nach Hause gehen. Bei mittelschwerer oder schwerer Unterkühlung erfolgt die Behandlung meist im Krankenhaus.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, den Körper langsam und schonend wieder aufzuwärmen. Dabei werden weitere Wärmeverluste verhindert. In schweren Fällen kommen medizinische Wärmeverfahren zum Einsatz, die von geschultem Personal durchgeführt werden. Die Behandlung richtet sich nach den AWMF-Leitlinien.
Selbsthilfe zu Hause
- Bringen Sie die Person in einen warmen Raum (möglichst ohne Zugluft).
- Entfernen Sie nasse Kleidung und trocknen Sie die Haut sanft ab.
- Wickeln Sie die Person in warme Decken oder Schlafsäcke.
- Geben Sie warme (nicht heiße) Getränke, wenn die Person wach ist und schlucken kann.
- Legen Sie warme (nicht heiße) Kompressen oder Wärmflaschen auf Nacken, Brust und Leistenregion (am besten in ein Tuch eingewickelt).
- Vermeiden Sie Alkohol, Koffein und Nikotin – sie können die Unterkühlung verschlimmern.
Medizinische Behandlungen
Im Krankenhaus kann die Aufwärmung durch warme, intravenöse Infusionen, beheizte Atemluft oder spezielle Wärmedecken erfolgen. In schweren Fällen kommen Verfahren wie die Spülung von Körperhöhlen mit warmer Flüssigkeit (z.B. Bauch- oder Brustfell) oder die Blutwäsche (Dialyse) zum Einsatz. Die Behandlung erfolgt immer unter strenger ärztlicher Überwachung, um Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen zu vermeiden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Chirurgische Maßnahmen sind bei Hypothermie in der Regel nicht nötig. Nur in sehr seltenen Fällen, wenn zum Beispiel durch Erfrierungen Gewebe entfernt werden muss, könnte eine Operation erforderlich sein.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Unterkühlung erholen sich die meisten Menschen vollständig. Es kann einige Tage dauern, bis Sie sich wieder richtig warm fühlen. Halten Sie sich an die Anweisungen Ihres Arztes und gönnen Sie sich Ruhe.
Tipps für den Alltag
- Ziehen Sie sich bei Kälte mehrlagig an (Zwiebellook).
- Tragen Sie Mütze, Schal und Handschuhe.
- Vermeiden Sie nasse Kleidung – wechseln Sie sie sofort.
- Halten Sie Ihre Wohnräume ausreichend warm (mindestens 18-20°C).
Ernährung und Bewegung
Warme Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit helfen dem Körper, Wärme zu produzieren. Vermeiden Sie anstrengende Bewegung bei extremer Kälte ohne Vorbereitung. Wenn Sie bei Kälte Sport treiben, wärmen Sie sich langsam auf und kleiden Sie sich entsprechend.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine schwere Unterkühlung kann beängstigend sein. Manche Menschen entwickeln Angst vor Kälte oder einem erneuten Ereignis. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, wenn diese Gefühle anhalten oder den Alltag belasten.
Vorbeugung
Ja, Unterkühlung lässt sich meist vermeiden: durch wettergerechte Kleidung, kurze Aufenthalte in der Kälte, Trockenheit und ausreichend warme Räume. Achten Sie besonders auf Kinder und ältere Menschen bei Kältewellen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzrhythmusstörungen (z.B. Kammerflimmern) bis hin zum Herzstillstand
- Erfrierungen an Händen, Füßen oder im Gesicht
- Austrocknung durch vermehrte Urinausscheidung (Kältediurese)
- Bewusstlosigkeit und Koma
Langzeitprognose
Mit schneller, richtiger Erster Hilfe und medizinischer Behandlung erholen sich die meisten Menschen vollständig von einer Unterkühlung. Auch schwere Fälle können bei rechtzeitiger Behandlung überleben. Die Prognose ist gut, wenn die Hilfe früh einsetzt.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.