Übersicht Unterschenkelamputation
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Unterschenkelamputation (auch transtibiale Amputation) ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem der Fuß und der untere Teil des Unterschenkels entfernt werden. Der Eingriff wird durchgeführt, wenn der Unterschenkel oder Fuß so schwer geschädigt ist, dass er nicht mehr erhalten werden kann – zum Beispiel durch starke Durchblutungsstörungen, schwere Verletzungen oder Infektionen. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, schwere Infektionen zu stoppen und die Lebensqualität zu verbessern.
Wichtige Fakten
- Nach einer Unterschenkelamputation können viele Menschen mit einer Prothese (künstlichem Beinersatz) wieder gehen.
- Die häufigsten Ursachen sind Durchblutungsstörungen (pAVK) und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).
- Eine gute Rehabilitation nach der Operation ist sehr wichtig, um den bestmöglichen Alltag zu erreichen.
- In Deutschland werden pro Jahr rund 30.000 Amputationen an den unteren Gliedmaßen durchgeführt, etwa 70 % davon am Unterschenkel.
Eine Unterschenkelamputation kommt nicht häufig vor, aber auch nicht ganz selten. Jährlich werden in Deutschland etwa 20.000 Unterschenkelamputationen durchgeführt.
Betroffen sind vor allem ältere Menschen mit Durchblutungsstörungen (pAVK) oder Diabetes. Auch jüngere Menschen können betroffen sein, zum Beispiel nach schweren Unfällen, Knocheninfektionen oder Tumoren.
Symptome
- Plötzliche starke Schmerzen im Bein mit blasser, kalter Haut (Hinweis auf akuten Gefäßverschluss – sofort 112 rufen)
- Sich schnell ausbreitende Rötung, Schwellung, Fieber und Schüttelfrost (Zeichen einer schweren Infektion)
- Offene Wunde mit übelriechendem Ausfluss und schwarzem Gewebe (Gangrän – Gewebetod)
- ⚠Wunden am Fuß, die innerhalb von 2 Wochen nicht abheilen
- ⚠Zunehmende Schmerzen im Bein, besonders nachts
- ⚠Veränderungen der Hautfarbe (bläulich, sehr blass oder schwarz)
- ⚠Gefühl von Kälte im Fuß oder Unterschenkel
Häufige Symptome
- Nicht heilende Wunden am Fuß oder Unterschenkel
- Starke Schmerzen im Ruhezustand oder beim Gehen (Claudicatio intermittens – sogenannte Schaufensterkrankheit)
- Bläuliche oder bleiche Haut am betroffenen Bein
- Trockene oder nässende Hautveränderungen
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Fuß
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind Amputationen selten. Ursachen können angeborene Fehlbildungen oder schwere Verletzungen sein. Die Symptome ähneln denen von Erwachsenen, aber die Wundheilung ist meist besser.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben oft zusätzlich eine verminderte Durchblutung und eine schlechtere Wundheilung. Häufig treten offene Stellen (Ulzera) an Füßen auf, die nicht abheilen.
Ursachen
Hauptursachen
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) – Verengung der Beinarterien durch Arteriosklerose
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) mit diabetischem Fußsyndrom
- Schwere Verletzungen (z. B. Quetschungen, offene Brüche) mit Schädigung von Blutgefäßen
- Schwere Infektionen des Knochens (Osteomyelitis) oder Weichteile (z. B. nekrotisierende Fasziitis)
- Bösartige Tumoren im Knochen oder Weichteilgewebe
- Angeborene Fehlbildungen (sehr selten)
Risikofaktoren
- Rauchen (erhöht das Risiko für Durchblutungsstörungen)
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Erhöhte Cholesterinwerte (Hypercholesterinämie)
- Diabetes mellitus
- Alter über 65 Jahre
- Bewegungsmangel und Übergewicht
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen starken Schmerzen und blasser, kalter Haut am Bein (sofort 112)
- Bei Anzeichen einer schweren Infektion (Fieber, Rötung, Schwellung, Ausbreitung)
- Bei offenen Wunden, die nicht heilen und sich verschlechtern
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei wiederkehrenden Schmerzen beim Gehen, die nach Ruhe besser werden
- Bei Wunden oder Hautveränderungen an den Füßen, die nicht abheilen
- Bei Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Kältegefühl in einem Bein
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose durch eine ausführliche Befragung (Anamnese), eine körperliche Untersuchung und spezielle Untersuchungen der Durchblutung und des Knochens.
Mögliche Untersuchungen
- Doppler- oder Duplex-Ultraschall zur Beurteilung der Durchblutung
- Angiographie (Röntgen mit Kontrastmittel) zur Darstellung der Blutgefäße
- Magnetresonanztomographie (MRT) für Weichteile und Knochen
- Knochenszintigraphie bei Verdacht auf Knocheninfektion
- Blutuntersuchungen (Entzündungswerte, Blutzucker, Nierenwerte)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird die Durchblutung, die Nervenfunktion und mögliche Infektionen genau untersuchen. Oft sind mehrere Termine nötig. Bei dringenden Fällen wird die Diagnose im Krankenhaus gestellt und die Behandlung sofort eingeleitet.
Behandlung
Die Behandlung einer drohenden oder notwendigen Unterschenkelamutation ist immer ein mehrstufiger Prozess. Zunächst wird versucht, das Bein zu erhalten (Gefäßwiederherstellung, Antibiotika, Wundversorgung). Erst wenn dies nicht möglich oder zu riskant ist, wird die Amputation durchgeführt. Nach der Operation stehen Rehabilitation und Prothesenversorgung im Vordergrund.
Selbsthilfe zu Hause
- Sorgfältige tägliche Fußpflege, besonders bei Diabetes
- Raucherentwöhnung – Rauchen verschlechtert die Durchblutung erheblich
- Regelmäßige Bewegung, z. B. Gehtraining, um die Durchblutung zu fördern
- Gesunde Ernährung mit wenig Zucker und Fett, um Übergewicht und Blutzucker zu kontrollieren
- Regelmäßige Kontrolle von Blutzucker und Blutdruck
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung umfasst Mittel, die die Durchblutung verbessern (z. B. blutverdünnende Medikamente) und Antibiotika bei Infektionen. Bei verengten Blutgefäßen können minimalinvasive Eingriffe wie eine Ballonaufdehnung (Angioplastie) oder eine Bypass-Operation helfen, das Bein zu erhalten. Nach einer Amputation wird eine Prothese versorgt, die individuell angepasst wird.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Amputation wird durchgeführt, wenn der Fuß oder Unterschenkel nicht mehr zu retten ist – zum Beispiel bei abgestorbenem Gewebe (Gangrän), schweren Infektionen, die auf keine Therapie ansprechen, oder bei Tumoren, eine Strahlentherapie oder Chemotherapie nicht möglich ist.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Unterschenkelamputation folgt in der Regel eine stationäre oder ambulante Rehabilitation. Dort lernen Sie, sich mit einer Prothese zu bewegen, sicher zu stehen und zu gehen. Die Umstellung braucht Geduld – viele Menschen sind nach einigen Monaten wieder im Alltag gut unterwegs.
Tipps für den Alltag
- Treppensteigen, Autofahren und Sport sind mit einer Prothese oft wieder möglich – nach ausreichend Training.
- Regelmäßige Kontrollen der Prothese und des Stumpfes sind wichtig, um Druckstellen zu vermeiden.
- Rauchen sollten Sie unbedingt vermeiden, da es die Durchblutung im Stumpf und die Heilung verschlechtert.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten hilft, das Gewicht zu halten und Blutzucker und Cholesterin zu kontrollieren. Bewegung ist wichtig – beginnen Sie mit leichtem Gehen, später können Sie je nach Fähigkeit Schwimmen oder Radfahren ausprobieren (immer nach ärztlicher Absprache).
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Amputation kann psychisch sehr belastend sein. Viele Menschen fühlen sich traurig, wütend oder ängstlich. Das ist völlig normal. Suchen Sie sich Unterstützung – sprechen Sie mit Ihrem Arzt, einem Psychologen oder in einer Selbsthilfegruppe. Mit der Zeit lernen die meisten, ihr Leben neu zu gestalten und wieder Freude zu finden.
Vorbeugung
Ja, viele Amputationen können verhindert werden, indem Sie Ihre Risikofaktoren kontrollieren: Nicht rauchen, Blutzucker und Blutdruck im Zielbereich halten, regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung. Bei Diabetes ist die tägliche Fußpflege und das Erkennen kleiner Wunden besonders wichtig.
Impfungen
nicht zutreffend
Früherkennungsprogramme
Menschen mit Diabetes sollten einmal jährlich eine ärztliche Fußuntersuchung durchführen lassen. Bei Durchblutungsstörungen sind regelmäßige Kontrollen der Beinarterien sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreiten der Durchblutungsstörung mit zunehmenden Schmerzen und Gewebeverlust
- Chronische Wunden und Infektionen, die sich auf das gesamte Bein ausbreiten
- Blutvergiftung (Sepsis), die lebensbedrohlich sein kann
- Verlust des gesamten Beins (Oberschenkelamputation), wenn die Amputation zu spät erfolgt
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen Operation und einer guten Rehabilitation ist die Prognose heute sehr gut. Die meisten Menschen können nach einer Unterschenkelamputation wieder gehen, viele auch ohne Hilfsmittel. Die Lebensqualität ist häufig besser als vorher, weil Schmerzen und Infektionen verschwunden sind. Mit Geduld und Unterstützung ist ein aktives Leben möglich.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) · Deutschland
- Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) · Deutschland
- Bundesverband für Amputierte (BV Amputierte) · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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