Deep Vein Thrombosis (DVT)
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine tiefe Venenthrombose (TVT) ist ein Blutgerinnsel (eine Art verstopfter Klumpen aus geronnenem Blut), das sich in einer tiefen Vene – meist im Bein, Oberschenkel oder Becken – bildet. Tiefe Venen liegen tief im Körper, weit entfernt von der Haut. Wenn sich dort ein Gerinnsel bildet, kann der Blutfluss behindert werden. Das klingt beängstigend, aber mit der richtigen Behandlung lässt sich eine TVT gut kontrollieren.
Wichtige Fakten
- Eine tiefe Venenthrombose betrifft meist die Venen der Beine oder des Beckens, kann aber auch an anderen Körperstellen auftreten.
- Das Gerinnsel kann sich lösen und in die Lunge wandern – das nennt sich Lungenembolie. Das ist ein medizinischer Notfall.
- Mit rechtzeitiger Behandlung sind die Heilungschancen sehr gut. Viele Menschen erholen sich vollständig.
Eine TVT ist keine seltene Erkrankung. In Deutschland erkranken schätzungsweise 1 bis 2 von 1.000 Menschen pro Jahr daran. Sie ist damit eine der häufigsten Erkrankungen der Blutgefäße.
Eine TVT kann grundsätzlich jeden treffen – jung oder alt. Besonders häufig sind aber Menschen über 60 Jahre, Menschen nach Operationen oder längerer Bettruhe, Schwangere sowie Personen mit bestimmten Vorerkrankungen oder familiärer Veranlagung betroffen.
Symptome
- Plötzliche Atemnot oder das Gefühl, nicht richtig Luft zu bekommen – sofort 112 anrufen!
- Stechende oder drückende Brustschmerzen – sofort 112 anrufen!
- Schneller, unregelmäßiger Herzschlag oder Herzrasen – sofort 112 anrufen!
- Husten mit Blut – sofort 112 anrufen!
- Ohnmacht oder starkes Schwindelgefühl – sofort 112 anrufen!
- Bläuliche Lippen oder Fingernägel – sofort 112 anrufen!
- ⚠Starke Schwellung eines Beines, die innerhalb von Stunden auftritt – noch am gleichen Tag zur Ärztin oder zum Arzt
- ⚠Zunehmende Schmerzen im Bein verbunden mit Wärme und Rötung – noch heute untersuchen lassen
- ⚠Taubheitsgefühl oder Kribbeln, das sich ausbreitet – nicht abwarten, zeitnah Hilfe suchen
Häufige Symptome
- Schwellung eines Beines oder einer Wade – oft nur auf einer Seite
- Schmerzen oder Druckgefühl im Bein, manchmal wie ein Muskelkater
- Wärme und Rötung der betroffenen Hautstelle
- Gespanntes oder schweres Gefühl im Bein
- Sichtbar gestaute Venen nahe der Hautoberfläche
Symptome bei Kindern
- Schwellung und Rötung an einem Arm oder Bein
- Schmerzen, die das Kind beim Laufen oder Bewegen einschränken
- Ungewöhnliche Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein
- Bei Säuglingen: unklares Weinen, Verfärbung einer Gliedmaße – hier sofort ärztliche Hilfe suchen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Beschwerden werden oft als normale Altersbeschwerden abgetan – bitte trotzdem abklären lassen
- Schwellung der Beine, die plötzlich auftritt oder sich verschlimmert
- Zunehmende Müdigkeit oder Kurzatmigkeit ohne klare andere Ursache
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Beinen oder Füßen
Ursachen
Hauptursachen
- Verlangsamter Blutfluss in den Venen – zum Beispiel bei langer Bettruhe, langen Flugreisen oder Autofahrten
- Schäden an der Venenwand – etwa durch Operationen, Verletzungen oder Entzündungen
- Veränderungen in der Blutgerinnung – das Blut gerinnt leichter als normal, was angeboren oder durch bestimmte Erkrankungen bedingt sein kann
Risikofaktoren
- Längere Ruhigstellung, zum Beispiel nach einer Operation oder bei Bettlägerigkeit
- Lange Reisen (Flug, Auto, Zug) ohne Bewegungspausen
- Schwangerschaft und die Zeit kurz nach der Geburt
- Bestimmte hormonelle Verhütungsmittel oder Hormontherapien
- Übergewicht (erhöhter Body-Mass-Index)
- Krebserkrankungen oder deren Behandlung
- Frühere TVT oder Lungenembolie in der eigenen Vorgeschichte
- Familiäre Veranlagung zu Blutgerinnungsstörungen (Thrombophilie)
- Rauchen
- Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder chronisch entzündliche Erkrankungen
- Höheres Lebensalter (über 60 Jahre)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie eine einseitige Beinschwellung mit Schmerzen, Wärme oder Rötung bemerken – noch am gleichen Tag zur Ärztin oder zum Arzt
- Wenn Sie wissen, dass Sie mehrere Risikofaktoren haben und neue Beschwerden in den Beinen auftreten
- Wenn Sie nach einer Operation oder längerer Reise Beinschmerzen entwickeln, die sich nicht bessern
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie regelmäßig schwere oder geschwollene Beine haben und das noch nicht abgeklärt wurde
- Wenn in Ihrer Familie Thrombosen häufig vorkommen und Sie wissen möchten, ob Sie ebenfalls ein erhöhtes Risiko tragen
- Zur Besprechung vorbeugender Maßnahmen vor geplanten Operationen oder langen Reisen
Diagnose
Um eine tiefe Venenthrombose festzustellen, wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt zunächst Ihre Beschwerden, Ihre Krankengeschichte und Ihre Risikofaktoren besprechen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Die wichtigste Methode zur Diagnose ist der Ultraschall – damit kann man die Venen bildlich darstellen und ein Gerinnsel sichtbar machen.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall der Beinvenen (Kompressionssonographie): Die Hauptuntersuchung. Schmerz- und strahlungsfrei – der Arzt schaut sich die Venen mit Schallwellen an.
- D-Dimer-Bluttest: Dieser Bluttest misst einen Stoff, der bei der Auflösung von Blutgerinnseln entsteht. Ein erhöhter Wert kann auf eine TVT hinweisen, ein normaler Wert hilft, eine TVT weitgehend auszuschließen.
- Weitere Bildgebung (z. B. Computertomographie oder Magnetresonanztomographie): In besonderen Fällen, zum Beispiel bei Verdacht auf Beckenvenenthrombose oder Lungenembolie.
- Gerinnungstest (Thrombophilie-Diagnostik): Manchmal nach der akuten Phase, um festzustellen, ob eine vererbte Neigung zur Blutgerinnung vorliegt.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel nicht schmerzhaft. Beim Ultraschall liegt oder sitzt man bequem, während der Arzt ein Gel auf die Haut aufträgt und mit einem kleinen Gerät die Venen abtastet. Die Ergebnisse sind oft noch am selben Tag bekannt, sodass schnell entschieden werden kann, ob und wie behandelt werden muss.
Behandlung
Das Hauptziel der Behandlung ist es, das Gerinnsel daran zu hindern, größer zu werden oder sich zu lösen und in die Lunge zu wandern. In vielen Fällen kann das Gerinnsel sich mit der Zeit auch von selbst auflösen. Die Behandlung richtet sich nach der Größe der Thrombose, dem Ort des Gerinnsels und Ihren persönlichen Risikofaktoren.
Selbsthilfe zu Hause
- Tragen von Kompressionsstrümpfen (spezielle Druckstrümpfe), die von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt verordnet werden – sie fördern den Blutfluss und lindern Schmerzen und Schwellung
- Das betroffene Bein bei Ruhe hochlagern, um die Schwellung zu reduzieren
- Regelmäßige, leichte Bewegung (z. B. Spazierengehen), sobald Ihre Ärztin oder Ihr Arzt das grünes Licht gibt – langes Sitzen oder Liegen vermeiden
- Ausreichend Flüssigkeit trinken
- Auf Alkohol und Rauchen so weit wie möglich verzichten
Medizinische Behandlungen
Die wichtigste medizinische Behandlung einer TVT ist die sogenannte Antikoagulation – das bedeutet, die Blutgerinnung mit Medikamenten zu hemmen, damit das Gerinnsel nicht größer wird und sich nicht neue bilden. Diese Behandlung wird von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt genau auf Sie abgestimmt. Je nach Situation kann die Behandlung als Spritze unter die Haut, als Tablette oder als Infusion erfolgen. Wie lange Sie diese Behandlung benötigen, hängt davon ab, wie stark die Thrombose ist, ob Sie Risikofaktoren haben und ob eine TVT schon einmal aufgetreten ist. In einigen Fällen wird auch eine Behandlung eingesetzt, die das Gerinnsel aktiv auflöst (sogenannte Thrombolyse) – das ist aber nur in besonderen Situationen notwendig und wird sorgfältig abgewogen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei der TVT eher selten notwendig. In bestimmten schwerwiegenden Fällen – zum Beispiel bei sehr ausgedehnten Thrombosen oder wenn eine Behandlung mit Medikamenten nicht ausreicht – kann ein gefäßchirurgischer Eingriff erwogen werden. Dabei wird das Gerinnsel direkt entfernt oder ein Filter in eine große Vene eingesetzt, der verhindert, dass sich ein Gerinnsel in die Lunge bewegt. Ob das bei Ihnen sinnvoll ist, besprechen Sie am besten ausführlich mit einem Gefäßchirurgen oder einer Gefäßchirurgin.
Leben mit der Erkrankung
Eine TVT verändert den Alltag zunächst oft spürbar – Beinschmerzen, Schwellung und die Notwendigkeit, regelmäßig Medikamente einzunehmen, können belastend sein. Aber die gute Nachricht ist: Die meisten Menschen können trotzdem ein aktives Leben führen. Moderate Bewegung ist sogar erwünscht und hilft bei der Heilung. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, was Sie dürfen und was Sie besser vermeiden sollten.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung in den Alltag einbauen – kurze Spaziergänge zwischendurch helfen dem Blutfluss
- Bei langen Reisen alle 1–2 Stunden aufstehen, die Beine strecken und bewegen
- Kompressionsstrümpfe konsequent tragen, wenn empfohlen
- Rauchen aufgeben – das senkt das Thromboserisiko deutlich
- Übergewicht reduzieren, wenn möglich – das entlastet die Venen
- Bei Tätigkeiten mit langem Sitzen oder Stehen regelmäßige Pausen einplanen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und wenig verarbeiteten Lebensmitteln unterstützt die Gesundheit der Blutgefäße. Wenn Sie bestimmte blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen, kann es sein, dass bestimmte Lebensmittel (z. B. große Mengen grünes Gemüse) die Wirkung der Medikamente beeinflussen. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker danach. Regelmäßige, moderate Bewegung wie Gehen, Schwimmen oder Radfahren ist sehr empfehlenswert. Sehr intensive Sportarten oder Aktivitäten mit hohem Verletzungsrisiko sollten zunächst abgesprochen werden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Es ist ganz normal, nach einer TVT-Diagnose besorgt, ängstlich oder überwältigt zu sein. Viele Betroffene haben Angst vor einem Rückfall oder vor der Lungenembolie als Komplikation. Diese Gefühle sind verständlich. Sprechen Sie offen darüber – mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, Angehörigen oder in einer Selbsthilfegruppe. Wenn die Angst sehr stark wird oder Sie im Alltag einschränkt, ist es wichtig, professionelle psychologische Unterstützung zu suchen. Bei psychischen Krisen steht Ihnen jederzeit die Telefonseelsorge zur Verfügung: 0800 111 0 111 (kostenlos, 24h).
Vorbeugung
In vielen Fällen lässt sich das Risiko einer TVT deutlich senken, auch wenn man es nie ganz auf null reduzieren kann. Besonders wichtig sind ausreichend Bewegung, das Vermeiden von langem Sitzen oder Liegen ohne Pausen, das Tragen von Kompressionsstrümpfen bei Risikosituationen wie langen Reisen oder nach Operationen sowie das Aufgeben des Rauchens. Menschen mit bekanntem erhöhtem Thromboserisiko erhalten manchmal vorbeugend blutgerinnungshemmende Medikamente – zum Beispiel rund um Operationen oder in der Schwangerschaft. Das besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Ein routinemäßiges Screening (Vorsorgeuntersuchung auf TVT) für alle Menschen gibt es derzeit nicht. Wenn Sie aber wissen, dass in Ihrer Familie Thrombosen häufig auftreten, kann eine Blutuntersuchung auf vererbte Gerinnungsstörungen (Thrombophilie-Diagnostik) sinnvoll sein – sprechen Sie das bei Ihrem nächsten Arztgespräch an.
Komplikationen
Unbehandelt
- Lungenembolie: Das Gerinnsel kann sich ablösen und in die Lungenarterie wandern – das kann lebensbedrohlich sein und erfordert sofortige Notfallbehandlung.
- Postthrombotisches Syndrom: Anhaltende Schwellung, Schmerzen, Hautveränderungen oder Geschwüre (offene Wunden) am betroffenen Bein als Langzeitfolge einer nicht oder spät behandelten TVT.
- Rückfall (Rezidivthrombose): Ein erneutes Auftreten einer Thrombose, besonders wenn die Ursachen nicht behandelt wurden.
- Chronisch-venöse Insuffizienz: Dauerhafte Beeinträchtigung der Venenklappen, die zu anhaltenden Beschwerden in den Beinen führen kann.
Langzeitprognose
Die Aussichten nach einer rechtzeitig erkannten und behandelten TVT sind für die meisten Menschen gut. Viele erholen sich vollständig und können ein normales, aktives Leben führen. Die Behandlung hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Regelmäßige Nachsorgetermine helfen dabei, den Heilungsverlauf zu überwachen und Rückfälle zu vermeiden. Bleiben Sie in engem Kontakt mit Ihrem Behandlungsteam – das ist der beste Weg zu einer guten Genesung.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- International Society on Thrombosis and Haemostasis (ISTH) – Patienteninformationen ↗
- Thrombosis UK – Patienteninformationen (Englisch) ↗
Lokale Organisationen
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.