Übersicht Knochenmarkentnahme
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Knochenmarkentnahme (auch Knochenmarkpunktion oder -aspiration genannt) ist ein medizinischer Eingriff, bei dem eine kleine Menge Knochenmark aus einem Knochen – meist dem Beckenkamm – entnommen wird. Das Knochenmark ist das weiche Gewebe im Inneren der Knochen, das die blutbildenden Stammzellen enthält. Die Entnahme kann für eine Stammzelltransplantation (Spende für einen anderen Menschen) oder für die eigene Behandlung (z. B. bei Blutkrebs) erfolgen.
Wichtige Fakten
- Der Eingriff wird in der Regel unter Vollnarkose oder einer Regionalanästhesie (Betäubung eines Körperbereichs) durchgeführt.
- Die Entnahme dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Danach bleibt meist ein kleiner Schnitt und manchmal ein leichter Druckverband.
- Die entnommene Menge (ca. 500 ml bis 1 Liter) wird innerhalb weniger Wochen im Körper wieder aufgefüllt.
- Die häufigste Entnahmestelle ist der hintere Beckenkamm – der Knochen am unteren Rücken, oberhalb des Gesäßes.
Knochenmarkentnahmen sind in Deutschland ein etabliertes Verfahren. Pro Jahr werden mehrere Tausend durchgeführt, vor allem im Rahmen von Stammzelltransplantationen bei Leukämie oder anderen Bluterkrankungen.
Betroffen sind sowohl gesunde Spender (Fremdspende) als auch Patienten mit Erkrankungen des Blutsystems, die eine Stammzelltransplantation benötigen – etwa bei Leukämie, Lymphomen oder schweren angeborenen Störungen der Blutbildung. Auch im Rahmen der Eigenblutspende (autologe Transplantation) kann eine Knochenmarkentnahme erfolgen.
Symptome
- Wenn nach der Entnahme plötzlich starke Atemnot, Brustschmerzen oder Herzrasen auftreten, wählen Sie sofort die 112.
- Bei Zeichen einer schweren allergischen Reaktion (z. B. Schwellung von Lippen oder Zunge, Atemprobleme) sofort den Notarzt rufen.
- Wenn die Einstichstelle stark blutet und sich auch mit Druck nicht stoppen lässt, rufen Sie den Rettungsdienst.
- ⚠Bei Fieber über 38,5 °C, das länger als 24 Stunden anhält, suchen Sie noch am gleichen Tag einen Arzt auf.
- ⚠Wenn die Wundregion rot, heiß oder geschwollen wird – das könnte auf eine Infektion hindeuten.
- ⚠Bei ungewöhnlich starken Schmerzen, die mit einfachen Schmerzmitteln nicht nachlassen, wenden Sie sich an Ihre Klinik.
Häufige Symptome
- Die Knochenmarkentnahme selbst verursacht keine Symptome – sie wird unter Narkose durchgeführt.
- Nach dem Eingriff können leichte Schmerzen an der Einstichstelle, ein Druckgefühl oder ein Bluterguss auftreten.
- Manche Spender fühlen sich kurzzeitig müde oder schwach – das legt sich meist innerhalb weniger Tage.
Symptome bei Kindern
- Kinder vertragen den Eingriff meist gut, benötigen aber eine sorgfältige Narkoseführung.
- Nach der Entnahme kann es zu leichten Schlafstörungen oder Unruhe kommen – das ist vorübergehend.
- Eltern sollten beim Auftreten von Fieber, starken Schmerzen oder einer Schwellung an der Einstichstelle sofort den Arzt kontaktieren.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen ist besonders auf die Wundheilung und mögliche Infektionen zu achten.
- Starke Schmerzen oder eine übermäßige Blutung sind selten, sollten aber medizinisch abgeklärt werden.
- Ältere Erwachsene sollten nach dem Eingriff ausreichend ruhen und viel trinken, um den Kreislauf zu stabilisieren.
Ursachen
Hauptursachen
- Eine Knochenmarkentnahme wird durchgeführt, um Stammzellen für eine Transplantation zu gewinnen – entweder für einen Patienten mit einer schweren Blutkrankheit oder für den Spender selbst.
- Häufigste Grunderkrankung ist Leukämie (Blutkrebs), gefolgt von Lymphomen (Lymphknotenkrebs) und Multiplen Myelom (Plasmazellkrebs).
- Auch bei angeborenen Störungen der Blutbildung (z. B. schwere aplastische Anämie) kann eine Stammzelltransplantation nötig sein.
Risikofaktoren
- Für den Spender: Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme, Infektionen oder Blutgerinnungsstörungen können das Risiko erhöhen.
- Alter: Ältere Menschen haben ein leicht erhöhtes Risiko für Komplikationen bei der Narkose.
- Medikamente: Blutverdünnende Mittel (z. B. ASS, Marcumar) müssen vor der Entnahme abgesetzt werden – bitte mit dem Arzt besprechen.
- Allgemeiner Gesundheitszustand: Ein geschwächtes Immunsystem oder chronische Erkrankungen (z. B. Diabetes) können die Heilung beeinträchtigen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn nach der Knochenmarkentnahme Fieber, starker Schüttelfrost oder Atemnot auftreten.
- Bei unstillbarer Blutung oder einer plötzlichen Schwellung an der Einstichstelle.
- Wenn Sie sich sehr schwach fühlen, sodass Sie nicht mehr aufstehen können.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Vor einer geplanten Knochenmarkentnahme sollten Sie ein ausführliches Vorgespräch mit dem Transplantationszentrum führen – hier werden alle Risiken und der Ablauf besprochen.
- Wenn Sie nach der Entnahme noch Wochen später Schmerzen oder Beschwerden haben, suchen Sie Ihren Hausarzt auf.
- Falls Sie als Spender nicht sicher sind, ob Sie gesund genug sind, lassen Sie vor der Anmeldung einen Gesundheitscheck machen.
Diagnose
Vor einer Knochenmarkentnahme wird die Notwendigkeit durch eine Reihe von Untersuchungen festgestellt. Dazu gehören Blutuntersuchungen, bildgebende Verfahren und oft auch eine vorherige Knochenmarkpunktion zur Diagnosesicherung.
Mögliche Untersuchungen
- Blutbild und Differenzialblutbild: Zeigen Anzahl und Form der Blutzellen.
- Knochenmarkbiopsie: Eine kleine Probe wird entnommen und unter dem Mikroskop untersucht.
- Genetische Tests: Um bestimmte Chromosomenveränderungen zu erkennen.
- Bildgebung: Röntgen, CT oder MRT können helfen, das Ausmaß einer Erkrankung zu bestimmen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Vor der Entnahme wird Ihr Arzt Sie ausführlich beraten. Sie erhalten eine örtliche Betäubung oder eine Vollnarkose. Während des etwa halbstündigen Eingriffs liegen Sie auf dem Bauch. Nach der Entnahme bleiben Sie einige Stunden zur Überwachung in der Klinik. In der Regel können Sie noch am selben Tag nach Hause, wenn alles gut verläuft.
Behandlung
Die Knochenmarkentnahme selbst ist der Eingriff. Danach wird das gewonnene Material für die Transplantation aufbereitet. Der weitere Behandlungsverlauf hängt davon ab, ob Sie der Spender oder der Empfänger der Stammzellen sind. Für den Spender steht die Nachsorge und Erholung im Vordergrund; für den Empfänger folgt eine Chemotherapie oder Bestrahlung (Konditionierung), bevor die Stammzellen übertragen werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Schonen Sie sich in den ersten Tagen nach der Entnahme – vermeiden Sie schweres Heben und Sport.
- Trinken Sie ausreichend (Wasser, ungesüßte Tees), um den Kreislauf zu unterstützen.
- Beobachten Sie die Einstichstelle auf Rötung, Schwellung oder Nässen – bei Auffälligkeiten zum Arzt.
- Nehmen Sie nur Schmerzmittel ein, die Ihr Arzt Ihnen empfohlen hat – keine eigenmächtigen Präparate.
Medizinische Behandlungen
Bei Schmerzen nach der Entnahme können einfache Schmerzmittel (wie Paracetamol oder Ibuprofen) eingenommen werden – allerdings nur nach Rücksprache mit dem Arzt, da einige die Blutgerinnung beeinflussen. Bei Infektionszeichen (Fieber, Rötung) wird der Arzt gegebenenfalls ein Antibiotikum verschreiben. In seltenen Fällen kann eine Bluttransfusion nötig werden, wenn der Blutverlust höher war.
Wann kommt eine Operation infrage?
Die Knochenmarkentnahme ist selbst ein chirurgischer Eingriff (Punktion). Ein zweiter chirurgischer Eingriff ist normalerweise nicht erforderlich. Nur bei Komplikationen (z. B. Nachblutung, Infektion) kann eine kleine Operation zur Versorgung notwendig werden.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Knochenmarkentnahme als Spender können Sie den Alltag meist nach ein bis zwei Tagen wieder aufnehmen. Fühlen Sie sich fit, sind leichte Tätigkeiten wie Büroarbeit erlaubt. Schwerarbeit und Sport sollten Sie für etwa eine Woche meiden. Die Einstichstelle heilt in 1–2 Wochen ab.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung – viel Obst und Gemüse unterstützen die Regeneration.
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum, da diese die Wundheilung verzögern.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Entspannung.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät ist nicht nötig. Achten Sie auf eiweißreiche Kost (z. B. Fisch, Hülsenfrüchte), da Eiweiß die Bildung neuer Blutzellen fördert. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist schon am nächsten Tag erlaubt, aber kein Joggen oder Krafttraining für eine Woche.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Entscheidung, Knochenmark zu spenden, kann emotional belastend sein – besonders wenn der Empfänger ein Familienmitglied ist. Es ist normal, sich Sorgen zu machen. Auch das Gefühl, etwas sehr Gutes getan zu haben, kann positiv sein. Bei anhaltender Angst oder Traurigkeit wenden Sie sich an eine psychologische Beratungsstelle.
Vorbeugung
Die Notwendigkeit einer Knochenmarkentnahme lässt sich nicht verhindern, wenn sie zur Behandlung einer Erkrankung benötigt wird. Allerdings können Spender durch eine gute Gesundheit das Risiko von Komplikationen senken. Es gibt keine Impfung gegen die Erkrankungen, die eine Transplantation nötig machen.
Impfungen
Als Spender sollten Sie vor der Entnahme Ihren Impfstatus überprüfen und fehlende Impfungen (z. B. Tetanus, Hepatitis B) nachholen – das verringert das Infektionsrisiko. Empfänger einer Transplantation werden oft gegen bestimmte Viren geimpft, aber dies entscheidet der Arzt individuell.
Früherkennungsprogramme
Vor der Spende wird immer ein Gesundheitscheck durchgeführt, der Blutuntersuchungen, EKG, Lungenfunktionstest und eine psychologische Begutachtung umfasst. Das dient der Sicherheit von Spender und Empfänger.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wenn Komplikationen wie eine Infektion oder Nachblutung nicht behandelt werden, kann es zu schweren Verläufen kommen – im Extremfall bis zur Blutvergiftung (Sepsis).
- Unbehandelte Schmerzen können zu chronischen Beschwerden an der Entnahmestelle führen.
- Bei Spenderinnen und Spendern, die nach der Entnahme nicht auf sich achten, ist das Risiko für Kreislaufprobleme (z. B. Ohnmacht) erhöht.
Langzeitprognose
Die Knochenmarkentnahme ist ein sehr sicheres und gut erprobtes Verfahren. Die allermeisten Spender erholen sich vollständig innerhalb weniger Wochen. Für Erkrankte, die eine Transplantation benötigen, eröffnet die Spende eine wertvolle Therapiemöglichkeit. Mit der modernen Medizin und begleitenden Maßnahmen können die meisten Komplikationen vermieden oder erfolgreich behandelt werden.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- World Marrow Donor Association (WMDA)
Lokale Organisationen
- Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) · Deutschland
- Zentrale Knochenmarkspender-Register für Deutschland (ZKRD) · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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