CABG (Bypass-Operation) – Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
CABG (ausgesprochen „Kabbidschee“) steht für „koronare Bypass-Operation“ – eine Herzoperation, bei der verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße überbrückt werden. Dabei wird ein gesundes Blutgefäß aus dem Bein, der Brust oder dem Arm entnommen und als Umleitung (Bypass) hinter die verengte Stelle gesetzt. So gelangt wieder genug sauerstoffreiches Blut zum Herzmuskel.
Wichtige Fakten
- CABG ist eine der häufigsten Herzoperationen weltweit.
- Die Operation dauert in der Regel drei bis sechs Stunden.
- Die meisten Menschen erholen sich gut und haben danach weniger Beschwerden wie Brustschmerz oder Kurzatmigkeit.
Ja, CABG wird jedes Jahr bei vielen tausend Menschen in Deutschland durchgeführt. Es ist ein etablierter Eingriff, der seit Jahrzehnten Leben rettet.
Die Operation kommt vor allem bei Menschen mit schwerer koronarer Herzkrankheit (KHK) infrage – also wenn mehrere Herzkranzgefäße verengt sind oder ein Eingriff mit einem Katheter nicht möglich ist. Sie betrifft häufiger Männer über 60, aber auch Frauen und jüngere Menschen können betroffen sein.
Symptome
- Plötzliche, starke Brustschmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten, besonders mit Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Rücken
- Plötzliche Atemnot oder Kurzatmigkeit in Ruhe
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- Verdacht auf Herzinfarkt – sofort Notruf 112 wählen
- ⚠Neu auftretende oder sich verschlimmernde Brustschmerzen
- ⚠Schwindel oder das Gefühl, umzukippen
- ⚠Ungewöhnlich schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, der nicht weggeht
Häufige Symptome
- Engegefühl oder Schmerzen in der Brust (Angina pectoris), besonders bei Belastung
- Kurzatmigkeit bei wenig Anstrengung
- Müdigkeit und Schwächegefühl
- Herzklopfen oder unregelmäßiger Herzschlag
Symptome bei Kindern
- CABG kommt bei Kindern sehr selten vor, fast nur bei angeborenen Herzfehlern. Symptome sind dann: bläuliche Haut (Zyanose), schnelle Erschöpfung beim Trinken oder Spielen, Atemnot.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können die Symptome weniger deutlich sein – zum Beispiel nur allgemeine Schwäche, Verwirrtheit oder Übelkeit. Typische Brustschmerzen treten nicht immer auf.
Ursachen
Hauptursachen
- Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist die Hauptursache. Sie entsteht durch Verkalkung (Arteriosklerose) der Herzkranzgefäße.
- Durch Ablagerungen (Plaques) verengen sich die Gefäße, sodass der Herzmuskel nicht mehr genug Sauerstoff bekommt.
Risikofaktoren
- Rauchen
- Hoher Blutdruck
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung (viel Fett, Zucker, wenig Ballaststoffe)
- Familienbelastung (Herzkrankheiten bei nahen Verwandten)
- Hohes Alter (ab etwa 65 Jahren)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen oder zunehmenden Brustschmerzen, die nicht aufhören
- Bei Atemnot, die sich schnell verschlechtert
- Nach einer Ohnmacht oder wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Herz macht „verrückte Sachen“
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederholt Brustschmerzen oder Druckgefühl beim Treppensteigen oder Gehen haben
- Wenn Sie häufig kurzatmig sind oder Ihr Herz schneller schlägt als sonst
- Wenn Sie Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes haben – auch ohne Symptome sollten Sie regelmäßig Ihre Herzgesundheit checken lassen
Diagnose
Die Entscheidung für eine CABG wird nach gründlicher Untersuchung getroffen. Zuerst erfragt der Arzt Ihre Beschwerden und Risikofaktoren, dann folgen körperliche Untersuchungen und spezielle Tests.
Mögliche Untersuchungen
- EKG (Elektrokardiogramm) – misst die Herzströme
- Belastungs-EKG (zum Beispiel auf dem Fahrrad)
- Herzultraschall (Echokardiografie)
- Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiografie) – dabei wird die Verengung der Herzkranzgefäße genau sichtbar gemacht
- CT oder MRT des Herzens (in manchen Fällen)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei oder nur kurz unangenehm. Die Herzkatheteruntersuchung wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt – Sie sind wach, aber entspannt. Ihr Ärzteteam bespricht alle Ergebnisse ausführlich mit Ihnen.
Behandlung
CABG ist eine Operation, die verengte Herzkranzgefäße umgeht. Sie wird unter Vollnarkose durchgeführt, meist am offenen Herzen, während eine Herz-Lungen-Maschine den Kreislauf übernimmt. Es gibt auch Verfahren ohne Herz-Lungen-Maschine (Off-Pump-CABG).
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie alle verordneten Medikamente genau nach Anweisung ein – sie helfen, das Herz zu entlasten und Blutgerinnsel zu verhindern.
- Vermeiden Sie Rauchen – das ist das Wichtigste, was Sie selbst tun können.
- Achten Sie auf Anzeichen einer Infektion an der Operationswunde (Rötung, Schwellung, Eiter) und melden Sie sich rechtzeitig bei Ihrem Arzt.
- Steigern Sie Ihre Aktivität langsam, nach den Vorgaben Ihres Behandlungsteams.
Medizinische Behandlungen
Nach der CABG erhalten die meisten Menschen Medikamente zur Blutverdünnung (Thrombozytenaggregationshemmer), zur Blutdrucksenkung, zur Senkung der Blutfette (Statine) und gegebenenfalls gegen Diabetes. Die genaue Medikation wird von Ihrem Arzt individuell festgelegt. Eine Herz-Reha (Rehabilitation mit Bewegung, Schulung und psychologischer Betreuung) ist fester Bestandteil der Behandlung.
Wann kommt eine Operation infrage?
CABG wird empfohlen, wenn die Verengungen an mehreren Herzkranzgefäßen so schwerwiegend sind, dass andere Eingriffe (wie ein Stent) nicht ausreichen oder riskanter wären. Auch bei Hauptstammstenose (Verengung des linken Hauptastes der Herzkranzschlagader) oder bei Diabetes wird häufig eine Bypass-Operation bevorzugt.
Leben mit der Erkrankung
Die Genesung nach CABG dauert mehrere Wochen bis Monate. In den ersten Wochen sollten Sie schwere Lasten vermeiden und sich viel Ruhe gönnen. Nach etwa 6 bis 12 Wochen können die meisten Menschen ihren Alltag wieder weitgehend selbstständig führen. Die Lebensqualität verbessert sich meist deutlich – weniger Schmerzen, mehr Energie.
Tipps für den Alltag
- Rauchen aufgeben – Ihr Arzt kann Ihnen Hilfsangebote nennen.
- Gesund ernähren: viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, wenig Salz und gesättigte Fette.
- Regelmäßige Bewegung, z. B. Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen – am besten nach Absprache mit Ihrem Arzt.
- Stress reduzieren – Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Atemübungen können helfen.
- Ihr Körpergewicht im gesunden Bereich halten.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung nach der Mittelmeerküche (viel Olivenöl, Fisch, Nüsse, wenig rotes Fleisch) wird empfohlen. Nehmen Sie nach der Operation an einer Herzsportgruppe teil – das ist sicher und macht fit. Ihr Arzt oder Physiotherapeut gibt Ihnen einen individuellen Bewegungsplan.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Nach einer großen Herzoperation sind Stimmungsschwankungen, Ängste oder sogar eine leichte Depression nicht ungewöhnlich. Es ist wichtig, darüber zu sprechen – mit Angehörigen, Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle. Sie sind damit nicht allein.
Vorbeugung
Eine Operation lässt sich nicht immer verhindern, aber Sie können das Fortschreiten der Verengungen deutlich verlangsamen: mit gesundem Lebensstil, Kontrolle von Blutdruck und Blutfetten, und indem Sie die Medikamente einnehmen, die Ihr Arzt verordnet.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen mit Risikofaktoren empfehlen die AWMF-Leitlinien (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) regelmäßige Checks ab etwa 40–50 Jahren. Lassen Sie Ihren Blutdruck, Ihre Blutfette und Ihren Blutzucker mindestens alle zwei Jahre messen – früher, wenn Sie Diabetes oder Herzkrankheiten in der Familie haben.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbehandelt kann eine schwere koronare Herzkrankheit zu einem Herzinfarkt führen.
- Auch eine fortschreitende Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist möglich.
- Im schlimmsten Fall droht ein plötzlicher Herztod.
Langzeitprognose
Die CABG ist eine der erfolgreichsten großen Operationen. Die meisten Menschen haben danach über viele Jahre weniger Beschwerden und eine bessere Lebensqualität. Ihre Überlebenschancen verbessern sich deutlich, wenn Sie die Nachsorge und die Änderungen im Lebensstil ernst nehmen. Jeder Mensch ist anders – Ihr Ärzteteam kann Ihnen eine individuelle Einschätzung geben.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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