Einsetzen eines Herzschrittmachers
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Herzschrittmacher ist ein kleines Gerät, das wie ein dünner Schalter unter die Haut eingesetzt wird, um das Herz bei zu langsamem oder unregelmäßigem Herzschlag zu unterstützen. Es sendet schwache elektrische Impulse, damit das Herz wieder gleichmäßig und kräftig schlägt. Der Eingriff heißt Schrittmacher-Implantation und ist ein häufiger, schonender chirurgischer Eingriff.
Wichtige Fakten
- Der Schrittmacher hilft, Symptome wie Schwindel, Müdigkeit und Ohnmacht zu verhindern.
- Die Operation dauert meist 1–2 Stunden und erfolgt unter örtlicher Betäubung.
- Nach der Heilung ist der Schrittmacher im Alltag kaum spürbar.
- Regelmäßige Kontrollen in der Arztpraxis stellen sicher, dass das Gerät richtig funktioniert.
Ja, in Deutschland bekommen jährlich etwa 70.000 bis 80.000 Menschen einen Herzschrittmacher. Es ist ein sehr häufiger Eingriff, der gut erforscht und sicher ist.
Hauptsächlich ältere Menschen ab etwa 65 Jahren, weil die natürliche Erregungsleitung des Herzens mit dem Alter nachlässt. Aber auch jüngere Menschen mit angeborenen Herzrhythmusstörungen oder nach bestimmten Herzerkrankungen können einen Schrittmacher benötigen.
Symptome
- Plötzliche Bewusstlosigkeit ohne Erwachen
- Anhaltende Brustschmerzen oder Druckgefühl
- Atemnot, die nicht nachlässt
- Herzrasen mit Schwindel und Übelkeit
- ⚠Wiederholte Ohnmachtsanfälle innerhalb kurzer Zeit
- ⚠Starke Müdigkeit, die plötzlich auftritt
- ⚠Ungewöhnliche Herzschläge, die Sie selbst spüren
- ⚠Anschwellen der Beine oder Knöchel
Häufige Symptome
- Schwindelgefühle oder Benommenheit
- Müdigkeit und Schwächegefühl
- Ohnmachtsanfälle (Synkopen)
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Langsamer oder unregelmäßiger Puls
Symptome bei Kindern
- Wachstumsverzögerung oder mangelnde Belastbarkeit
- Blässe, schnelles Ermüden beim Spielen
- Anfallsartige Verlangsamung des Pulses
- Bei Babys: Trinkschwäche oder Atemstörungen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Stürze ohne erkennbare Ursache
- Verwirrtheit oder Gedächtnisprobleme durch Minderdurchblutung des Gehirns
- Schwindel beim Aufstehen
- Abgeschlagenheit und Antriebslosigkeit
Ursachen
Hauptursachen
- Krankhafter, zu langsamer Herzschlag (Bradykardie), z. B. durch einen AV-Block
- Ausfall des natürlichen Schrittmachers des Herzens (Sinusknoten-Syndrom)
- Erkrankungen des Herzmuskels, die das Reizleitungssystem stören
- Nebenwirkungen von Medikamenten, die den Herzschlag verlangsamen (vorübergehend oder dauerhaft)
Risikofaktoren
- Fortgeschrittenes Alter
- Herzinfarkt oder Herzmuskelentzündung in der Vorgeschichte
- Bluthochdruck oder koronare Herzkrankheit
- Bestimmte angeborene Herzfehler
- Operationen am Herzen
- Einnahme von herzverlangsamenden Medikamenten (z. B. Betablocker)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich das Bewusstsein verlieren
- Wenn Sie Brustschmerzen haben, die in Arme oder Kiefer ausstrahlen
- Wenn Sie starke Atemnot bekommen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Ihnen immer wieder schwindelig wird oder Sie müde sind
- Wenn Sie Ihren Puls als unregelmäßig oder zu langsam wahrnehmen
- Wenn Sie nachts häufig aufwachen, als hätten Sie eine Pause im Herzschlag gespürt
Diagnose
Der Arzt stellt fest, ob ein Schrittmacher nötig ist. Meist misst er den Herzschlag mit einem Elektrokardiogramm (EKG), das die Herzspannung aufzeichnet. Manchmal wird ein Langzeit-EKG über 24 Stunden getragen, um seltene oder nächtliche Pausen zu erkennen.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG: Kurze Aufzeichnung der Herzströme im Liegen
- Langzeit-EKG: Aufzeichnung über 24 Stunden im Alltag
- Belastungs-EKG: Messung während körperlicher Aktivität
- Event-Rekorder: Kleiner Gerät, das über Wochen getragen wird und bei Symptomen speichert
- Echokardiographie: Ultraschalluntersuchung des Herzens zur Beurteilung der Pumpleistung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird Ihre Vorgeschichte erfragen, eine körperliche Untersuchung durchführen und die genannten Tests anordnen. Meist ist die Diagnose innerhalb weniger Stunden bis Tage klar. Wenn ein Schrittmacher nötig ist, bespricht der Kardiologe mit Ihnen den Eingriff und bereitet Sie vor.
Behandlung
Die Behandlung eines zu langsamen oder unregelmäßigen Herzschlags ist das Einsetzen eines Herzschrittmachers. Dabei wird das Gerät unter die Haut (meist unter dem Schlüsselbein) platziert und feine Drähte (Sonden) werden über eine Vene zum Herzen geführt. Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung, Sie sind also wach, verspüren aber keine Schmerzen. Nach der Operation verbringen Sie meist eine oder zwei Nächte im Krankenhaus zur Beobachtung.
Selbsthilfe zu Hause
- In den ersten Tagen nach der OP: Schonung des operierten Arms, keine schweren Lasten heben
- Wundpflege: Die Stelle trocken halten, nicht duschen, bis der Fäden gezogen ist
- Auf Zeichen einer Infektion achten: Rötung, Schwellung, Fieber – sofort Arzt informieren
- Den Schrittmacher nicht stören: Handys etc. haben heute kaum Einfluss, aber Sicherheitshinweise beachten
Medizinische Behandlungen
Vom Arzt verschriebene blutverdünnende Medikamente können vor und nach der Operation nötig sein, um Blutgerinnsel oder Infektionen zu verhindern. Alle Medikamente werden individuell angepasst – fragen Sie Ihren Arzt, was für Sie gilt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Die Schrittmacher-Implantation ist der wichtigste Eingriff. Eine Operation am offenen Herzen ist nur in ganz seltenen Fällen nötig, wenn die Sonden auf anderem Weg nicht platziert werden können.
Leben mit der Erkrankung
Mit einem Herzschrittmacher können Sie fast alle normalen Aktivitäten ausüben. Das Gerät stört Sie nicht, und nach 4–6 Wochen ist die Stelle verheilt. Vermeiden Sie sehr starke Magnetfelder (z. B. große Industrieanlagen, MRT ohne Absprache). Beim Arztbesuch weisen Sie das Personal auf den Schrittmacher hin.
Tipps für den Alltag
- Treiben Sie leichten Sport wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen (nach ärztlicher Freigabe)
- Vermeiden Sie Kontaktsportarten in den ersten Wochen
- Elektrische Geräte wie Handys, Mikrowellen, Bohrmaschinen sind im Alltag unbedenklich, wenn Sie einen Sicherheitsabstand von 15 cm einhalten
- Reisen mit dem Flugzeug ist möglich – zeigen Sie den Schrittmacher-Ausweis vor
- Diebstahlschutzanlagen in Geschäften gehen Sie zügig durch (nicht stehen bleiben)
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung mit wenig Salz, viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt die Herzgesundheit. Trinken Sie ausreichend Wasser. Bewegung in Maßen (z. B. 30 Minuten Gehen pro Tag) ist empfehlenswert, sobald der Arzt es erlaubt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die erste Zeit nach dem Eingriff kann verunsichern – viele Menschen haben Angst, dass das Gerät versagen könnte. Diese Gefühle sind normal. Sie legen meist nach wenigen Wochen nach, wenn Sie merken, dass Sie wieder fit sind. Wenn die Anspannung anhält oder Sie sich depressiv fühlen, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt. Für akute Krisen steht die Telefonseelsorge (kostenlos, rund um die Uhr) zur Verfügung.
Vorbeugung
Ein Herzschrittmacher wird nötig, wenn das Reizleitungssystem des Herzens dauerhaft gestört ist. Die zugrunde liegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen können Sie durch einen gesunden Lebensstil (gesunde Ernährung, Bewegung, Nichtrauchen) teilweise vorbeugen. Aber viele Rhythmusstörungen lassen sich nicht verhindern – sie treten altersbedingt oder aufgrund einer anderen Erkrankung auf.
Impfungen
Nicht direkt relevant. Aber lassen Sie sich – wie allgemein empfohlen – gegen Grippe und Pneumokokken impfen, um Infektionen zu vermeiden, die das Herz belasten könnten.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine routinemäßige Vorsorgeuntersuchung für Schrittmacherbedarf. Bei Beschwerden wie Schwindel oder Ohnmacht sollte Ihr Hausarzt ein EKG durchführen. Ab dem 65. Lebensjahr wird im Rahmen des Gesundheits-Check-ups ein EKG angeboten, das Hinweise geben kann.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte Ohnmachtsanfälle mit Sturzverletzungen
- Dauerhafte Minderdurchblutung von Gehirn und Organen
- Erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
- Bei einem AV-Block dritten Grades kann es zum Herzstillstand kommen – lebensbedrohlich
Langzeitprognose
Die Schrittmacher-Implantation ist eine sehr sichere und wirksame Behandlung. Die meisten Menschen sind mit dem Gerät über Jahre beschlewerdefrei und können ein normales Leben führen. Die Batterie hält etwa 7–10 Jahre und wird dann in einem kleinen Eingriff ausgewechselt. Komplikationen wie Infektionen oder Sondenprobleme sind selten und meist gut behandelbar. Mit regelmäßigen Kontrollen und einem gesunden Lebensstil bleibt die Lebensqualität hoch.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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