Thoraxdrainage einlegen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Thoraxdrainage ist ein dünner, flexibler Schlauch, der in den Brustkorb eingeführt wird, um Luft, Flüssigkeit oder Blut abzuleiten, die sich zwischen Lunge und Brustwand angesammelt haben. Dies hilft der Lunge, sich wieder auszudehnen und richtig zu atmen.
Wichtige Fakten
- Die Drainage wird unter örtlicher Betäubung oder Kurznarkose gelegt.
- Meist bleibt der Schlauch einige Tage bis die Luft oder Flüssigkeit komplett abfließt.
- Nach Entfernen der Drainage heilt die kleine Wunde meist von selbst.
Thoraxdrainagen sind im Krankenhaus recht häufig, vor allem auf chirurgischen oder intensivmedizinischen Stationen.
Betroffen sind vor allem Menschen mit einem Pneumothorax (Lungenkollaps), nach Brustkorbverletzungen, nach Lungenoperationen oder bei größeren Flüssigkeitsansammlungen (Pleuraerguss).
Symptome
- Plötzliche, starke Atemnot mit rasch zunehmender Verschlechterung
- Brustschmerz verbunden mit Hals- oder Armausstrahlung und Atemnot
- Bewusstlosigkeit oder Kreislaufstillstand
- ⚠Anhaltende oder sich verstärkende Atemnot nach einem Unfall oder einer OP
- ⚠Fieber, Schüttelfrost oder eitriger Ausfluss aus der Drainage-Stelle
- ⚠Plötzliche einseitige Brustschmerzen, vor allem nach Husten oder starkem Pressen
Häufige Symptome
- Starke Kurzatmigkeit oder das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen.
- Stechender Brustschmerz, der sich beim Atmen oder Husten verschlimmert.
- Atemgeräusche, die auf einer Seite fehlen oder abgeschwächt sind.
Symptome bei Kindern
- Schnelle, flache Atmung und Unruhe.
- Bläuliche Verfärbung von Lippen oder Haut (Zyanose) bei Sauerstoffmangel.
- Kind verweigert zu trinken oder wirkt teilnahmslos.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder plötzliche Müdigkeit können Zeichen von Sauerstoffmangel sein.
- Sturzverdacht oder Schmerzen in der Brust, die auf eine Verletzung hinweisen.
- Verschlechterung einer bestehenden Atemwegserkrankung (z.B. COPD).
Ursachen
Hauptursachen
- Spontaner Pneumothorax – Luft gelangt ohne erkennbare Ursache in den Brustkorb (z.B. bei großgewachsenen, schlanken jungen Menschen).
- Traumatischer Pneumothorax – durch Verletzungen wie Rippenbrüche, Stich- oder Schussverletzungen.
- Pleuraerguss – Flüssigkeitsansammlung durch Entzündungen, Tumore oder Herzschwäche.
Risikofaktoren
- Rauchen erhöht das Risiko für einen spontanen Pneumothorax.
- Vorerkrankungen der Lunge (z.B. COPD, Asthma, Lungenfibrose).
- Bindegewebserkrankungen wie das Marfan-Syndrom.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher, starker Atemnot oder Brustschmerzen.
- Nach einem Unfall oder Sturz mit Schmerzen im Brustkorb.
- Wenn bekannte Atemprobleme sich rasch verschlechtern.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über Wochen leichte Kurzatmigkeit oder ein Druckgefühl in der Brust haben.
- Bei chronischem Husten oder Fieber unklarer Ursache, begleitet von Atembeschwerden.
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose meist anhand der Krankengeschichte, einer körperlichen Untersuchung (Abhören der Lunge) und bildgebender Verfahren.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs – sieht man Luft oder Flüssigkeit im Pleuraspalt.
- Ultraschall (Sonographie) – besonders bei Flüssigkeit hilfreich und ohne Strahlung.
- Computertomographie (CT) – sehr genaue Darstellung, besonders bei komplizierten Fällen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Vor dem Legen der Drainage wird die Haut örtlich betäubt. Sie sind wach, spüren aber keinen stechenden Schmerz. Der Arzt führt einen kleinen Schnitt durch die Haut, dann den Schlauch ein und fixiert ihn. Ein Röntgenbild kontrolliert die korrekte Lage. Nach dem Eingriff können Sie leichte Schmerzen oder Zuggefühl an der Einstichstelle verspüren.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die angesammelte Luft oder Flüssigkeit abzuleiten, damit sich die Lunge wieder ausdehnen kann. Die Thoraxdrainage ist die häufigste Behandlungsmethode.
Selbsthilfe zu Hause
- Schonen Sie sich in den ersten Tagen nach der Drainage und vermeiden Sie schweres Heben.
- Achten Sie auf die Wundversorgung und wechseln Sie Verbände nach Anleitung des Pflegepersonals.
- Melden Sie sofort, wenn die Drainage undicht ist, Schmerzen zunehmen oder Fieber auftritt.
Medizinische Behandlungen
Zusätzlich zur Drainage können Schmerzmittel gegeben werden – Ihr Arzt entscheidet über das passende Medikament. Bei einem Spannungspneumothorax (lebensbedrohliche Form) wird die Drainage notfallmäßig gelegt. In manchen Fällen wird ein Medikament in den Brustkorb gegeben, um ein erneutes Ansammeln von Flüssigkeit zu verhindern (Pleurodese).
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Drainage nicht ausreicht oder die Ursache operativ behoben werden muss (z.B. bei anhaltender Luftleckage oder Blutung), kann eine Operation (VATS – videoassistierte Thorakoskopie) notwendig sein. Ihr Chirurg bespricht die Optionen mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Solange die Drainage liegt, können Sie meist auf der Station sitzen oder leichte Bewegungen machen. Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen. Nach Entfernung der Drainage können Sie schonend mobilisiert werden.
Tipps für den Alltag
- Rauchen erhöht das Risiko für erneute Lungenprobleme – versuchen Sie, das Rauchen zu reduzieren oder aufzugeben.
- Nehmen Sie an Atemübungen oder Physiotherapie teil, um die Lungenfunktion zu verbessern.
- Vermeiden Sie anstrengende Aktivitäten, bis Ihr Arzt grünes Licht gibt.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt die Heilung. Trinken Sie ausreichend, aber nicht zu viel auf einmal. Leichte Spaziergänge nach Absprache mit dem Arzt fördern die Durchblutung. Vermeiden Sie Sport mit Körperkontakt oder Pressatmung für mehrere Wochen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Aufenthalt auf der Intensivstation oder eine Thoraxdrainage können verunsichern und ängstigen. Es ist normal, sich Sorgen zu machen. Sprechen Sie mit dem Pflegepersonal oder einem Psychologen im Krankenhaus. Auch Gespräche mit Angehörigen helfen.
Vorbeugung
Nicht alle Ursachen lassen sich verhindern. Sie können aber das Risiko verringern, indem Sie nicht rauchen, Verletzungen des Brustkorbs vermeiden (z.B. Sicherheitsgurt im Auto) und chronische Lungenerkrankungen gut behandeln lassen.
Impfungen
Die jährliche Grippeimpfung und die Pneumokokken-Impfung (gegen Lungenentzündung) werden für Menschen mit Lungenerkrankungen empfohlen – sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine allgemeine Vorsorgeuntersuchung für Pneumothorax oder Pleuraerguss. Bei Risikogruppen oder nach einem ersten Ereignis kann der Arzt regelmäßige Kontrollen empfehlen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltende Atemnot und Sauerstoffmangel können zu Organschäden führen.
- Ein Spannungspneumothorax kann lebensbedrohlich werden, da das Herz und die großen Gefäße zusammengedrückt werden.
- Infektionen oder Blutungen im Brustkorb können sich ausbreiten und eine Sepsis verursachen.
Langzeitprognose
Die meisten Menschen erholen sich nach einer Thoraxdrainage gut. Die Lunge dehnt sich in der Regel wieder vollständig aus und die Symptome bessern sich innerhalb weniger Tage. Bei frühzeitiger Behandlung sind schwere Verläufe selten. Ihr Behandlungsteam wird Sie während des gesamten Prozesses begleiten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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