ERCP – Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
ERCP steht für endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie. Das ist eine Untersuchung der Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge. Dabei führt der Arzt ein dünnes, biegsames Endoskop (einen Schlauch mit Kamera) durch den Mund bis in den Zwölffingerdarm ein. Über eine kleine Öffnung wird Kontrastmittel in die Gänge gespritzt, um sie auf Röntgenbildern sichtbar zu machen. So können Verengungen, Steine oder Tumore erkannt und zum Teil auch gleich behandelt werden.
Wichtige Fakten
- ERCP wird meist ambulant oder mit einem kurzen Krankenhausaufenthalt durchgeführt.
- Vor der Untersuchung bekommen Sie ein Beruhigungsmittel, damit Sie entspannt sind.
- Mit ERCP können Gallensteine aus dem Gallengang entfernt werden, ohne dass eine Operation nötig ist.
- Die Untersuchung folgt den Empfehlungen der AWMF-Leitlinien (z. B. zur Gallenstein- und Pankreatitis-Behandlung).
ERCP ist ein relativ häufiges Verfahren in der Magen-Darm-Heilkunde und Chirurgie. Es wird aber nicht bei allen Gallen- oder Bauchspeicheldrüsenerkrankungen eingesetzt, sondern nur bei bestimmten Fragestellungen.
ERCP wird vor allem bei Erwachsenen durchgeführt, die Probleme mit den Gallenwegen oder der Bauchspeicheldrüse haben, zum Beispiel Gallensteine im Gallengang, Verengungen nach Operationen oder Tumore.
Symptome
- Stärkste Oberbauchschmerzen, die nicht nachlassen
- Hohes Fieber (über 39°C) mit Schüttelfrost
- Plötzliche Gelbsucht mit starkem Unwohlsein
- Zeichen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung: heftige Schmerzen, Erbrechen, aufgeblähter Bauch
- ⚠Leichte Gelbsucht ohne starke Schmerzen – bitte noch am gleichen Tag den Hausarzt oder die Notaufnahme aufsuchen.
- ⚠Verdacht auf Gallensteine: anhaltende Bauchschmerzen nach fettigen Mahlzeiten
- ⚠Wiederkehrendes Erbrechen oder Fieber ohne ersichtlichen Grund
Häufige Symptome
- Gelbfärbung der Haut oder Augen (Gelbsucht)
- Dunkler Urin und heller Stuhl
- Schmerzen im Oberbauch, die bis in den Rücken ausstrahlen können
- Übelkeit und Erbrechen
- Fieber (bei einer Infektion der Gallenwege)
Symptome bei Kindern
- ERCP ist bei Kindern selten. Mögliche Symptome sind Gelbsucht, unerklärliches Fieber oder wiederkehrende Bauchschmerzen. Die Untersuchung wird dann in spezialisierten Kinderkliniken durchgeführt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben häufiger Gallensteine, die zu einer Verstopfung des Gallengangs führen können. Die Symptome sind ähnlich, aber Fieber und Verwirrtheit können stärker ausgeprägt sein. Auch eine schonende Vorbereitung ist wichtig.
Ursachen
Hauptursachen
- Gallensteine, die in den Gallengang wandern und ihn verstopfen
- Verengungen (Strikturen) der Gallenwege, zum Beispiel nach Operationen
- Tumore der Gallenwege, der Bauchspeicheldrüse oder des Zwölffingerdarms
- Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), die durch Steine oder andere Ursachen ausgelöst werden
Risikofaktoren
- Übergewicht und fettreiche Ernährung
- Alter über 50 Jahre (Gallensteine treten häufiger auf)
- Schwangerschaft (erhöhtes Risiko für Gallensteine)
- Bestimmte Grunderkrankungen wie Morbus Crohn oder Leberzirrhose
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Gelbsucht (gelbe Haut/Augen)
- Starke, anhaltende Oberbauchschmerzen
- Fieber mit Schüttelfrost
- Verdacht auf eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wiederkehrende Oberbauchschmerzen nach fettreichen Mahlzeiten
- Leichte Gelbsucht ohne weitere Beschwerden
- Abnormale Leberwerte im Blut (vom Hausarzt festgestellt)
- Frühere Gallensteinbeschwerden, die nicht untersucht wurden
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose mit verschiedenen Verfahren. Zuerst erfolgen meist eine körperliche Untersuchung, eine Blutabnahme (Leber- und Bauchspeicheldrüsenwerte) und eine Ultraschalluntersuchung. Wenn dabei der Verdacht auf eine Verstopfung der Gallenwege besteht, wird eine ERCP durchgeführt. Sie ist die genaueste Methode, um die Gänge darzustellen und gleichzeitig zu behandeln.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung: Erhöhte Leberwerte (Bilirubin, alkalische Phosphatase) und Pankreasenzyme (Lipase, Amylase) deuten auf einen Gallenstau hin.
- Bauchultraschall: Kann Gallensteine in der Gallenblase oder erweiterte Gallengänge zeigen.
- MRCP (Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie): Eine schonende, nicht-strahlende MRT-Untersuchung der Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge.
- ERCP selbst: Wird unter Röntgenkontrolle durchgeführt und liefert die genauesten Bilder.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Vor der ERCP sollten Sie nüchtern sein (mindestens 6 Stunden nichts essen oder trinken). Sie bekommen eine Beruhigungsspritze oder eine leichte Vollnarkose. Der Arzt führt das Endoskop durch den Mund in den Zwölffingerdarm. Über einen dünnen Katheter wird Kontrastmittel in die Gänge gespritzt. Das kann kurzzeitig Druckgefühl im Oberbauch auslösen. Die Untersuchung dauert etwa 15 bis 30 Minuten. Danach bleiben Sie noch einige Stunden zur Beobachtung. Meist dürfen Sie noch am gleichen Tag nach Hause, sollten aber nicht selbst Auto fahren, da die Beruhigungsmittel noch nachwirken.
Behandlung
Die ERCP ist nicht nur eine Untersuchung, sondern kann auch therapeutisch eingesetzt werden. Der Arzt kann während der ERCP Steine entfernen, Verengungen aufdehnen oder einen Stent (ein kleines Röhrchen) einlegen, um den Galle- oder Bauchspeicheldrüsengang offen zu halten. Eine Operation ist oft nicht nötig, wenn die ERCP erfolgreich ist.
Selbsthilfe zu Hause
- Nach der ERCP sollten Sie sich ausruhen und am ersten Tag keine schweren körperlichen Arbeiten verrichten.
- Trinken Sie viel Wasser, um den Körper zu unterstützen.
- Achten Sie auf Anzeichen wie starke Bauchschmerzen, Übelkeit oder Fieber – dann sofort zum Arzt.
- Fragen Sie Ihren Arzt, wann Sie wieder normal essen dürfen. Meist ist schon am nächsten Tag leichte Kost möglich.
Medizinische Behandlungen
Während der ERCP kann der Arzt Steine mit einem kleinen Körbchen oder Ballon entfernen. Bei Verengungen (Strikturen) wird oft ein Ballonkatheter verwendet, um die Engstelle zu weiten. Falls nötig, wird ein Stent aus Kunststoff oder Metall eingesetzt, der den Gang offenhält. Bei Tumoren kann der Stent den Gallenabfluss verbessern. Die Behandlung wird immer individuell angepasst. Medikamente (wie Antibiotika bei Infektionen oder Schmerzmittel) werden vom Arzt verordnet. Bitte fragen Sie Ihren Arzt nach den genauen Behandlungsmöglichkeiten in Ihrem Fall.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation (z. B. Entfernung der Gallenblase) wird meist erst nach der ERCP durchgeführt, wenn die Gallensteine aus dem Gallengang entfernt wurden. Nur in seltenen Fällen, wenn die ERCP nicht möglich oder nicht erfolgreich ist, kann eine offene oder laparoskopische Operation nötig sein. Ihr Chirurg wird dies mit Ihnen besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer ERCP können die meisten Menschen ihren Alltag schnell wieder aufnehmen. Wenn die Ursache (z. B. Gallensteine) behandelt wurde, sind die Beschwerden oft sofort weg. Bei chronischen Erkrankungen wie Tumoren oder wiederkehrenden Verengungen sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig. Ihr Arzt wird einen Nachsorgeplan erstellen.
Tipps für den Alltag
- Essen Sie fettarm, um die Gallenblase zu entlasten.
- Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit – am besten Wasser oder Kräutertee.
- Vermeiden Sie übermäßigen Alkohol, da er die Bauchspeicheldrüse belastet.
- Bewegen Sie sich regelmäßig – das hilft auch gegen Übergewicht, einem Risikofaktor für Gallensteine.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten (z. B. Olivenöl) unterstützt die Verdauung. Nach einer Gallensteinentfernung sollten Sie anfangs fettreiche Speisen meiden. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Radfahren ist schon nach ein bis zwei Tagen wieder möglich. Bei Schweregefühl im Bauch nach dem Essen können kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt helfen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine ERCP kann – auch wenn sie nur kurz ist – Ängste auslösen. Viele Patienten sind besorgt, ob Steine oder Tumore gefunden werden. Es ist normal, sich unwohl zu fühlen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt oder medizinischem Personal über Ihre Ängste zu sprechen. Nach dem Eingriff sind die meisten Menschen erleichtert.
Vorbeugung
ERCP selbst ist ein Verfahren, keine Krankheit. Die zugrundeliegenden Probleme wie Gallensteine oder Verengungen können teilweise verhindert werden. Eine gesunde Lebensweise mit normalem Gewicht, wenig Fett und viel Bewegung senkt das Risiko für Gallensteine. Auch die Vermeidung von Rauchen und übermäßigem Alkohol schützt die Bauchspeicheldrüse.
Impfungen
Es gibt keine Impfung, die eine ERCP verhindern könnte. Impfungen gegen Hepatitis B können das Risiko für Lebererkrankungen senken, die wiederum die Gallenwege betreffen können.
Früherkennungsprogramme
Für gesunde Menschen ohne Risikofaktoren ist keine spezielle Vorsorgeuntersuchung nötig. Bei familiärer Vorbelastung (z. B. Gallensteine oder Bauchspeicheldrüsenkrebs) kann Ihr Hausarzt einen individuellen Vorsorgeplan erstellen. Eine ERCP wird niemals vorsorglich durchgeführt, sondern nur bei konkretem Verdacht.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbehandelte Gallensteine im Gallengang können zu einer schweren Gallenwegsentzündung (Cholangitis) führen, die lebensbedrohlich sein kann.
- Eine Verstopfung des Bauchspeicheldrüsengangs kann eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) auslösen, die sehr schmerzhaft ist und Komplikationen nach sich ziehen kann.
- Ein unbehandelter Tumor in den Gallenwegen kann wachsen und auf benachbarte Organe drücken.
Langzeitprognose
Die ERCP ist ein sicheres und wirksames Verfahren. Die meisten Patienten haben nach dem Eingriff keine oder nur leichte Beschwerden. In seltenen Fällen kann es zu Komplikationen wie einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), Infektion oder leichten Blutungen kommen – diese sind meist gut behandelbar. Mit der richtigen Behandlung der Grunderkrankung ist die Prognose in den allermeisten Fällen gut. Ihr Ärzteteam wird Sie über mögliche Risiken aufklären und Sie nach dem Eingriff engmaschig betreuen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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