ICD (Defibrillator) – Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) ist ein kleines Gerät, das unter die Haut eingesetzt wird. Es überwacht ständig den Herzrhythmus und gibt bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen einen elektrischen Impuls ab, um das Herz wieder in einen normalen Rhythmus zu bringen.
Wichtige Fakten
- Der ICD ist etwa so groß wie eine Streichholzschachtel.
- Er wird meist unterhalb des Schlüsselbeins implantiert.
- Der ICD kann Leben retten, indem er gefährliche Herzrhythmusstörungen beendet.
- Die Entscheidung für einen ICD basiert auf aktuellen medizinischen Leitlinien (AWMF).
ICDs werden bei Menschen eingesetzt, die ein hohes Risiko für einen plötzlichen Herztod haben. In Deutschland werden jährlich etwa 30.000 ICDs implantiert.
Menschen mit schweren Herzerkrankungen, wie einer geschwächten Pumpfunktion des Herzens (Herzinsuffizienz) oder nach einem Herzinfarkt, können einen ICD erhalten. Auch Patienten mit bestimmten angeborenen Herzrhythmusstörungen kommen infrage.
Symptome
- Sie erhalten einen Schock vom ICD und werden nicht wieder wach.
- Mehrere Schocks hintereinander (mehr als 3 innerhalb von 24 Stunden)
- Starke Schmerzen oder Atemnot nach einem Schock
- Bewusstlosigkeit, die länger als eine Minute anhält.
- ⚠Einmaliger Schock ohne Beschwerden, aber Unwohlsein
- ⚠Rötung, Schwellung oder Wundsekret an der Implantationsstelle
- ⚠Fieber ohne erkennbare Ursache
Häufige Symptome
- Ohnmachtsanfälle (Synkopen)
- Starkes Herzklopfen oder Herzrasen
- Schwindelgefühl
- Kurzatmigkeit
Symptome bei Kindern
- Ohnmacht beim Sport
- Herzrasen
- Müdigkeit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Müdigkeit
- Schwindel
- Atemnot bei Belastung
Ursachen
Hauptursachen
- Herzinfarkt mit schlechter Pumpfunktion
- Schwere Herzinsuffizienz
- Bestimmte vererbte Herzrhythmusstörungen (z.B. Long-QT-Syndrom)
- Herzmuskelentzündung (Myokarditis) mit Herzrhythmusstörungen
Risikofaktoren
- Hohes Alter
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Diabetes
- Übergewicht
- Familienvorgeschichte von plötzlichem Herztod
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie einen Schock vom ICD bekommen haben
- Wenn die ICD-Funktionstaste einen Alarmton von sich gibt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Regelmäßige Kontrolltermine beim Kardiologen (alle 3-6 Monate)
- Wenn die Batterie des ICD bald leer ist (dies wird bei Kontrollen angezeigt)
Diagnose
Bevor ein ICD eingesetzt wird, führt der Kardiologe mehrere Untersuchungen durch, um festzustellen, ob ein hohes Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen besteht.
Mögliche Untersuchungen
- EKG (Elektrokardiogramm)
- Langzeit-EKG (24-Stunden-Messung)
- Echokardiographie (Herzultraschall)
- Belastungs-EKG
- Herzkatheteruntersuchung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Implantation erfolgt unter örtlicher Betäubung oder leichter Vollnarkose und dauert etwa 1–2 Stunden. Sie bleiben in der Regel 1–3 Tage im Krankenhaus.
Behandlung
Die Behandlung besteht in der Implantation des ICD. Danach folgen regelmäßige Kontrollen und gegebenenfalls Anpassungen der Einstellungen.
Selbsthilfe zu Hause
- Lernen Sie, den Puls an der Halsschlagader zu fühlen, um Ihren Herzschlag zu überprüfen.
- Vermeiden Sie starke Magnete oder Metallmassen (z.B. Sicherheitstüren) direkt über dem ICD.
- Tragen Sie immer einen ICD-Ausweis bei sich.
- Informieren Sie Ärzte und Zahnärzte über Ihren ICD.
Medizinische Behandlungen
Zusätzlich zum ICD kann Ihr Arzt Medikamente verschreiben, um die Herzfunktion zu unterstützen oder das Risiko von Herzrhythmusstörungen zu senken. Auch eine Katheterablation kann als ergänzende Behandlung infrage kommen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Die ICD-Implantation ist ein chirurgischer Eingriff. Bei Komplikationen (z.B. Infektion oder Batteriewechsel) ist eine erneute Operation notwendig.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Implantation können Sie die meisten Alltagsaktivitäten wieder aufnehmen. Vermeiden Sie jedoch in den ersten Wochen schweres Heben und intensive Sportarten, die den Brustkorb belasten.
Tipps für den Alltag
- Tragen Sie lockere Kleidung, um Druck auf die Implantationsstelle zu vermeiden.
- Führen Sie ein ICD-Tagebuch über Schocks oder Beschwerden.
- Unterrichten Sie Ihre Familie und Kollegen über die ersten Hilfemaßnahmen bei einem ICD-Schock.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung mit wenig Salz und gesunden Fetten ist empfehlenswert. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Radfahren fördert die Genesung. Besprechen Sie Sportarten mit Ihrem Arzt – Kontaktsportarten sollten vermieden werden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Angst vor Schocks oder vor dem Geräteversagen kann belastend sein. Es ist normal, sich nach der Implantation unsicher zu fühlen. Einige Patienten entwickeln Angststörungen oder Depressionen. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt oder suchen Sie psychologische Unterstützung. Bei akuten Krisen wenden Sie sich an die Telefonseelsorge (116 123).
Vorbeugung
Die Notwendigkeit eines ICD lässt sich nicht immer verhindern, da viele Herzerkrankungen genetisch bedingt sind. Ein gesunder Lebensstil mit Rauchverzicht, ausgewogener Ernährung und Bewegung senkt jedoch das Risiko für Herzerkrankungen, die zu einem ICD führen können.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe und Pneumokokken impfen, da Infektionen das Herz belasten können.
Früherkennungsprogramme
Bei familiärer Vorbelastung von plötzlichem Herztod kann ein Herz-Screening sinnvoll sein. Ihr Arzt kann dies mit Ihnen besprechen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbehandelte, lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen können zum plötzlichen Herztod führen.
Langzeitprognose
Mit einem ICD verbessert sich die Überlebenschance von Menschen mit hohem Risiko deutlich. Die meisten Patienten leben ein normales, aktives Leben. Regelmäßige Kontrollen stellen sicher, dass das Gerät zuverlässig funktioniert.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung e.V. · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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