Nebenschilddrüsenentfernung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Parathyreoidektomie ist eine Operation, bei der die Nebenschilddrüsen (kleine Drüsen am Hals, die den Kalziumspiegel im Blut regulieren) ganz oder teilweise entfernt werden. Dieser Eingriff wird meistens durchgeführt, wenn eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen vorliegt – das heißt, sie produzieren zu viel Parathormon, was den Kalziumspiegel zu stark ansteigen lässt.
Wichtige Fakten
- Die Nebenschilddrüsen sind vier kleine Drüsen hinter der Schilddrüse.
- Eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen wird als Hyperparathyreoidismus bezeichnet.
- Die Operation kann die Beschwerden durch zu hohen Kalziumspiegel meist dauerhaft beheben.
- Die meisten Menschen haben nach dem Eingriff wieder normale Kalziumwerte.
Die Operation kommt relativ häufig vor, wenn Standardbehandlungen nicht ausreichen oder Komplikationen drohen. Jährlich werden in Deutschland tausende solcher Eingriffe durchgeführt.
Sie betrifft vor allem Erwachsene über 50 Jahren, Frauen häufiger als Männer. Auch Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen (z. B. Nierenerkrankungen) können betroffen sein.
Symptome
- Sehr hohe Kalziumwerte, die zu Koma, Herzrhythmusstörungen oder lebensbedrohlicher Verwirrtheit führen können – sofort 112 anrufen
- ⚠Starke Übelkeit und Erbrechen, die zu Austrocknung führen
- ⚠Starke Bauchschmerzen oder Verstopfung
- ⚠Verwirrtheit oder extreme Müdigkeit, die neu auftritt
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Muskelschwäche oder -schmerzen
- Gelenkschmerzen
- Häufiges Durstgefühl und vermehrtes Wasserlassen
- Verdauungsprobleme wie Übelkeit oder Verstopfung
- Stimmungsschwankungen oder Niedergeschlagenheit
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern können zusätzlich Wachstumsverzögerungen, Knochenschmerzen oder Knochenverformungen auftreten.
- Auch Zahnprobleme oder Nierensteine können frühe Anzeichen sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen wird die Erkrankung oft erst spät erkannt, weil Symptome wie Müdigkeit oder Verwirrtheit fälschlich dem Alter zugeschrieben werden.
- Auch vermehrte Stürze, Knochenbrüche oder Verwirrtheit können Hinweise sein.
Ursachen
Hauptursachen
- In den meisten Fällen ist ein gutartiger Tumor (Adenom) an einer Nebenschilddrüse die Ursache.
- Selten ist eine Vergrößerung aller vier Nebenschilddrüsen (Hyperplasie) verantwortlich.
- In sehr seltenen Fällen kann ein bösartiger Tumor (Karzinom) vorliegen.
Risikofaktoren
- Alter über 50 Jahre
- Weibliches Geschlecht
- Bestrahlung im Halsbereich in der Vergangenheit
- Bestimmte Erbkrankheiten (wie multiple endokrine Neoplasie – MEN)
- Langjährige Nierenerkrankungen oder Vitamin-D-Mangel
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich starke Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen bemerken – sofort medizinische Hilfe suchen.
- Bei starken Bauchschmerzen oder neu auftretenden Herzrhythmusstörungen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn anhaltende Müdigkeit, Muskelschwäche oder Knochenschmerzen Sie im Alltag beeinträchtigen.
- Wenn Blutuntersuchungen erhöhte Kalzium- oder Parathormonwerte zeigen.
- Wenn Sie wiederholt Nierensteine oder Knochenbrüche haben.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch Blutuntersuchungen gestellt. Dabei werden die Kalzium- und Parathormonwerte gemessen. Auch bildgebende Verfahren können helfen, die genaue Lage der vergrößerten Nebenschilddrüse zu finden.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest: Messung von Kalzium, Parathormon, Vitamin D und Nierenwerten
- 24-Stunden-Urin: Prüfung der Kalziumausscheidung
- Ultraschall des Halses: zur Darstellung der Nebenschilddrüsen
- Szintigraphie: eine spezielle Aufnahme mit schwach radioaktiven Stoffen zur Lokalisierung der überaktiven Drüse
- CT- oder MRT-Untersuchung: in unklaren Fällen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Arzt wird zunächst Ihre Beschwerden aufnehmen und eine Blutprobe entnehmen. Möglicherweise müssen Sie auch ein MRT oder eine Szintigraphie machen lassen. Die genauen Schritte bespricht Ihre Ärztin mit Ihnen. Die Praxis ist darauf eingerichtet, Sie einfühlsam zu begleiten.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und der Schwere der Beschwerden. Manchmal reicht es aus, den Kalziumspiegel regelmäßig zu kontrollieren und auf die Symptome zu achten. Wenn die Werte jedoch sehr hoch sind oder bereits Komplikationen aufgetreten sind, wird meist eine Operation empfohlen.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um Nierensteine vorzubeugen.
- Vermeiden Sie stark koffeinhaltige Getränke, da sie die Kalziumausscheidung fördern können.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber überlasten Sie Ihre Knochen nicht.
- Besprechen Sie jede Änderung Ihrer Ernährung mit Ihrem Arzt – insbesondere Vitamin-D- und Kalziumpräparate.
Medizinische Behandlungen
Medikamentöse Behandlungen können den Kalziumspiegel senken, wenn eine Operation nicht sofort möglich ist oder nicht gewünscht wird. Dazu gehören etwa sogenannte Kalzimimetika, die die Wirkung des Parathormons abschwächen. Die genaue Therapie wird mit Ihrer Ärztin abgestimmt. In manchen Fällen wird auch eine Ernährungsumstellung empfohlen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation (Parathyreoidektomie) wird empfohlen, wenn der Kalziumspiegel deutlich erhöht ist, Nierensteine, Knochenveränderungen oder schwere Beschwerden auftreten. Dabei wird die überaktive Nebenschilddrüse entfernt. Der Eingriff ist für Betroffene meist gut verträglich und kann Beschwerden nachhaltig bessern.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Operation sind die meisten Menschen beschwerdefrei und können ihren Alltag normal fortsetzen. Regelmäßige Blutkontrollen stellen sicher, dass die Kalziumwerte stabil bleiben. Sollte der Kalziumspiegel vorübergehend zu stark sinken, kann Ihr Arzt Ihnen helfen, dies auszugleichen.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie ausreichend (mindestens 1,5 Liter täglich).
- Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen im Nacken in den ersten Wochen nach der OP.
- Eine leichte, ausgewogene Ernährung unterstützt die Heilung.
- Bewegung und Spaziergänge an der frischen Luft tun gut – steigern Sie die Aktivität langsam.
Ernährung und Bewegung
In der Regel ist nach der Operation keine spezielle Diät nötig. Ihr Arzt kann Ihnen jedoch raten, auf eine ausreichende Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr zu achten, falls dies nötig ist. Vermeiden Sie Überanstrengung, aber nehmen Sie leichte Bewegung wie Schwimmen oder Radfahren auf.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Nebenschilddrüsenüberfunktion kann zu Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Antriebslosigkeit führen. Nach erfolgreicher Behandlung bessern sich diese Symptome oft. Dennoch kann es hilfreich sein, mit einem Psychologen oder einer Selbsthilfegruppe zu sprechen, wenn die seelische Belastung groß ist.
Vorbeugung
Eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen lässt sich in den meisten Fällen nicht gezielt verhindern. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichender Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung kann jedoch das allgemeine Risiko für Nierenerkrankungen und Kalziumstörungen senken.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine generelle Vorsorgeuntersuchung. Wer jedoch zur Risikogruppe gehört (z. B. mit bestimmten Erbkrankheiten), sollte regelmäßig den Kalzium- und Parathormonspiegel vom Arzt kontrollieren lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Nierensteine und Nierenfunktionsstörungen
- Knochenschwund (Osteoporose) mit erhöhtem Bruchrisiko
- Herz-Kreislauf-Probleme wie Bluthochdruck
- Magen-Darm-Beschwerden, die zu Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust führen können
- Neurologische Symptome wie Gedächtnisstörungen oder Depression
Langzeitprognose
Die Prognose nach einer Parathyreoidektomie ist in der Regel sehr gut. Die meisten Menschen sind nach der Operation beschwerdefrei und die Kalziumwerte normalisieren sich dauerhaft. Bei frühzeitiger Behandlung lassen sich die meisten Komplikationen vermeiden. Auch ohne Operation kann die Erkrankung oft gut medikamentös behandelt werden. Ihr Behandlungsteam wird Sie individuell beraten, um den bestmöglichen Weg für Sie zu finden.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Selbsthilfegruppen für Nebenschilddrüsenerkrankungen – erfragen Sie bei Ihrer Klinik oder Krankenkasse · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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