Nasennebenhöhlen-OP (FESS)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlen-Operation (FESS) ist ein minimalinvasiver chirurgischer Eingriff, bei dem verengte oder blockierte Nebenhöhlen mit Hilfe eines dünnen, flexiblen Endoskops geöffnet werden. Ziel ist es, die natürliche Belüftung und den Sekretabfluss wiederherzustellen. Die Operation wird meist bei chronischer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) durchgeführt, wenn Medikamente nicht ausreichend helfen.
Wichtige Fakten
- Die FESS ist kein Routineeingriff, sondern wird erst empfohlen, wenn konservative Behandlungen wie Nasenspülungen und Medikamente keine Besserung bringen.
- Der Eingriff erfolgt in der Regel unter Vollnarkose und dauert etwa 1–2 Stunden. Die meisten Patienten können am selben oder nächsten Tag nach Hause.
- Nach der Operation sind Nachsorgetermine wichtig, um die Heilung zu kontrollieren und Verkrustungen zu entfernen.
Ja, die FESS ist einer der häufigsten HNO-chirurgischen Eingriffe in Deutschland. Jährlich werden Zehntausende solcher Operationen durchgeführt.
Betroffen sind vor allem Erwachsene mit chronischer Sinusitis, die auf konservative Therapie nicht ansprechen. Auch Menschen mit Nasenpolypen oder anatomischen Engstellen profitieren oft von einer FESS.
Symptome
- Plötzliche starke Schwellung oder Rötung um ein Auge herum, verbunden mit Sehstörungen oder Bewegungsproblemen des Auges
- Hohes Fieber über 39°C mit starken Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit (Hinweis auf eine mögliche Hirnhautentzündung)
- Atemnot oder schnelles Anschwellen der Zunge oder des Rachens
- ⚠Starke Gesichtsschmerzen, die auf Schmerzmittel nicht ansprechen
- ⚠Eitrige Nasensekretion mit Fieber über 38°C, die länger als 3 Tage anhält
- ⚠Veränderungen des Geruchssinns, die plötzlich auftreten und nicht wiederkehren
Häufige Symptome
- Verstopfte Nase, die trotz Behandlung nicht besser wird
- Gesichtsschmerzen oder Druckgefühl über den Wangen/Stirn/um die Augen
- Wiederkehrende oder anhaltende eitrige Nasensekretion (gelblich/grünlich)
- Verminderter Geruchssinn oder Geschmacksstörungen
- Kopfschmerzen, die durch Bücken oder Druckänderungen schlimmer werden
- Anhaltende Müdigkeit und Abgeschlagenheit
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern tritt chronische Sinusitis seltener auf. Symptome sind oft eine anhaltend verstopfte Nase, nächtliches Husten, Ohrenschmerzen oder wiederholte Mittelohrentzündungen.
- Kinder können auch über Gesichtsschmerzen klagen, was aber schwer zu erkennen ist.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben oft eine geringere Symptomwahrnehmung. Anzeichen können eine verminderte Leistungsfähigkeit, Appetitlosigkeit oder Verwirrtheit sein.
- Nasenverstopfung und Sekretion treten auch gehäuft auf, werden aber manchmal mit Alterserscheinungen verwechselt.
Ursachen
Hauptursachen
- Chronische oder wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), die trotz Medikamenten nicht ausheilt
- Nasenpolypen, die die Nebenhöhlenausgänge blockieren
- Anatomische Engstellen, zum Beispiel eine verkrümmte Nasenscheidewand oder zu kleine Ostien (Öffnungen der Nebenhöhlen)
- Pilzinfektionen in den Nebenhöhlen, selten auch Tumore
Risikofaktoren
- Allergien (Heuschnupfen, Hausstaubmilben)
- Asthma bronchiale
- Immunschwäche oder chronische Grunderkrankungen (z. B. Mukoviszidose, Diabetes)
- Rauchgewohnheiten, auch Passivrauchen
- Häufiges Tauchen oder Fliegen (Druckveränderungen)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die oben genannten Notfallsymptome auftreten (siehe Abschnitt Notfälle)
- Wenn Sie plötzlich starke Schmerzen haben oder Ihr Auge geschwollen ist
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn eine verstopfte Nase oder Gesichtsschmerzen länger als 12 Wochen anhalten
- Wenn Sie wiederholt Nasennebenhöhlenentzündungen haben (mehr als 4 pro Jahr)
- Wenn die Beschwerden Ihr tägliches Leben stark beeinträchtigen
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) gestellt. Der Arzt bespricht zuerst Ihre Krankengeschichte und untersucht Ihre Nase mit einem Endoskop (dünner Schlauch mit Kamera).
Mögliche Untersuchungen
- Nasenendoskopie (Nasenspiegelung) – der Arzt kann dabei die Nebenhöhlenausgänge beurteilen
- Computertomographie (CT) der Nasennebenhöhlen – zeigt Verengungen, Polypen oder Entzündungen genau
- Allergietests, wenn eine Allergie vermutet wird
- Manchmal: eine Sekretuntersuchung (Abstrich) auf Bakterien oder Pilze
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei. Bei der Endoskopie kann ein leichtes Druckgefühl auftreten. Die CT ist wie eine Röntgenaufnahme – Sie dürfen sich nicht bewegen, der Vorgang dauert nur Minuten. Die Ergebnisse bespricht der Arzt mit Ihnen in einem Beratungsgespräch.
Behandlung
Die Behandlung von chronischen Nasennebenhöhlenproblemen beginnt immer mit konservativen Maßnahmen. Erst wenn diese nicht ausreichen, wird eine Operation in Betracht gezogen. Die FESS ist eine gut erprobte Methode, die die natürliche Belüftung wiederherstellt.
Selbsthilfe zu Hause
- Tägliche Nasenspülungen mit isotonischer Kochsalzlösung (z. B. aus der Apotheke) – das befeuchtet die Schleimhäute und spült Sekret und Allergene aus.
- Viel trinken (warmes Wasser, Kräutertees) – das verflüssigt das Nasensekret.
- Inhalationen mit Wasserdampf (kein Zusatz von ätherischen Ölen ohne ärztliche Empfehlung) – das öffnet die Atemwege.
- Ausreichend Schlaf und Vermeidung von Rauch und Schadstoffen.
Medizinische Behandlungen
Wenn Selbsthilfemaßnahmen nicht ausreichen, kann der Arzt Medikamente verschreiben. Dazu gehören entzündungshemmende Nasensprays (Kortisonpräparate) oder Antibiotika bei bakteriellen Infektionen. Auch abschwellende Nasensprays kommen kurzfristig zum Einsatz. Bei Allergien helfen Antihistaminika oder eine Hyposensibilisierung. Die Behandlung erfolgt immer individuell und nach den aktuellen Leitlinien (AWMF).
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine FESS wird in Betracht gezogen, wenn: (1) die Beschwerden chronisch sind (länger als 12 Wochen) und auf Medikamente nicht ansprechen, (2) Nasenpolypen die Atemwege blockieren oder (3) eine anatomische Engstelle die Ursache ist. Der Eingriff wird meist ambulant durchgeführt, die Erholungszeit beträgt etwa 1–2 Wochen.
Leben mit der Erkrankung
Nach der FESS ist eine sorgfältige Nachsorge wichtig. Sie müssen regelmäßig zur Kontrolle beim HNO-Arzt gehen, der die Nase reinigt und Verkrustungen entfernt. Vermeiden Sie starkes Schnäuzen, Heben schwerer Lasten oder Sport in den ersten Wochen. Die Nase kann anfangs noch etwas verstopft sein – das ist normal.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie Rauchen und Passivrauchen – das reizt die Schleimhäute.
- Schützen Sie Ihre Nase vor trockener Heizungsluft (z. B. durch Luftbefeuchter).
- Verzichten Sie auf Saunen oder Dampfbäder, bis der Arzt es erlaubt.
- Starkes Bücken oder Pressen sollten Sie in den ersten 4 Wochen vermeiden.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und ausreichend Flüssigkeit unterstützt die Heilung. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist schon nach wenigen Tagen erlaubt. Vermeiden Sie jedoch anstrengenden Sport für 4–6 Wochen, um Nachblutungen zu vermeiden. Fragen Sie Ihren Arzt, wann Sie wieder voll belasten können.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Nasennebenhöhlenprobleme können belasten – ständige Verstopfung, Schmerzen und eingeschränkter Geruchssinn machen das Leben schwer. Die Operation bringt oft große Erleichterung, aber die Geduld während der Erholungsphase können manchmal die Stimmung drücken. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle zu sprechen.
Vorbeugung
Eine chronische Sinusitis lässt sich nicht immer verhindern, aber Sie können das Risiko senken: Vermeiden Sie Rauchen, behandeln Sie Allergien frühzeitig und lüften Sie regelmäßig. Bei ersten Anzeichen einer Entzündung können Nasenspülungen helfen.
Impfungen
Eine Grippeimpfung kann helfen, schwere Virusinfektionen zu vermeiden, die eine Sinusitis auslösen können. Auch die Pneumokokken-Impfung (gegen Lungenentzündung) kann sinnvoll sein – besprechen Sie das mit Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine routinemäßige Vorsorge für Nasennebenhöhlenprobleme. Wenn Sie immer wieder Beschwerden haben, lassen Sie sich frühzeitig von einem HNO-Arzt untersuchen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Sinusitis kann zu wiederholten akuten Schüben führen, die schwer behandelbar sind.
- Es können sich Nasenpolypen oder eine ständige Verdickung der Nasenschleimhaut entwickeln.
- In seltenen Fällen kann eine Infektion auf das Auge oder das Gehirn übergreifen (Orbitalphlegmone, Hirnhautentzündung).
Langzeitprognose
Die FESS hat in der Regel eine sehr gute Erfolgsrate. Die meisten Menschen berichten über eine deutliche Besserung der Beschwerden und eine verbesserte Lebensqualität. In manchen Fällen kann eine Nachoperation nötig sein, aber das ist eher selten. Mit guter Nachsorge und gesunder Lebensweise ist die Prognose ausgezeichnet.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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