Immunosuppression and vaccines
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Immunsuppression bedeutet, dass Ihr Immunsystem – die körpereigene Abwehr gegen Krankheitserreger – geschwächt ist. Das kann durch bestimmte Erkrankungen oder Medikamente passieren. Für Menschen mit Immunsuppression ist der Impfschutz besonders wichtig, aber auch besonders: Manche Impfstoffe (Lebendimpfstoffe) sind für sie nicht geeignet, und die Impfung wirkt möglicherweise nicht so stark. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann einen individuellen Impfplan für Sie erstellen.
Wichtige Fakten
- Bei Immunsuppression ist das Immunsystem geschwächt, sodass Infektionen schwerer verlaufen können.
- Bestimmte Lebendimpfstoffe (z. B. gegen Masern, Mumps, Röteln) dürfen bei starker Immunsuppression nicht gegeben werden.
- Totimpfstoffe (inaktivierte Impfstoffe) sind in der Regel sicher, aber die Schutzwirkung kann geringer sein.
- Die Impfungen sollten am besten vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie abgeschlossen werden.
- Auch Haushaltskontakte sollten geimpft sein, um die geschwächte Person zu schützen (Kokon-Strategie).
Ja, Immunsuppression kommt häufiger vor als viele denken. Zum Beispiel durch die Einnahme von Kortison, bei Autoimmunerkrankungen, nach Organtransplantationen oder während einer Krebstherapie. Auch angeborene Immundefekte sind selten, aber möglich.
Betroffen sind Menschen jeden Alters – von Kindern mit angeborenen Immundefekten bis zu älteren Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen oder nach einer Transplantation. Auch Personen, die langfristig Medikamente wie Kortison oder Immunsuppressiva einnehmen, gehören dazu.
Symptome
- Hohes Fieber über 39 °C, das nicht sinkt
- Atemnot oder schnelles Atmen
- Starke Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit (Zeichen einer Hirnhautentzündung)
- Bewusstseinsstörungen (z. B. Verwirrtheit, Schläfrigkeit, nicht ansprechbar)
- Schwere allergische Reaktion (z. B. plötzliche Nesselsucht, Atembeschwerden) nach einer Impfung
- ⚠Anzeichen einer Infektion, die nicht innerhalb von 24–48 Stunden besser werden (z. B. Fieber, Husten, Durchfall)
- ⚠Schmerzen, Rötung oder Schwellung an einer Impfstelle, die zunimmt
- ⚠Hautausschlag, der sich ausbreitet oder Blasen bildet
- ⚠Wenn Sie eine Impfung erhalten haben, bei der Lebendimpfstoffe verwendet wurden, und grippeähnliche Symptome entwickeln
Häufige Symptome
- Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen (z. B. häufige Erkältungen, Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte)
- Langsame Wundheilung
- Fieber ohne erkennbare Ursache
- Hautausschläge oder Pilzinfektionen
Symptome bei Kindern
- Wiederholte Mittelohrentzündungen (Otitis media)
- Häufige und schwere Atemwegsinfektionen
- Langsames Gedeihen (Wachstums- und Gewichtszunahmestörungen)
- Hautinfektionen oder Abszesse
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Plötzliche Verwirrtheit oder Verschlechterung des Allgemeinzustands bei Infektionen
- Lungenentzündung (Pneumonie)
- Gürtelrose (Herpes Zoster) – kommt häufiger vor und kann schwerer verlaufen
- Länger anhaltende Infektionen mit Fieber
Ursachen
Hauptursachen
- Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, z. B. Kortisonpräparate (niedrig dosiert über längere Zeit oder hoch dosiert), Immunsuppressiva nach Transplantationen, Chemotherapie, bestimmte Biologika.
- Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Lupus oder Multiple Sklerose, bei denen das Immunsystem fehlreguliert ist.
- Infektionen mit Viren wie HIV (unbehandelt führt dies zu AIDS mit schwerer Immunschwäche).
- Angeborene Immundefekte (seltene Erbkrankheiten).
- Chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Nierenversagen, die die Immunabwehr schwächen können.
Risikofaktoren
- Einnahme von hochdosierten oder längerfristigen Kortisonpräparaten (z. B. Prednison >20 mg/Tag über mehr als 2 Wochen).
- Organtransplantation oder Stammzelltransplantation.
- Krebserkrankung und deren Behandlung (Bestrahlung, Chemotherapie).
- Alter: Bei älteren Menschen arbeitet das Immunsystem oft schwächer (Immunoseneszenz).
- Mangelernährung oder starke Gewichtsabnahme.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Fieber über 38,5 °C, das länger als einen Tag anhält.
- Bei Atemnot, starkem Husten oder Brustschmerzen.
- Bei Hautausschlag, der Blasen bildet oder sich schnell ausbreitet.
- Nach einer Impfung mit Lebendimpfstoffen (z. B. Masern-Mumps-Röteln), wenn Sie grippeähnliche Symptome entwickeln – sofort den Arzt informieren.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie einen Impf-Check beim Arzt machen.
- Jährlich zur Grippeimpfung (Influenza) und zur Auffrischung von Impfungen wie Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten.
- Wenn Sie planen, schwanger zu werden: Immunstatus und Impfungen prüfen lassen.
- Regelmäßige Kontrollen des Immunstatus (z. B. Antikörpertiter) gemäß ärztlicher Empfehlung.
Diagnose
Die Diagnose einer Immunsuppression wird in der Regel durch die Krankengeschichte (Anamnese) und durch Blutuntersuchungen gestellt. Der Arzt fragt nach Ihren Medikamenten, Vorerkrankungen und früheren Infektionen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutbild mit Differenzialblutbild (um Anzahl der weißen Blutkörperchen zu bestimmen).
- Bestimmung der Immunglobuline (Antikörperklassen IgG, IgA, IgM).
- Lymphozyten-Subpopulationen (T-Zellen, B-Zellen, NK-Zellen).
- Impfantikörper-Titer (um zu prüfen, ob noch ausreichend Schutz besteht).
- Tests auf HIV oder andere chronische Infektionen, falls nicht bekannt.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, welche Impfungen für Sie geeignet sind. Oft wird der Impfplan auf Sie zugeschnitten: Totimpfstoffe werden bevorzugt eingesetzt, Lebendimpfstoffe sind in der Regel erst nach Rücksprache mit einem Spezialisten und nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Die Impfungen erfolgen manchmal in höheren Dosen oder mit Auffrischungen, um einen besseren Schutz zu erreichen. Sie werden während der Impfkampagne beobachtet, und Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, worauf Sie nach der Impfung achten müssen.
Behandlung
Die Behandlung der Immunsuppression selbst hängt von der Ursache ab. Ziel ist es, das Immunsystem so weit zu stabilisieren, dass Sie Infektionen besser abwehren können. Impfungen spielen dabei eine zentrale Rolle – aber auch die Behandlung der Grunderkrankung und die Vermeidung von Infektionen.
Selbsthilfe zu Hause
- Hände regelmäßig und gründlich waschen mit Seife.
- Menschenmengen in der Grippezeit meiden und Abstand zu kranken Personen halten.
- Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.
- Ausreichend Schlaf und Stressabbau, um das Immunsystem zu unterstützen.
- Bei Fieber oder Infektionszeichen frühzeitig ärztlichen Rat einholen.
Medizinische Behandlungen
Bei Immunsuppression kann der Arzt die zugrunde liegende Ursache behandeln – zum Beispiel die Dosis von Immunsuppressiva anpassen oder eine antivirale Therapie einleiten (wie bei HIV). Für Impfungen werden in der Regel Totimpfstoffe eingesetzt, die sicher sind. In manchen Fällen – etwa vor einer Transplantation oder Chemotherapie – werden bestimmte Impfungen nachgeholt oder aufgefrischt. Lebendimpfstoffe sind nur in besonderen Ausnahmen erlaubt, wenn der Nutzen das Risiko überwiegt und unter fachärztlicher Aufsicht. Die individuelle Impfstrategie wird nach den Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) und den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) erstellt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein chirurgischer Eingriff ist nur selten direkt bei Immunsuppression nötig – etwa bei Komplikationen wie Abszessen oder wenn die Ursache der Immunsuppression eine Erkrankung der Milz ist und eine Milzentfernung geplant ist (dann sind vorher bestimmte Impfungen dringend empfohlen).
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag ist es wichtig, sich vor Infektionen zu schützen. Dazu gehören regelmäßiges Händewaschen, das Meiden von kranken Personen und eine gute Mundhygiene. Sorgen Sie dafür, dass alle in Ihrem Haushalt gut geimpft sind – das schützt auch Sie (sogenannter Kokonschutz). Planen Sie Ihre Impfungen gemeinsam mit Ihrem Hausarzt oder einem Spezialisten (z. B. Infektiologe, Rheumatologe, Transplantationsmediziner).
Tipps für den Alltag
- Melden Sie sich bei Ihrem Arzt, wenn Sie Fieber oder andere Infektionszeichen bemerken.
- Tragen Sie bei Bedarf in öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei Menschenansammlungen eine Maske – vor allem in der Erkältungssaison.
- Vermeiden Sie engen Kontakt zu Personen, die kürzlich eine Lebendimpfung erhalten haben (z. B. Windpockenimpfung, Masern-Mumps-Röteln-Impfung).
- Reisen Sie nicht ohne vorherige ärztliche Beratung in Länder mit erhöhtem Infektionsrisiko.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen kann Ihr Immunsystem unterstützen. Achten Sie auf vitaminreiche Kost (Obst, Gemüse, Vollkorn) und trinken Sie genug. Leichte Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen tut gut – aber übertreiben Sie es nicht. Bei Fieber oder Krankheit sollten Sie sich schonen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Immunsuppression kann verunsichern und belasten – die ständige Sorge vor Infektionen, die vielen Arzttermine und die Abhängigkeit von Medikamenten. Es ist normal, sich manchmal ängstlich oder traurig zu fühlen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle darüber zu sprechen. Bei akuten Krisen wenden Sie sich an den sozialpsychiatrischen Dienst oder die Telefonseelsorge (kostenlos, anonym, rund um die Uhr erreichbar).
Vorbeugung
Eine Immunsuppression selbst lässt sich nicht immer verhindern, vor allem wenn sie durch eine chronische Erkrankung oder eine notwendige Therapie entsteht. Aber Sie können viel tun, um Infektionen zu vermeiden – und dafür sind Impfungen der wichtigste Schutz. Lassen Sie sich vor geplanten Therapien rechtzeitig impfen (mindestens 2–4 Wochen vorher), damit Ihr Körper genug Zeit hat, Antikörper zu bilden.
Impfungen
Ja, Impfungen sind ein zentraler Bestandteil der Vorsorge. Für Menschen mit Immunsuppression gelten besondere Regeln: Totimpfstoffe (z. B. gegen Grippe, Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Pneumokokken, Meningokokken, Hepatitis B, HPV, COVID-19) sind in der Regel sicher und empfohlen. Lebendimpfstoffe (z. B. gegen Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Gelbfieber, Rotaviren, BCG) dürfen bei schwerer Immunsuppression nicht gegeben werden. Ihr Arzt prüft, ob bei Ihrer speziellen Situation eine Ausnahme möglich ist. Die Impfungen können auch in reduzierten Abständen oder in höheren Dosierungen erfolgen. Wichtig: Auch Ihr Umfeld sollte geimpft sein, um Sie zu schützen.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige ärztliche Kontrollen des Impfstatus (Antikörpertiter) und des Blutbildes können helfen, den Schutz im Blick zu behalten. Bei manchen immunsuppressiven Therapien werden bestimmte Infektionen (z. B. Tuberkulose, Hepatitis B) vor Therapiebeginn ausgeschlossen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere, wiederholte oder ungewöhnliche Infektionen (z. B. Lungenentzündung, Sepsis, Hirnhautentzündung).
- Chronische Infektionen durch Viren (z. B. CMV, EBV) – insbesondere nach Transplantationen.
- Ausbreitung von Tumorerkrankungen (durch geschwächte Immunüberwachung).
- Schwere Verläufe von Kinderkrankheiten wie Masern oder Windpocken bei fehlendem Impfschutz.
- Langwieriger Verlauf von Infektionen und erhöhte Krankenhausaufenthalte.
Langzeitprognose
Die meisten Menschen mit Immunsuppression können dank moderner Therapien und guter medizinischer Betreuung ein weitgehend normales und aktives Leben führen. Der Schlüssel liegt in einer engen Zusammenarbeit mit dem Arzt, einer individuell angepassten Impfstrategie und einem achtsamen Umgang mit Infektionsrisiken. Auch bei angeborenen Immundefekten gibt es heute immer bessere Behandlungsmöglichkeiten. Bleiben Sie zuversichtlich und fragen Sie nach, wenn Sie unsicher sind – Ihr medizinisches Team hilft Ihnen gerne.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2026
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