Malrotation des Darms
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer Malrotation ist der Darm im Bauchraum von Geburt an falsch gedreht. Normalerweise macht der Darm während der Entwicklung im Mutterleib eine bestimmte Drehung, damit er sich richtig in der Bauchhöhle anordnet. Wenn diese Drehung fehlt oder unvollständig ist, spricht man von einer Malrotation. Dadurch kann sich der Darm später leichter verdrehen – das nennt man Volvulus. Ein Volvulus ist ein Notfall, weil dann die Blutversorgung des Darms unterbrochen wird.
Wichtige Fakten
- Malrotation ist angeboren und die genaue Ursache ist unbekannt.
- Sie kann lange Zeit keine Beschwerden machen und wird manchmal erst bei Erwachsenen zufällig entdeckt.
- Eine plötzliche Darmverdrehung (Volvulus) ist ein Notfall und muss sofort im Krankenhaus behandelt werden.
Malrotation ist selten. Sie tritt schätzungsweise bei 1 von 500 bis 1 von 6.000 Neugeborenen auf. Bei Erwachsenen wird sie nur selten festgestellt, weil sie oft keine Symptome macht.
Die meisten Fälle werden im Säuglingsalter oder in den ersten Lebensjahren entdeckt. Es gibt aber auch Menschen, die bis ins Erwachsenenalter keine Beschwerden haben und erst bei einer Bauchuntersuchung aus anderem Grund von der Malrotation erfahren.
Symptome
- Heftige, plötzliche und anhaltende Bauchschmerzen
- Erbrechen von grünlicher oder blutiger Flüssigkeit
- Blut im Stuhl
- Aufgetriebener, harter Bauch mit starken Schmerzen
- Zeichen von Schock: blasse Haut, kalter Schweiß, schneller Puls
- ⚠Starke Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- ⚠Wiederholtes Erbrechen ohne Durchfall
- ⚠Fieber zusammen mit Bauchschmerzen
- ⚠Anhaltende Verdauungsprobleme, die schlimmer werden
Häufige Symptome
- Bauchschmerzen, die kommen und gehen
- Übelkeit und Erbrechen
- Aufgetriebener oder geblähter Bauch
- Appetitlosigkeit
- Verstopfung oder seltener Stuhlgang
Symptome bei Kindern
- Bei Babys: plötzliches und heftiges Erbrechen, oft grünlich
- Starkes Schreien und Unruhe
- Angespannter, harter Bauch
- Blut im Stuhl
- Teilnahmslosigkeit oder auffällig ruhiges Verhalten
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Wiederkehrende Bauchschmerzen nach dem Essen
- Völlegefühl und Aufstoßen
- Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall
- Bei akuter Darmdrehung: plötzliche, sehr starke Bauchschmerzen mit Erbrechen
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Während der Schwangerschaft macht der Darm normalerweise eine Drehung in der Bauchhöhle. Wenn diese Drehung unvollständig ist oder ganz fehlt, bleibt der Darm nicht an der üblichen Position befestigt.
- Durch die fehlende Befestigung kann sich der Darm leichter um seine eigene Blutversorgung drehen – das ist der gefährliche Volvulus.
Risikofaktoren
- Es gibt keine bekannten Lebensstil-Risikofaktoren. Malrotation ist angeboren und hat nichts mit dem Verhalten der Eltern oder des Kindes zu tun.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei starken, anhaltenden Bauchschmerzen oder grünlichem Erbrechen müssen Sie sofort in die Notaufnahme oder den Rettungsdienst unter 112 rufen.
- Bei Blut im Stuhl oder aufgeblähtem, hartem Bauch ist ebenfalls sofortiges Handeln nötig.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn bei Ihnen oder Ihrem Kind wiederholt Bauchschmerzen, Übelkeit oder Verdauungsprobleme auftreten, sollten Sie mit einem Arzt oder einer Ärztin sprechen.
- Auch wenn Sie unsicher sind, ob die Beschwerden ernst sind, ist ein Termin in der Hausarztpraxis oder Kinderarztpraxis sinnvoll.
Diagnose
Der Arzt fragt zuerst nach den Beschwerden und der Krankengeschichte. Danach tastet er den Bauch vorsichtig ab. Bildgebende Verfahren zeigen, wie der Darm liegt und ob er gedreht ist. Bei einem akuten Notfall wird die Untersuchung sofort in der Notaufnahme gemacht.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall (Sonografie): Damit lässt sich die Lage der Organe im Bauchraum beurteilen.
- Röntgen mit Kontrastmittel (Magen-Darm-Passage): Ein Kontrastmittel macht den Verlauf des Darms auf dem Röntgenbild sichtbar.
- Computertomographie (CT): Sie wird vor allem bei unklaren oder akuten Fällen eingesetzt.
- Blutuntersuchung: Sie zeigt, ob Entzündungszeichen oder Durchblutungsstörungen vorliegen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei. Bei einem Notfall werden sie unter Notfallbedingungen sofort durchgeführt. Wenn keine akuten Beschwerden bestehen, kann die Diagnostik auch geplant in einer Praxis oder Klinik stattfinden. Nach der Untersuchung erklärt der Arzt die Ergebnisse und bespricht das weitere Vorgehen.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, ob eine akute Darmverdrehung vorliegt oder nicht. Bei einem Volvulus ist eine schnelle Operation nötig, weil der Darm sonst absterben kann. Ohne akute Beschwerden kann der Arzt mit Ihnen abwägen, ob eine Operation sinnvoll ist oder ob erstmal Beobachtung ausreicht. Eine Malrotation verschwindet nicht von allein.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei akuten starken Schmerzen hilft keine Hausmedizin – hier ist sofort ärztliche Hilfe nötig.
- Bei ärztlich abgeklärten, leichten Beschwerden können Wärme, Ruhe und kleine, leichte Mahlzeiten das Wohlbefinden unterstützen.
- Besprechen Sie alle Maßnahmen zur Selbstfürsorge immer mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Medizinische Behandlungen
Medikamente gegen die Malrotation selbst gibt es nicht. Im Krankenhaus können bei einem Notfall Infusionen und Schmerzmittel gegeben werden, um den Kreislauf zu stabilisieren. Alle Medikamente werden nur von medizinischem Fachpersonal verordnet und eingesetzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei einer akuten Darmverdrehung (Volvulus) ist eine sofortige Operation notwendig. Der Chirurg dreht den Darm zurück und befestigt ihn so, dass er sich nicht wieder verdrehen kann. Dieser Eingriff wird Ladd-Operation genannt. Auch bei einem Darmverschluss muss sofort operiert werden. Bei Säuglingen und Kindern wird oft schon operiert, um einen späteren Notfall zu verhindern.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer erfolgreichen Operation können die meisten Menschen ein normales Leben führen. Manche haben noch leichte Verdauungsbeschwerden, aber viele haben keinerlei Einschränkungen. Wichtig ist, die Warnzeichen zu kennen und im Zweifel schnell ärztliche Hilfe zu holen.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Vollkornprodukten.
- Trinken Sie ausreichend, am besten Wasser oder ungesüßten Tee.
- Nehmen Sie Bauchschmerzen ernst – besonders wenn sie plötzlich und heftig auftreten.
- Halten Sie Vorsorgetermine bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ein.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät, die eine Malrotation heilt. Eine ballaststoffreiche Ernährung kann die Verdauung unterstützen. Nach einer Operation empfiehlt der Arzt möglicherweise für eine Weile eine leichte Schonkost. Bewegung und Sport sind grundsätzlich erlaubt, am besten nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederkehrende Bauchschmerzen oder eine Operation können seelisch belastend sein. Auch die Angst vor einem erneuten Notfall ist verständlich. Reden Sie offen über Ihre Sorgen – mit Ihrem Hausarzt, Ihrer Hausärztin oder einem psychologischen Beratungsangebot. Bei starker psychischer Belastung kann auch Ihre ärztliche Praxis Vermittlungsstellen in Ihrer Nähe nennen.
Vorbeugung
Eine Malrotation ist angeboren und lässt sich nicht verhindern. Es gibt keine bekannten Maßnahmen, um das Risiko zu senken. Besonders wichtig ist, die Symptome zu kennen und im Notfall schnell zu handeln.
Impfungen
Für Malrotation gibt es keine Impfung. Die üblichen Schutzimpfungen sollten jedoch wie vom Arzt empfohlen durchgeführt werden.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening auf Malrotation. Bei Säuglingen mit auffälligen Symptomen wird jedoch schnell und gezielt untersucht, um eine Darmverdrehung auszuschließen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Darmverschluss (Ileus): Der Darminhalt kann nicht weiter transportiert werden.
- Darminfarkt: Ein abgestorbener Darmabschnitt durch fehlende Blutversorgung.
- Darmdurchbruch (Perforation): Eine lebensbedrohliche Öffnung in der Darmwand.
- Blutvergiftung (Sepsis): Wenn Bakterien aus dem Darm ins Blut gelangen.
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen Behandlung sind die Aussichten sehr gut. Die Operation ist heute sicher und die meisten Patienten erholen sich vollständig. Auch wenn in seltenen Fällen Darmgewebe entfernt werden muss, sind die Behandlungserfolge gut. Entscheidend ist, bei Warnzeichen sofort zu handeln – dann besteht große Chance auf ein beschwerdefreies Leben.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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