Steißbeinschmerzen (Kokzygodynie) – verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Kokzygodynie ist medizinisch ausgedrückt ein Schmerz am Steißbein. Das Steißbein ist der unterste, kleine Knochenteil der Wirbelsäule, direkt über dem Gesäß. Es ist so etwas wie das unsichtbare Ende der Wirbelsäule und meist etwa 3 bis 5 Zentimeter lang. Wenn dieser Bereich schmerzt, besonders beim Sitzen, spricht man von Steißbeinschmerzen oder Kokzygodynie.
Wichtige Fakten
- Das Steißbein ist das unterste Ende der Wirbelsäule.
- Die Schmerzen treten vor allem beim Sitzen, beim Aufstehen und bei Druck auf das Gesäß auf.
- Steißbeinschmerzen sind meist unangenehm, aber nicht gefährlich und bessern sich häufig von selbst.
Es ist keine seltene Beschwerde in der Hausarztpraxis. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber viele Menschen haben mindestens einmal im Leben vorübergehend Schmerzen am Steißbein.
Steißbeinschmerzen können in jedem Alter auftreten. Häufiger betroffen sind Frauen, zum Beispiel nach einer Geburt, und Menschen, die auf das Gesäß gestürzt sind. Auch Menschen mit langem Sitzen im Beruf, etwa am Schreibtisch, sind öfter betroffen.
Symptome
- Starke Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall, wenn zusätzlich Taubheitsgefühle auftreten
- Kribbeln oder Lähmungsgefühle in den Beinen
- Plötzlicher Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm – zum Beispiel Einnässen oder Einkoten
- Querschnittsähnliche Symptome wie Gefühllosigkeit im gesamten Gesäß- und Genitalbereich
- ⚠Schmerzen am Steißbein zusammen mit Fieber, Rötung oder starker Schwellung
- ⚠Schmerzen nach einem Unfall, die nicht nachlassen und mit starken Blutergüssen verbunden sind
- ⚠Wenn Sie Ihre Beine nicht mehr normal bewegen können oder beim Gehen unsicher werden
Häufige Symptome
- Schmerzen direkt am unteren Ende der Wirbelsäule, am Gesäßansatz
- Schmerzen beim Sitzen, besonders auf harten Stühlen
- Schmerzen beim Wechsel vom Sitzen zum Stehen
- Druckempfindlichkeit, wenn man auf die Stelle drückt
- Schmerzen beim Stuhlgang oder beim längeren Liegen auf dem Rücken
Symptome bei Kindern
- Beim Kind entsteht Steißbeinschmerz meist nach einem Sturz auf das Gesäß, etwa beim Spielen oder Sport.
- Das Kind klagt dann über Schmerzen beim Sitzen und möchte vielleicht nicht mehr auf dem Po sitzen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen ist das Fett- und Muskelpolster im Gesäß oft dünner, dadurch lastet mehr Druck direkt auf dem Steißbein.
- Schmerzen können auch nach einem Sturz oder durch längeres Sitzen im Sessel entstehen.
Ursachen
Hauptursachen
- Ein Sturz direkt auf das Gesäß, zum Beispiel auf Glatteis oder beim Sport
- Langes und häufiges Sitzen auf harten Unterlagen
- Eine Geburt, bei der das Steißbein stark belastet wird
- Wiederholte Belastung, etwa durch Radfahren oder Rudern
- Manchmal findet sich keine eindeutige Ursache – die Schmerzen entstehen schleichend.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht – Frauen sind häufiger betroffen
- Übergewicht, weil mehr Auflagedruck auf dem Becken liegt
- Sitzende Tätigkeiten ohne regelmäßige Pausen
- Dünnes Fettgewebe im Gesäßbereich
- Frühere Verletzungen oder Operationen im Bereich des Steißbeins
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen in den Beinen bemerken
- Wenn Sie die Kontrolle über Blase oder Darm verlieren
- Wenn starke Schmerzen nach einem Unfall bestehen und Sie sich nicht sicher sind, ob eine ernste Verletzung vorliegt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Steißbeinschmerzen länger als ein bis zwei Wochen anhalten
- Wenn die Schmerzen den Alltag deutlich einschränken, zum Beispiel beim Sitzen im Beruf
- Wenn Sie nach einer Geburt anhaltende Schmerzen am Steißbein haben
Diagnose
Der Arzt – meist die Hausärztin oder der Hausarzt – fragt zuerst genau nach Ihren Beschwerden, nach möglichen Auslösern wie einem Sturz oder nach Ihrer Sitzgewohnheit. Danach tastet er vorsichtig das Steißbein ab. Dabei prüft er, ob Druck auf das Steißbein genau die Schmerzen auslöst und ob die Beweglichkeit normal ist.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung durch Abtasten des Steißbeins und der Umgebung
- Untersuchung mit dem Finger im Enddarm, um die Beweglichkeit des Steißbeins zu prüfen – das klingt unangenehm, ist aber meist kurz
- Röntgenbild vom unteren Wirbelsäulenende, wenn der Verdacht auf eine Fraktur besteht
- Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT), nur wenn etwas Unklares vorliegt und die Schmerzen hartnäckig sind
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Meist kann die Ärztin oder der Arzt die Diagnose allein durch das Gespräch und die körperliche Untersuchung stellen. Ein Röntgenbild ist nicht immer nötig. Falls eine Bildgebung erfolgt, ist das schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Nach der Untersuchung bekommen Sie in der Regel eine Einschätzung und Empfehlungen, was Sie selbst tun können.
Behandlung
Die Behandlung von Steißbeinschmerzen beginnt fast immer mit einfachen Maßnahmen: Entlastung, Sitzunterlagen und gegebenenfalls Schmerzmittel, die die Ärztin oder der Arzt verordnen oder empfehlen kann. Das Ziel ist, den Druck vom Steißbein zu nehmen und die Muskulatur im Beckenboden und Gesäß zu lockern.
Selbsthilfe zu Hause
- Setzen Sie sich auf ein spezielles Sitzkissen mit Aussparung in der Mitte – so wird das Steißbein entlastet.
- Vermeiden Sie lange Sitzphasen auf harten Untergründen; stehen Sie regelmäßig auf und gehen Sie ein paar Schritte.
- Nutzen Sie beim Sitzen eine aufrechte Haltung mit gestütztem Rücken.
- Wärme – etwa mit einem warmen Kirschkernkissen – kann die Muskulatur entspannen.
- Bewegen Sie sich im Alltag schonend, zum Beispiel mit Schwimmen oder ruhigen Spaziergängen.
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt kann entzündungshemmende Schmerzmittel verschreiben – auch als Salbe oder Zäpfchen. Daneben helfen manchmal Krankengymnastik, manuelle Therapie, Dehnungsübungen oder eine lokale Behandlung mit Betäubungsspritzen in den Bereich um das Steißbein. Welche Behandlung im Einzelnen sinnvoll ist, hängt von der Ursache und der Dauer der Beschwerden ab.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation am Steißbein kommt nur in sehr seltenen Fällen infrage, etwa wenn trotz aller Behandlungen über Monate schwere Schmerzen bestehen. Dann kann ein spezialisierter chirurgischer Eingriff das Steißbein teilweise oder ganz entfernen. Diese Entscheidung trifft man gemeinsam mit einem Facharzt oder einer Fachärztin.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag ist es wichtig, Sitzdruck zu vermeiden. Ein Kissen mit einer Mulde oder Aussparung für das Steißbein wirkt oft Wunder. Wenn Sie viel sitzen, machen Sie alle 20 bis 30 Minuten eine kurze Pause. Stehen Sie langsam auf und setzen Sie sich langsam wieder hin, das schont den Bereich.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht, um den Druck auf das Becken zu reduzieren.
- Wechseln Sie zwischen Sitzen, Stehen und Gehen ab.
- Treiben Sie moderate Bewegung, die das Gesäß nicht belastet.
- Vermeiden Sie Sitzen auf hartem Boden oder harten Sitzbänken.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Ballaststoffen und ausreichend Flüssigkeit beugt Verstopfung vor, weil Pressen beim Stuhlgang den Schmerz verstärken kann. Bei der Bewegung sind Schwimmen, Yoga und Spazierengehen oft gut geeignet. Dehnungsübungen für den unteren Rücken und das Gesäß können die Muskulatur lockern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anhaltende Schmerzen können den Schlaf stören und die Stimmung belasten. Es ist ganz normal, sich dann unsicher oder niedergeschlagen zu fühlen. Sprechen Sie offen mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt darüber. Auch Entspannungsübungen, Atemtechniken oder ein psychologischer Rat können helfen, besser mit den Schmerzen umzugehen.
Vorbeugung
Nicht alle Steißbeinschmerzen sind vermeidbar, aber Sie können einiges tun, um das Risiko zu senken. Achten Sie auf rutschfestes Schuhwerk, um Stürze auf Glatteis zu vermeiden. Bei langem Sitzen helfen ergonomische Sitzmöbel und regelmäßige Pausen. Eine kräftige Beckenboden- und Gesäßmuskulatur stützt das Steißbein zusätzlich.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Schmerzen können chronisch werden, also länger als mehrere Monate anhalten.
- Es können sich Verspannungen und Verhärtungen in der Gesäß- und Rückenmuskulatur bilden.
- Manche Menschen vermeiden aus Schmerz Bewegung und Sitzen, was den Alltag stark einschränkt.
Langzeitprognose
Die meisten Steißbeinschmerzen bessern sich innerhalb weniger Wochen bis Monate – oft mit einfachen Maßnahmen und ohne besondere Behandlung. Auch wenn es manchmal Geduld braucht: Bei den allermeisten Menschen lässt der Schmerz nach, und ein normaler Alltag ist wieder möglich.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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