Sehnenentzündung (Tendinitis)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Sehnenentzündung ist eine schmerzhafte Reizung oder Entzündung einer Sehne. Sehnen sind feste, aber elastische Bänder, die Muskeln mit Knochen verbinden. Sie entsteht meist, wenn eine Sehne überlastet wird – zum Beispiel durch wiederholte Bewegungen. Betroffen sind häufig Schulter, Ellenbogen, Handgelenk, Knie oder Ferse.
Wichtige Fakten
- Die häufigste Ursache ist Überlastung – trotzdem ist Bewegung wichtig, wenn sie richtig dosiert wird.
- Die Beschwerden bessern sich meist innerhalb weniger Wochen mit Schonung, Kühlen und Physiotherapie.
- Je früher die Behandlung beginnt, desto besser ist die Aussicht auf vollständige Heilung.
Ja. Sehnenentzündungen gehören zu den häufigsten Beschwerden, mit denen Menschen in einer Hausarztpraxis vorstellig werden.
Menschen jeden Alters können eine Sehnenentzündung bekommen, besonders häufig betroffen sind Menschen zwischen 40 und 60 Jahren. Auch Sportlerinnen und Sportler sowie Menschen mit sich wiederholenden Tätigkeiten – etwa an einem Computerbildschirm oder in Handwerksberufen – haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Ein hörbares „Schnappen“ oder Krachen an der Sehne, gefolgt von plötzlichen, sehr starken Schmerzen – das kann auf einen Sehnenriss hinweisen. Rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Sie können den betroffenen Muskel nicht mehr bewegen oder nicht mehr auf dem Bein stehen.
- Starke Blutungen oder eine offene Verletzung im Bereich einer Sehne – rufen Sie sofort den Notruf 112.
- ⚠Fieber, starke Rötung, Überwärmung oder deutliche Schwellung über der Sehne – das kann auf eine Infektion hinweisen. Suchen Sie noch am selben Tag eine ärztliche Praxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 auf.
- ⚠Plötzliche Schwäche oder Gefühlsstörungen in Arm oder Bein.
- ⚠Sehr starke Schmerzen, die trotz Kühlen und Schonen nicht nachlassen.
Häufige Symptome
- Schmerzen bei Bewegung, Druck oder Belastung der betroffenen Sehne
- Eine leichte Schwellung oder ein Wärmegefühl über der Schmerzstelle
- Morgendliche Steifheit, die bei Bewegung zunächst besser wird und später wieder zunimmt
- Schmerzen je nach betroffener Stelle, zum Beispiel beim Greifen, Treppensteigen oder Anziehen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern und Jugendlichen sind echte Sehnenentzündungen selten.
- Schmerzen an Ferse, Knie oder Schulter treten bei jungen Sportlerinnen und Sportlern vor allem nach intensivem Training auf.
- Achten Sie auf Hinken oder eine Schonhaltung – Kinder zeigen Schmerzen oft nicht deutlich.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schleichend zunehmende Schmerzen ohne erkennbaren Auslöser
- Eine längere Erholungszeit nach körperlicher Belastung
- Ein Gefühl von Kraftverlust oder von „schwachen Sehnen“ beim Gehen oder Greifen
Ursachen
Hauptursachen
- Wiederholte, immer ähnliche Bewegungen – im Beruf, im Haushalt oder beim Sport
- Eine plötzliche Erhöhung des Trainingsumfangs oder der Belastung
- Fehlbelastungen durch unpassendes Schuhwerk, schlechte Körperhaltung oder unergonomische Arbeitsplätze
Risikofaktoren
- Alter über 40, weil das Sehnengewebe an Elastizität verliert
- Sportarten mit viel Springen, Werfen oder langen Laufstrecken
- Berufe mit schweren oder sich wiederholenden Handgriffen
- Vorerkrankungen wie Diabetes oder Rheuma
- Rauchen, weil es die Durchblutung der Sehnen beeinträchtigt
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie den Verdacht auf einen Sehnenriss haben – zum Beispiel nach einem hörbaren „Schnappen“ mit plötzlichem Kraftverlust.
- Wenn die Stelle heiß, stark gerötet und geschwollen ist und Fieber dazukommt – das kann auf eine Infektion hinweisen.
- Wenn Sie den Arm oder das Bein nicht mehr belasten können.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Schmerzen länger als drei Tage anhalten oder sich zunehmend verschlimmern.
- Wenn die Beschwerden den Alltag stören – zum Beispiel beim Anziehen, Treppensteigen oder Greifen.
- Wenn die Stelle nach ein paar Tagen Ruhe noch immer deutlich druckempfindlich ist.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst, wann die Schmerzen begonnen haben, was sie verschlimmert und welche Tätigkeiten Sie im Alltag oder im Sport ausüben. Danach folgt eine körperliche Untersuchung: Die schmerzende Stelle wird abgetastet und die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks geprüft.
Mögliche Untersuchungen
- Die körperliche Untersuchung mit Abtasten und Funktionstests ist der wichtigste Schritt.
- Eine Ultraschalluntersuchung kann die Sehne sichtbar machen und Entzündungen oder Schädigungen zeigen.
- Ein MRT kommt nur bei unklaren oder hartnäckigen Beschwerden in Betracht.
- Eine Blutuntersuchung kann andere Ursachen wie Rheuma oder eine Infektion ausschließen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel kurz. Das Abtasten der entzündeten Stelle kann unangenehm sein, ist aber meist nur an genau dieser Stelle spürbar. In den meisten Fällen erhalten Sie direkt bei diesem Termin eine Einschätzung und Empfehlungen für die nächsten Schritte.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Ort und Dauer der Beschwerden. In vielen Fällen reicht eine konsequente Kombination aus Schonung, angepasster Bewegung und Physiotherapie. Die ärztliche Behandlung orientiert sich an den aktuellen Behandlungsleitlinien der AWMF – der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.
Selbsthilfe zu Hause
- Belasten Sie die betroffene Stelle für ein paar Tage weniger – aber meiden Sie völlige Ruhigstellung, wenn die ärztliche Fachperson es nicht ausdrücklich empfiehlt.
- Kühlen Sie die schmerzende Stelle mehrmals täglich für 10 bis 15 Minuten – zum Beispiel mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack.
- Vermeiden Sie bei Alltagsbewegungen starkes Greifen oder schweres Heben, bis die Schmerzen nachlassen.
- Steigern Sie die Belastung langsam wieder – auch wenn es schon wieder gut geht.
Medizinische Behandlungen
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann eine physiotherapeutische Behandlung verordnen – das ist oft der wichtigste Baustein, damit die Sehne wieder kräftig und geschmeidig wird. Bei stärkeren Beschwerden können ärztlich empfohlene Schmerzmittel oder entzündungshemmende Salben vorübergehend eingesetzt werden. Welche Behandlung zu Ihnen passt, wird immer individuell besprochen. In hartnäckigen Fällen gibt es weitere Optionen wie Injektionen – das entscheidet die behandelnde Fachperson im Einzelfall.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten nötig. Sie kommt in Betracht, wenn eine Sehne eingerissen ist oder wenn schwerwiegende Beschwerden trotz einer über Monate durchgeführten Behandlung nicht besser werden. Die Entscheidung trifft eine Fachärztin oder ein Facharzt nach ausführlicher Beratung.
Leben mit der Erkrankung
Geben Sie der Sehne Zeit, aber halten Sie sie sanft in Bewegung. Reizarm bedeutet nicht Stillhalten. Kleine Umstellungen im Alltag – wie die Höhe des Schreibtischstuhls anpassen, öfter die Hand wechseln oder Stufen langsamer gehen – können viel bewirken. Eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut kann Ihnen zeigen, wie Sie es richtig machen.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig in kleinen, schmerzfreien Portionen statt selten und dann zu viel.
- Kräftigen Sie Ihre Muskulatur mit gezielten Übungen – das entlastet die Sehnen langfristig.
- Ausreichend Schlaf und möglichst wenig Stress unterstützen die Heilung.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Flüssigkeit versorgt das Bindegewebe mit wichtigen Nährstoffen. Bei Bewegung gilt: Wählen Sie Sportarten, die die betroffene Stelle wenig belasten – zum Beispiel Schwimmen oder Radfahren, wenn Knie oder Ferse betroffen sind. Stimmen Sie das Training mit Ihrer behandelnden Person ab.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wenn Schmerzen länger anhalten, den Schlaf stören oder Sie bei der Arbeit einschränken, kann das sehr belastend sein. Das ist verständlich und kein Zeichen von Schwäche. Sprechen Sie es offen bei Ihrem nächsten Arzttermin an – auch der Hausarzt oder die Hausärztin nimmt Sie ernst und kann bei Bedarf weitere Unterstützung vermitteln.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich eine Sehnenentzündung nicht immer. Das Risiko lässt sich aber deutlich senken: Wärmen Sie sich vor dem Sport auf, steigern Sie das Training langsam und achten Sie auf einen ergonomischen Arbeitsplatz. Regelmäßige Bewegung, die die Muskulatur kräftigt, schützt die Sehnen ebenfalls.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Beschwerden können sich festsetzen und zu chronischen Schmerzen führen.
- Eine dauerhaft überlastete Sehne kann einreißen – in schweren Fällen ist dann eine Notfallbehandlung nötig.
- Schonhaltungen belasten andere Muskeln und Gelenke und können neue Schmerzen verursachen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut. Die meisten Sehnenentzündungen heilen mit einer angepassten Behandlung innerhalb weniger Wochen bis Monate vollständig aus. Wichtig sind Geduld, regelmäßige Physiotherapie und ein langsamer Wiedereinstieg in die Belastung. Auch wenn es zwischendurch Rückschläge gibt – die allermeisten Menschen werden wieder beschwerdefrei.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.