Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion – auch Hypothyreose genannt – produziert die Schilddrüse zu wenig Schilddrüsenhormone. Diese Hormone steuern den Stoffwechsel, die Körpertemperatur und viele lebenswichtige Abläufe im Körper. Dadurch arbeitet der Körper gewissermaßen auf Sparflamme: Alles läuft ein bisschen langsamer, man fühlt sich müde und antriebslos.
Wichtige Fakten
- Die Schilddrüse ist ein kleiner, schmetterlingsförmiger Organ am Hals.
- Eine Schilddrüsenunterfunktion ist sehr gut behandelbar.
- Die Beschwerden entwickeln sich oft schleichend und werden manchmal übersehen.
- Mit der richtigen Behandlung können Sie ein weitgehend normales Leben führen.
Ja, eine Schilddrüsenunterfunktion gehört zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen in Deutschland. Sie ist eine der häufigsten Ursachen für anhaltende Müdigkeit und Antriebslosigkeit.
Sie tritt häufiger bei Frauen auf als bei Männern, besonders ab dem mittleren Lebensalter. Auch Menschen mit Autoimmunerkrankungen, nach Schilddrüsenoperationen oder nach bestimmten Bestrahlungen im Halsbereich sind häufiger betroffen.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder starke Teilnahmslosigkeit
- Unterkühlung des Körpers (unter 35 Grad Körpertemperatur), ohne dass es kalt ist
- Schwere Atemnot
- Extreme Verlangsamung von Puls und Atmung
- ⚠Neu auftretende Verwirrtheit oder auffällige Schläfrigkeit
- ⚠Starke Schwäche oder Ohnmachtsgefühl
- ⚠Herzstolpern oder ein sehr langsamer, unregelmäßiger Puls
- ⚠Starke Schmerzen im Brustbereich
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Antriebslosigkeit und gedrückte Stimmung
- Gewichtszunahme trotz normaler Ernährung
- Frieren und Kälteempfindlichkeit
- Trockene Haut und brüchige Haare
- Verstopfung
- Verlangsamter Puls
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Heisere Stimme
- Muskelschwäche oder Gelenkbeschwerden
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern kann eine Unterfunktion zu Wachstumsverzögerung und verspäteter Zahnentwicklung führen.
- Betroffene Kinder sind oft müde, antriebsschwach oder in der Schule unkonzentriert.
- Im Säuglingsalter sind mögliche Zeichen Trinkschwäche, verstopfte Bauchdecke und eine verzögerte Entwicklung.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen wird die Unterfunktion oft nicht erkannt, weil die Beschwerden unspezifisch sind.
- Mögliche Zeichen sind Rückgang der Aktivität, Appetitlosigkeit, Verwirrtheit, Muskelschwäche und Stürze.
- Auch Herzprobleme wie ein unregelmäßiger Puls oder eine Blutarmut können auftreten.
Ursachen
Hauptursachen
- Autoimmunerkrankung (Hashimoto-Thyreoiditis): Das eigene Immunsystem greift die Schilddrüse an und zerstört sie langsam.
- Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion, zum Beispiel durch eine Schilddrüsenoperation oder eine Radiojodtherapie.
- Angeborene Fehlanlage oder Funktionsstörung der Schilddrüse.
- Jodmangel, der in Deutschland durch die Verwendung von Jodsalz allerdings selten geworden ist.
- Bestimmte Medikamente, die die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen können.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Alter über 40 Jahre
- Schilddrüsenerkrankungen in der Familie
- Andere Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder Zöliakie
- Vorherige Operationen oder Bestrahlungen im Halsbereich
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich schwere Symptome wie Verwirrtheit, starke Teilnahmslosigkeit oder Unterkühlung bemerken, rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Bei neu auftretenden Herzbeschwerden oder einer sehr langsamen Herzfrequenz suchen Sie noch am selben Tag eine ärztliche Praxis oder eine Notaufnahme auf.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über mehrere Wochen Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme oder andere genannte Symptome bei sich bemerken, vereinbaren Sie einen Termin in Ihrer Hausarztpraxis.
- Wenn Sie bereits in Behandlung sind und sich Ihre Beschwerden verändern, sprechen Sie mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt.
Diagnose
Die Diagnose wird meist über eine Blutuntersuchung gestellt. Zusätzlich fragen Ärztinnen und Ärzte nach Ihren Beschwerden und erkranken Familienmitgliedern, tasten die Schilddrüse am Hals ab und veranlassen bei Bedarf weitere Untersuchungen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf TSH: TSH ist das Steuerhormon aus dem Gehirn. Bei einer Unterfunktion ist der TSH-Wert meist erhöht.
- Bluttest auf freies T3 und T4: Das sind die eigentlichen Schilddrüsenhormone. Bei einer Unterfunktion sind diese Werte oft erniedrigt.
- Antikörpertest: Er zeigt, ob eine Autoimmunerkrankung wie Hashimoto-Thyreoiditis vorliegt.
- Ultraschall der Schilddrüse: Er zeigt die Größe, Knoten oder Gewebeveränderungen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt bespricht die Ergebnisse mit Ihnen und leitet die weiteren Schritte ein. Wenn es nötig ist, erhalten Sie eine Überweisung an eine Endokrinologin oder einen Endokrinologen – das sind Spezialistinnen und Spezialisten für Hormonerkrankungen. Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern nur kurze Zeit.
Behandlung
Eine Schilddrüsenunterfunktion wird in der Regel mit Schilddrüsenhormonen in Tablettenform behandelt. Ziel ist es, die fehlenden Hormone im Körper auszugleichen. Die Dosis wird individuell anhand Ihrer Blutwerte und Beschwerden eingestellt. Die Behandlung ist langfristig nötig, aber unkompliziert. In Deutschland orientiert sich die Behandlung an den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig und am besten zur gleichen Tageszeit ein.
- Lassen Sie Ihre Blutwerte in den empfohlenen Abständen kontrollieren.
- Führen Sie ein Beschwerdetagebuch, um Veränderungen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu besprechen.
- Nehmen Sie Schilddrüsenhormone möglichst nicht zusammen mit anderen Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln ein – lassen Sie sich dazu in Ihrer Apotheke beraten.
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Therapie ersetzt die fehlenden Schilddrüsenhormone. Die Dosis wird zu Beginn häufiger, später meist einmal jährlich über die Blutwerte kontrolliert und angepasst. Eine Heilung der Ursache, zum Beispiel einer Autoimmunerkrankung, ist bislang nicht möglich. Die Behandlung ist aber in den allermeisten Fällen sehr wirksam und gut verträglich.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer Schilddrüsenunterfunktion selbst nicht notwendig. Sie kann aber dann nötig werden, wenn eine andere Schilddrüsenerkrankung vorliegt, etwa ein großer Knoten oder eine Überfunktion. Nach bestimmten Operationen kann eine Hormonersatztherapie erforderlich werden.
Leben mit der Erkrankung
Mit der richtigen Behandlung können Sie praktisch ein normales Leben führen. Viele Menschen fühlen sich bereits nach wenigen Wochen deutlich besser. Bei anderen dauert es etwas länger, bis sich das Wohlbefinden einstellt. Nehmen Sie sich die Zeit, die Ihr Körper braucht, und seien Sie geduldig mit sich.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie Ihre Medikamente konsequent ein und halten Sie Ihre Kontrolltermine ein.
- Planen Sie ausreichend Ruhepausen ein und hören Sie auf die Signale Ihres Körpers.
- Bewegen Sie sich regelmäßig – auch leichte Spaziergänge helfen, Energie und Stimmung zu verbessern.
- Sprechen Sie offen mit Familie und Freunden über Ihre Erkrankung – das entlastet.
Ernährung und Bewegung
Eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung unterstützt Ihren Stoffwechsel. Jodhaltige Lebensmittel wie Seefisch, Milchprodukte und Jodsalz sind für die Schilddrüsenfunktion förderlich. Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis gibt es keine spezielle Diät, die die Erkrankung heilt. Körperliche Aktivität hilft gegen Müdigkeit, stärkt das Herz-Kreislauf-System und hebt die Stimmung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsprobleme können die Stimmung stark beeinflussen. Viele Betroffene fühlen sich zeitweise niedergeschlagen oder antriebslos. Das ist Teil der Erkrankung und nicht Ihre Schuld. Suchen Sie sich Unterstützung, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Stimmung Ihr Leben stark einschränkt – etwa durch Gespräche mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder durch psychologische Hilfe. Wenn Sie sehr verzweifelt sind oder Gedanken an Selbsttötung haben, rufen Sie sofort den Notruf 112 oder wenden Sie sich an einen vertrauten Menschen.
Vorbeugung
Eine Schilddrüsenunterfunktion lässt sich in den meisten Fällen nicht verhindern, besonders wenn sie durch eine Autoimmunerkrankung oder eine Behandlung der Schilddrüse verursacht wird. Wichtig ist, auf eine ausreichende Jodversorgung zu achten, um einem Jodmangel vorzubeugen.
Impfungen
Eine Schutzimpfung gegen Schilddrüsenunterfunktion gibt es nicht. Bei gut eingestellter Schilddrüsenunterfunktion sind die üblichen Impfungen in der Regel unbedenklich.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland wird bei Neugeborenen routinemäßig ein Screening auf angeborene Schilddrüsenunterfunktion durchgeführt. Bei Erwachsenen ohne Beschwerden gibt es kein allgemeines Screening.
Komplikationen
Unbehandelt
- Langfristig unbehandelt kann eine Schilddrüsenunterfunktion zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erhöhten Blutfettwerten und Blutarmut führen.
- Schwere seelische Beschwerden wie Depressionen können auftreten.
- Eine stark ausgeprägte, über lange Zeit unbehandelte Unterfunktion kann in seltenen Fällen zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen – dem sogenannten Myxödemkoma.
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung ist die Prognose ausgesprochen gut. Die Beschwerden bilden sich meist weitgehend zurück, die Lebenserwartung ist normal. Anfangs braucht es etwas Geduld, bis die richtige Dosis gefunden ist – danach fühlen sich die meisten Menschen wieder wohl und leistungsfähig.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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