Hodenkrebs: Anzeichen, Diagnose und Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Hodenkrebs ist eine bösartige Erkrankung, bei der sich Zellen im Hoden unkontrolliert vermehren und einen Tumor bilden. Der Hoden ist das männliche Geschlechtsorgan, in dem Spermien und das Hormon Testosteron gebildet werden. Hodenkrebs tritt meist nur auf einer Seite auf. Er gehört zu den Krebsarten mit den besten Heilungschancen.
Wichtige Fakten
- Hodenkrebs ist selten, aber die häufigste Krebsart bei Männern zwischen 20 und 44 Jahren.
- Ein schmerzloser Knoten oder eine Schwellung am Hoden ist das häufigste Anzeichen.
- Die Heilungschancen sind sehr gut – insgesamt über 90 % der Betroffenen können dauerhaft geheilt werden.
Hodenkrebs ist insgesamt selten. In Deutschland erkranken jährlich etwa 4.000 Männer daran. Das sind ungefähr 2 von 100 Krebserkrankungen bei Männern.
Am häufigsten sind Männer zwischen 20 und 44 Jahren betroffen. Hodenkrebs kann aber auch bei Jugendlichen und im höheren Erwachsenenalter auftreten.
Symptome
- Plötzlicher, sehr starker Schmerz in einem Hoden oder im Hodensack – das kann eine Hodendrehung sein. Rufen Sie sofort die 112.
- Plötzliche starke Schwellung des Hodensacks mit Übelkeit, Erbrechen oder Fieber – auch das ist ein Notfall, rufen Sie die 112.
- ⚠Wenn Sie einen neuen Knoten oder eine schnell wachsende Schwellung an einem Hoden bemerken, suchen Sie noch am selben Tag eine Ärztin oder einen Arzt auf.
- ⚠Schmerzhafte Schwellung des Hodensacks ohne sehr starke Schmerzen – auch dann sollten Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
Häufige Symptome
- Eine schmerzlose Schwellung oder eine Verhärtung an einem Hoden
- Ein Knoten oder eine Vergrößerung des Hodens
- Ein Schweregefühl oder ein dumpfer Schmerz im Hoden oder im unteren Bauch
- Eine plötzliche Flüssigkeitsansammlung im Hodensack
- Ein verändertes Größen- oder Formgefühl eines Hodens
Symptome bei Kindern
- Hodenkrebs ist bei Kindern sehr selten. Wenn er auftritt, zeigt er sich meist als schmerzlose Schwellung oder Verhärtung im Hodensack.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Anzeichen sind im höheren Alter die gleichen wie bei jungen Männern: eine Schwellung, ein Knoten oder ein Schweregefühl. Manchmal wird eine Veränderung erst spät bemerkt, weil sie keine Schmerzen verursacht.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache von Hodenkrebs ist bis heute nicht bekannt. Die Erkrankung geht von entarteten Keimzellen aus – den Zellen, die für die Produktion von Spermien zuständig sind.
Risikofaktoren
- Ein Hodenhochstand – also ein Hoden, der nicht vollständig in den Hodensack hinabgewandert ist
- Eine familiäre Vorbelastung, zum Beispiel Hodenkrebs beim Vater oder Bruder
- Eine frühere Hodenkrebserkrankung am anderen Hoden
- Unfruchtbarkeit – sie ist mit einem leicht erhöhten Risiko verbunden
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzliche, sehr starke Schmerzen im Hoden haben, rufen Sie sofort die 112.
- Wenn die Schwellung des Hodensacks mit Fieber oder starkem Unwohlsein einhergeht, wenden Sie sich noch am selben Tag an eine Notdienst- oder Bereitschaftspraxis.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie einen Knoten, eine Verhärtung oder eine Schwellung an einem Hoden tasten, suchen Sie innerhalb weniger Tage eine Hausärztin oder einen Hausarzt auf.
- Auch wenn kein Schmerz besteht, aber ein Schweregefühl oder eine Größenzunahme des Hodens über mehrere Tage anhält, sollten Sie das ärztlich abklären lassen.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin beginnt mit einem Gespräch über Ihre Beschwerden und tastet beide Hoden ab. Danach folgt eine Ultraschalluntersuchung, mit der sich der Hoden und mögliche Tumoren gut beurteilen lassen. Zusätzlich wird Blut abgenommen und auf Tumormarker untersucht. Tumormarker sind bestimmte Eiweiße im Blut, die bei Hodenkrebs erhöht sein können.
Mögliche Untersuchungen
- Abtasten beider Hoden durch die Ärztin oder den Arzt
- Ultraschalluntersuchung des Hodensacks (Sonographie)
- Bluttest auf Tumormarker
- Bei dringendem Verdacht: Entfernung des erkrankten Hodens mit anschließender Gewebeuntersuchung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn der Verdacht auf Hodenkrebs besteht, werden Sie an eine urologische Fachpraxis oder ein spezialisiertes Krebszentrum überwiesen. Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und dauern nicht lange. Die Diagnostik und die Behandlung folgen den aktuellen medizinischen Leitlinien, unter anderem der AWMF-Leitlinie zu Hodentumoren.
Behandlung
Die Behandlung von Hodenkrebs wird individuell geplant. Sie hängt von der Art des Tumors, der Größe und dem Stadium der Erkrankung ab. In einem Tumorboard – einer Runde von Spezialistinnen und Spezialisten – werden alle Befunde besprochen und die beste Therapie gemeinsam festgelegt.
Selbsthilfe zu Hause
- Schonen Sie sich in den ersten Tagen nach einer Operation und heben Sie nichts Schweres.
- Halten Sie die Wunde sauber und trocken, bis sie verheilt ist – genaue Anweisungen erhalten Sie vom Behandlungsteam.
- Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen, Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner über Ihre Gefühle und Ängste – das hilft vielen Männern.
Medizinische Behandlungen
Die wichtigste Behandlung ist die Operation: Der erkrankte Hoden wird über einen kurzen Schnitt in der Leiste vollständig entfernt. Je nach Tumorart und Stadium schließen sich weitere Maßnahmen an. Möglich sind eine regelmäßige Kontrolle ohne aktive Behandlung (aktive Überwachung), eine Strahlentherapie oder eine Chemotherapie. Die Entscheidung trifft das Behandlungsteam gemeinsam mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist fast immer der erste Schritt bei Hodenkrebs. Der Eingriff wird als inguinale Orchiektomie bezeichnet. Diese Operation dient dazu, den Tumor zu entfernen und eine sichere Diagnose zu erhalten. Nach der Operation kann der verbliebene Hoden in aller Regel die Aufgaben der Hormon- und Spermienbildung übernehmen.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Männer können nach der Behandlung wieder ein ganz normales Leben führen. Der verbleibende Hoden reicht in der Regel aus, um Testosteron und Spermien zu bilden. Mögliche Einschränkungen nach einer Chemotherapie oder Bestrahlung werden während der Nachsorge besprochen. Wenn nötig, kann eine Hormonersatztherapie die fehlenden Hormone ausgleichen.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig – das verbessert das körperliche und seelische Wohlbefinden.
- Üben Sie Sport und Alltagsaktivitäten nach der Operation langsam wieder aus und hören Sie auf Ihren Körper.
- Nehmen Sie alle Nachsorge-Termine wahr – sie sind wichtig, um Veränderungen früh zu erkennen.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät gegen Hodenkrebs. Empfohlen wird eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. Zusammen mit regelmäßiger Bewegung hilft das, während und nach der Behandlung körperlich und seelisch stabil zu bleiben.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Hodenkrebs löst oft Ängste aus – zum Beispiel vor der Zukunft oder vor eingeschränkter Fruchtbarkeit. Traurigkeit, Wut und Erschöpfung sind normal. Eine psychologische Beratung kann helfen, diese Belastungen zu bewältigen. Fragen Sie im Behandlungszentrum nach psychoonkologischer Unterstützung.
Vorbeugung
Eine sichere Vorbeugung gegen Hodenkrebs gibt es nicht. Sie können aber dazu beitragen, eine Erkrankung früh zu erkennen, indem Sie Veränderungen an Ihren Hoden wahrnehmen und sie vom Arzt abklären lassen.
Impfungen
Gegen Hodenkrebs gibt es keinen Impfstoff.
Früherkennungsprogramme
Für Hodenkrebs gibt es kein organisiertes Früherkennungsprogramm. Viele Ärzte empfehlen, den Hoden einmal im Monat abzutasten – zum Beispiel nach dem Duschen. Der Test dauert nur eine Minute und hilft dabei, Veränderungen früh zu bemerken.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung kann Hodenkrebs streuen und Tochtergeschwülste (Metastasen) in Lymphknoten, Lunge, Leber oder Gehirn bilden.
- Im fortgeschrittenen Stadium sind die Heilungschancen deutlich schlechter und die Erkrankung kann lebensbedrohlich werden.
- Unbehandelt kann Hodenkrebs auch zu einer lebensbedrohlichen Verschlechterung des Allgemeinzustands führen.
Langzeitprognose
Die Aussichten bei Hodenkrebs sind sehr gut. Etwa 9 von 10 betroffenen Männern werden dauerhaft geheilt. Auch bei fortgeschrittenen Tumoren gibt es wirksame Therapien. Mit einer frühzeitigen Behandlung sind die Heilungschancen am höchsten.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Krebshilfe · Deutschland
- Deutsche Krebsgesellschaft · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.