Selbstverletzung verstehen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Selbstverletzung bedeutet, dass sich eine Person absichtlich selbst verletzt, zum Beispiel durch Schnitte, Kratzer oder Verbrennungen an der eigenen Haut. Oft ist dies ein Versuch, mit starken seelischen Schmerzen oder überwältigenden Gefühlen umzugehen. Es ist wichtig zu wissen: Selbstverletzung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Hilferuf der Seele.
Wichtige Fakten
- Selbstverletzung ist ein Zeichen von seelischer Belastung, nicht unbedingt ein Suizidversuch.
- Viele Menschen, die sich selbst verletzen, wollen sich nicht das Leben nehmen, sondern mit starken Gefühlen umgehen.
- Es gibt wirksame Behandlungen, die helfen, andere Wege im Umgang mit Gefühlen zu finden.
- Sprechen Sie mit einem Arzt oder einem vertrauten Menschen – Sie sind nicht allein.
Selbstverletzung kommt häufiger vor, als viele annehmen. Besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist sie kein seltenes Phänomen.
Sie kann Menschen jeden Alters und Geschlechts betreffen. Häufig beginnt sie im Jugendalter, kommt aber auch bei Erwachsenen und älteren Menschen vor.
Symptome
- Starke Blutungen, die nach Druck nicht aufhören
- Aussagen über Suizidabsichten oder konkrete Suizidgedanken
- Bewusstlosigkeit oder Verwirrtheit nach einer Verletzung
- ⚠Frische Verletzungen, die medizinisch behandelt werden müssen (z. B. tiefere Schnitte)
- ⚠Anzeichen einer Infektion wie Rötung, Schwellung, Wärme oder Eiter
- ⚠Wenn die Selbstverletzung häufiger oder schwerer wird
Häufige Symptome
- Sich schneiden, kratzen, beißen oder brennen der eigenen Haut
- Wunden, Narben oder Brandmale an Armen, Beinen oder Bauch
- Das Tragen langärmliger Kleidung, auch bei Hitze, um Verletzungen zu verbergen
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Rückzug von Freunden und Familie
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern können Warnsignale sein: häufige, unerklärliche Verletzungen
- Rückzug von Aktivitäten und Freunden
- Starke Stimmungsschwankungen oder Schulprobleme
- Verstecken von Verletzungen unter Kleidung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann Selbstverletzung mit Depression, Einsamkeit oder körperlicher Erkrankung zusammenhängen
- Achten Sie auf nicht erklärbare Verletzungen oder Blutspuren an Kleidung
- Vernachlässigung der eigenen Wunden oder Verweigerung von Hilfe
Ursachen
Hauptursachen
- Überwältigende Gefühle wie Trauer, Wut, Angst oder Einsamkeit
- Das Gefühl, innerlich taub zu sein – körperlicher Schmerz kann als Befreiung erlebt werden
- Erlebnisse wie Missbrauch, Gewalt oder Mobbing
- Der Versuch, sich selbst zu bestrafen oder Kontrolle zurückzugewinnen
Risikofaktoren
- Depression, Angststörungen oder posttraumatische Belastungsstörung
- Belastende Lebensereignisse wie Trennung oder Verlust
- Alkohol- oder Drogenkonsum
- Ein niedriges Selbstwertgefühl oder Schwierigkeiten, mit Stress umzugehen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie sich selbst verletzen und nicht wissen, wie Sie aufhören können
- Wenn eine Verletzung stark blutet oder genäht werden muss
- Wenn Sie Gedanken haben, sich selbst schwer zu schaden
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über Ihre seelische Belastung sprechen möchten – auch ohne akute Krise
- Wenn Sie Unterstützung bei der Bewältigung von Stress oder Konflikten suchen
- Wenn Sie mehr über Therapiemöglichkeiten erfahren möchten
Diagnose
Die Diagnose wird im vertrauensvollen Gespräch gestellt. Der Arzt möchte verstehen, was Sie belastet und warum es zur Selbstverletzung kommt. Es gibt keinen Laborwert, der eine Selbstverletzung anzeigt.
Mögliche Untersuchungen
- Eine körperliche Untersuchung zur Einschätzung der Wunden
- Ein ausführliches Gespräch über Ihre Gefühle, Gedanken und Lebenssituation
- Gegebenenfalls Fragebögen zu Depressionen oder Angststörungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird einfühlsame Fragen stellen und Ihnen zuhören. Er wird Sie über psychotherapeutische Angebote informieren und Sie bei der Suche nach geeigneten Fachleuten unterstützen. Sie dürfen ebenfalls Fragen stellen und sich Zeit lassen.
Behandlung
Die Behandlung hilft Ihnen, die Ursachen der seelischen Belastung zu verstehen und neue Wege im Umgang mit schwierigen Gefühlen zu entwickeln. Die wichtigste Säule ist die Psychotherapie.
Selbsthilfe zu Hause
- Sprechen Sie offen mit einem vertrauten Menschen über Ihre Gefühle
- Üben Sie Ablenkungstechniken wie kaltes Wasser über die Hände laufen lassen oder tiefes Atmen
- Sorgen Sie für eine sichere Umgebung: Entfernen Sie Gegenstände, mit denen Sie sich verletzen könnten
- Führen Sie ein Tagebuch, um Auslöser und Gefühle zu erkennen
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung erfolgt in der Regel durch eine Psychotherapie, in der Sie lernen, mit Emotionen umzugehen. Bei einer zugrunde liegenden Erkrankung wie Depression kann der Facharzt eine medikamentöse Unterstützung besprechen – die Entscheidung darüber trifft Ihr behandelnder Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist in der Regel nicht erforderlich. Nur bei schweren Verletzungen wie tiefen Schnitten kann eine chirurgische Wundversorgung notwendig sein.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag mit Selbstverletzung ist herausfordernd, aber gut bewältigbar, wenn Sie Unterstützung annehmen. Entwickeln Sie Schritt für Schritt einen Plan, wie Sie in Krisensituationen reagieren können.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßiger Schlaf- und Tagesrhythmus
- Pflege von sozialen Kontakten, auch wenn es schwerfällt
- Kreative Aktivitäten wie Malen, Musik oder Schreiben
- Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen und Termine einhalten
Ernährung und Bewegung
Bewegung wie Spazierengehen oder Sport kann Spannungen abbauen und die Stimmung aufhellen. Eine ausgewogene Ernährung gibt dem Körper Kraft, um mit Stress umzugehen. Beides ersetzt keine Therapie, unterstützt aber den Genesungsprozess.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Selbstverletzung ist ein Ausdruck von seelischer Not. Es ist wichtig, sich selbst ohne Scham zu begegnen. Sie sind nicht allein, und mit der richtigen Behandlung kann es Ihnen besser gehen.
Vorbeugung
Nicht jede Selbstverletzung lässt sich verhindern. Aber Sie können das Risiko senken, indem Sie frühzeitig lernen, mit Stress und schwierigen Gefühlen umzugehen und sich Unterstützung suchen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte Verletzungen mit bleibenden Narben
- Infektionen der Wunden
- Verstärkung von Schuld- und Schamgefühlen
- Erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und -versuche
Langzeitprognose
Mit professioneller Hilfe finden viele Menschen Wege aus der Selbstverletzung. Es ist ein Prozess, der Zeit braucht, aber Besserung ist möglich. Ein Leben ohne Selbstverletzung – mit neuen Fähigkeiten zur Bewältigung von Gefühlen – ist ein erreichbares Ziel.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.