Optikusatrophie (Sehnervschwund) – Ursachen, Symptome und Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Optikusatrophie entsteht, wenn der Sehnerv – die Verbindung zwischen Auge und Gehirn – geschädigt wird. Der Sehnerv leitet visuelle Informationen zum Gehirn weiter. Bei einer Atrophie sterben Nervenfasern ab, wodurch Sehstörungen entstehen. Vollständig rückgängig machen lässt sich der Schaden nicht, aber eine frühzeitige Behandlung kann das Fortschreiten aufhalten.
Wichtige Fakten
- Der Sehnerv ist eine Art Kabel zwischen Auge und Gehirn.
- Schädigungen erkennt man an einer blassen Sehnervenscheibe im Augenhintergrund.
- Häufige Ursachen sind Glaukom (grüner Star), Entzündungen und Durchblutungsstörungen.
Optikusatrophie ist keine eigenständige Volkskrankheit, sondern ein Zeichen für eine Schädigung des Sehnervs, die durch viele verschiedene Grunderkrankungen ausgelöst werden kann. Sie ist insgesamt selten.
Sie kann in jedem Alter auftreten. Manche Ursachen sind erblich bedingt und betreffen Kinder, andere, wie Durchblutungsstörungen oder grüner Star, treten eher im höheren Lebensalter auf.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen – sofort den Notruf 112 wählen.
- Starke Augenschmerzen mit Erbrechen oder Kopfschmerzen – Notruf 112.
- Plötzlich doppeltes Sehen – Notruf 112.
- ⚠Sehverschlechterung innerhalb von Stunden oder Tagen
- ⚠Neu auftretende Lähmungserscheinungen im Gesicht
- ⚠Schmerzen bei Augenbewegungen
Häufige Symptome
- Allmählich nachlassende Sehschärfe
- Verschwommenes Sehen
- Schwierigkeiten, Farben zu erkennen
- Probleme bei wenig Licht oder Kontrast
Symptome bei Kindern
- Merkbar schlechtes Sehen
- Augen zittern (Nystagmus)
- Schnelles Zukneifen der Augen im Licht
- Kinder kommen Objekten sehr nahe heran
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Plötzlicher oder allmählicher Sehverlust
- Gesichtsfeldausfälle (zum Beispiel wie durch ein Guckloch)
- Stürze durch eingeschränkte räumliche Wahrnehmung
Ursachen
Hauptursachen
- Grüner Star (Glaukom) – erhöhter Augeninnendruck schädigt den Sehnerv
- Entzündungen des Sehnervs (Optikusneuritis), zum Beispiel bei Multipler Sklerose
- Durchblutungsstörungen des Sehnervs
- Verletzungen des Auges oder des Schädels
- Erbliche Erkrankungen des Sehnervs
- Tumore oder Gefäßveränderungen, die auf den Sehnerv drücken
- Mangel an bestimmten Nährstoffen (zum Beispiel Vitamin B12) oder schädliche Substanzen (zum Beispiel Alkohol und Tabak)
Risikofaktoren
- Hoher Augeninnendruck
- Frühere Augen- oder Kopfverletzungen
- Erbkrankheiten in der Familie
- Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Sehkraft plötzlich abnimmt
- Wenn Sie Schmerzen im Auge haben und Lichtscheu auftritt
- Wenn sich ein Gesichtsfeldausfall neu entwickelt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie merken, dass Sie schlechter sehen als früher
- Wenn Familienmitglieder erblich bedingt eine Optikusatrophie haben
- Zur routinemäßigen augenärztlichen Untersuchung, vor allem ab 40 Jahren
Diagnose
Ein Augenarzt untersucht den Sehnerv und die Sehkraft gründlich. Zusätzlich kann die Ursache durch neurologische und internistische Untersuchungen geklärt werden. Die Behandlung richtet sich nach den Leitlinien der deutschen Fachgesellschaften (AWMF).
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest (Visusprüfung)
- Untersuchung des Augenhintergrundes (Ophthalmoskopie)
- Gesichtsfeldmessung (Perimetrie)
- Optische Kohärenztomographie (OCT) – misst die Dicke der Nervenfaserschicht
- Blutuntersuchungen auf Entzündungswerte, Vitaminmangel oder Erbkrankheiten
- Bildgebung wie Kernspintomographie (MRT) zum Ausschluss von Entzündungen oder Tumoren
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei. Sie bekommen Augentropfen zur Erweiterung der Pupille. Für eine Kernspintomographie müssen Sie still liegen, das dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Die vollständige Abklärung kann mehrere Tage in Anspruch nehmen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Einmal abgestorbene Nervenfasern können nicht wiederhergestellt werden. Ziel ist es, die Ursache zu behandeln und den Rest des Sehnervs zu schützen. Dies geschieht in enger Abstimmung mit Augenärzten, Hausärzten und gegebenenfalls Fachärzten für Neurologie.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie verordnete Medikamente regelmäßig ein
- Kontrollieren Sie Grunderkrankungen wie Blutdruck, Blutzucker oder Augeninnendruck
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkohol
- Tragen Sie eine Schutzbrille bei gefährlichen Tätigkeiten
- Nutzen Sie Sehhilfen (Lupe, vergrößernde Bildschirme) im Alltag
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Bei einem erhöhten Augeninnendruck werden Augentropfen eingesetzt, um den Druck zu senken. Bei Entzündungen können vorübergehend kortisonhaltige Präparate gegeben werden – nur nach ärztlicher Verordnung. Bei nachgewiesenem Vitaminmangel werden Nahrungsergänzungsmittel empfohlen. Wichtig ist, dass alle Medikamente von einem Arzt verschrieben und begleitet werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann erforderlich sein, wenn eine Raumforderung oder ein Tumor den Sehnerv zusammendrückt. Auch bei schwerem Glaukom kann ein chirurgischer Eingriff erwogen werden, um den Augeninnendruck zu senken.
Leben mit der Erkrankung
Mit nachlassender Sehkraft lassen sich viele Alltagsaufgaben anpassen. Nutzen Sie helle Beleuchtung, vergrößernde Sehhilfen und organisieren Sie Ihren Haushalt mit festen Plätzen für wichtige Dinge. Es gibt Schulungen für den Umgang mit Sehbehinderung.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf einen hygienischen Umgang mit Augentropfen
- Schlafen Sie ausreichend und reduzieren Sie Stress
- Suchen Sie bei Sehkraftverschlechterung früh Kontakt zu Rehabilitationsdiensten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse, Obst und Nüssen unterstützt die Nervengesundheit. Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung – auch des Sehnervs. Bei Sehbehinderung sind angepasste Aktivitäten wie Schwimmen oder Nordic Walking gut geeignet.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Sehbehinderung kann Ängste und Unsicherheit auslösen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie sich belastet fühlen. Psychologische Beratung und Selbsthilfegruppen können helfen, mit der neuen Situation umzugehen.
Vorbeugung
Eine Optikusatrophie selbst lässt sich nicht immer verhindern. Aber das Fortschreiten kann verlangsamt werden, indem man Grunderkrankungen früh und konsequent behandelt. Vermeiden Sie Risikofaktoren wie Rauchen und schützen Sie Ihre Augen vor Verletzungen.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt sind wichtig, besonders wenn in der Familie Glaukom oder erbliche Sehnerv-Erkrankungen vorkommen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Weiterer Verlust an Nervenfasern und damit zunehmende Sehbehinderung
- Erhöhte Sturzgefahr durch eingeschränktes Sichtfeld
- Gefühle von Isolation und Einsamkeit
- Im Endstadium Erblindung auf einem oder beiden Augen
Langzeitprognose
Mit früher Diagnose und richtiger Behandlung lässt sich das Fortschreiten oft stoppen. Auch wenn das Sehvermögen eingeschränkt bleibt, gibt es heute viele Hilfsmittel und rehabilitative Maßnahmen, die den Alltag deutlich erleichtern. Viele Menschen mit Optikusatrophie führen ein selbstbestimmtes Leben.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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