Nabelschnurvorfall
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Nabelschnurvorfall ist eine sehr seltene und ernste Notfallsituation bei der Geburt. Dabei rutscht die Nabelschnur vor dem Baby in den Geburtskanal und kann abgeklemmt werden. Das Baby bekommt dann möglicherweise nicht genug Sauerstoff. In Deutschland sind alle Ärztinnen, Ärzte und Hebammen für diesen Notfall ausgebildet.
Wichtige Fakten
- Es ist ein geburtshilflicher Notfall, der sofortige Behandlung erfordert.
- Die Nabelschnur kann durch eine schnelle Geburt, meist per Kaiserschnitt, entlastet werden.
- Mit sofortiger Hilfe erholen sich die meisten Babys vollständig.
Nein, ein Nabelschnurvorfall ist selten. Er kommt bei etwa 1 bis 3 von 1000 Geburten vor.
Er betrifft Schwangere während der Wehen, besonders wenn die Fruchtblase geplatzt ist. Auch bei Frühgeburten, Mehrlingsschwangerschaften oder wenn das Baby in Beckenendlage liegt, ist das Risiko etwas höher.
Symptome
- Sie sehen oder fühlen eine Nabelschnurschleife in der Scheide.
- Die Fruchtblase ist geplatzt und Sie haben das Gefühl, dass etwas in der Scheide liegt.
- Sie haben Wehen und bemerken eine plötzliche Veränderung der Kindsbewegungen.
- ⚠Bei Verdacht auf einen Nabelschnurvorfall rufen Sie sofort 112 oder lassen Sie sich in die nächste Klinik mit Geburtshilfe fahren.
- ⚠Wenn Sie unsicher sind, rufen Sie Ihre Hebamme oder die Klinik an – im Zweifel lieber einmal mehr melden.
Häufige Symptome
- Sie sehen oder spüren eine weiche, schlaffe Schleife in der Scheide.
- Es fühlt sich an, als würde etwas aus der Scheide austreten, nachdem die Fruchtblase geplatzt ist.
- Das Baby bewegt sich plötzlich weniger oder das Herzschlagsignal wird schwächer.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Nabelschnur rutscht nach dem Blasensprung in den Geburtskanal vor den Kopf des Babys.
- Wenn das Baby noch hoch im Becken steht, kann das Fruchtwasser die Nabelschnur herausspülen.
- Eine zu lange Nabelschnur oder eine große Fruchtwassermenge begünstigen das Vorfallen.
Risikofaktoren
- Babys in Beckenendlage (Steißlage).
- Mehrlingsschwangerschaft (Zwillinge).
- Zu viel Fruchtwasser (Polyhydramnion).
- Frühgeburt oder kleines Geburtsgewicht.
- Künstliches Öffnen der Fruchtblase (Amniotomie) bei hochstehendem Kopf.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei jedem Anzeichen eines Nabelschnurvorfalls sofort den Notruf 112 wählen.
- Nach einem Blasensprung mit ungewöhnlichem Druckgefühl oder Vorfall in der Scheide sofort die Klinik aufsuchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Besprechen Sie bei den regulären Schwangerschaftsuntersuchungen besondere Risiken mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
- Wenn Sie eine Risikoschwangerschaft haben, klären Sie, wo die Geburt stattfinden soll.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Klinik von der Ärztin, dem Arzt oder der Hebamme gestellt. Sie ertasten die Nabelschnur bei einer inneren Untersuchung und kontrollieren gleichzeitig die Herztöne des Babys.
Mögliche Untersuchungen
- Innere Untersuchung (Tastbefund).
- Überwachung der kindlichen Herztöne (CTG).
- Ultraschall, wenn eine sichere Diagnose nötig ist.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn ein Nabelschnurvorfall festgestellt wird, geht alles sehr schnell. Sie werden in den Kreißsaal oder OP gebracht. Das medizinische Team bleibt bei Ihnen und erklärt Ihnen, was passiert. Ihr Baby wird so schnell wie möglich entbunden, meist durch einen Kaiserschnitt.
Behandlung
Das Ziel der Behandlung ist, den Druck auf die Nabelschnur zu nehmen und das Baby schnell zu entbinden. Dazu wird die Fruchtblase in der Regel sofort entlastet und die Geburt beschleunigt.
Selbsthilfe zu Hause
- Rufen Sie sofort Hilfe – zögern Sie nicht.
- Fassen Sie die Nabelschnur nicht an und versuchen Sie nicht, sie zurückzuschieben.
- Die Notfallposition (mit hochgelagertem Becken) können Sie einnehmen, wenn das Personal Sie darum bittet.
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt kann mit der Hand den Kopf des Babys anheben, um die Nabelschnur zu entlasten. Oder sie füllen die Blase über einen Katheter mit Flüssigkeit, sodass das Baby angehoben wird. Meist wird sofort ein Kaiserschnitt durchgeführt. Wenn das Baby schon weit im Becken ist und die Geburt sehr schnell vorangeht, kann unter Umständen auch eine vaginale Geburt möglich sein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein Kaiserschnitt (Sectio caesarea) ist fast immer nötig, um das Baby schnell und sicher zu entbinden, wenn die Nabelschnur abgeklemmt ist.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Notfallgeburt erholen Sie sich im Wochenbett. Wenn Sie einen Kaiserschnitt hatten, braucht der Heilungsprozess etwas Zeit. Sie und Ihr Baby werden auf der Station gut betreut.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie Hilfe von Ihrer Familie und Ihrem Umfeld an.
- Gönnen Sie sich Ruhe und schlafen Sie, wann immer es möglich ist.
- Nehmen Sie alle Nachsorgetermine zur Kontrolle war.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und genug Flüssigkeit helfen beim Erholen. Nach einem Kaiserschnitt dürfen Sie erst nach Rücksprache mit dem medizinischen Team Sport treiben. Spaziergänge sind meist schon nach ein paar Tagen möglich, solange Sie sich wohlfühlen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Notsituation bei der Geburt kann Ängste und Belastungen auslösen. Es ist normal, wenn Sie sich nach dem Erlebnis überfordert oder verunsichert fühlen. Sprechen Sie darüber – mit Ihrer Familie, Ihrer Hebamme oder Ihrer Ärztin.
Vorbeugung
Ein Nabelschnurvorfall lässt sich nicht zuverlässig verhindern. Wenn Sie Risikofaktoren kennen, bespricht Ihr Behandlungsteam mit Ihnen, wie die Geburt sicher geplant werden kann. Das frühzeitige Erkennen von Warnzeichen ist der beste Schutz.
Früherkennungsprogramme
Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge werden die Lage des Babys und die Fruchtwassermenge überwacht. Dadurch können manche Risiken erkannt werden, aber ein Nabelschnurvorfall lässt sich nicht vorhersagen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Das Baby erhält zu wenig Sauerstoff.
- Es können Hirnschäden durch Sauerstoffmangel entstehen.
- Im schlimmsten Fall kann das Kind sterben.
Langzeitprognose
Wenn der Nabelschnurvorfall rechtzeitig erkannt und sofort behandelt wird, erholen sich die meisten Babys vollständig und ohne bleibende Schäden. In Deutschland funktioniert die Notfallversorgung sehr gut. Sie können darauf vertrauen, dass das medizinische Team alles dafür tut, dass Ihr Kind gesund zur Welt kommt.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.