Sepsis: Erkennen, handeln, behandeln
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Sepsis ist eine lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Bei einer Sepsis kämpft das Immunsystem nicht nur gegen den Erreger, sondern schädigt dabei die eigenen Organe. Umgangssprachlich wird sie auch „Blutvergiftung“ genannt, obwohl sie nicht immer über eine Wunde entsteht. Jede Infektion – Lunge, Blase, Haut oder Bauch – kann eine Sepsis auslösen.
Wichtige Fakten
- Sepsis ist ein Notfall: Je schneller behandelt wird, desto höher ist die Überlebenschance.
- Sie tritt auf, wenn eine Infektion nicht mehr örtlich begrenzt ist, sondern den ganzen Körper überreagieren lässt.
- Im Krankenhaus wird die Infektionsquelle behandelt und der Kreislauf gestützt– meist auf der Intensivstation.
Sepsis ist häufiger als viele denken. In Deutschland erkranken jedes Jahr mehrere hunderttausend Menschen daran. Sie ist eine der häufigsten Todesursachen in Krankenhäusern, und die Zahl der Erkrankungen steigt.
Jeder Mensch kann eine Sepsis bekommen, unabhängig vom Alter. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder, Menschen über 60 Jahre, Schwangere, Menschen mit chronischen Erkrankungen (z. B. Diabetes, Herz- oder Lungenerkrankungen) und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Symptome
- Starke Atemnot oder sehr schnelle Atmung
- Bewusstlosigkeit oder kaum noch ansprechbar sein
- Kreislaufzusammenbruch: kalter Schweiß, sehr niedriger Blutdruck, blass
- Flecken oder Punkte auf der Haut, die nicht abblassen, wenn man sie mit dem Glas drückt
- Allgemeinzustand plötzlich sehr schlecht – die Person fühlt sich „sterbenselend“
- ⚠Eine Infektion, die sich innerhalb weniger Stunden verschlechtert
- ⚠Fieber mit starkem Krankheitsgefühl und Schwäche
- ⚠Schneller Puls oder schnelle Atmung bei einer Infektion
- ⚠Neu aufgetretene Verwirrtheit oder starke Müdigkeit
Häufige Symptome
- Fieber mit Schüttelfrost
- schneller Puls und schnelle Atmung
- extreme Schwäche, Schwindel oder Ohnmachtsgefühl
- Verwirrtheit, Schläfrigkeit oder Desorientierung
- kalte, blasse oder fleckige Haut
- niedriger Blutdruck, Kreislaufprobleme
Symptome bei Kindern
- hohes Fieber, manchmal auch Untertemperatur statt Fieber
- Teilnahmslosigkeit: Das Kind wirkt schlapp, apathisch oder unansprechbar
- Trinkschwäche bei Säuglingen
- schnelle oder angestrengte Atmung
- Hautausschlag, der sich nicht wegdrücken lässt
- sehr weinerlich oder ungewöhnlich still
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder plötzliche Verschlechterung des Gedächtnisses
- Stürze oder plötzlicher Rückgang der Alltagskompetenz
- Appetitlosigkeit, Antriebslosigkeit oder Teilnahmslosigkeit
- Die Betroffenen haben oft kein Fieber – dann ist Vorsicht geboten
Ursachen
Hauptursachen
- Lungenentzündung (Pneumonie)
- Infektionen der Harnwege oder Nieren
- Infektionen im Bauchraum (z. B. Blinddarmentzündung, Gallenblasenentzündung)
- Hautinfektionen und infizierte Wunden
- Infektionen nach Operationen oder mit Kathetern im Körper
Risikofaktoren
- Sehr junges oder sehr hohes Alter
- Chronische Erkrankungen wie Diabetes, COPD, Herzinsuffizienz oder Nierenerkrankungen
- Geschwächtes Immunsystem durch Krankheit oder Medikamente (z. B. Kortison, Immunsuppressiva)
- Krankenhausaufenthalt auf der Intensivstation, Beatmung, zentrale Katheter
- Offene Verletzungen, großflächige Verbrennungen oder nach Operationen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie den Verdacht auf Sepsis haben, rufen Sie sofort 112 – auch nachts oder am Wochenende.
- Bei Atemnot, Verwirrtheit, Kreislaufschwäche oder deutlich verändertem Bewusstseinszustand.
- Wenn ein Kind oder ein älterer Mensch plötzlich nicht richtig ansprechbar ist oder sich sehr schnell verschlechtert.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei einer Infektion, die nach mehreren Tagen nicht besser wird.
- Wenn Sie sich ungewöhnlich erschöpft fühlen und zusätzlich Fieber oder Schmerzen haben.
- Wenn eine chronische Erkrankung vorliegt und sich Ihr Allgemeinzustand verschlechtert.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin misst als Erstes Blutdruck, Puls, Atmung, Temperatur und Sauerstoffsättigung. Bei Verdacht auf Sepsis erfolgt sofort eine Blutuntersuchung. Auch andere Proben (Urin, Wundabstrich, Abstriche) werden genommen, um den Ort der Infektion zu finden. Die Kriterien für die Diagnose sind in der AWMF-Leitlinie zur Sepsis festgelegt.
Mögliche Untersuchungen
- Blutkultur: Eine Blutprobe, um den Erreger nachzuweisen
- Blutbild und Entzündungswerte (z. B. CRW, Procalcitonin)
- Milchsäure (Laktat) im Blut – ein Marker für schlechte Durchblutung
- Urintest, Röntgen der Lunge, Ultraschall oder CT
- Messung der Sauerstoffsättigung und Herzstrom (EKG)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Im Krankenhaus wird die Sepsis sofort behandelt – Sie kommen meist auf eine Überwachungsstation. Es werden Infusionen gelegt, Blutdruck und Herzschlag kontinuierlich überprüft. Sie werden in einfachen Worten über jeden Schritt informiert. Angehörige können Sie anrufen, Besuchszetten auf der Intensivstation sind aber oft beschränkt.
Behandlung
Sepsis wird immer im Krankenhaus behandelt – meist auf der Intensivstation. Ziel ist die Bekämpfung der Infektion und die Stabilisierung der Organe. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Aussichten. Die Behandlung folgt der S3-Leitlinie der AWMF.
Selbsthilfe zu Hause
- Befolgen Sie alle Anweisungen des Krankenhausteams – auch wenn Sie sich schneller besser fühlen.
- Fragen Sie nach physiotherapeutischen Übungen, um während des Krankenhausaufenthalts Kräfte zu erhalten.
- Besprechen Sie Schmerzen oder Beschwerden mit dem Pflegepersonal – nicht Medikamente auf eigene Faust ändern.
- Nehmen Sie nach der Entlassung ausreichend Getränke zu sich, wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin nichts anderes empfiehlt.
Medizinische Behandlungen
In der Klinik werden Medikamente gegeben, die gegen die auslösenden Erreger wirken (Antibiotika). Zusätzlich werden Infusionen, Sauerstoff und Kreislaufstabilisierende Medikamente eingesetzt. Bei schwerer Atemkrise kann eine Beatmung nötig sein. Die Auswahl der Medikamente trifft das behandelnde Team individuell – auf die Nennung von Medikamentennamen wird hier bewusst verzichtet.
Wann kommt eine Operation infrage?
Manchmal muss die Infektionsquelle entfernt oder entlastet werden – z. B. bei einem Abszess (Eiteransammlung), einer infizierten Gelenksprothese oder bei starken Entzündungen im Bauchraum. Ein chirurgischer Eingriff kann Leben retten und die Sepsis eindämmen.
Leben mit der Erkrankung
Die Erholung nach einer Sepsis dauert häufig Wochen bis Monate. Viele Betroffene leiden an Erschöpfung, Muskelschwäche, Konzentrations- oder Gedächtnisproblemen. Planen Sie kleine, realistische Ziele und gönnen Sie sich regelmäßige Ruhepausen. Eine Rehabilitationsmaßnahme kann helfen, wieder Kraft zu schöpfen.
Tipps für den Alltag
- Steigern Sie Ihre Aktivität langsam, z. B. mit kurzen Spaziergängen.
- Planen Sie feste Ruhezeiten ein – Ihr Körper braucht Zeit zur Heilung.
- Verzichten Sie auf Rauchen und übermäßigen Alkohol, das belastet Leber und Kreislauf.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Eiweiß unterstützt die Zellheilung. Richten Sie Ihre Bewegung nach Ihrem aktuellen Energielevel: Leichte Alltagsaktivität ist gut, überlasten Sie sich aber nicht. Hören Sie auf die Signale Ihres Körpers.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Sepsis ist ein einschneidendes Erlebnis. Angst, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen oder wiederkehrende Erinnerungen sind häufige Begleiterscheinungen. Es ist ganz normal, nach einer solchen Krankheit seelisch belastet zu sein. Professionelle psychologische Hilfe ist eine wichtige Unterstützung – zögern Sie nicht, sie zu suchen.
Vorbeugung
Viele Sepsis-Fälle lassen sich durch eine gute Infektionsprävention vermeiden: gründliches Händewaschen, richtige Wundreinigung und -desinfektion sowie das ernstnehmen von Infektionszeichen. Lassen Sie Infektionen nicht zu lange unbehandelt.
Impfungen
Impfen schützt vor schweren Infektionsverläufen. Empfohlen werden nach STIKO u. a. Impfungen gegen Grippe, COVID-19, Pneumokokken und ggf. Meningokokken. Lassen Sie sich in Ihrer Hausarztpraxis beraten, ob Ihr Impfschutz aktuell ist.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Früherkennungsprogramm für Sepsis. Am wichtigsten ist, die Warnzeichen zu kennen und bei einer Infektion frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere Schädigung von Organen wie Nieren, Lunge, Leber oder Herz
- Langanhaltende körperliche Erschöpfung und Muskelschwäche (post-sepsis Syndrom)
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Psychische Folgen wie Angst oder posttraumatische Belastungsstörung
- In schweren Fällen Amputationen oder Tod
Langzeitprognose
Wenn die Sepsis frühzeitig erkannt und konsequent behandelt wird, überleben die meisten Patienten – viele auch ohne bleibende Schäden. Manche haben nach der Entlassung noch Beschwerden, aber eine strukturierte Reha kann die Regeneration deutlich verbessern. Sprechen Sie offen mit Ihrem Behandlungsteam darüber, was Ihnen jetzt hilft.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Sepsis-Stiftung ↗ · Deutschland
- Deutsche Sepsis-Gesellschaft ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.