Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) – verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall) ist eine Erkrankung, bei der das körpereigene Abwehrsystem die Haarwurzeln angreift. Dadurch fallen Haare meist in runden oder ovalen Flecken an der Kopfhaut aus. Die Haare können von selbst wieder nachwachsen. Die Erkrankung ist nicht ansteckend.
Wichtige Fakten
- Das Immunsystem greift die Haarwurzeln an.
- Die haarlosen Stellen sind meist rund, glatt und gut abgegrenzt.
- In vielen Fällen wachsen die Haare ohne Behandlung wieder nach.
Alopecia areata ist nicht selten. Etwa 1 bis 2 von 100 Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens daran.
Sie kann in jedem Alter auftreten. Häufig beginnt sie im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter. Männer und Frauen sind etwa gleich oft betroffen.
Symptome
- Alopecia areata selbst ist kein Notfall. Rufen Sie aber sofort 112 an, wenn gleichzeitig schwere allergische Reaktionen auftreten – zum Beispiel Anschwellen von Gesicht oder Zunge, Atemnot oder ein schwerer Hautausschlag.
- ⚠Wenn kahle Stellen innerhalb weniger Tage sehr groß werden oder sich viele neue Herde bilden.
- ⚠Wenn die Haut an den betroffenen Stellen stark gerötet, schuppig oder nässend ist.
- ⚠Wenn Sie zusätzlich allgemeines Krankheitsgefühl oder Fieber haben.
Häufige Symptome
- Runde, glatte kahle Stellen auf der Kopfhaut
- Vereinzeltes Kribbeln oder Jucken an den betroffenen Stellen
- Haare, die wie kurze Stoppeln abbrechen
- Auch Augenbrauen, Wimpern oder Bart können mitbetroffen sein
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern zeigen sich oft einzelne kahle Flecken am Hinterkopf.
- Die Haare wachsen häufig nach einiger Zeit von selbst wieder nach.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im Alter sind die haarlosen Stellen oft kleiner.
- Der Verlauf ist häufig milder, und die Haare wachsen oft gut nach.
Ursachen
Hauptursachen
- Die eigenen Abwehrzellen attackieren fälschlicherweise die Haarfollikel (Haarwurzeln).
- Die entstandene Entzündung stoppt das Haarwachstum.
- Der genaue Auslöser ist noch nicht vollständig geklärt.
Risikofaktoren
- Erbliche Veranlagung – in manchen Familien tritt die Erkrankung häufiger auf.
- Andere Autoimmunerkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen.
- Starke seelische Belastungen oder Stress.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn sich der Haarausfall sehr schnell ausbreitet.
- Wenn Sie zusätzlich starke Hautveränderungen oder Entzündungszeichen bemerken.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie einen kahlen Fleck länger als einige Wochen bemerken.
- Wenn Sie sich mit dem Haarausfall unwohl fühlen oder Fragen haben.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt betrachtet die betroffenen Stellen genau und fragt nach Ihrer Krankengeschichte. Aus dem typischen Erscheinungsbild lässt sich die Diagnose meist sicher stellen. Dabei orientieren sich Fachleute an der aktuellen Leitlinie der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Mögliche Untersuchungen
- Kurzer Zug an den Haaren (Haarzugtest): Dabei wird geprüft, ob sich Haare ungewöhnlich leicht ausreißen lassen.
- Blutuntersuchung: Bestimmung von Antikörpern, zum Beispiel gegen die Schilddrüse, um Begleiterkrankungen zu finden.
- Bei unklarem Befund wird eine kleine Hautprobe (Biopsie) entnommen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose wird in der Regel ambulant gestellt. Sie müssen nicht ins Krankenhaus. Die weitere Betreuung erfolgt meist beim Hausarzt oder Hautarzt.
Behandlung
Ziel ist, das Haarwachstum anzuregen und die Entzündungsreaktion zu bremsen. Es gibt verschiedene Ansätze, die oft gut verträglich sind. Welche Behandlung für Sie passt, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Waschen Sie Haare und Kopfhaut sanft mit milden Produkten.
- Vermeiden Sie enge Frisuren wie straffe Zöpfe oder ständiges Ziehen an den Haaren.
- Schützen Sie kahle Stellen mit einem Hut oder einer Kopfbedeckung vor der Sonne.
- Versuchen Sie, Stresssituationen zu reduzieren.
Medizinische Behandlungen
Mögliche ärztliche Behandlungen sind zum Beispiel örtliche Therapien, die auf die Haut aufgetragen werden, entzündungshemmende Spritzen in die betroffenen Stellen, Lichtbehandlungen oder Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen. Diese werden individuell auf Sie abgestimmt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Alopecia areata nur in seltenen Sonderfällen zu erwägen, etwa bei kleinen, sehr hartnäckigen Flecken. Ein Spezialist für Haarerkrankungen kann das genauer einschätzen.
Leben mit der Erkrankung
Halten Sie sich nicht aus Angst vor neuen Flecken zu Hause versteckt. Auch wenn die Krankheit in Schüben verläuft, gibt es oft längere Phasen mit dichtem Haar. Freunde und Familie können ein wichtiger Halt sein.
Tipps für den Alltag
- Sprechen Sie offen über Ihre Gefühle, wenn Sie das möchten.
- Nutzen Sie Perücken, Tücher oder Hüte, wenn Sie sich damit wohler fühlen.
- Nehmen Sie sich Zeit für Dinge, die Ihnen Freude machen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung unterstützen das allgemeine Wohlbefinden. Es gibt keine Belege, dass bestimmte Diäten oder Nahrungsergänzungsmittel den Haarausfall stoppen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Haarausfall kann seelisch sehr belasten und Scham oder Angst auslösen. Das ist verständlich. Wenn der Leidensdruck groß ist, kann die Hilfe einer Psychologin, eines Psychologen oder einer Selbsthilfegruppe sehr sinnvoll sein.
Vorbeugung
Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht. Ein ausgeglichener Lebensstil mit ausreichend Erholung und Stressabbau könnte helfen, Schübe abzumildern.
Impfungen
Gegen Alopecia areata selbst gibt es keine Impfung.
Früherkennungsprogramme
Eine regelmäßige ärztliche Untersuchung der Haut ist sinnvoll, wenn Begleiterkrankungen bekannt sind. Ein spezielles Früherkennungsprogramm gibt es nicht.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die haarlosen Stellen können größer werden oder sich auf den ganzen Kopf ausbreiten.
- Es können immer wieder neue Herde entstehen.
- In seltenen Fällen fällt das gesamte Kopfhaar aus (Alopecia totalis).
Langzeitprognose
Die Aussichten sind meist gut: Bei vielen Menschen wächst das Haar innerhalb eines Jahres von selbst nach. Auch wenn die Erkrankung in Schüben verläuft, lassen sich die meisten Formen mit ärztlicher Begleitung gut behandeln.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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