Avaskuläre Nekrose (Osteonekrose) – Wenn Knochengewebe abstirbt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer avaskulären Nekrose – auch Osteonekrose oder Knocheninfarkt genannt – stirbt Knochengewebe ab, weil es zu wenig Blut bekommt. Ohne Blut versorgt das Gewebe nicht mehr, der Knochen wird instabil und kann einbrechen. Das passiert besonders oft in Gelenken, zum Beispiel in der Hüfte, im Knie oder in der Schulter.
Wichtige Fakten
- Die Krankheit entsteht durch eine gestörte Blutversorgung des Knochens.
- Am häufigsten ist das Hüftgelenk betroffen.
- Früh erkannt, lässt sich das Gelenk oft erhalten.
Die avaskuläre Nekrose ist insgesamt selten. Jährlich erkranken in Deutschland vermutlich nur einige tausend Menschen. Sie ist also keine häufige Gelenkerkrankung.
Sie tritt meist bei Erwachsenen zwischen 30 und 60 Jahren auf, kann aber auch Kinder und ältere Menschen betreffen. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Symptome
- Plötzlicher, sehr starker Schmerz im Gelenk oder Knochen
- Unfähigkeit, das Bein oder den Arm zu bewegen
- Ein Knochenbruch, der mit einem hörbaren Knacken oder sichtbarer Fehlstellung einhergeht
- ⚠Anhaltende oder stärker werdende Gelenkschmerzen, die nicht wieder verschwinden
- ⚠Neu aufgetretenes Hinken oder Schonhaltung
- ⚠Gelenkschmerzen nach einer Verletzung oder unter Kortisonbehandlung
Häufige Symptome
- Schmerzen im betroffenen Gelenk, oft zuerst bei Belastung
- Ruheschmerzen, auch nachts
- Eingeschränkte Beweglichkeit des Gelenks
- Hinken oder Schonhaltung
- Im Frühstadium manchmal kaum Beschwerden
Symptome bei Kindern
- Hinken ohne offensichtlichen Grund
- Schmerzen in der Leiste, im Oberschenkel oder im Knie
- Bewegungseinschränkung im Hüftgelenk
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Gelenkschmerzen beim Gehen oder Aufstehen
- Verschlechterung bei Belastung, Besserung in Ruhe
- Eventuell bereits ein Knochenbruch als erstes Zeichen
Ursachen
Hauptursachen
- Verletzungen, die Blutgefäße im Knochen schädigen
- Langzeitbehandlung mit Kortison (häufigste nicht-traumatische Ursache)
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Chronische Erkrankungen wie Lupus oder Sichelzellanämie
- Strahlen- oder Chemotherapie bei Krebserkrankungen
Risikofaktoren
- Bisherige Kortisonbehandlung, zum Beispiel bei Rheuma oder Asthma
- Alkoholabhängigkeit
- Rauchen (verschlechtert die Durchblutung)
- Hüft- oder andere Gelenkverletzungen in der Vorgeschichte
- Erkrankungen, die die Blutgerinnung oder den Fettstoffwechsel stören
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Gelenkschmerzen, die länger als eine Woche anhalten oder sich verschlimmern
- Schmerzen, die Sie beim Gehen oder bei alltäglichen Tätigkeiten einschränken
- Fieber oder Rötung im Gelenk (kann auf eine Infektion hindeuten)
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie haben eine der genannten Risikofaktoren und bemerken erste Gelenkbeschwerden
- Sie hatten bereits einen Knocheninfarkt und verspüren neue Schmerzen in einem anderen Gelenk
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden, möglichen Risikofaktoren und Vorerkrankungen. Danach folgen eine körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren, um den Knochen und seine Blutversorgung zu beurteilen.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgenaufnahme des Gelenks
- Magnetresonanztomographie (MRT) – kann Knochenveränderungen früher zeigen als das Röntgen
- Knochenszintigraphie, bei der ein schwach radioaktiver Stoff die Durchblutung sichtbar macht
- Computertomographie (CT) in besonderen Fällen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ein Termin beim Hausarzt oder in einer orthopädischen Praxis ist meist der erste Schritt. Dort wird geklärt, ob eine Überweisung zum Facharzt oder in ein spezialisiertes Zentrum sinnvoll ist. Bei der Untersuchung müssen Sie oft einige Zeit still liegen. Die Verfahren schmerzen nicht.
Behandlung
Die Behandlung hängt vom Stadium der Erkrankung ab, vom betroffenen Gelenk und von Ihrem Alter. Ziel ist es, den Knochen zu erhalten, Schmerzen zu lindern und die Gelenkfunktion so lange wie möglich zu bewahren. In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte an den Leitlinien der AWMF.
Selbsthilfe zu Hause
- Entlasten Sie das betroffene Gelenk – zum Beispiel mit Krücken
- Vermeiden Sie stark belastende Aktivitäten wie Laufen oder Springen
- Wenden Sie Kälte oder Wärme an, wenn es angenehm ist
- Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie Sie den Alltag anpassen können
Medizinische Behandlungen
Es werden allgemein schmerzlindernde Medikamente eingesetzt – der Arzt oder die Ärztin wählt das passende Präparat und die Dosierung individuell. Physiotherapie hilft, Muskulatur zu stärken und das Gelenk beweglich zu halten. Manche Behandlungen zielen darauf ab, die Durchblutung des Knochens zu verbessern, zum Beispiel durch bestimmte Verfahren, die in spezialisierten Zentren angeboten werden. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt erklärt Ihnen dazu gerne mehr.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt infrage, wenn die konservative Behandlung nicht ausreicht oder der Knochen bereits eingesunken ist. Manchmal wird der Knochen angebohrt, um die Durchblutung anzuregen. In fortgeschrittenen Fällen kann ein künstliches Gelenk (Prothese) eingesetzt werden, um Schmerzen zu beenden und die Beweglichkeit wiederherzustellen.
Leben mit der Erkrankung
Achten Sie auf Ihren Körper und gönnen Sie sich Pausen. Planen Sie den Alltag so, dass Sie Gelenke nicht unnötig belasten. Das bedeutet nicht, auf alles zu verzichten – aber Sie dürfen sich Zeit nehmen und Unterstützung annehmen.
Tipps für den Alltag
- Reduzieren Sie Alkohol und rauchen Sie nicht
- Nehmen Sie verordnete Medikamente nur wie mit dem Arzt besprochen – besonders Kortison
- Halten Sie Ihr Gewicht im normalen Bereich, um Gelenke zu entlasten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und genügend Kalzium und Vitamin D ist gut für die Knochen. Bewegung ist erlaubt und empfohlen, solange sie nicht schmerzt. Ideal sind sanfte Aktivitäten wie Schwimmen, Radfahren oder Wassergymnastik. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, welche Übungen für Sie passen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit können belasten – seelisch und körperlich. Es ist normal, dann traurig oder ängstlich zu sein. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Hausarzt oder einer psychologischen Beratungsstelle. Hilfe zu suchen ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.
Vorbeugung
Man kann nicht alle Ursachen verhindern, aber Sie können Ihr Risiko senken: Vermeiden Sie übermäßigen Alkohol, rauchen Sie nicht, und besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob eine Kortisonbehandlung wirklich nötig ist und in der niedrigsten wirksamen Dosis erfolgen kann. Auch eine gute Behandlung von Grunderkrankungen schützt die Knochen.
Impfungen
Es gibt keinen Impfstoff gegen avaskuläre Nekrose. Allgemeine Impfungen, etwa gegen Pneumokokken, sind bei Grunderkrankungen dennoch sinnvoll – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein Routine-Screening. Menschen mit deutlich erhöhtem Risiko, zum Beispiel durch Kortison oder Alkohol, sollten bei Gelenkschmerzen frühzeitig ärztlichen Rat suchen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Einbrechen der Knochenoberfläche im Gelenk
- Gelenkverschleiß (Arthrose)
- Chronische Schmerzen und Bewegungseinschränkung
- Dauerhafte Behinderung im Alltag
Langzeitprognose
Die Prognose ist bei frühzeitiger Erkennung und Behandlung heutzutage gut. Viele Menschen bleiben lange beweglich und beschwerdefrei. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto größer die Chance, das eigene Gelenk zu erhalten. Auch wenn später eine Prothese nötig wird – moderne Operationen haben hohe Erfolgsraten und verbessern die Lebensqualität erheblich.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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