Netzhautvenenverschluss (Retinale Venenokklusion)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Netzhautvenenverschluss ist eine Blockade einer kleinen Vene in der Netzhaut – der lichtempfindlichen Schicht im hinteren Teil des Auges. Dadurch staut sich das Blut, Flüssigkeit tritt aus und die Netzhaut wird geschädigt. Das kann zu plötzlicher Sehverschlechterung auf einem Auge führen.
Wichtige Fakten
- Tritt meist plötzlich auf und betrifft oft nur ein Auge.
- Die häufigste Ursache ist eine Gefäßerkrankung wie Bluthochdruck oder Diabetes.
- Mit rechtzeitiger Behandlung kann die Sehkraft oft erhalten oder verbessert werden.
Es ist eine der häufigsten Gefäßerkrankungen der Netzhaut, vor allem bei Menschen über 60 – aber nicht so häufig wie eine Altersabhängige Makuladegeneration oder ein grüner Star.
Betroffen sind meist ältere Erwachsene, besonders Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhten Blutfettwerten. In seltenen Fällen kann es auch bei jüngeren Menschen auftreten.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust auf einem Auge
- Plötzlich auftretender Schleier oder Schatten, der nicht verschwindet
- ⚠Neu auftretende Sehstörungen, die nicht binnen weniger Stunden von selbst zurückgehen
- ⚠Starkes Verschwimmen oder Verzerren des Sehens auf einem Auge
Häufige Symptome
- Plötzlich verschwommenes Sehen auf einem Auge
- Dunkler Fleck oder Schatten im Gesichtsfeld
- Verzerrtes Sehen (gerade Linien wirken wellig)
- Gefühl, als würde ein Schleier vor dem Auge hängen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist ein Netzhautvenenverschluss sehr selten, die Symptome sind ähnlich: plötzliche Sehverschlechterung auf einem Auge. Hier sollte sofort eine Augenärztin oder ein Augenarzt aufgesucht werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen bemerken oft einen plötzlichen, deutlichen Sehverlust, der sie im Alltag stark beeinträchtigt. Begleitende Gefäßerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes sind häufig.
Ursachen
Hauptursachen
- Verschluss durch ein Blutgerinnsel oder eine Verengung der Vene – dadurch kann das Blut nicht mehr richtig abfließen
- Dabei staut sich das Blut, Flüssigkeit und Blutfette treten in die Netzhaut über und schädigen die Sehzellen
Risikofaktoren
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Diabetes mellitus
- Erhöhte Blutfette (Fettstoffwechselstörung)
- Erhöhter Augeninnendruck (Glaukom / Grüner Star)
- Rauchen
- Übergewicht und Bewegungsmangel
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher Sehverschlechterung, besonders auf einem Auge – sofort die Notaufnahme oder den Augenarzt aufsuchen
- Bei neu auftretenden dunklen Flecken oder Gesichtsfeldausfällen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie zu den Risikogruppen gehören (Bluthochdruck, Diabetes), sollten Sie regelmäßig untersuchen lassen, auch ohne Beschwerden
- Bei bekannten Netzhauterkrankungen oder nach einem Verschluss sind Kontrolltermine beim Augenarzt nötig
Diagnose
Die Diagnose stellt ein Augenarzt oder eine Augenärztin. Mit einer Augenspiegelung, bei der die Netzhaut mit einem speziellen Gerät angeschaut wird, ist der Verschluss meist deutlich zu erkennen. Die Untersuchung richtet sich nach den aktuellen medizinischen Leitlinien, einschließlich der AWMF-Leitlinie.
Mögliche Untersuchungen
- Augenspiegelung (Ophthalmoskopie)
- Optische Kohärenztomographie (OCT) – ein schmerzfreier Scan, der die Netzhautschichten zeigt und Wassereinlagerungen erkennt
- Fluoreszenzangiografie – eine Kontrastmittel-Untersuchung, um die Blutgefäße der Netzhaut darzustellen
- Sehtest und Gesichtsfeldmessung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert in der Regel etwa 30 Minuten. Sie bekommen Augentropfen, die die Pupille weiten, damit der Arzt die Netzhaut gut sehen kann. Das kann kurz etwas brennen und das Sehen für einige Stunden verschwimmen lassen. Die Untersuchung selbst ist schmerzfrei.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Form des Verschlusses und davon ab, wie stark die Netzhaut geschädigt ist. Das Ziel ist, die Sehkraft zu erhalten, die Schwellung zu reduzieren und Folgeschäden wie einen erhöhten Augeninnendruck zu verhindern.
Selbsthilfe zu Hause
- Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck, Blutzucker und Blutfette regelmäßig und nehmen Sie verordnete Medikamente zuverlässig ein
- Rauchen Sie nicht, denn Rauchen schädigt die Gefäße zusätzlich
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung
- Vereinbaren Sie regelmäßige Kontrolltermine beim Augenarzt, auch nach dem Akutereignis
Medizinische Behandlungen
Es gibt Behandlungsmöglichkeiten, die die Schwellung der Netzhaut lindern: Dabei werden Medikamente mit einer feinen Nadel in den Glaskörper des Auges gespritzt. Diese Behandlung wird je nach Verlauf wiederholt. Auch eine Laserbehandlung der Netzhaut kann eingesetzt werden, um krankhafte Gefäße zu verschließen und Wassereinlagerungen zu vermeiden. Die Wahl der Therapie trifft die Augenärztin oder der Augenarzt individuell.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen nötig, zum Beispiel wenn sich eine Blutung in den Glaskörper oder eine Netzhautablösung entwickelt. Ihr Augenarzt wird das ausführlich mit Ihnen besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag können Sehhilfen wie starke Lupen oder vergrößernde Bildschirme helfen. Bei stärkeren Sehbeeinträchtigungen gibt es spezielle Rehabilitationsangebote, die Ihnen helfen, Ihren Alltag anzupassen und sicher zu bewältigen.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie Ihre Gefäßrisiken im Zaum: Blutdruck, Blutzucker und Blutfette
- Bewegen Sie sich regelmäßig – zum Beispiel zügiges Spazierengehen oder Radfahren
- Rauchen aufgeben und Alkohol nur in Maßen
- Schlafen Sie ausreichend und gönnen Sie Ihren Augen Pausen, zum Beispiel bei Bildschirmarbeit
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt die Gefäße. Auch regelmäßige moderate Bewegung – am besten 30 Minuten an den meisten Tagen – hilft, die Durchblutung zu verbessern und das Risiko für weitere Gefäßereignisse zu senken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine plötzliche Sehverschlechterung kann sehr belastend sein. Angst, Frustration und Unsicherheit sind normal. Suchen Sie sich Unterstützung – zum Beispiel bei Ihrem Hausarzt oder einer psychologischen Beratungsstelle. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen.
Vorbeugung
Ein Netzhautvenenverschluss lässt sich nicht immer verhindern, aber Sie können Ihr Risiko deutlich senken, indem Sie Gefäßerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes frühzeitig behandeln lassen.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören, sind regelmäßige Augenuntersuchungen wichtig – auch ohne Beschwerden. Fragen Sie Ihren Hausarzt oder Augenarzt, in welchen Abständen Kontrollen empfohlen werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Sehminderung oder Erblindung des betroffenen Auges
- Makulaödem – Wassereinlagerung im Bereich des schärfsten Sehens (gelber Fleck)
- Neovaskularisation – krankhaftes neues Gefäßwachstum in der Netzhaut
- Erhöhter Augeninnendruck (sekundäres Glaukom)
- Netzhautablösung oder Glaskörperblutung
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen Behandlung kann bei vielen Betroffenen eine deutliche Besserung erreicht werden, manchmal bildet sich die Schwellung spontan zurück. Die Sehkraft verbessert sich bei etwa einem Drittel der Patienten deutlich, weitere Drittel bleiben stabil oder bessern sich teilweise. Ihre Ärzte werden gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Behandlungs- und Nachsorgeplan erstellen – es gibt gute Gründe, hoffnungsvoll zu bleiben.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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