Sehnerventzündung (Optikusneuritis)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Sehnerventzündung, auch Optikusneuritis genannt, ist eine Entzündung des Sehnervs. Der Sehnerv verbindet das Auge mit dem Gehirn und ist wichtig für das Sehen. Bei einer Entzündung schwillt der Nerv an und kann seine Aufgabe nicht mehr richtig erfüllen. Das führt zu Sehstörungen und manchmal zu Schmerzen im Auge.
Wichtige Fakten
- Betrifft meist nur ein Auge, kann aber auch beide Augen betreffen.
- Tritt häufig bei jungen Erwachsenen auf und ist bei Frauen häufiger.
- Kann mit Multipler Sklerose zusammenhängen, aber auch andere Ursachen sind möglich. Die meisten Betroffenen erholen sich gut.
Eine Sehnerventzündung ist nicht sehr häufig, zählt aber zu den wichtigsten Ursachen für plötzliche Sehstörungen bei jungen Erwachsenen.
Sie betrifft überwiegend Frauen zwischen 20 und 40 Jahren, kann aber in jedem Alter und bei Männern auftreten.
Symptome
- Plötzlicher vollständiger Sehverlust auf einem oder beiden Augen
- Starke Sehstörungen zusammen mit heftigen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen
- Augenverletzung mit Sehveränderung
- ⚠Neue oder sich verschlechternde Sehstörungen
- ⚠Starke oder dauerhafte Schmerzen beim Bewegen des Auges
- ⚠Doppelbilder oder anhaltend verschwommenes Sehen
Häufige Symptome
- Schmerzen hinter dem Auge, besonders bei Bewegungen des Auges
- Verschwommenes oder milchiges Sehen
- Farben wirken blass oder weniger kräftig
- Kontraste und Konturen sind schwerer zu erkennen
- Meist ist nur ein Auge betroffen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern tritt die Sehnerventzündung seltener auf und betrifft häufiger beide Augen.
- Sie kommt oft im Zusammenhang mit einer Infektion oder Impfung vor.
- Kinder berichten seltener über Schmerzen, dafür fällt oft eine vorübergehende Sehschwäche auf.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen ist eine Sehnerventzündung seltener; andere Augenerkrankungen sind wahrscheinlicher.
- Der Verlauf kann schwerer sein und die Erholung dauert oft länger.
- Ein Zusammenhang mit Multipler Sklerose ist bei älteren Menschen weniger häufig.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Entzündung entsteht meist durch eine Fehlreaktion des Immunsystems, das den eigenen Sehnerv angreift.
- Sie kann im Rahmen einer Multiplen Sklerose auftreten, einer Erkrankung, bei der das Nervensystem angegriffen wird.
- Seltener sind Infektionen, Gefäßerkrankungen oder andere entzündliche Erkrankungen die Ursache.
Risikofaktoren
- Alter zwischen 20 und 40 Jahren
- Weibliches Geschlecht
- Bekannte Multiple Sklerose oder eine andere Autoimmunerkrankung
- Rauchen kann das Risiko erhöhen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich schlechter sehen oder ein Auge schmerzt, suchen Sie noch am selben Tag eine Augenarztpraxis oder eine Notaufnahme auf.
- Wenn sich Ihre Sehstörungen innerhalb weniger Stunden verschlimmern.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie bereits wegen einer Sehnerventzündung in Behandlung sind und zur Kontrolluntersuchung müssen.
- Wenn sich das Sehvermögen nach einer Behandlung nicht wie erwartet bessert.
Diagnose
Die Diagnose stellt in der Regel eine Augenärztin oder ein Augenarzt. Sie werden ausführlich untersucht, und oft ist auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes nötig, um den Sehnerv zu beurteilen und andere Erkrankungen auszuschließen.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest mit Prüfung der Sehschärfe, des Farbsehens und des Kontrastsehens
- Augenspiegelung, um den Augenhintergrund zu betrachten
- Gesichtsfeldmessung, um die seitliche Sicht zu prüfen
- Elektrophysiologische Untersuchung (VEP), misst die Nervenleitung des Sehnervs
- Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes mit Kontrastmittel
- Blutuntersuchungen, um andere Ursachen auszuschließen
- Bei Bedarf eine Nervenwasserprobe (Lumbalpunktion), um eine begleitende Nervenerkrankung genauer einzustufen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und dauern nicht lange. Sie erhalten vor jedem Schritt eine Erklärung und können Fragen stellen. Manche Untersuchungen, wie die Lumbalpunktion, benötigen etwas Vorbereitung und Nachbeobachtung – die Ärztin oder der Arzt bespricht das vorher mit Ihnen.
Behandlung
Eine Sehnerventzündung bildet sich oft auch ohne Behandlung zurück. Um die Erholung zu beschleunigen und das Risiko für bleibende Schäden zu verringern, wird häufig eine entzündungshemmende Behandlung mit Kortison empfohlen. Wichtig ist außerdem, die zugrunde liegende Ursache zu erkennen und zu behandeln.
Selbsthilfe zu Hause
- Schonen Sie Ihre Augen, machen Sie bei Bildschirmarbeit regelmäßig Pausen.
- Bei Schmerzen am Auge können kühle, feuchte Kompressen auf dem geschlossenen Auge angenehm sein.
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und versuchen Sie, Stress zu reduzieren.
- Geben Sie sich Zeit – die Erholung kann Wochen bis Monate dauern.
Medizinische Behandlungen
Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt kann eine vorübergehende Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten (Kortisonpräparaten) verordnen, meist als Infusion über mehrere Tage. Diese Medikamente wirken direkt auf die Entzündung und sind kein Schmerzmittel. Bei einer Multiplen Sklerose kann außerdem eine schubvorbeugende Therapie empfohlen werden, um weitere Sehnerventzündungen zu vermeiden. Die Auswahl der Therapie erfolgt individuell in Absprache mit dem Behandlungsteam.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer klassischen Sehnerventzündung in der Regel nicht erforderlich.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag können Sehstörungen Unsicherheiten verursachen, zum Beispiel beim Autofahren oder am Arbeitsplatz. Planen Sie mehr Zeit ein und nutzen Sie Hilfsmittel wie gute Beleuchtung, größere Schriften oder eine Lupe, bis sich das Sehen bessert. Besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, wann Sie wieder Auto fahren dürfen.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie sich regelmäßig Ruhepausen für Ihre Augen.
- Vermeiden Sie Rauchen, da dies die Nervengesundheit beeinträchtigen kann.
- Suchen Sie sich Unterstützung bei Familie, Freunden oder in einer Selbsthilfegruppe.
- Achten Sie auf Veränderungen Ihres Sehens und sprechen Sie zeitnah mit Ihrem Behandlungsteam.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und vollwertigen Lebensmitteln unterstützt die allgemeine Gesundheit. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Radfahren ist in der Regel möglich, sobald Sie sich körperlich wohlfühlen. Bei Unsicherheiten fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wenn das Sehen plötzlich schwächer wird, löst das oft Angst, Traurigkeit oder Hilflosigkeit aus. Diese Gefühle sind normal und ernst zu nehmen. Holen Sie sich Unterstützung, zum Beispiel bei einer psychologischen Beratung oder in einer Selbsthilfegruppe. Auch das offene Gespräch mit Familie und Freunden kann entlasten.
Vorbeugung
Eine Sehnerventzündung lässt sich nicht gezielt verhindern. Wenn eine Multiple Sklerose vorliegt, kann eine konsequente schubvorbeugende Therapie das Risiko für weitere Sehnerventzündungen senken. Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, ausgewogener Ernährung und Nichtrauchen wirkt sich insgesamt günstig aus.
Impfungen
Allgemeine Impfungen nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sind bei einer Sehnerventzündung in der Regel möglich und sinnvoll. Ob und wann geimpft wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt in Ihrem persönlichen Fall.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine spezielle Vorsorgeuntersuchung für eine Sehnerventzündung. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind jedoch sinnvoll, besonders wenn Sie bereits einmal eine Sehnerventzündung hatten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Das Sehvermögen kann dauerhaft eingeschränkt bleiben.
- Wiederholte Sehnerventzündungen können den Sehnerv langfristig schädigen.
- Bei einer zugrunde liegenden Multiplen Sklerose können unerkannt weitere Schübe auftreten.
Langzeitprognose
Die Prognose ist in den meisten Fällen gut. Rund zwei von drei Betroffenen erholen sich weitgehend, auch wenn die Sehschärfe nicht immer vollständig den Ausgangswert erreicht. Bei einer Multiplen Sklerose kann eine frühzeitige Therapie den Verlauf günstig beeinflussen. Mit heutigen Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele Wege, den Sehnerv und die Lebensqualität langfristig zu schützen.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.